American Horror Stories

Wir leben mitten im goldenen Serienzeitalter, die Phasen der Revolution und des Booms sind nun schon ein Weilchen her. Die Revolution im TV-Seriengeschäft war vorrangig eine inhaltliche, Formate waren nicht neu, wohl aber Inhalte und Grenzüberschreitungen. Zuerst wurden Figuren und Geschichten komplexer, dann die Themen gewagter, Tabus wurden gebrochen und Sehgewohnheiten torpediert. Als der Zuschauer das annahm und zudem noch bereits war, über das Free-TV hinaus für mehr Qualität zu bezahlen, begann der Serienboom. Doch der Serienboom allein war nicht nur ein Konkurrenzkampf der Anbieter, auch eine Besetzung von Nischen und Subgenres, bestenfalls eine Verknüpfung derer, um aus Zielgrüppchen Zielgruppen zu machen.

Die kleine Genrefibel Teil 59: Der Vampirfilm

„Mein liebes Mägdchen glaubet beständig steif und feste, an die gegebnen Lehren der immer frommen Mutter; als Völker an der Theyse an tödtliche Vampiere heyduckisch feste glauben. Nun warte nur Christianchen, du willst mich gar nicht lieben; ich will mich an dir rächen, und heute in Tockayer zu einem Vampir trinken. Und wenn du sanfte schlummerst, von deinen schönen Wangen den frischen Purpur saugen. Alsdenn wirst du erschrecken, wenn ich dich werde küssen und als ein Vampir küssen: wenn du dann recht erzitterst und matt in meine Arme, gleich einer Todten sinkest alsdenn will ich dich fragen, sind meine Lehren besser, als deiner guten Mutter?“

It is about the bunny!

Is it future or is it past? Am 01. Dezember 2010 kehrte TWIN PEAKS endlich wieder zurück auf den Fernsehbildschirm, fast 20 Jahre nach Erstausstrahlung. Es sollte ein lang erwartetes Wiedersehen mit den geliebten Figuren jener idyllischen Kleinstadt im Nordosten Washingtons werden: Bobby Briggs hat bereits ein paar graue Haare, die Log Lady trägt weiterhin ihren prophetischen Holzscheit, Audrey Horne ist inzwischen Bibliothekarin und die tote Laura Palmer ist mit dem ebenfalls verstorbenen Orchideenzüchter Harold Smith verheiratet. Auch Leland Palmer ist zurück und trägt wieder eine schneeweiße Haarpracht. Und erneut gibt es einen Mordfall, das Opfer heißt Paula Merral, auch sie wurde eingewickelt in Plastikfolie gefunden. Nur ist sie nun die Tochter von Bobby Briggs, der vor Trauer am Seeufer zusammenbricht, als er von ihrem Tod erfährt: „Paula, oh Paula!“

Fantasy Filmfest 2017 Quick’n’Dirty

Das FANTASY FILMFEST 2017 in Berlin war durch und durch ein politisches Filmfestival. Bis gestern durfte man dort seine Stimmzettel in die Urne werfen. Genützt hat es alles nix, keiner der Filme aus dem Fresh Blood Wettbewerb konnte in den Bundestag einziehen. Stattdessen geht´s dort nun mit Fear Good Policy weiter. Aber das hat uns hier in der Blase nur bedingt zu interessieren. Wir lassieren Püree…nee, revüren Passe, verdammt nochmal, lassen Revue passieren, mein Gott! Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein randvolles Quick`n`Dirty mit Highlights des 31. FANTASY FILMFESTES. Gleich vorweg, 2017 ist ein hervorragender Jahrgang für den internationalen Genrefilm und das Programm um einiges bemerkenswerter als letztes Jahr zum Jubiläum. Darum gibt es auch die volle Wundertüte mit stolzen 15 Filmen in Kurzreviews.

Die kleine Genrefibel Teil 58: Big Disaster

Im Jahre 2017 des Herrn scheint nun das einzutreten, was das Jahr 2012 versprochen, aber nicht gehalten hat – der Weltuntergang. Vom internationalen Politmakakentum mal abgesehen spielt vor allem die Natur verrückt. Kältewelle in Europa durch Orkan Axel, Waldbrände in Portugal, Tsumani vor Grönland, Hurrikan Irma und Maria, Erdbeben in Mexico. Raue Klimen, Leute! Wenn vom Himmel kindskopfgroße Hagelkörner fallen, die Felder mit ihren Salatköpfen verdörren, die Flüsse über die Ufer treten und das Umland verflüssigen, Stürme die Photovoltaikanlagen auf links drehen und Dauerregen die Luftschutzbunker flutet, wenn die Sonne die Haut zu Leder verbrennt, die Vöglein aufhören zu singen und die Fische an den Stränden stranden, dann Freunde hat das Ende der Welt begonnen und der Teufel die Schlacht gewonnen. Da hilft dann nur noch Melissenblütenblättertee.

SCHNEEFLÖCKCHEN

Jungs, wir müssen mal wieder…oh fuck, Verzeihung, ich meinte natürlich Jungs und Mädels, wir müssen mal wieder über deutsches Genrekino reden. 27 Jahre nach Helmut Kohls Vision von blühenden Genrelandschaften wird dieser Traum mehr und mehr Wirklichkeit. 2017 ist bislang ein fantastischer Jahrgang für den deutschen Genrefilm, nach der fünften GENRENALE, dem Kinostart von IMMIGRATION GAME und BERLIN FALLING nun auch noch zwei deutsche Genreproduktionen auf dem 31. FANTASY FILMFEST. Da kann man fast schon wieder die alten Weltherrschaftspläne herauskramen. Wer das alles nicht glauben will, kann sich ja auf dem FANTASY FILMFEST eines Besseren belehren lassen, denn mit SCHNEEFLÖCKCHEN von Regisseur Adolfo Kolmerer und Drehbuchautor Arend Remmers läuft dort einer der abgedrehtesten Mindfuckfilme der letzten Dekaden.

31. Fantasy Filmfest

Aller guten Dinge sind drei – Dreierhopp, flotter Dreier, die Heilige Dreifaltigkeit. Und auch das FANTASY FILMFEST geht im Jahr 2017 des Herrn bereits in die dritte Runde. Wie das? Nun ja, nach den WHITE NIGHTS im Januar (mit HUNT FOR THE WILDER PEOPLE, SAFE NEIGHBORHOOD & THE MONSTER) und den regulären NIGHTS im April (mit SWEET, SWEET LONELY GIRL, THE BELKOW EXPERIMENT & THE LIMEHOUSE GOLEM) tourt im September nun das Hauptfestival durch sieben deutsche Städte. Nach dem 30. Jubiläum im letzten Jahr nun also endlich wieder das volle, internationale Genreprogramm, ein Crowd Pleaser zur Eröffnung, 10 neue Fresh Blood Anwärter und endlich auch mal wieder eine Retrospektive. Willkommen zum 31. FFF 2017.

Die kleine Genrefibel Teil 57: Krimi Krimi

Heute wollen wir uns mit etwas beschäftigen, vom dem man nachsagt, es sei des Deutschen Lieblingsgenre, auch wenn das wie ein Oxymoron klingt. Ja, die Deutschen lieben Genre, aber nur die Subgenre, die sie auch mögen. Man hört ja oft, das mit Genre und Deutschland sei ein Drama. Aber ich habe noch keinen Deutschen getroffen, der gesagt hat, er liebe Dramen. Nein, mal ganz ohne Klischees, der Deutsche liebt Pünktlichkeit, Fußball, Kohlrouladen und den Krimi. Das ist wohl Erziehungssache, schon Alfred Hitchcock hat gesagt: „Alle schlechten Eigenschaften entwickeln sich in der Familie – das fängt mit Mord an und geht über Betrug und Trunksucht bis zum Rauchen.“ Aber weiß der Deutsche da eigentlich, was er so liebt? Was ist das überhaupt, der Krimi, dieses lustige, posemuckelige Wort, in dem es doch oft um so grässliche Dinge geht wie…ja genau, Mord!

Schönwetterscript
Script Development XX: Das Wetter im Film

Es herrscht wieder einmal Reizklima in der Misanthroposphäre. Abkömmlinge im Pariser Klimaabkommen, Feinstaub im Cola-Bier-Mischgetränk und Fipronil in jedem siebten Hühnerei. Schlagende Wetter. Da mach ich´s wie die Sonnenuhr, ich zähl die heiteren Stunden nur. Aber auch darauf ist kein Verlass mehr. Klebrige Schwüle unter der Beduinentracht, brennender Asphalt, die Felder verdörren, die Kartoffeln vorwiegend schrumpligkochend, die Katze checkt im Tiefkühlfach ein. Denn sie weiß, gleich kracht es. Dann türmen sich die Wolkenberge übereinander wie Königsberger Riesenklopse und die Superzelle wird zum Megazyklon.

Die kleine Genrefibel Teil 56: VideoSpielFilme

In Los Angeles ist soeben die Electronic Entertainment Expo, kurz E3, zu Ende gegangen, die größte Spielmesse der Welt. Seit 1995 zeigen dort Spielehersteller und Publisher die neusten Trends der Gamesindustrie, vor allem aber neue Spiele. Videospiele sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Zeiten, in denen Gamer als mangelernährte, unterentwickelte Nachtschattengewächse wahrgenommen wurden, sind lange vorbei. Videospiele und Konsolen sind heute ein selbstverständlicher Teil des Unterhaltungsangebotes, welche weltweit fast 100 Milliarden Dollar Umsatz generieren. Noch sind die Umsätze des Filmmarktes insgesamt höher als die der Spielebranche, aber niemand hätte solche Zahlen in den seeligen Tagen des Gameboys oder des Amiga 500 vorausgeahnt. Filme und Games, das scheint ein und dieselbe Erfolgsgeschichte zu sein. Aber Zocker und Cineasten verbinden mit der Kopplung Film und Game meist etwas ganz anderes – die schaurig-schlechte Videospielverfilmung.

Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de