The Changeling

Da ist er wieder, der von Horrorfans am innigsten geliebte Monat des Jahres – der Shocktober. Er liegt zwischen dem septischen Tember und dem nosferatischen November, auch Schlachtmond oder Nebelung genannt. Schon in des Menschen Frühzeit hat sich der selbige mit allerlei Gruseleien verdingt, es war die Zeit der langen Pappnasen und Steuerrückbescheide, purer Horror von der Maas bis an die Memel. Auch vergiftetes Essen wurde gereicht. Bis heut hat sich die Homo Saper den Feinsinn für das Schröckliche bewahrt, im Schocktober werden Horrorfilme zelebriert und vor allem referiert, dass es nur so splattattert. Soll uns Recht sein, da machen wir mit. Doch wagen wir uns tief ins Horrorarchiv vor, wo kaum eine Leich je zuvor war und graben mit stumpfen Nägeln die vergessenen Highlights der Horrorfilmgeschichte frei, die da ungesehen vor sich hinmodern.

Die kleine Genrefibel Teil 67: Medieval

or einer versperzîte huop sich grôz ungemach, daz von manigen recken ûf dem hove geschach. si plâgen ritterschefte durch kurzewîle wân. dô liefen dar durch schouwen vil manic wîp unde man. So steht es geschrieben, also erglotzt Euch nicht, Ihr Beutelschneider, Falschmünzer und Gesindel, auf das man Euch bewerfe mit allerlei feulem Obst und Gemüs. Anall natrach, ut was betat, dochiel dienwe! So lauschet nun das Dekret des Landvogts und zu den Waffen, obde Dreschflegel oder Rußputzer und höret den holden Minnesang, den ich Euch sang über die dunklen Zeiten, den Ständen der Ritterschaft und derer Knecht, der Stiefelputzer und Fugger, Mägde und Hohe Frouwen wohl über den Erdenflach. Viel Wunderdinge und Märe ich Euch hab zu sagen über Ländereien der Burgunden und Könige edel unde stark. So haltet’s Maul und spitzt die Löffel, sonst meld ich’s dem Pfalzgraf, worauf Ihr einen Taler abdrücken müsst, darauf könnt‘ Ihr einen lassen.

Fantasy Filmfest 2018 Quick’n’Dirty

Nach zwölf Tagen Genredauerfeuer schloss das Fantasy Filmfest gestern in Berlin die Höllenpforten, in den anderen Festivalstädten läuft die 32. Ausgabe zum Teil noch bis zum 30. September. Für uns aber ein guter Zeitpunkt für ein Quick and Dirty mit stolzen 15 Kurzreviews der Festivalhighlights. Vorweg, 2018 ist ein wahrer Killerjahrgang mit mindestens drei Meisterwerken, eine wirklich gelungene Auswahl an aktuellen Genrehighlights aus über 20 Ländern und eine kunterbunte Mischung Fear Good Movies, vom bedrückenden Fantasydrama über schräge Neo-Noir Thrillereien bis zur bluttriefenden Trashperle. Begeben wir uns nun also auf eine möglichst spoilerfreie Kurzreviewreise durch das diesjährige Programm und picken uns die Rosinen aus dem Genrekuchen.

32. Fantasy Filmfest

Das 32. Fantasy Filmfest steht vor der Tür, beziehungsweise den Toren sieben deutscher Großstädte, los geht’s ab 05. September in Berlin. Das internationale Genre-Filmfestival geht also nach den White Nights im Januar und den Nights im April mit 50 Filmen plus Kurzfilmrolle in die Vollen. Business as usual, möchte man meinen, doch in diesem Jahr gibt es Abweichungen im Festivalverlauf. Leipzig hat es letztendlich nicht unter die Festivalstädte geschafft, schade. Auch die Nürnberger und Stuttgarter müssen mit einem abgespeckten Best-Of Programm leben, ganze 18 Filme laufen dort nämlich nicht. In Berlin wiederum finden die Vorstellungen am Dienstag, den 11. September im Zoo Palast statt anstelle im Cinestar am Potsdamer Platz und kosten einen Euro mehr pro Ticket.

Die kleine Genrefibel Teil 66: Tatsächlich Liebe

Wieder einmal müssen wir die Kleine Genrefibel bemühen, um auch die großen gesellschaftlichen Problemfelder verstehen zu können, die uns das Menschsein auferlegt hat. Drogen, Sex, fleischfressende Pflanzen, vor keinem Tabuthema wird zurückgewichen. Und heute heißt dieses Thema tatsächlich Liebe. Doch was ist das überhaupt, Liebe? Nun, die Liebe ist, wie soll ich es mit eigenen Worten sagen, ein seltsames Spiel. Sie kommt und geht von einem zum andern. Sie nimmt alles, doch sie gibt auch viel zu viel, kurzum, die Liebe ist ein seltsames Spiel. Eine neue Liebe ist zudem wie ein neues Leben. Was einmal war ist vorbei und vergessen und zählt nicht mehr. Doch was, wenn sich die Liebe abnutzt, was bleibt dann noch? Dann will man wieder ein neues Ziel finden und sich nicht mehr an sich binden, da stehen dann gepackte Koffer, was gewesen, ist gewesen.

Teaser, Trailer, Temperamente
Script Development XXI: Der Filmtrailer

In der Welt des Films ist nicht alles von Dauer. Super 8, VHS-Kassette, Laserdisc, Aushangfotos, Kopierschutzdecoder, der Softsexfilm, ganze Subgenres kommen und gehen, nix bleibt für die Ewigkeit. In der Sammelablage retrospektiver Kulturgüter häufen sich die Dinglichkeiten, egal ob Festkörper oder Immaterielles, andere Sachen wiederum werden für tot erklärt, Hollywood, der Blockbuster, das Kino als solches. Angeblich alles weg. Aber da gibt es eine Sache, welche nicht nur sämtliche Verwerfungen und Umbrüche überdauert hat, sondern sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut beim Konsumenten – der Filmtrailer.

Die kleine Genrefibel Teil 65: Politiká

Wer hätte gedacht, dass im biedergraukarierten und angeblich politikverdrossenen Deutschland mal noch derart Schwung in den Sandkasten der Demokratie kommt, dass die Förmchen und Schäufelchen der Politakteure durch die Luft wirbeln, dass es nur so stoibert? Ich jedenfalls nicht. Am Vorabend der Artikelniederschrift jedenfalls kam es auch in unserem beschaulichen Lande zu einem regelrechten Politthriller. Zufall? Naja zumindest ein bisschen. Mittlerweile hat sich der Sturm im Maßkrug wieder gelegt, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder krach. International kracht es ohnehin seit ein paar Jahren. Politik als Winkelmaß der Geschichte, aber wann wird aus Politik Geschichte, aus Geschichte Politik und aus vergangenen oder zukünftigen politischen Gegenwärtlichkeiten Geschichten und Filme? Und was ist der Unterschied zwischen Politik im Film und einem politischen Film?

Die kleine Genrefibel Teil 64: Alptraumfabrik

Horror ist ein überaus komplexer Begriff und er beschreibt vor allem eine Wirkungsweise. Horrorfilme wirken psychologisch und emotional. Blut und Gekröse fördern ein Gefühl des Ekels, die Flucht vor einem Monster lässt den Puls hochschnellen und wenn ein fieser Schlitzstrolch um die Ecke lugt, entlädt sich der schauderhafte Anblick nicht selten in einem erlösenden Schrei. Man sagt, Horrorfilme speisen sich aus den Urängsten der Menschen, zumindest die guten Horrorfilme. Und wie oft hören kleine Kinder von ihren Eltern: „Kuck nicht so viele Horrorfilme, sonst kannst du Nachts nicht schlafen!“. Horrorfilme sind der Stoff, aus dem die Alpträume sind. Aber was war eher da, Horrorfilm oder Alptraum? Ist der Alptraum nur ein Resultat aus der Verarbeitung von schrecklichen Dingen oder liegt im Alptraum der Quell des Schauderlichen verborgen, aus dem sich die Phantastik nährt?

Solo: A Star Wars Story

Es war vor noch gar nicht all zu langer Zeit in diesem unserem Universum, als der letzte STAR WARS Film THE LAST JEDI über die Kinoleinwände flimmerte. Nur fünf Monate später startet nun der zweite Anthologiefilm nach ROGUE ONE namens SOLO um die Erlebnisse eines jungen Han Solo, bevor er und sein Copilot Chewbacca einen jungen Farmerburschen namens Luke kennenlernen. Es ist wieder Prequeltime im STAR WARS Universum, doch bereits im Vorfeld galt der Ableger der Saga als kleines Problemkind.

Die kleine Genrefibel Teil 63: Bombe geht hoch

„Ton?“ „Läuft.“ „Kamera?“ „Läuft.“ „Vier-Zwei, die Erste“ Klapp. „Und…Action!“ Auch für jene welche, die nie mit eigenen Augen hinter die Kulissen eines Filmdrehs blicken durften, sind diese Worte wohl bekannt. Sobald ein Regisseur laut „Action“ ruft, erwachen das konstruierte Set und die Schauspieler zum Leben und das Spektakel beginnt. Ein Film ohne „Action!“ – schwer vorstellbar. Aber darüber hinaus, was bedeutet Action, was ist am Ende der Dreharbeiten ein Actionfilm und was nicht? Von allen Genrebegriffen wird der Terminus „Actionfilm“ am wenigsten hinterfragt, Action ist, wenn Action stattfindet. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de