Die kleine Genrefibel Teil 69: AG Kurzfilm

In der kleinen Genrefibel wird das Klein heute groß geschrieben. Ein Satz voller Mysterien. Oder sollte es besser heißen kurz? Wäre treffender, aber ich bezweifle es, kurz waren die bisherigen 68 Folgen der Genrefibel ja selten. Dennoch geht es heute um die Kürze, denn wir beschnuppern eine Gattung Film, die zwar jedem bekannt sein dürfte, zu der aber die meisten keine so emotionale Verbindung herstellen können wie zum abendfüllenden Spielfilm. Die Rede ist selbstverständlich vom nicht-abendfüllenden Film oder kurz Kurzfilm. Jeder Filmfreund da draußen weiß, Filme gibt es in verschiedenen Längen. Und dann gibt es noch den Kurzfilm. Manche bekritteln, der Kurzfilm sei ihnen zu kurz. Und man muss schon einen Pfiffikus an Filmfan finden, der die Frage beantworten kann: “Nenn mir mal einen tollen Kurzfilm!”

Die kleine Genrefibel Teil 68: Der Giallo

Der Oktober neigt sich schiefwinklig dem Ende entgegen, die Erwachsenen tollen in Laubhäufen und die Kinder freuen sich auf Halloween. Auch wir in der Wandergruppe muggeln uns mollig warm ein und frönen unser Genredasein im retrospektiven Kaleidoskop. Nachdem wir in letzter Zeit eher grobe Brocken vom Genremassiv abgeschlagen haben, widmen wir uns mal wieder dem feinfühligeren Filetieren der Filmsubsparten. Wenn aus Genres Subgenres werden, verästelt sich das Geflecht an Motiven, Themen, Dramaturgien und Inszenierungen immer feingliedriger und dringt dabei in diverse Nischen vor. Subgenres werden dadurch aber nicht immer puristischer oder simpler, eine echte Nische besteht meist aus vielen unterschiedlichen Versatzstücken der Filmspartenkunst. So auch unser heutiges Thema, ein waschechtes Subgenre mit vielerlei Vorbild und Prägung – der Giallo.

Die kleine Genrefibel Teil 67: Medieval

or einer versperzîte huop sich grôz ungemach, daz von manigen recken ûf dem hove geschach. si plâgen ritterschefte durch kurzewîle wân. dô liefen dar durch schouwen vil manic wîp unde man. So steht es geschrieben, also erglotzt Euch nicht, Ihr Beutelschneider, Falschmünzer und Gesindel, auf das man Euch bewerfe mit allerlei feulem Obst und Gemüs. Anall natrach, ut was betat, dochiel dienwe! So lauschet nun das Dekret des Landvogts und zu den Waffen, obde Dreschflegel oder Rußputzer und höret den holden Minnesang, den ich Euch sang über die dunklen Zeiten, den Ständen der Ritterschaft und derer Knecht, der Stiefelputzer und Fugger, Mägde und Hohe Frouwen wohl über den Erdenflach. Viel Wunderdinge und Märe ich Euch hab zu sagen über Ländereien der Burgunden und Könige edel unde stark. So haltet’s Maul und spitzt die Löffel, sonst meld ich’s dem Pfalzgraf, worauf Ihr einen Taler abdrücken müsst, darauf könnt’ Ihr einen lassen.

Die kleine Genrefibel Teil 66: Tatsächlich Liebe

Wieder einmal müssen wir die Kleine Genrefibel bemühen, um auch die großen gesellschaftlichen Problemfelder verstehen zu können, die uns das Menschsein auferlegt hat. Drogen, Sex, fleischfressende Pflanzen, vor keinem Tabuthema wird zurückgewichen. Und heute heißt dieses Thema tatsächlich Liebe. Doch was ist das überhaupt, Liebe? Nun, die Liebe ist, wie soll ich es mit eigenen Worten sagen, ein seltsames Spiel. Sie kommt und geht von einem zum andern. Sie nimmt alles, doch sie gibt auch viel zu viel, kurzum, die Liebe ist ein seltsames Spiel. Eine neue Liebe ist zudem wie ein neues Leben. Was einmal war ist vorbei und vergessen und zählt nicht mehr. Doch was, wenn sich die Liebe abnutzt, was bleibt dann noch? Dann will man wieder ein neues Ziel finden und sich nicht mehr an sich binden, da stehen dann gepackte Koffer, was gewesen, ist gewesen.

Die kleine Genrefibel Teil 65: Politiká

Wer hätte gedacht, dass im biedergraukarierten und angeblich politikverdrossenen Deutschland mal noch derart Schwung in den Sandkasten der Demokratie kommt, dass die Förmchen und Schäufelchen der Politakteure durch die Luft wirbeln, dass es nur so stoibert? Ich jedenfalls nicht. Am Vorabend der Artikelniederschrift jedenfalls kam es auch in unserem beschaulichen Lande zu einem regelrechten Politthriller. Zufall? Naja zumindest ein bisschen. Mittlerweile hat sich der Sturm im Maßkrug wieder gelegt, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder krach. International kracht es ohnehin seit ein paar Jahren. Politik als Winkelmaß der Geschichte, aber wann wird aus Politik Geschichte, aus Geschichte Politik und aus vergangenen oder zukünftigen politischen Gegenwärtlichkeiten Geschichten und Filme? Und was ist der Unterschied zwischen Politik im Film und einem politischen Film?

Die kleine Genrefibel Teil 64: Alptraumfabrik

Horror ist ein überaus komplexer Begriff und er beschreibt vor allem eine Wirkungsweise. Horrorfilme wirken psychologisch und emotional. Blut und Gekröse fördern ein Gefühl des Ekels, die Flucht vor einem Monster lässt den Puls hochschnellen und wenn ein fieser Schlitzstrolch um die Ecke lugt, entlädt sich der schauderhafte Anblick nicht selten in einem erlösenden Schrei. Man sagt, Horrorfilme speisen sich aus den Urängsten der Menschen, zumindest die guten Horrorfilme. Und wie oft hören kleine Kinder von ihren Eltern: “Kuck nicht so viele Horrorfilme, sonst kannst du Nachts nicht schlafen!”. Horrorfilme sind der Stoff, aus dem die Alpträume sind. Aber was war eher da, Horrorfilm oder Alptraum? Ist der Alptraum nur ein Resultat aus der Verarbeitung von schrecklichen Dingen oder liegt im Alptraum der Quell des Schauderlichen verborgen, aus dem sich die Phantastik nährt?

Die kleine Genrefibel Teil 63: Bombe geht hoch

“Ton?” “Läuft.” “Kamera?” “Läuft.” “Vier-Zwei, die Erste” Klapp. “Und…Action!” Auch für jene welche, die nie mit eigenen Augen hinter die Kulissen eines Filmdrehs blicken durften, sind diese Worte wohl bekannt. Sobald ein Regisseur laut “Action” ruft, erwachen das konstruierte Set und die Schauspieler zum Leben und das Spektakel beginnt. Ein Film ohne “Action!” – schwer vorstellbar. Aber darüber hinaus, was bedeutet Action, was ist am Ende der Dreharbeiten ein Actionfilm und was nicht? Von allen Genrebegriffen wird der Terminus “Actionfilm” am wenigsten hinterfragt, Action ist, wenn Action stattfindet. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Die kleine Genrefibel Teil 62: Shakespearesk

Auf unserer Reise durch die Wunderwelt des Films haben wir bislang zwei Schriftsteller mit einer kleinen Genrefibel geadelt, deren Werk Einfluss auf die Filmkunst hatte. Die Geschichten eines H. P. Lovecraft waren eine obskure Nische der Phantastik, Stephen King hingegen veränderte den zeitgenössischen US-amerikanischen Horrorfilm grundlegend. Doch nun, edle Sirs und Sirenen, betreten wir ein Haus mit einer ganz anderen Hausnummer und zwar in der Henley Street in Stratford-upon-Avon, in welchem irgendwann im Jahr 1564 der Dramatiker, Lyriker und Schauspieler William Shakespeare geboren wurde, der Barde von Avon.

Die kleine Genrefibel Teil 60: Computer Generated Imaginery

Für manche ist Film noch immer pure Magie. Alles scheint möglich, nur die Phantasie setzt Grenzen. Gäbe es das Unmögliche nicht, gäbe es auch keine Herausforderung. Und von Anfang an war Film eine audiovisuelle Herausforderung. Manch einer jedoch sieht im Film Täuschung und Betrug. Wieder andere erkennen auf der Leinwand nur noch buntbemalte Einsen und Nullen, die arithmetische Pirouetten drehen und trauern den guten alten Zeiten nach, in denen Vulkane noch aus Pappmaché und singende Hunde von Hand gezeichnet waren und es echte Sonnenauf- wie untergänge auf der Leinwand zu bestaunen gab.

Die kleine Genrefibel Teil 59: Der Vampirfilm

“Mein liebes Mägdchen glaubet beständig steif und feste, an die gegebnen Lehren der immer frommen Mutter; als Völker an der Theyse an tödtliche Vampiere heyduckisch feste glauben. Nun warte nur Christianchen, du willst mich gar nicht lieben; ich will mich an dir rächen, und heute in Tockayer zu einem Vampir trinken. Und wenn du sanfte schlummerst, von deinen schönen Wangen den frischen Purpur saugen. Alsdenn wirst du erschrecken, wenn ich dich werde küssen und als ein Vampir küssen: wenn du dann recht erzitterst und matt in meine Arme, gleich einer Todten sinkest alsdenn will ich dich fragen, sind meine Lehren besser, als deiner guten Mutter?”

Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de