Dramaturgie & Genrefilm

Ich bin Autor, Dramaturg und Stoffentwickler. Bei dem letztgenannten Gewerk wurde ich immer gefragt, ob ich Textilien herstelle oder Marihuana anbaue. Filmstoffentwicklung war in Deutschland, der Hochburg des Autorenfilms, lange Zeit ein eher unbekannter Begriff. Glücklicherweise ist die Entwicklung von Filmstoffen in den letzten Jahren ein immer stärker Teamorientierter Prozess geworden und jedem Filmschaffenden ist heute klar, intensive Stoffentwicklung ist die Basis für ein gutes Filmdrehbuch.

 

Stoffentwicklung für Film- und Fernsehproduktionen bezeichnet die dramaturgische Arbeit von einer ersten Idee hin zu einem marktreifen Drehbuch. Dass heute Stoffentwicklung und Dramaturgie essentiell wichtige Handwerkzeuge sind, zeigt die größer werdende Zahl von Drehbuchschulen und Workshops, welche sich durch Analysen, Beratungs,- und Lektoratangebote der Kernfrage von Filmdramaturgie widmen: „Nicht was erzähle ich, sondern wie erzähle ich eine Geschichte?“ Das ist natürlich auch mein Ansatz. Doch habe ich mich mit meiner dramaturgischen Beratungsarbeit einer Nische verschrieben, die in Deutschland ebenfalls ein eher unbekanntes Wesen ist: dem Genrefilm.

 

Der Begriff Genrefilm ist immer noch umstritten und mehrdeutig. Für den einen bestimmen dramaturgische Regeln das jeweilige Genre, für andere ist Genre eine Etikette, die eine bestimmte Zielgruppe definiert. Für die meisten aber ist Genre das Action-, Science-Fiction-, oder Horrorregal in der Videothek. Durch meine Arbeit als Autor, vor allem aber als hochgradiger filmsüchtiger Konsument, habe ich in den letzten Jahren die Gesetze, Regeln und Wirkungsweisen von Genrefilmen auseinander genommen und studiert, speziell Horror-, Science-Fiction-, oder Thrillerware.

 

Der Genrefilm bedient sich fester Muster, Strukturen und Gesetze, ganze Subgenre werden davon weitestgehend bestimmt (Survival Horror, Found Footage, etc.). Genrefilm ist Kochen nach Rezept. Ich esse gern 3-mal Nudeln mit Thunfisch in der Woche. Mitunter gerät der Genrefilm genau deswegen in die Kritik, zu kommerzieller Massenware zu verkommen. Ich sehe das nicht so. Ein Genrefilm bedient sich eines dramaturgischen Regelwerks, damit sich seine Wirkungsweise richtig entfalten kann. Regeln und Strukturen, das klingt immer so eng, aber in Wahrheit verschaffen einem Genreregeln wesentlich mehr Freiheiten beim Schreiben. Denn wenn man Genreregeln kennt, kann man sie auch biegen oder gar brechen und dramaturgische Hilfsmittel und Strukturen entbinden einen Autor auch nicht von der Pflicht, eine gute Story und interessante Figuren zu kreieren.

 

Mein Ansatz ist es, nicht ausschließlich, aber speziell für den Genrefilm, dramaturgisches Handwerk und individuelle Problemlösung anzubieten. Dabei ist meine Diskussionsgrundlage keine graue Drehbuchtheorie oder beispielsweise das trockene Anwenden des thematischen Kreuzes. Was ich als Exposé, Treatment oder Drehbuch vor mir liegen habe, will in den meisten Fällen, wenn es einmal groß ist, ein Film werden. Genauso behandle ich den Stoff und die Vision eines jeden Autoren – es geht um Film.

 

Deswegen ist meine dramaturgische Beratung auch stärker Praxisorientiert, am Medium Film, am Genre. Filmstoffentwicklung für Genrefilme bedeutet für mich das mikroskopische Auseinandersetzen mit den besten oder schlechtesten Genrevertretern, mit dem Herausarbeiten und Perfektionieren bekannter Strukturen in Zusammenhang mit einer originellen Geschichte und einzigartigen Figuren. Gerade deshalb richtet sich mein Angebot vorrangig an junge Filmschaffende und Autoren, Quereinsteiger, Freaks, Enthusiasten, oder jene, die bisher davor zurückgeschreckt sind, einen Horrorfilmstoff einzureichen, weil im dramaturgischen Kontext einer Drehbuchwerkstatt ausschließlich von Fellini oder Fassbinder gesprochen wird.

Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de