Der Traumfalter Jahresrückblick 2019

Yalla, liebe Ehrenmenschen & Swaggernauten, Willkommen zurück aus den Weihnachtsferien. Na, alles schlurky? Ich hoffe mal, Ihr hattet ein paar endlaser Feiertage und wurdet nicht zu sehr geRickRolled oder gar geWhamt, beim Cornern oder Fensterln draußen im Outer Rim, habt keinen Screenitus bekommen beim bingewatchen oder seid anderweitig verdummfallt, das wär voll wack. Nach dieser hoffentlich erfolgreichen Zielgruppenvergrößerung nun weiter im Fließtext. Wie Ihr sicherlich gemerkt habt, neigt sich das Jahr 2019 mit geradezu pornöser Schiefwinkligkeit seinem Ende entgegen. Ich hatte sowas bereits im Januar vorausgeahnt. Das alte Jahrzehnt scheidet, eine neue Dekade beginnt, was also kann es Schöneres geben, als nochmal zünftig vom Leder zu ziehen und all die High- und Lowlights des Film- und Serienjahres 2019 Revue passieren zu lassen?

Die kleine Genrefibel Teil 80: Tolkiens Welt

“Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul, Ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.” Diese Zeilen in der Schwarzen Sprache Mordors künden vom Hass des dunklen Herrschers Sauron auf die freien Völker Mittelerdes, dass er ihre Laute pervertierte und mit jenen Worten den Verrat an ihrer Gemeinschaft offenlegte. Denn er betrog sie alle um die Verbindungen ihrer Macht, in dem er noch einen weiteren Ring schmieden ließ, welcher es ihm ermöglichte, die Gedanken und Geschicke der anderen Ringträger lesen und lenken zu können. “Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht, Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein. Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun. Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron, im Lande Mordor, wo die Schatten drohn. Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.”

Die kleine Genrefibel Teil 79: Film im Film

Willkommen zurück zur Kleinen Genrefibel, liebe Filmfreunde und Filmfreundinnen. Was haben wir nicht schon alles beackert im Zuge unserer Feldforschung, von großen Themenkomplexen bis hin zu winzigsten Subgenres, in filmischem Realismus oder purer Fiktion? Nur eins blieb stets gleich, die Flucht, die Illusion, die das Medium eigentlich verbergen sollte. Ein Film ist immer dann am besten, wenn er nicht verrät, was er ist, wenn er die Illusion eines Blickes in Träume und Sehnsüchte bewahrt. Doch damit ist jetzt Schluss. Denn neben allen möglichen Motiven hat auch der Film selbst den Film geprägt. Unser Thema heute heißt Film im Film, doch dahinter verbirgt sich mehr als nur eine metaphysische Matrjoschka, die Fiktion in der Fiktion oder Selbstbeweihräucherung.

Die kleine Genrefibel Teil 78: Asia Horror

Anfang der 90er Jahre, als nach dem Ende des kalten Krieges die weltlichen Schranken West und Ost fielen und die Globalisierung ihren Lauf nahm, galt er noch als Geheimtipp für hauptsächlich durch US-amerikanische Filme geprägte Cineasten mittleren Baujahrs – dabei hatte der asiatische Film bereits eine ebenso bewegte Kulturgeschichte hinter sich und vor allem noch vor sich. Obwohl sich kein Filmmarkt weltweit so schnell und kreativ weiterentwickelt hat wie das ostasiatische Kino, für manche blieb es auf ewig ein Pergament mit sieben verschnörkelten Schriftzeichen. Krude japanische Animes, Martial Arts Action aus Hong Kong, Bollywood, die Ballerepen eines John Woo oder der gute alte Godzilla, der Diskurs über das asiatische Kino schien damals, abseits dieser Schlagworte, nur unter echten Filmfreaks und Nerds stattzufinden. Heute, knapp 30 Jahre später, ist die Sicht eine völlig andere, denn die internationale Filmlandschaft und neue kreative Impulse werden maßgeblich vom asiatischen Kino bestimmt.

Fantasy Filmfest 2019 Quick`n`Dirty

Gestern endete in Berlin das 33. Fantasy Filmfest nach elf Tagen Genrestreufeuer aus allen Kanonen und Kanönchen. 50 Genrefilme wollten gesehen werden, für mich hat es gerademal für ein Fünftel gereicht, aber so gut wie alle meine Highlights waren dabei und wir wollen wie immer fröhlich einen kleinen Reviewreigen der schauderlichen Art veranstalten und schauen, welche schröcklichen Festivalhighlights frischen Wind in den aktuellen Genrefilm bringen und welche eher enttäuscht haben. Der diesjährige Jahrgang hatte es nicht leicht, denn das 32. Fantasy Filmfest im Jahr 2018 hatte die blutige Messlatte recht hoch gehängt. Doch schauen wir mal auf die Leckerli von 2019, deshalb Vorhang auf für ein frisches Fantasy Filmfest Quick`n`Dirty.

Die kleine Genrefibel Teil 77: Graphic Novel

Alles Marvel, oder was? Nach 23 Filmen des Marvel Cinematic Universe und dessen Höhepunkt mit AVENGERS: ENDGAME in diesem Jahr treten die Superhelden der Megafranchise in eine neue Phase ein. Götterdämmerung der Superheroes, doch trotz Milliarden Dollar Einspielergebnis und globaler Hysterie scheinen auch die Ultrafans allmählich gesättigt zu sein. Die können immerhin noch zwischen Marvel und DC Figuren unterscheiden, für den Ottotnormalkinozuschauer fällt das Urteil weniger differenziert aus: “Nicht noch eine Comicverfilmung!” Weil Superhelden in Comicverfilmungen omnipräsent sind, neigt man nicht selten dazu, diese beiden Begriffe synonym zu betrachten. Doch wie immer in der Kleinen Genrefibel ist das nicht die ganze Wahrheit.

33. Fantasy Filmfest

Das Fantasy Filmfest steht vor der Tür, vom 4. bis zum 29. September dürfen Genrefilmfreunde in sieben Städten Deutschlands wieder ihre Lust nach blutigem Thrill, obskurem Horror oder phantastischem Geplänkel frönen. 51 Filme gehen an den Start, zehn davon im Fresh Blood Wettbewerb für Debüt- oder Zweitwerke junger Genrehaudegen, ein Director’s Spotlight und ein Centerpiece sind auch wieder dabei, mit einem Eröffnungsfilm geht es los und es endet mit dem Abschlussfilm, wer kommt auf solche Ideen? Natürlich Rosebud Entertainment, welche wieder auf diversen Festivals die Rosinen aus dem Genrekuchen gepickt haben.

Die kleine Genrefibel Teil 76: Buddy Movies

Alle lieben sie, die heroischen Filmhelden und finsteren Filmschurken, welche unermüdlich kämpfen und querulieren, egal ob im süffigen Feinripphemd oder im Gummianzug, egal ob mit Augenklappe oder Eiserner Lunge. Helden und Bösewichter, die einsamen Wölfe der Pappmachéwelten, werden geliebt wegen ihrer Ikonographie. Aber wenn man mal genau nachdenkt, fällt einem auf, dass Einzelhelden und Autonomantagonisten gar nicht so mitreißend sind wie andere Figuren, beziehungsweise Figurenkonstellationen. Klar steht der Held und der Widersacher in einem Konflikt und beide in einer gewissen Abhängigkeit zueinander. Aber die Dramen mehren sich, wenn wir es mit zwei gut befreundeten Hauptfiguren zu tun haben, bestenfalls Männer, besterenfalls Antipoden. Beliebter als Einzelfiguren wie Superheld oder Schurkenschlingel, so behaupte ich jetzt mal nonchalant, sind nämlich Duos.

Strange, Stranger, Stranger Things

Wir befinden uns derweil über dem Zenit der Jahresmitte, die Sonne plustert sich gerade wieder auf, um dem Sommer Zunder zu geben. Rekordsommer. Früher, da gab es mal den Kinosommer, aber diese Zeiten scheinen vorbei. Nichts desto Trotz kann man sie noch im Lichtspielhaus finden, die alten Helden des 90er Jahre Sommerkinos wie Spider-Man, die X-MEN oder die MIB. Auch DER KÖNIG DER LÖWEN kommt nochmal vorbeigeschnurrt. Aber als Filmfan von heute weiß man, dass den Neuauflagen nicht zu trauen ist. Denn früher war alles besser, so sagt es nicht nur der Filmvolksmund. Dieses Gefühl, welches man in den 80ern und 90ern hatte, als die großen Kultfilme anliefen, es lässt sich nur schwer reproduzieren. Bittere Enttäuschung an allen Fronten, echt Horrorshow.

Die kleine Genrefibel Teil 75: Zombieland

Die kleine Genrefibel feiert mit ihrer 75. Ausgabe ein besonderes Jubiläum. So wollte ich ihr und allen Genrefans da draußen auch ein ganz besonderes Jubiläumsgeschenk machen. Da das Thema für Folge 75 schon länger fest stand, erwirkte ich allein mit dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin die Entschlagnahmung des seit 1983 indizierten und seit 1991 eingezogenen Klassikers DAWN OF THE DEAD von George A. Romero, auch bekannt als ZOMBIE. Die Zombies im Kaufhaus stehen also bald wieder im Kaufhaus. Und da sind wir auch schon mittendrin im Gedärmgewühl. Der Zombie, kaum eine andere Horrorgestalt erfreut sich nach Jahrzehnten solch großer Beliebtheit wie der schlurfende oder rennende Untotenmoderhaufen. Höchste Zeit also, ihn gehörig hochheben zu lassen.

Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de