STARFLIGHT ONE

Nun haben wir uns eine ganze Weile mit dem aktuellen Genrefilm beschäftigt, von der GENRENALE über Found Footage bis zur wirtschaftlichen und kulturellen Lage der europäischen Genreunion, da wird es langsam mal wieder Zeit für einen Blick zurück. Retrospektive nennen es die Kunstschaffenden, andere meinen damit eine Sehnsucht nach einer Zeit, in der angeblich alles besser war. Für manche existiert im Blick zurück nur der TERMINATOR und das ALIEN, ich für meinen Teil grabe in der Rubrik Retro Review auch gerne Filmperlen meiner Kindheit aus, nur liegen die meist noch eine Sedimentschicht tiefer im VHS-Grab verbuddelt. Manche hat man beinahe vergessen, wie auch den Filmklassiker aus dem Jahr 1983 STARFLIGHT ONE – IRRFLUG INS WELTALL.

 

 

 

 

STARFLIGHT ONE, im Original STARFLIGHT: THE PLANE THAT COULDN`T LAND, ist ein Katastrophenfilm mit dezentem Sci-Fi-Einschlag, der von Regisseur Jerry Jameson (VERSCHOLLEN IM BERMUDA DREIECK) als Fernsehfilm für die ABC inszeniert wurde, mit einer Handvoll TV-Stars in Haupt- und Nebenrollen.

 

Allen voran der großartige Lee Majors (DER SECHS-MILLIONEN-DOLLAR-MANN, EIN COLT FÜR ALLE FÄLLE) als Captain Cody Briggs. Die Special Effects stammen von ILM-Legende John Dykstra, der 1978 den OSCAR für die besten visuellen Effekte für STAR WARS bekam. Auch hinter der Filmmusik verbirgt sich ein Hollywood-Urgestein, nämlich Lalo Schifrin (MISSION: IMPOSSIBLE, BULLITT, THX 1138). Ziemlich große Namen für einen Fernsehfilm.

 

Es ist der Jungfernflug eines raketenbetrieben Überschallflugzeugs, welches die Strecke Los Angeles – Syndey in zwei Stunden absolvieren will. An Bord sind neben Captain Cody Briggs plus Mannschaft eine Schar illustrer Passagiere, die Presse, Wissenschaftler, Prominente, sogar ein Sarg mit dem kürzlich verstorbenen australischen Botschafter.

 

Obgleich der Chefkonstrukteur des Flugmonsters Bedenken bezüglich des Raketenantriebs anmeldet, soll der Prestigeflug pünktlich über die Bühne gehen. Nach dem Start allerdings befindet sich die Starflight One auf Kollisionskurs mit einer gesprengten Satellitenrakete, deren Trümmer die Flugbahn kreuzen. Die Starflight One muss nach oben ausweichen, der Raketenantrieb lässt sich nicht mehr abschalten und plötzlich befindet sich das Passagierflugzeug in der Schwerelosigkeit des Erdorbits.

 

Einer der zwei Gesichtsausdrücke von Captain Cody Briggs (Lee Majors), der andere ist eher emotionslos.

Manövrierunfähig schwebt der Koloss nun im All, von der Erde aus entwirft die NASA hastig Rettungspläne. Die Raumfähre Columbia soll den Chefkonstrukteur zurück auf die Erde bringen, denn ohne ihn ist das Bodenpersonal reichlich aufgeschmissen. Nach dem der erste Versuch ein Todesopfer fordert, befördert man den Wissenschaftler mittels Sarg vom Flugzeug in die Raumfähre.

 

Es folgen mehrere Alternativpläne mittels Rettungsschlauch oder einer Raketenstufe, die beschädigte Außenwand des Flugzeug wird per Raumspaziergang notgeflickt, Treibstoff wird betankt, am Ende befinden sich nur noch die Crew um Cody Briggs und drei Freiwillige an Bord, welche die Starflight One in die Erdatmosphäre zurück navigieren, mittels eines externen Hitzeschildes.

 

Die Passagiere der STARFLIGHT ONE sind allesamt unaufgeregt und bleiben brav in ihren Sitzen. Beim Rettungsversuch per Riesenschlauch sorgte man sich damals eher um die süße Laurie als um ihre dämliche Mutter Erica.

Für einen TV-Film bietet STARFLIGHT ONE ein rasantes und ereignisreiches Drehbuch, ist spannend und effektvoll inszeniert und keine Sekunde langweilig. Crew und Passagiere sind sympathisch und laden vereinzelt zum Mitfiebern ein. Auch schreckt der familientaugliche Katastrophenfilm nicht vor Opfern zurück, sogar eine putzige Oma muss dran glauben.

 

 

Trotz des futuristischen Grundgedankens ist STARFLIGHT ONE verhältnismäßig realistisch erzählt. Natürlich gibt es diverse Logiklöcher (die Columbia landet und startet im Stundentakt, Schwerelosigkeit im Flugzeug ist kein Thema, die praktische NASA-Rettungsluke), aber der Film gleitet zu keiner Zeit in alberne Science-Fiction ab. Im Gegenteil, weil alles relativ plausibel erscheint, kann STARFLIGHT ONE auch nach über 30 Jahren noch Spannung generieren.

 

Rettungsschlauch und Hitzeschild – die NASA lässt sich einiges für die STARFLIGHT ONE einfallen.

Natürlich wirkt STARFLIGHT ONE heute ein wenig altbacken. Lee Majors hat als Captain nicht wirklich viel zu tun, als ab und zu betroffen dreinzublicken, die Passagiere verhalten sich ob der Situation eine Spur zu ruhig und gelassen, Nebenplots verlieren am Ende ein wenig von Bedeutung.

 

Trotzdem funktioniert die Choose irgendwie immer noch und es erscheint seltsam, dass sich bislang niemand an ein Remake des Klassikers gewagt hat. Ein Passagierflugzeug im Weltall, da gab es wahrlich beklopptere Plots in den späteren Dekaden. Ein unberührter Klassiker sozusagen.

 

Immerhin gibt es STARFLIGHT ONE mittlerweile auf einer Doppel-DVD, neben der Kinoversion ist dort auch die unwesentlich ausladendere Langfassung an Bord. Dafür gibt es ein restauriertes Breitbild sowie einen authentischeren Originalton, die deutsche Synchro ist leider fad und emotionslos. Aber STARFLIGHT ONE macht auch heute noch großen Spaß, begeistert mit tollen Effekten, fantastischem Score und einer spannenden, ereignisreichen Geschichte.

 

Koch Media GmbH

 

  • ereignisreiche und spannende Geschichte
  • tolle Tricks von John Dykstra
  • Musik von Lalo Schifrin
  • Finger im Sargloch
  • Heather McAdam Kinderschwarm
  • Lee Majors Mütze
  • relativ realistisch erzählt…
  • …, moment, Finger im Sargloch?
  • Lee Majors Gesichtsausdruck

 

FAZIT:

Turbulente Rettungsaktion eines Passagierflugzeugs im Weltall mit coolen Tricks und toller Musik. Nicht ohne Logiklöcher, dafür aber immer noch so spannend wie vor 30 Jahren.

 

STARFLIGHT ONE, USA 1983, Regie: Jerry Jameson, Drehbuch: Peter R. Brooke & Robert M. Young
Für Fans von VERSCHOLLEN IM WELTALL, APOLLO 13 & THE MARTIAN

 

 

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de