Die kleine Genrefibel Teil 37: Dinomania

Das Mesozoikum, was war das für eine irre Zeit. Die ganze Welt hatte sich zusammengerafft zu einem riesigen Klumpen Landmasse namens Pangäa. Die beiden größten Extremsportdisziplinen jener Zeit waren Kontinentaldriften und Massenaussterben. Jede Art, die etwas auf sich hielt, ließ sich erstmal von widrigen Umständen dahinraffen und machte so Platz für andere Spezies. Denn Platz gab´s genug. Dort, wo im Erdaltertum Riesenlibellen und Urlurche das Sagen hatten, besetzten nun diverse Kriechtiere und Reptilien die Plätze und ließen es sich gut gehen.

 

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Es war die Zeit der Dinosaurier, der Riesenechsen, der zweibeinigen Theropoda , pflanzenfressenden Sauropodomorpha und vogelartigen Ornithischia. Diese illustren Geschöpfe aber waren dem Untergang geweiht, es reichte ein großer Meteorit, der auf die Erde plumpste und den Urzeitriesen den Gar ausmachte. Dem Mensch war das seinerzeit egal, er existierte noch gar nicht. Ein Dilemma für die Saurier, denn wer sollte dann einst Geschichten über sie erzählen? Also machten sie aus ihrer Lage das Beste und ließen sich in diversen Sedimentschichten bestatten, um späteren Generationen von Lebewesen das Fürchten zu lehren.

 

 

Kindheit in Kleinwelka

 

Ich will in meiner Darstellung über die Zeit der Dinosaurier nicht zu spezifisch werden, aber genauso ist es passiert damals. Doch was gewesen ist, ist gewesen. Heute sieht die Sache so aus: Dinosaurier sind noch immer die absoluten Helden in Kinderaugen und in denen von Junggebliebenen. Warum ist das so? Keine Ahnung. Saurier sind irgendwie magisch. Sie sind groß, laut, machen Dreck und riesige Haufen. In jedem Erdzeitalter gab es phantastische Tierarten, aber die Dinosaurier sind so etwas wie Backstreet Boys der Urzeitviecher. Jeder flippt komplett aus. So auch ich, als ich ein kleiner Bub war. Natürlich geht es in der heutigen Genrefibel auch um Dinosaurierfilme. Aber das würde dem Titel DINOMANIA kaum gerecht. Bei Dinos gings nicht nur um Filme.

 

Der Urvogel, Dino-Sammelbilder und DIE REISE IN DIE URZEIT – so sahen Kindheitsträume aus

Als Kind war ich absoluter Dinofanatiker. Matchboxautos interessierten mich nicht. Ich zeichnete in ein kleinkarriertes Schulheft Brontos und Stegos. Das war in den frühen achtziger Jahren und ich war von Sauriern nur so umzingelt. Ein Freund von mir besaß ein Sammelbildalbum aus Frankreich über Dinosaurier. Das Buch “Weltall, Erde, Mensch”, ein DDR-Standardwerk über Naturwissenschaften, habe ich verschlungen wie andere Fix und Foxi-Hefte.

 

Aber auch in alten Mosaik-Heften tummelten sich die Urzeitechsen. Ich stand mit weit aufgerissenen Augen im Berliner Naturkundemuseum und war überwältigt vom Anblick des riesigen Brachiosaurus, musste unbedingt in den Saurierpark Kleinwelka, verschlang die Geschichten von Jules Verne und wollte auch so ein Floß wie in DIE REISE IN DIE URZEIT (Retro Review #017) haben, auf dem man die Erdzeitalter bereisen konnte.

 

Für gewöhnlich glaubt man, die Umschreibung DINOMANIA bezieht sich auf den Film JURASSIC PARK, dabei lebte die Menschheit seit der Entdeckung der ersten Dinosaurierknochen in einem Zustand der Hysterie – Dinos kann man definitiv mit Marken wie MICKY MAUS, BATMAN oder STAR WARS vergleichen, denn Dinosaurier haben ebenso die Popkultur geprägt.

 

 

Knochentrocken

 

Sind Dinosaurier im Film aber nur eine thematische Facette wie Filme über Aliens, Zeitreisen, Agenten oder Serienkiller, die man zeit- und gesellschaftspolitisch in ihrer Evolution aufrollen kann? Nicht gänzlich, denn Dinosaurier im Film haben ein paar interessante Abweichungen auf Lager.

 

Die verrücktesten Saurier der Filmgeschichte Suchspiel!

Auch genretechnisch lassen sich Dinos nicht so einfach einordnen wie beispielsweise Tierhorror. Dinosaurier sind Geschöpfe, die es tatsächlich mal gegeben und die kein Mensch bislang lebend gesehen hat. Wo bei Aliens und Horrormonstern die Phantasie ausreichte, um sie zu kreieren, gingen Dinos im Film auch immer mit wissenschaftlichen Erkenntnissen einher. Während man über Aliens lediglich spekulieren konnte, gibt es für Saurier unwiderlegbare Beweise in Form von Knochenfunden und Fossilien.

 

Sind wir deshalb im Bereich Science-Fiction? Nicht ausschließlich. Saurier bevölkern große Teile des Fantasyfilms, auch im Horrorgenre sind sie anzutreffen. Dinos gibt es für jede Altersgruppe, auch kleine Kinder finden Saurier voll dufte, und somit ist der Dino auch in Zeichentrickfimen ein beliebtes Subjekt.

 

Woher kommt sie, die große Faszination an Dinosauriern? Knochenfunde gab es bereits seit tausenden Jahren und sie führten erstmal zu ganz anderen Deutungen. Hinter großen Gebeinen und Schädeln vermuteten die Menschen eher altertümliche Sagengestalten wie Drachen oder den Lindwurm. Auch die Nibelungensage soll angeblich von einem Saurierknochenfund inspiriert worden sein. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler damit, Dinosaurier als ausgestorbene Spezies zu beschreiben, ein nicht ganz einfaches Unterfangen im Angesicht der mächtigen Kirche, die ihre eigenen Vorstellungen in Sachen Evolution hatte.

 

Die Bevölkerung hingegen war wie gebannt von den Entdeckungen. Wissenschaft galt als eher unprofitabel zu jener Zeit, aber riesige Saurierknochen in einer Ausstellung erreichten ein immenses Publikum. Ein Elefant im Zoo war das eine, ein Dinosaurierknochen etwas ganz anderes. Wenn ein Schenkelknochen beinahe die Ausmaße eines Erwachsenen hatte? Es war die schier unglaubliche Größe der Kreaturen, die die Phantasie anstachelte, nicht nur vom staunendem Pöbel, auch die von Autoren. Die Werke von Jules Vernes und von Arthur Conan Doyle thematisierten die Urweltechsen in isolierten Nischen und unentdeckten Eilanden und stellten sich die Frage, wie und wo sie möglicherweise hätten überleben können.

 

 

 

 

Die Euphorie über die Funde wurde noch größer, als findige Wissenschaftler begannen, die Knochenfunde zu ganzen Skeletten zusammenzubasteln. Die Naturkundemuseen der Welt räumten ausgestopfte Präparate in den Keller, um Platz für Saurierskelette zu schaffen. Forscher konkurrierten um die besten Funde, es brachen ab 1850 die sogenannten Knochenkriege aus, die zur Entdeckung von über 100 neuen Arten führten.

 

Als im Jahr 1853 im Londoner Crystal Palace Park der Bildhauer Benjamin Waterhouse Hawkins lebensgroße Modelle von Sauriern erschuf, war die Begeisterung des Volkes so groß, dass man erstmals von der sogenannten DINOMANIA sprach. Den nächsten Schritt dieser Manie sollten dann Anfang des 20. Jahrhunderts Filme auslösen. Denn ein solches Ungetüm in voller Größe und Anmut erblicken zu dürfen, war eine ganz andere Hausnummer.

 

 

Weil der Dinosaurier sich wehrte, gab es kein Pardon

 

Die Geschichte des Dinosaurierfilms ist auch die Geschichte der Special-Effect-Evolution. Das junge Medium Film konnte all das auf Filmmaterial ablichten, was real existent war. Für alle anderen Dinge brauchte man Hilfsmittel. Einen Dinosaurier konnte man nicht filmen wie Löwen oder Elefanten. Im Jahre 1905 realisierte Lewin Fitzhamon mit dem Film PREHISTORIC PEEPS eine Art Comicadaption der gleichnamigen Bildergeschichten. Dort steckten Menschen in Saurierkostümen.

 

Der erste namentliche Filmdinosaurier war eine einfache Zeichentrickanimation aus dem Jahr 1914 – Gertie hieß das Geschöpf von Winsor McCay. Der erste richtige Dinospielfilm stammt auch aus dem Jahr 1914 – BRUTE FORCE. Bereits diese frühen Werke hatten die wichtigsten Eigenschaften und Wirkungsweisen späterer Dinofilmgenerationen in ihrer DNA. Denn hinter den ambitionierten Filmemachern standen auch filmbegeisterte Wissenschaftler, deren Interesse an der Materie von gegenseitigem Interesse war.

 

 

Wissenschaftler wollten den Knochenfunden ein Gesicht geben, sie wollte wissen, wie die Urzeitechsen wirklich aussahen, mit Haut und Haaren. Filmemacher wollten diese Wesen auf Zelluloid bannen. Sie wandten sich deshalb an Wissenschaftler, um Aussehen, Bewegung und Spezifikation verschiedener Saurierarten zu studieren. Noch besser war es, wenn man Filmemacher mit großem Interesse an der Dinoforschung gleichzeitig war wie der Stop-Motion-Pionier Willis O´Brien. Noch bevor er durch KING KONG 1933 zu Weltruhm gelangen sollte, schuf er mit seiner Arbeit das Fundament für lebende Filmdinosaurierwelten.

 

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Die ersten Stop-Motion-Dinos von Willis O´Brien stapften bereits 1915 durch die Landschaft. Einer seiner ersten kommerziellen Filme THE GHOST OF SLUMBER MOUNTAIN wurde sogar ein Kassenerfolg in der anhaltenden Dinomania. Doch sein größtes Werk neben KING KONG sollte 1925 THE LOST WORLD, die Verfilmung des berühmten Romans von Arthur Conan Doyle werden. Er ist bis heute Meilenstein der frühen Stop-Motion-Technik. Stop-Motion bedeutet, Sauriermodelle in ihren Bewegungen einzeln zu filmen, immer wieder von Hand in ihrer Position zu ändern, damit der Saurier auf der Leinwand mit Leben erfüllt ist.

 

Dabei darf man neben der technischen Leistung nicht die Arbeit an den Modellen vergessen, die mit den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Aussehen der Saurier einhergingen. Es gab zwar auch künstlerische Freiheiten und Unkenntnisse, aber bei einem Saurier brauchte es keine wilde Phantasie. Die Urweltriesen, die es wirklich gab, waren aufsehenerregend genug.

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Sie erregten nicht nur Aufsehen, sie wurden innig geliebt. Gertie aus dem Jahr 1914 ist ein schönes, frühes Beispiel, ein Saurier braucht nur einen süßen Namen, schon ist die Masse dahin. Im Gegensatz zu Aliens oder Monstern waren Saurier Tiere längst vergangener Zeiten und nicht per se Ungetüme. Man begegnete ihnen mit Staunen, weniger mit Angst. Immerhin waren das ja nur Millionen Jahre alte Knochen. Auf der Leinwand mögen sie gigantisch gewirkt haben, aber es blieben Tiere. Hinzu kam, dass bis in die siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts geglaubt wurde, Saurier seien träge, dumm und langsam. Das kam den frühen Animationen entgegen, gemütlich wankende Kolosse waren das. Und die Welt, in der sie lebten, war eher eine Märchenwelt.

 

 

Die Romane von Jules Verne oder Arthur Conan Doyle sind Fantasygeschichten mit einem Hauch Realismus. Dinosaurier passten da wunderbar rein. Ob auf der REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE oder in einer vergessenen Welt, es waren wundersame wie gefährliche Welten, die sie bevölkerten. Man sah Dinosaurier wie wilde Tiere, begegnete ihnen mit Respekt, vielleicht sogar Demut, wenn man drüber nachdachte, wie diese Herrscherspezies plötzlich vom Antlitz der Erde gefegt wurde.

 

 

CAVEMAN (1981)

 

Schaut man sich die ersten Jahrzehnte Saurier im Film an, sind es für gewöhnliche gemütliche Echsen in isolierten Gebieten, der Mensch ist Eindringling, Überlebenskämpfer, Forscher, Abenteurer. Um Dinosaurier dramaturgisch gefährlicher zu machen, musste erst wieder die Technik nachziehen.

 

 

Do-you-think-he-saur-us?

 

PANIK IN NEW YORK (THE BEAST FROM 20.000 FATHOMS) (1953)

Was hat man nicht alles getan, um Saurier auf der Leinwand zum Leben zu erwecken. Menschen in Saurierkostümen, Modelle, die per Stop-Motion beseelt wurden, Zeichentrickanimation. Es gab aber auch clevere Effektspezialisten, die beklebten echte Echsen und Warane mit Schildplatten und Hörnern. Dank geschickter Perspektive und vor allem durch die realistischen Bewegungen der Tiere wurden hier Horrorträume wahr.

 

Mit Dinosauriern hatte das aber dann doch weniger zu tun. Doch man durfte nicht nur mit dem Auge denken, auch Dinogeschrei war dem Menschen ja unbekannt, wie aber kann man einen Knetmassesaurier so vertonen, dass er mächtig und brachial wirkt? Es wurden Tierstimmen gemischt, gegrunzt, gebrüllt, gekrächzt oder einfach ins Mikro geprustet, was das Zeug hielt. Die Arbeit mit Dinosauriern verlangte einem Filmemacher und vor allem Sounddesignern wahrlich alles ab.

 

Nachdem in den fünfziger und sechziger Jahren unzählige Saurier den Fantasy- und Science-Fiction-Film betrampelt hatten, wurde es zwei Jahrzehnte lang ruhig um die Gesellen. Natürlich war er immer präsent, der Dino, vor allem in Japan, wo eine Spezies zum Volkskulturgut wurde – Godzilla. Bei Godzilla scheiden sich ja die Geister, aber auch er gehört dazu zu dem illustren Kreis der Filmdinos. Ich will Godzilla aber hier und heute mal außen vor lassen, weil seine Geschichte eine andere Genrefibel füllen wird – zumindest visuell. Was passierte aber mit den anderen Filmdinos? Wurde am Ende der 70er schon wieder ihr Untergang beschworen?

 

Nun, warum es bis 1993 mit den Dinos im Kino mehr oder minder bergab ging lag wohl daran, dass sich die Special-Effect-Evolution langsam aber sicher im Kreis drehte. Im Bereich Stop-Motion, wo inzwischen Ray Harryhausen sein großes Vorbild WIllis O´Brien beerbt hatte, gab es nur noch Detailverbesserungen, keine größeren Schritte. Auch Dinokostüme und frühe Animatronics würden es wohl nicht schaffen, einen Saurier noch realistischer zu gestalten. Zudem stellte die Wissenschaft den Kreativen ein kleines Beinchen. Neuste Erkenntnisse ab den Siebzigern belegten, dass Dinosaurier doch nicht so träge und dumm waren. Sie konnten ganz schon schnell und intelligent sein. Ob da ein Gummikostüm mit wackelnden Ärmchen noch ausreichte?

 

 

Vielleicht begnügte man sich bei einem der letzen wirklich handgemachten Dinoklassiker BABY – DAS GEHEIMNIS EINER VERLORENEN LEGENDE noch mit einem trägen und handzahmen Brontosaurier der niedlichen Art. Aber wenn man das Skelett eines Tyrannosaurus Rex vor sich sah, wie mochte der wohl wirken auf der Leinwand, so mit allem Pi Pa Po. Fragte sich wohl auch schon eine längere Zeit ein gewisser Steven Spielberg, der schon vor JURASSIC PARK ein großer Dinofan war und bereits 1988 mit IN EINEM LAND VOR UNSERER ZEIT einen wundervollen Saurierfilm produzierte.

 

 

BABY – DAS GEHEIMNIS EINER VERLORENEN LEGENDE (1985)

 

 

Popcornpaläontologie

 

Das Jahr 1993 ist nicht nur filmgeschichtlich bemerkenswert, auch ganz konkret auf Dinos. Denn es wurde zu einer Art Wachablösung in Sachen Special Effects. Zwei Produktionen kamen heraus, die ihrerseits Großartiges an Dinoeffekten schufen – mit alten und neuen Mitteln. Das war in erster Linie der Film SUPER MARIO BROS. Jawoll, Freunde, es muss gesagt werden. In SUPER MARIO BROS. taucht mit dem Dino Yoshi der letzte und vielleicht beste Vollfunktionsanimatronicsaurier auf. Yoshi wurde von fünf oder mehr Leuten gesteuert und war absolut faszinierend. Doch Yoshi war auch ein Abschied von der Genereation Analogdino. Zwar experimentiere auch Spielberg für die ersten Testaufnahmen von JURASSIC PARK mit animierten Modellen, doch dann wurde er auf etwas anderes aufmerksam, was sich CGI schimpfte.

 

Ein Effektspezialist kreierte als Versuch einen T-Rex am Rechner, mit Hilfe von CGI. Das war gerade groß im Kommen und machte durch TERMINATOR 2 einen gewaltigen Sprung nach vorn. Spielberg war begeistert und er entschied, große Teile der Michael Crichton Verfilmung so zu realisieren. Aber nicht alle. Zum einen ging immense Modellvorarbeit der Rechnerei voraus, auch setze Spielberg noch immer auf Detailanimatronics oder Modelle wie den Triceratops. Auch legte Spielberg großen Wert auf Authentizität, jeder Saurier entsprach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dinoforscher, die JURASSIC PARK sahen, beschrieben die Dinosaurier als das realistischste, was man von ihnen bislang zu Gesicht bekommen hatte.

 

Buch und Film JURASSIC PARK lösten 1993 eine neue Phase der Dinomania aus, der Film allein spielte weltweit 915 Millionen US-Dollar ein. Wow, endlich richtige Dinos auf der Leinwand, das dachte auch ich und kann mich noch gut an meinen Kinobesuch von JURASSIC PARK im Jahr 1993 erinnern. Es war ein Gekreische, meine Herren! Die Leute sind wirklich ausgeflippt.

 

 

JURASSIC PARK (1993) von Steven Spielberg

 

 

Das lag vor allem am Tyrannosaurus Rex, der fortan in genau dieser Erscheinung den Genrefilm terrorisieren sollte. Es gab zwar knapp nach JURASSIC PARK auch den Spielzeug-T-Rex aus TOY STORY, aber von nun an gehörte diese Spezies zu den gefährlichsten Wesen auf der Leinwand, noch vor dem weißen Hai oder Freddy Krüger.

 

So kam auch endlich der Horrorfilm zu seiner eigenen Dinosparte. Schaurige Begegnungen mit Riesenechsen gab es zwar auch zuvor, aber erst die Kombination aus der ALIEN-Formel von Ridley Scott und dem digitalen Saurier ließen echte Dinohorrorfilme sprießen. Die sind zwar allesamt recht trashig und kaum ein Exemplar ist so imposant wie der aus JURASSIC PARK, doch sie sind noch immer begehrte Objekte im Low Budget Bereich. Wahrscheinlich, weil einen T-Rex mittlerweile wohl jedes Kind am PC modellieren kann.

 

Aber JURASSIC PARK war auch ein neuer Startschuss für wissenschaftliche Betrachtungen. Bewegungen am Computer zu simulieren und daraus Rückschlüsse über Proportionen, Gewichtverteilung und respektive Gang und Laufverhalten zu erhalten, wieder waren Dinoforscher auch an den Errungenschaften der Filmemacher interessiert.

 

 

Die späten Neunziger Jahre wurden auch die große Zeit der Dinodokus, sie allesamt verbesserten die Technik, der sich auch Spielberg in JURASSIC PARK bedient hat und zum Teil sind Dokus wie WALKING WITH DINOSAURS ebenso gewaltig wie der Kinokultfilm, der es zu drei Fortsetzungen gebracht hat.

 

 

 

Überschätzte Klassiker: VERGESSENE WELT: JURASSIC PARK

 

JURASSIC PARK ist nicht nur ein Effektfilm, er funktioniert in allen Belangen, die Figuren sind klasse, es gibt eine tolle Spannungskurve, typisches Spielbergkino der Oberklasse. Aber auch der letzte seiner Art. Spielberg selbst inszenierte noch die Fortsetzung THE LOST WORLD, doch im Gegensatz zur Meinungsfolklore halte ich den zweiten JURASSIC PARK Film für mittelprächtige Dinounterhaltung. Das heißt, alles rund um die Dinos ist natürlich toll. Aber filmisch kann sich der Film nicht wirklich entscheiden, was er sein will, Abenteuerfilm, Horrorfilm, Action, Klamauk.

 

 

Spielberg gibt Dinos Regieanweisungen in THE LOST WORLD – JURASSIC PARK (1997)

 

 

THE LOST WORLD lässt alle sympathischen Figuren des Vorgängers vermissen, die Übriggebliebenen sind aufgeblasene Fuzzis, Dr. Ian Malcom nervt, das Ende ist eine zu plakative KING KONG Kopie, ich weiß nicht, was die Leute immer an THE LOST WORLD finden und gleichzeitig JURASSIC PARK 3 verdammen. Der war kürzer, rasanter, stimmiger, hatte Dr. Grant und den wunderbaren William H. Macy und den Spinosaurus. Wenn man mich fragt, JURASSIC PARK 3 ist die bessere Fortsetzung.

 

 

In einem Land vor unserer Zeit

 

Den T-Rex sieht man aber immer wieder gern. Zum Glück gibts auf Dinosaurier kein Copyright. Sie sahen nun mal so aus, die Urzeitviecher. So kommt es, dass man einen T-Rex immer irgendwo reinquetschen kann, er funktioniert immer, ist mittlerweile eine Stilikone. Doch auch wenn der T-Rex seit JURASSIC PARK dem Kinozuschauer Angst eingejagt, weil er plötzlich so bös mit den Zähnen fletscht, Dinos gelten im Allgemeinen als jugendfrei.

 

 

Das war schon zu Zeiten von THE FLINTSTONES so, den DINOS bis hin zu CGI-Animationsfilmen der neueren Zeit. Mittlerweile sind die niedlichen Filmchen über Dinos, Meteoriten und Vulkane fast schon Bildungsprogramm für die Kids. Ein seltener Fall, dass Genreunterhaltung auch intelligent machen kann.Und wenn nicht intelligent, dann immerhin süchtig. Auch wenn es nach JURASSIC PARK keine weltbewegende Verbesserung im Effektbereich gegeben hat, Dinos sind noch immer Magnete.

 

Sie sehen in JURASSIC WORLD vielleicht noch realistischer aus oder haben wie in DINOSAUR ISLAND dank neuen Funden jetzt auch des Öfteren mal Federn.

 

 

Aber was kann da noch kommen? Denkt man nur in Filmen, mag das bedrücken. Dort muss es immer ein noch größerer, noch gefährlicherer Saurier sein, um die Massen zu beeindrucken.

 

In der Realität begeistert auch der Fund einer urzeitlichen Mücke noch. Wohin sich der Dinofilm bewegt, kann man schwer sagen.

 

 

JURASSIC WORLD (2015) von Colin Trevorrow

 

Ich kann allerdings nur hoffen, dass auch spätere Genrerationen von Kindern auf Dinosaurier abfahren, auf allen Kontinenten. Denn dann ist die Welt noch immer so schön, wie sie es in meiner Kindheit war.

 

 

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In der Reihe DIE KLEINE GENREFIBEL habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sämtliche Genre, Subgenre, Mikro- und Nanogenre des Genrefilms vorzustellen. Eine Aufgabe, die mich bis weit nach mein Lebensende beschäftigen wird. Ich lege den Fokus auf Dramaturgie und Buch, werde mich aber auch mit der Inszenierung sowie den jeweils besten Vertretern befassen.

 

Lesen Sie in der nächsten Folge:

 

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6 Comments

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    […] verquerten Logik nach kann auf Teil 37 der kleinen Genrefibel Dinomania nur das Kapitel Coming of Age folgen. Irgendwann hatte man das Malbuch über Dinosaurier weggelegt, […]

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    […] Die kleine Genrefibel Teil 37: Dinomania « traumfalter filmwerkstatt | stoffentwicklung – ge… 22. August […]

  3. Antworten

    […] FULL ECLIPSE von Horror-Veteran Anthony Hickox (WAXWORK, HELLRAISER 3) ist so ein Geheimtipp unter den Werwolffilmen, der urbane Fantasy-Horror-Action á la BLADE oder UNDERWORLD bereits 1993 vorwegnahmen. Auch gab es eine Fortsetzung von AMERICAN WEREWOLF, dieses mal in Paris, mit Julie Delpy in der Hauptrolle. Die Fortsetzung ist nicht so gut wie das Original, aber immerhin weit über dem Subgenredurchschnitt. AMERICAN WEREWOLF IN PARIS zeigt deutlich das Dilemma, in dem sich der Werwolffilm kurz vor dem nahenden Millenium befand. Denn ab 1993 war es mehr als nur möglich, selbst Dinosaurier lebensecht auf die Kinoleinwand zu bringen. […]

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    […] Drachen sind anmutige Geschöpfe voller Schönheit, aber auch Gefahr. Der klassische Drache des Mittelalters steht im Mittelpunkt des Subgenres. Aber auch chinesische (Lung) und japanische Variationen (Ryo) tauchen hier und da in der Filmwelt auf, sowie der lateinamerikanische Quetzalcoatl oder die griechische Hydra. Basilisken und Greife könnte man noch dazuzählen, aber der Drache an sich gehört definitiv in sein eigenes Gehege. Um Dinosaurier oder andere Echsen, die sich doch von Drachenfilmen unterscheiden, kümmern wir uns i… […]

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    […] seines Alters und einiger damals offener Fragen (1955 wusste man noch nicht viel über den Untergang der Dinosaurier) ist der Film wissenschaftlich noch immer ganz […]

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    […] digitale Filmhaut. 1993 wurde dann das einprägsamste Jahr der digitalen Effektrevolution, im Film JURASSIC PARK wurden erstmalig fotorealistische CGI Saurier auf die Leinwand losgelassen. Von nun an schien alles […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de