Die kleine Genrefibel Teil 48: Odýsseia

Weh mir! Zu welchem Volke bin ich nun wieder gekommen? Sind’s unmenschliche Räuber und sittenlose Barbaren; oder Diener der Götter, und Freunde des heiligen Gastrechts? Eben umtönte mich ein Weibergekreisch, wie der Nymphen, welche die steilen Häupter der Felsengebirge bewohnen, und die Quellen der Flüsse und grasbewachsenen Täler! Bin ich hier etwa nahe bei redenden Menschenkindern? Auf! Ich selber will hin, und zusehn, was es bedeute! Also sprach er, und kroch aus dem Dickicht, der edle Odysseus, brach mit der starken Faust sich aus dem dichten Gebüsche einen laubigen Zweig, des Mannes Blöße zu decken;

 

Auch unsere Reise durch die Wunderwelt der Filmgenres gleicht einer Irrfahrt. Heute machen wir wieder Halt an den Ufern des Fantasyfilms, der noch mehr zu bieten hat als Trolle, Feen und stinkende Orkse. Gleichsam tauchen wir in faszinierendes Kapitel der Menschheitsgeschichte ein, die Wiege der Kunst und der Zivilisation. Heute geht es um Helden, um Götter und Halbgötter, um schauerliche Kreaturen, wütende Titanen und finstere Wesen der Unterwelt – die griechische Mythologie im Film.

 

 

 

 

 

Die Geschichte des antiken Griechenland war prägend für Europa und währte zwischen 800 v. Chr. bis 145 v. Chr., als sich das Römische Reich über Europa ausbreitete. Monumentale Architektur, Demokratie, Meisterwerke der Dichtkunst, Wissenschaft, Philosophie, sportlicher Wettstreit – die Errungenschaften der alten Griechen bestimmen noch heute die europäische Zivilisation und Kultur. Auch in den alltäglichen Sprachschatz hat sich die griechische Mythologie eingeschlichen: man spricht von der Achillesferse, von Argusaugen, dem Ödipuskomplex und einer Sisyphosarbeit.

 

Obgleich uns die griechische Mythologie im Schulunterricht ermüdet hat in ihrer Komplexität an Namen und verwandtschaftlichen Wirrungen, Figuren wie Zeus, Hades, Odysseus, Herakles oder der Minotaurus kennt wohl fast jedes Kind. Sie waren die ersten Helden der Literaturgeschichte und spielten später auch im Film die ein oder andere Hauptrolle.

 

Ilias & Odyssee

 

Begonnen hat das alles im 8. Jahrhundert vor Christus mit der Entstehung der homerischen Epen. Homer (nicht zu verwechseln mit Homer Simpson) galt als der frühste Dichter des Abendlandes. Doch beweisen kann das heute keiner mehr, nicht wenige glauben sogar, dass es Homer nie gegeben hat. Was aber blieb, sind Werke, die ihm zugesprochen wurden, darunter die Ilias und die Odyssee. Die Ilias gilt als ältestes schriftliches Werk Europas. Sie basiert auf frühen Mythen und beeinflusste durch die Darstellung der olympischen Götter die griechische Kultur bis zum heutigen Tage.

 

HELENA (1924)

Die Ilias erzählt die Geschichte des zehnjährigen Krieges zwischen Troja und den Griechen. Als historisches Ereignis, so es denn so stattgefunden hat, ist der trojanische Krieg in etwa so bekannt wie der Untergang der Titanic. So gut wie jeder kennt zumindest den cleveren Plan Odysseus, mittels eines Holzpferdes in die belagerte Stadt einzudringen, um den Krieg zu entscheiden.

 

Denn Zoff gab es vor allem um die von Paris entführte Helena, die Tochter von Agamemnon. Aga-Aga-Aga-Aga-Agamemnon. Bevor aber wieder alle einschlafen wie im Deutschkurs damals, springen wir vom geschichtlichen Agamemnon gleich in das Zeitalter des Films.

 

 

 

Als weltgeschichtliches Ereignis, noch dazu eins mit enormer Dramatik, hielt Homers Werk auch relativ früh Einzug in die Kinematographie. Doch war es nicht die Ilias, sondern die Odyssee, die zuerst auf Zelluloid gebannt wurde. Die Odyssee ist quasi die Fortsetzung der Ilias und erzählt die Rückkehr des Heldens von Troja – Odysseus – auf seine Heimatinsel Ithaka. Warum sich der Film auf diesen zweiten Teil des Epos stürzte, war naheliegend. Zwar war auch die Ilias umd den trojanischen Krieg vollgestopft mit dramatischen Ereignissen, doch waren die Irrfahrten des Odysseus die wohl erste Heldenreise der Literaturgeschichte.

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Die Heldenreise, wie sie später von Joseph Campbell beschrieben wurde, hatte großen Einfluss auf die Erzählweise des Kinos. Luke Skywalker, Frodo, Clownfisch Nemo, ihre Abenteuer sind alle nach der Heldenreise gestrickt, doch die erste Heldenreise unternahm Odysseus, der mit Zyklopen kämpfte, den Sirenen trotze und der sich nicht “bezirzen” ließ (auch so ein Ausdruck, der auf Homer zurückgeht). Für das Kino war er als Held Gold wert, die Menschen waren von seinen Abenteuern begeistert, vor allem auch, weil sie visuell waren.

 

So war es wieder der Filmpionier Georges Méliès, der den ersten Film wie Horrorfilm schuf, die erste Reise zum Mond visualisierte und das erste Biopic entwarf, der den Kampf Odysseus gegen den Zyklopen Polyphem 1905 auf die Leinwand brachte – L’Île de Calypso: Ulysse et le géant Polyphème. 1911 folgte der 44-minütige Stummfilm L’ODYSSEA. Erst 1924 wurden mit der BAVARIA-Produktion HELENA Auszüge der Ilias als Zweiteiler verfilmt.

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Doch Odysseus blieb der beliebtere Held, die Odyssee die prominentere Geschichte. Denn sie war zum einen auf einen Helden gemünzt, zum anderen waren seine Abenteuer so bildgewaltig, dass sie nach dem neuen Medium Film geradezu verlangten. Der Kampf gegen einen hünenhaften Zyklopen, dem Odysseus und seine Mannschaft das Auge mit einem Baumstamm ausbrannten, war ein epischer Blickfang. Aber auch die Darstellung des antiken Griechenlands mit schönen Frauen in Garderobe, monumentalen Bauten und verschwenderischer Ausstattung machten mythologische Historienstoffe im Kino so beliebt. Nach der Stummfilmära waren die 50er Jahre eine solche Hochzeit für das Monumentalepos und Homers Werke.

 

DIE FAHRTEN DES ODYSSEUS (1955)

ACHILLES (1962)

 

Zwischen beiden filmischen Interpretationen entstand dann auch die Genreaufsplittung. Denn mehrere Begriffe standen plötzlich im Vorführraum. Monumentalfilme waren sie sicherlich, doch in den Fünfziger und Sechziger Jahren waren Römer und Ägypter gleichsam erfolgreich an der Kinokasse, ebenso wie Bibelverfilmungen. Nicht selten werden Filme über die griechische Mythologie auch den sogenannten Sandalenfilmen zugeordnet.

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Sandalenfilme waren vor allem B-Movie-Ableger großer Monumentalschinken mit billigen Mitteln, vor allem Italien schuf bis in die späten Sechziger solche Machwerke, in denen leichtes Schuhwerk zum Symbol wurde. Da aber im Gegensatz zu Filmen über das Römische Reich in der griechischen Mythologie Götter und Fabelwesen gleichbedeutend neben Menschen agierten, tendieren diese Filme auch eindeutig in den Fantasybereich. Manche Kreaturen hatten ein hohes Schreckenspotential, doch den Horrorfilm hat die griechische Mythologie nur bedingt beeinflusst.

 

Daneben standen große griechische Werke oftmals Pate für Adaptionen, die sich nicht eins zu eins als historischer Stoff verstanden, sondern Figuren und Geschichte in andere Zeiten verlagerten, beispielsweise Verfilmungen von Werken Sophokles. Aber auch der Coen Brothers Film OH BROTHER WHERE ART THOU basiert auf Homers Odyssee.

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Filme, die sich eher auf einen geschichtlich-korrekten Kontext der Materie bezogen, sind selten, wohl auch, weil es kaum Quellen abseits der homerischen Epen oder Dichtungen anderer Autoren oder Philosophen gibt. Selbst der trojanische Krieg ist kaum historisch verbürgt, wenn auch Homers Ilias als geschichtlicher Bericht verstanden wird. Die Geschichte um den Fall Trojas ist auch nicht wegen ihrer historischen Korrektheit so beliebt, sondern wegen dramaturgischer Brandbeschleuniger.

 

Die ganze griechische Mytholgie, die Heldenreise, die Motivation der Heroen, sogar der Götter, ist durchzogen von menschlicher Übermacht und menschlichem Makel. Hass, Neid, Missgunst, all das war ein phantastisches Spielfeld für große Dramen. Doch es gab noch einen anderen Grund, warum die griechische Mythologie bis heute so fasziniert.

 

Göttervater Zeus im Film: Niall MacGinnis (JASON UND DIE ARGONAUTEN), Laurence Olivier (KAMPF DER TITANEN), Hulk Hogan (LITTLE HERCULES), Liam Neeson (KAMPF DER TITANEN), Sean Bean (PERCY JACKSON), Luke Evans (IMMORTALS)

Im Gegensatz zu anderen Religionen und Gottheiten waren die griechischen Götter des Olymps nämlich wahrhaft übermenschlich.

 

Sie verfügten nicht über die Vollkommenheit, die dem christlichen oder muslimischen Gott zugesprochen wurde, die olympischen Götter waren Schweinehunde, sie betrogen, säten Hass und Zweifel, waren launisch und jähzornig. Zeus hurte in der Weltgeschichte herum, Aphrodite war untreu, Dionysus soff wie ein Loch. Die griechischen Götter hatten menschliche Makel und das war höchst unterhaltsam für Literatur und Film.

 

 

 

 

 

 

Bizeps, Brüste, Bärenfelle

 

Dennoch standen Menschen im Mittelpunkt der Geschichten. Ihre Lage wurde meist dramatisch zugespitzt. Entweder mussten sie Unmögliches vollbringen, wie Odysseus auf seinen Irrfahrten, manchmal machte ihnen ihre Herkunft zu schaffen. Nachdem Odysseus in der Frühzeit des Kinos so manche Irrfahrt absolviert hat, konzentrierte sich der Film auf einen anderen Helden. Dieser war ein Halbgott, der Sohn von Zeus und Alkeme, obwohl es dafür selbst in der Götterwelt keinen Nachweis gab. Es war Herakles, der bereits in Troja kämpfte, der aber vor allem wegen seiner zwölf Aufgaben und dem Aufstieg in den Olymp zu Ruhm gelangte.

 

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Herakles, oder seine römische Entsprechung Herkules, ist innerhalb der Popkultur sogar noch bekannter und beliebter als Odysseus. Seine zwölf Aufgaben, von der Erwürgung des Nemeischen Löwen bis zur Befreiung Kerberos aus der Unterwelt, festigten seinen Ruf als übermenschlicher Held, aber auch des Büßers.

 

Denn er wurde von Hera mit einer Art Blutrausch verflucht, worauf er seine Frau und seine Kinder erschlug. Das Orakel von Delphi verriet dem niedergeschlagenen Helden, dass er sich zwölf Aufgaben stellen müsse, um Vergebung zu finden. So wurde aus dem Helden der Mann, der durch die Verfolgung seiner Feindin Hera zu Ruhm gelangen sollte – der Name Herakles entstand.

 

Herakles, bzw. Herkules hat es im Kino zu einer erstaunlichen Filmographie geschafft. Doch nur die wenigsten Streifen sind der griechischen Mythologie zuzuordnen. Denn vor allem aus dem römischen Herkules wurde verstärkt ein Raufbold, der sich eher der Barbarenfilmwelle zuordnen ließ. So entstand zwischen 1957 und 1965 die sogenannte italienische Herkulesfilmreihe, welche den großen Erfolg von DIE UNGLAUBLICHEN ABENTEUER DES HERKULES 1957 nacheifern wollten.

 

Steve Reeves als Herkules in DIE ABENTEUER DES HERKULES (1957)

Der Film mit Bodybuilder-Ikone Steve Reeves als Titelheld spielte allein in den Staaten über 20 Millionen Dollar ein und befeuerte somit die ganze italienische Filmproduktion. Diese Filme trugen die Subgenrebezeichnung peplum films, aus denen sich der Begriff Sandalenfilme ableitete.

 

Im Gegensatz zu amerikanischen Monumentalfilmen der 50er Jahre waren diese wesentlich trivialer und fantastischer angehaucht. Im Mittelpunkt standen schlichte Muskelprotze im Kampf gegen Götter und Fabelwesen. Sie waren nicht so clever wie der listenreiche Odysseus, auch nicht so von Zweifeln und Selbsthass zerfressen wie der griechische Herakles. Die Herkulesfilme aus Italien waren billige B-Movies mit großen Schau- und Unterhaltungswert.

 

Die Helden waren natürlich an Herakles angelehnt, doch neben Herkules trugen sie auch die Namen Ursus, Maciste oder Samson. In Monumentalfilmen regierten oft uferlose Dialoge, in italienischen peplum films dagegen Bizeps, Brüste, Bärte und Bärenfelle.

 

Lou Ferigno als Herkules in HERKULES (1983)

Doch die italienischen Sandalenfilme um Herkules fanden bereits Mitte der Sechziger ein Ende, als der Spagettiwestern die Bühne betrat. Zwar gab es 1983 und 1985 noch zwei italienische Herkules-Verfilmungen mit Hulk-Star Lou Ferigno in der Titelrolle, doch die griechische Mythologie in Film wurde für den Kinozuschauer immer uninteressanter. Doch Herkules überdauerte alles, durch Kevin Sorbo wurde er in den Neunzigern Fernsehstar und vor zwei Jahren konkurrierten sogar zwei neue Herkules-Produktionen an der Kinokasse.

 

Während Renny Harlins THE LEGEND OF HERCULES weit von der Vorlage abrückt und eher realistisch rüberkommen will, wurde aus Brett Ratners HERCULES ein trashiges Vergnügen mit Dwayne “The Rock” Johnson als Idealbesetzung. Was Rattners Film besser macht als THE LEGEND OF HERCULES?

 

 

Dwayne Johnson in HERCULES (2014)

 

 

Er nimmt sich nicht zu ernst und hinterfragt somit auch den Mythos selbst. In HERCULES ist der Titelheld zusammen mit einer Gruppe anderer Krieger unterwegs, die seine angeblichen Heldentaten wie die zwölf Aufgaben dramatisch geschickt gegen den Feind ausspielen. So wirkt dieser Hercules als Figur cool und realistisch zugleich. Zudem hat HERCULES wesentlich mehr Drive und Witz und steht und guter Tradition zu den italienischen peplum films der sechziger Jahre.

 

 

Der mit einer Sandale kommt

 

In den USA hingegen sollte die Evolution der Filmtechnik auch mit dem Subgenre um griechische Mythologie eine weitere Stufe erreichen. Neben gut geölten Oberkörpern und Grazien in Seide waren vor allem die Fabelwesen faszinierend. Für das frühe Kino waren die allerdings schwer umzusetzen. George Méliès schuf 1905 den Zyklopen Polyphem als ersten Leinwandriesen noch mit einfachen Mitteln, auch im Klassiker DIE FAHRTEN DES ODYSSEUS mit Kirk Douglas war der Riese ein Mensch mit aufgeklebtem Pappauge. Wie aber eine neunköpfige Hydra überzeugend auf der Leinwand darstellen? Ein Bereich der Filmtricktechnik revolutionierte sich vorrangig an Filmen der griechischen Mythologie.

 

 

Ray Harryhausen (1920 – 2013)

 

Ray Harryhausen war ein Tricktechniker, der den Einsatz von Stop-Motion-Technik im Kino revolutionierte. Von Dinos in PANIK IN NEW YORK bis zu den SINDBAD-Abenteuern hatte er diese Technik bereits perfektioniert, um 1963 mit JASON UND DIE ARGONAUTEN sein Meisterstück abzulegen. Harryhausen ließ einen Koloss aus Bronze lebendig werden und Skelette neben Menschen kämpfen, was seinerzeit aufsehenerregend war und auch heute noch ist.

 

JASON UND DIE ARGONAUTEN (1963)

Medusa in KAMPF DER TITANEN (1981)

 

JASON UND DIE ARGONAUTEN ist zudem einer der Klassiker an Filmen über die griechische Mythologie. Dank Stop-Motion-Technik konnte man Kreaturen wie die Hydra überzeugender darstellen, ohne Menschen in Gummikostüme zu zwängen. Diese Technik war zwar zeitraubend und kompliziert, das Ergebnis aber umso beeindruckender.

 

KAMPF DER TITANEN (1981)

Einige Jahre später setzte sich Harryhausen mit KAMPF DER TITANEN ein weiteres Denkmal, es war 1981 sein letzter Film, an dem er die Effekte kreierte. Sowohl JASON als auch KAMPF DER TITANEN haben meine Filmkindheit geprägt. Schon früh haben mich Odysseus Irrfahrten begeistert, doch keinen Film sah ich seinerzeit öfter im Kino als KAMPF DER TITANEN, der auch in DDR-Kinos gespielt wurde.

 

Ich hatte Alpträume von Kalibos, schwärmte von der schönen Andromeda und wollte wie Perseus sein, der den Kopf der Medusa abschlug und sich auf dem Rücken des geflügelten Pferdes Pegasus gegen das Seeungeheuer stellte. Kerberos, Skorpione, die Eule Bubo, all diesen Wesen hauchte Harryhausen Leben ein, wie es kein zweiter Effektkünstler vermochte.

 

 

Man müsste annehmen, dass gerade Filme über die griechische Mythologie am meisten von der Effektdigitalisierung profitiert hat, die ab den 90ern durch Filme wie TERMINATOR 2 oder JURASSIC PARK Fahrt aufnahm. Leider aber kamen Filme über das Antike Griechenland nie wieder zu einer solchen Popularität wie in den 60ern. Andere Superhelden liefen Odysseus und Herakles den Rang ab, wenn auch Muskelprotze wie Schwarzenegger am Anfang ihrer Karriere noch große griechische Helden verkörperten.

 

 

300 von Zack Snyder (2007)

 

Trotzdem gab es Ende der 90er, Anfang der 2000er ein kleines Revival an griechischer Mythologie, doch ging diese nicht vom Film aus, sondern aus anderen Medien. Zum einen war da die Graphic Novell von Frank Miller 300, die große Erfolge feierte und 2007 von Zack Snyder verfilmt wurde sowie Tarsems IMMORTALS (KRIEG DER GÖTTER) beeinflusste.

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Zum anderen war da die Videospielreihe GOD OF WAR für die PLAYSTATION 2 und 3, dessen inszenatorischen Elemente sich im Remake von KAMPF DER TITANEN wiederfinden.

 

Denn erst ab 2000 versuchte man sich an Neuinterpretationen wie TROJA oder dem Remake von KAMPF DER TITANEN. Doch konnte man die visuelle Wucht der Harryhausen-Effekte mittels CGI nicht toppen. Medusa und die andere Kreaturen verloren eher an Schrecken. Einzig IMMORTALS von Regisseur Tarsem gelang es, ein bildgewaltiges antikes Griechenland auf die Leinwand zu zaubern.

 

 

Unsterbliche

 

Wenngleich man immer von Heldenabenteuern spricht, die Filme über Odysseus bis Hercules waren auch immer eine Art Ensembleabenteuer. Denn ein Held war nichts ohne seine Truppe. Das brachte andere Charaktere in die Geschichten, auch Humor. Siege machten Spaß, Niederlagen schmerzten.

 

IMMORTALS von Tarsem Singh (2011)

Auch IMMORTALS, bei uns bekannt als KRIEG DER GÖTTER, erzählt die Geschichte einer Heldengruppe um Theseus, Hyperion und den Minotaurus. Die Götter des Olymps wurden noch nie so rauf- und rachsüchtig dargestellt, lediglich Luke Evans als Zeus kann nicht mit Laurence Oliver oder Liam Neeson mithalten. Wenn auch die Figuren etwas blass erscheinen, begeistert IMMORTALS vor allem durch seine Bildgewaltigkeit, wie eigentlich alle Filme des indischen Film- und Videoclip Regisseur Tarsem Singh.

 

 

Uma Thurman als Medusa in PERCY JACKSON – DIEBE IM OLYMP (2010)

Die letzten nennenswerten Verfilmungen griechischer Mythologie waren die beiden PIERCY JACKSON Filme nach den Büchern von Rick Riordan, eine Art Harry Potter mit olympischen Göttern und Fabelwesen. Das funktioniert für die Zielgruppe aber erstaunlich gut und ist mit Pierce Brosnan, Sean Bean oder Uma Thurman als Medusa fantastisch besetzt. Griechische Mythologie funktioniert auch für jüngere Altersschichten, so diese nicht gänzlich zu den MARVEL-Superhelden abgewandert sindDie sind im Endeffekt legitime Nachfahren griechischer Helden oder, wie im Fall THOR, schildern ihre eigene Götter-Menschenwelt, nur in einer anderen Mythologie.

 

 

Ob wir uns in der Kleinen Genrefibel auch mit der nordischen, ägyptischen oder römischen Mythologie beschäftigen, darüber bin ich mir nicht sicher. Das alte Rom hat das Kino vielleicht sogar mehr beeinflusst als das antike Griechenland, ägyptische Mythologie hat seine Spuren auch im Horrorfilm hinterlassen, zudem gibt es sehenswerte Einzelfilme über Azteken, Maja und Wikinger.

 

Ich glaube nicht, dass das Thema so ergiebig ist wie die griechische Mythologie in dieser Folge, aber vielleicht unternehmen wir nochmal eine mythologischen Zeit- und Weltreise, um auch andere Helden neben Odysseus, Herakles oder Perseus kennenzulernen. Aber keinen Stress, Leute, ihr wisst ja: Η βιάση ψήνει το ψωμί, μα δεν το καλοψήνει. Bis dahin!

 

 

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In der Reihe DIE KLEINE GENREFIBEL habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sämtliche Genre, Subgenre, Mikro- und Nanogenre des Genrefilms vorzustellen. Eine Aufgabe, die mich bis weit nach mein Lebensende beschäftigen wird. Ich lege den Fokus auf Dramaturgie und Buch, werde mich aber auch mit der Inszenierung sowie den jeweils besten Vertretern befassen.

 

Lesen Sie in der nächsten Folge:

 

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4 Comments

  1. Antworten

    […] anfangs zurück. Stop Motion wurde hauptsächlich im fantastischen Film eingesetzt, wie durch Ray Harryhausen, der umwerfende Stop Motion Kreaturen schuf. Erst Anfang der 90er Jahre wagte ein abtrünniger Disneylehrling einen erneuten […]

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    […] Die kleine Genrefibel Teil 48: Odýsseia 25. Oktober […]

  3. Antworten

    […] gute Einnahmequelle für B-Movie-Studios, doch thematisierten diese eher heroische Einzelfiguren griechischer und römischer Geschichte wie Herkules, aber auch König Arthur oder Ilja Muromez. Der klassische Barbarenfilm entstand erst durch die […]

  4. Antworten

    […] wir erst, wann wir uns da befinden. Einst befassten wir uns in der kleinen Genrefibel mit dem antiken Griechenland, dem das Römische Reich folgte, siehe Asterix. Die Menschheitsgeschichte ist in vier Epochen […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de