Die kleine Genrefibel Teil 51: Puppentrick

“Das is doch Trick!” entfuhr es mir und meinen Freunden, als wir, jung an Jahren, Filme wie KAMPF DER TITANEN oder DIE UNENDLICHE GESCHICHTE im Kino sahen, in denen geflügelte Pferde, Riesenskorpione oder Rennschnecken wie von Zauberhand zum Leben erweckt über die Leinwand hoppelten. Faszinierend war es schon, doch wir wussten um die mutmaßliche Gaukelei, oder hatten zumindest eine Ahnung. Zeichentrick war etwas, was man verstand, wenn man kleine Figuren am unteren Rand des Schnellhefters hinkritzelte, die sich plötzlich bewegten, wenn man die Blätter durch die Finger rattern ließ. Daumenkino nannte man das, es resultierte aus der Trägheit des Auges und machte aus Einzelbildern Animationen. So funktionierte Film und hatte man das verstanden, konnte man sich auch erklären, wie Spielzeugfiguren plötzlich lebendig wurden.

 

Film war der lebendige Traum vom Spielen. Als Kind hantierte man mit Puppen oder Teddybären, mit Zinnsoldaten, Plastikindianern und Suralinschöpfungen, mit He-Man oder Skeletor, Monchichi oder einem fluoreszierenden Schlossgespenst der Marke Playmobil. Man gab ihnen Leben, durch Setting, Ausstattung, Bewegung und Synchronisation. “Nimm dies, du Schurke!” hieß der Schlachtruf, bevor man die Playmobilfiguren aneinanderklatschte, bis einem der Frisurknübbel vom Plastikkopf fluppte. Applaus, Applaus!

 

 

 

 

Daran hat sich auch nach mehreren Generationen nichts geändert, noch immer erfüllt das Spiel mit Puppen und Figuren die Herzen von Kindern und Junggebliebenen. So auch im Film, denn der Puppentrickfilm ist nach wie vor lebendig und wurde nicht in eine alte Pappschachtel gesteckt und in der muffigen Rumpelkammer verstaut, nur weil es plötzlich neues Spielzeug namens CGI gab.

 

Wir wollen heute einen kleinen Blick auf die Wunderwelt des Puppenspiels werfen. Puppenspiel und Puppentrick, das sind keine Zwischenstationen auf dem Weg der Filmeffektrevolution, Puppenfilme sind ein Mikrokosmos von großer Leidenschaft und Handwerkskunst. Und sie sind mitnichten nur für ein Kinderpublikum gemacht. In Puppentrickfilmen steckt nicht nur filigranes Handwerk, Puppentrickfilme erzählen nicht nur Geschichten, sie sind Geschichte, in ihnen spiegeln sich Kinderträume und Sehnsüchte von Erwachsenen, Gesellschaftskritik und eine Abstrahierung der Realität. Vor allem aber ist die Geschichte von Puppen im Film eine Geschichte über faszinierende Persönlichkeiten und Künstler, die dieses Handwerk zur Perfektion getrieben haben.

 

Das kleine Puppen-Einmaleins

 

Beginnen wir mit Genredefinitionen. Denn Puppentrick ist nicht gleich Puppentrick. Als Puppentrickfilm bezeichnet man für gewöhnlich einen Film, in dem Puppen oder Figuren Bild für Bild verändert und aufgezeichnet werden, um dann im laufenden Film flüssige Bewegungen darzustellen. Die Technik dahinter heißt Stop Motion und das funktioniert im Prinzip genauso wie beim Daumenkino oder dem Zeichentrickfilm, nur dass man figürlich arbeitet. Doch später dazu mehr. Nun ist aber nicht jeder Film mit Puppen ein Puppentrickfilm.

Die wohl bekannteste Puppe in der Literatur wurde nur zweimal mittel Puppentrick umgesetzt: in DAS GOLDENE SCHLÜSSELCHEN (1939, als russisches Pendant Buratino) und 1996 in DIE LEGENDE DES PINOCCHIO.

 

 

Wenn Puppen nicht mittels der Filmtechnik Stoptrick animiert werden, sondern von Hand bewegt werden, hat man es meist mit Marionetten oder Live Action Puppen zu tun. Marionetten hängen an Fäden und werden von Puppenspielern bewegt, genauso wie Puppen durch Hände oder andere Mechaniken bewegt werden können. Man spricht dann vom Marionettenfilm, wie zum Beispiel die Filme aus der Ausburger Puppenkiste oder vom Handpuppenfilm wie bei den Muppets.

 

Eine wichtige Definition dieses Handwerks ist das figürliche oder materielle Arbeiten, was dererlei Animationsfilme vom Zeichentrick unterscheidet. So sind Scherenschnittanimationen oder Silhouettenfilme, Cut-Out-Animations wie bei SOUTH PARK oder der Collagenfilm eher der Puppentricktechnik zuzuordnen als dem Zeichentrick.

 

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Zum anderen bestimmt wie gesagt das Material die jeweilige Ausprägung. Das können statische Puppen sein, sogenannte Puppetoons wie das Sandmännchen, welches in Stop Motion animiert wird oder Marionettenpuppen, die von Hand bewegt werden. Mimiken sind in diesem Fall kaum zu realisieren. Dem gegenüber steht eine ganz andere Art der Puppentrickanimation durch Materialien wie Knete oder Ton, die sogenannte Knetanimation oder Claymation.

 

Claymation (engl. clay „Ton, Lehm“, animation „Belebung“) kann entweder ganzheitlich im Film Verwendung finden wie bei WALLACE & GROMIT oder für animierte Figuren in realen Sets wie in den Serien LUZIE, DER SCHRECKEN DER STRASSE oder DIE TINTENFISCHE AUS DEM ZWEITEN STOCK.

 

LUZI, DER SCHRECKEN DER STRASSE (1980)

DIE TINTENFISCHE AUS DEM ZWEITEN STOCK (1986)

 

Relativ jung ist hingegen der sogenannte Brickfilm, in dem Legobausteine und Figuren animiert werden und der mittlerweile eine tolle Spielwiese für junge Animatoren und Filmemacher geworden ist. Heute wird klassischer Puppentrick durch Stop Motion meist mit CGI kombiniert, jedoch nicht als neue Ausdrucksform wahr genommen, wenngleich Filme wie CORALINE oder KUBO AND THE TWO STRINGS die Evolution des Stop Motion Animationsfilm weiter voran getrieben haben.

 

Der Puppentrickfilm verdankt seine stetige Beliebtheit nicht nur den Hauptakteuren, den Puppen, allein. Die Faszination am Puppentrick geht auch vom Setting aus. Denn für einen Puppentrickfilm muss, sollten animierte Puppen nicht Teil einer realen Szenerie sein, ein eigenes Set in einem ganz bestimmten Maßstab entworfen und realisiert werden. Solche Sets sind manchmal wahre Wunderwelten an Detailreichtum. Sie müssen, genau wie Figuren, mit Leben erfüllt sein.

 

Stop Motion Puppe und Set aus THE CORPSE BRIDE (2005) von Tim Burton

Ausstattung ist für einen Puppentrickfilm von besonderer Bedeutung, denn selten kann man normale Gegenstände verwenden, sie müssen in Größe und Funktion auf die Puppen und das Set abgestimmt sein. Dazu gehören genauso Hintergründe, die reale Filmsequenzen sein können wie auch Matte Paintings. Um letztlich ein Puppenszenario zum Leben er erwecken, bedarf es auch einer guten Synchronisation, wenngleich auch stumme Puppentrickfilme hervorragend funktionieren. Die Summe dieser Teile lässt am Ende den Puppentrickfilm wie ein kleines Kunstwerk erscheinen, wie eine Miniaturwelt oder eine lebendige Vitrine. Das macht den Puppentrickfilm aufwändig und teuer, nicht nur durch die langwierige Stop Motion Animation.

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So sind ganze Spielfilme in diesem Bereich deutlich in der Minderheit, Puppentrick kommt vor allem im Kurzfilm und in der Werbung zum Einsatz. Im Kino entstehen aus 24 Einzelbildern pro Sekunde flüssige Bewegungen im Gehirn, um das für eine Puppe mittels Stop Motion Technik zu realisieren, müsste diese 24 mal in der Sekunde verändert werden, was in der Minute bereits 1440 Einzelbilder erfordert. Nicht alle Stop Motion Tricks werden so aufwändig realisiert, auch weniger Bilder erreichen einen Bewegungseffekt, der typisch für Puppentrickanimation erscheint.

 

 

Das alles macht den Puppentrickfilm zu einer teuren und zeitraubenden Angelegenheit. So sind Puppentrickfilme selten ein gutes Geschäft für Filmproduzenten. Neben der schwierigen technischen Realisation ist auch die Rezeption von Puppen im Film problematisch. Filme mit Puppen werden sehr häufig mit Kinderfilmen gleichgesetzt.

 

Obgleich es eine große Zahl von Puppenfilmen für Kinder gibt, ist das nicht ausschließlich so. Der Puppentrickfilm als solches hat diesen Ruf, Puppen im Film allgemein waren wichtige Stationen auf dem Weg der Effektrevolution. Sie wirkten echt, weil sie aus echtem Material bestanden, sie waren aber auch künstlich, weil ihre Bewegungen artifiziell wirkten.

 

ALICE IN WONDERLAND (1949)…

…mit animierten Puppen von Louis Bunin

 

Trotzdem ist es nicht so, als hätten CGI Figuren im Film Puppen vollständig abgelöst. Ihre Bewegungen mögen deutlich realistischer zu kreieren seien, eine Puppe hingegen kann das trotz ihrer Limitierungen genauso erreichen und lebendig wirken. Der Puppenfilm war von Anfang an ein eigenständiges Subgenre. Und es wurde nicht von Produzenten, sondern von leidenschaftlichen Künstlern revolutioniert und weiterentwickelt.

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Selbstverständlich steckt in Puppentrickfilmen jede Menge Geschichte und Gesellschaftspolitik. Puppentrickfilme waren künstlerische Ausdrucksformen, in ihnen verbarg sich getarnte Kritik an Regimen und politischen Umtrieben. Der Puppentrickfilm war nicht selten Metapher. Vor allem aber war er wie eine globale Sprache. Hollywood hatte kein Monopol auf den Puppentrickfilm, im Gegenteil, die interessantesten Filme sind oft außerhalb der amerikanischen Filmindustrie entstanden.

 

Die Geschichte des Puppentrickfilms erzählt sich weniger über Stationen einzelner Jahrzehnte als über ihre Protagonisten, die Visionäre und Künstler, die den Puppentrick im Film zu einer eigenen Kunstform gebracht haben. Wir schauen uns heute mal die besten Puppenspieler dieser Zunft an, die den Puppentrickfilm so liebenswert und zeitlos gemacht haben.

 

Masters of Puppets

 

Einer der ersten Filmpioniere in diesem Bereich war der Pole Władysław Starewicz, geboren 1882 in Moskau, der neben Georges Méliès auch zu den Pionieren der Stop Motion Technik gehört. Starewicz arbeitete in einem Institut für Insektenforschung und schuf bereits im Jahr 1910 den frühen Stop Motion Film LUCANUS CERVUS um den Kampf zweier Hirschkäfer. Sein Markenzeichen wurden präparierte und animierte Insekten und Tierfiguren.

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Bis zur Oktoberrevolution 1917 arbeitete Starewicz in Moskau und drehte dort international erfolgreiche Puppentrickfilme wie DIE SCHÖNE LJUKANIDA oder DIE RACHE DES KAMERAMANNS (1912). 1917 floh der Filmemacher nach Frankreich, wo er unter dem Namen Ladislas Starewitch ausschließlich Puppentrickfilme realisierte, so auch seinen ersten Puppentrickspielfilm LE ROMAN DE RENARD (REINEKE FUCHS), der Władysław Starewicz’ bekanntestes Werk wurde.

 

LE ROMAN DE RENARD (1937)

Der Film benötigte zehn Jahre der Vorbereitung und wurde innerhalb von 18 Monaten realisiert, bis er 1937 in Deutschland und erst 1941 in Frankreich in die Kinos kam. Der Puppentrickfilm verblüffte Kritiker und das Publikum, nur ein finanzieller Erfolg wurde er nicht. Doch revolutionierte er die junge Filmtechnik, die auch in anderen Ländern Verwendung fand.

 

So auch in Deutschland, wo die Gebrüder Ferdinand, Hermann und Paul Diehl zwischen 1929 und 1970 über 60 Puppentrickfilme produzierten. Hermann Diehl entwarf die Puppen, Ferdinand Diehl führte Regie, Paul Diehl fungierte als Drehbuchautor und Produzent. Der erste deutsche Puppentrickfilm kam 1937 in die Kinos – DIE SIEBEN RABEN nach den Gebrüdern Grimm.

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Noch bekannter allerdings wurde 1938 der Kurzfilm DER WETTLAUF ZWISCHEN DEM HASEN UND DEM IGEL, der als Unterrichtsfilm eingesetzt wurde und sogar im Zweiten Weltkrieg für Frontsoldaten gespielt wurde. Der namenlose Igel wurde dann 1946 zum inoffiziellen Maskottchen der Zeitschrift “Hörzu” und bekam den Namen Mecki. Das führte zuerst zu einem Rechtsstreit zwischen der Zeitschrift und Ferdinand Diehl, doch profitierten am Ende beide Parteien von der Beliebtheit der Igelfigur.

 

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Mecki trat nun in neuen Filmen auf, wurde als Puppe von der Firma Steiff lizensiert und hatte eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf das traumatisierte Nachkriegsdeutschland.

 

Mecki wurde zu einer bundesdeutschen Ikone der Wiederaufbauzeit, aber auch ein Symbol für die Verdrängung der Kriegsjahre und des Faschismus. Der Igel war unschuldig, geradezu kleinbürgerlich und er erreichte so eine immense Popularität, nicht zuletzt wegen der heilen Märchenwelt, die seine Filme transportierten. Mecki begeisterte so nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene.

 

Puppenbühnen hinterm Eisernen Vorhang

 

Nach dem zweiten Weltkrieg waren es vor allem die Trickfilmstudios in Polen, der CSSR und der DDR, die wegweisende Puppentrickfilme produzierten. Zu einem Begründer des tschechischen Animationsfilms gehört der Illustrator Jiří Trnka, geboren 1912, der den tschechoslowakischen Film zu weltweitem Ruhm verhalf.

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Die Puppen von Trnka waren atemberaubend detailliert und inspirierten unzählige Filmemacher, darunter auch Tim Burton. Trnka wird häufig als der tschechische Walt Disney bezeichnet und seine Filme sind ein Füllhorn an poetischer Phantasie. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Verfilmungen böhmischer Sagen, PRINZ BAJAJA (1950), DER BRAVE SOLDAT SCHWEJK (1955) und der abendfüllende Puppentrickfilm EIN SOMMERNACHTSTRAUM (1959) nach William Shakespeare.

 

 

Spejbl und Hurvínek von Josef Skupa

 

Neben Trnka erlangte noch ein weiterer Tscheche mit Puppenfiguren Weltruhm, und zwar Josef Skupa, der die beliebten Marionettenfiguren SPEJBL UND HURVINEK kreierte. Der wissbegierige Hurvinek, der seinen Vater Spejbl mit Alltagsfragen überhäuft, begeistert noch heute Generationen, egal ob als Marionettenaufführung , Hörspiel oder im TV. Auch der Tscheche Karel Zeman entwarf für seine Filme beeindruckende Stop Motion Sequenzen mit Puppen und Figuren, vor allem die Urweltwesen in REISE IN DIE URZEIT (1955) begeisterten die Kinozuschauer.

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Auch in der DDR war der Puppentrickfilm beliebt und hat einen großen Protagonisten dieses Handwerks hervorgebracht – Kurt Weiler. Kurt Weiler, geboren 1921 in Lehrte, lebte von 1939 bis 1950 in England, wo er in der Trickfilmfirma von Peter Sachs das Handwerk des Trickfilmers erlernte. 1950 siedelte Weiler in die DRR um und fand eine Beschäftigung innerhalb der DEFA, fühlte sich aber dort nicht sonderlich gut aufgehoben, so begann er in Berlin Weißensee ein Puppentheater zu leiten.

 

 

DER WETTLAUF (1962) von Günter Rätz

 

Dort entstand 1952 auch sein erster Puppentrickfilm in der DDR, OSCAR KULICKE UND DER PAZIFIST, der sich mit der Wiederbewaffnung des Nachkriegsdeutschlands auseinandersetzte. Da er damit aber nicht gegen die Interessen des DDR-Regimes verstießt und der Film zudem künstlerisch ambitioniert war, war die DEFA wieder interessiert an Kurt Weiler, der daraufhin in das neu gegründete DEFA Studio für Trickfilme in Dresden wechselte.

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Charakteristisch für den Puppentrickfilm von Kurt Weiler ist die phantasievolle Verwendung von Alltagsmaterialen als Ausstattungsgegenstände oder für das Bühnenbild. So wurden aus Bürsten Zauberwälder, er kreierte Collagen und teils surreale Sets. Kurt Weiler war weit mehr Avantgardist als Puppenspieler, seine Filme eher abstrakt und verfremdet. Zu seinen bekanntesten Werken zählen DER LÖWE BALTHASAR (1970) und DIE GESCHICHTE VOM KALIF STORCH (1984). Für den bekannten DEFA-Film EIN SCHNEEMANN FÜR AFRIKA (1977) entwarf Kurt Weiler die Animationen des putzigen Schneemanns. Kurt Weiler verstarb in am 2. August diesen Jahres in Kleinmachnow.

 

ZWERG NASE (1985)

Neben Kurt Weiler haben noch andere Filmemacher für die DEFA Puppentrickfilme inszeniert. Berühmt sind vor allem die Märchenverfilmungen nach den Gebrüdern Grimm, die heute in der DVD-Box DIE SCHÖNSTEN MÄRCHEN AUS ALLER WELT erhältlich sind, darunter Klassiker wie DAS TAPFERE SCHNEIDERLEIN. ZWERG NASE von Katja Georgi und die FLIEGENDE WINDMÜHLE zählen zu meinen liebsten DEFA Puppentrickfilmproduktionen.

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Wenn es um Puppentrick in der DDR geht, darf natürlich das Sandmännchen nicht fehlen. Doch nicht nur in der DDR, auch in der BRD gab es ein Sandmännchen, es wurde sogar ein wenig früher konzipiert, doch im Wettlauf um den Klassenbesten kam der DDR Sandmann, entworfen von Gerhard Behrendt, 1959 als Erster ins Fernsehen, nur wenige Wochen folgte das West-Pendant.

 

Das Ost Sandmännchen im Laufe der Jahrzehnte

Beide Figuren unterschieden sich nicht groß voneinander, der Ost-Sandmann fuhr Trabbi, verbotenerweise flog er auch mal einen Heißluftballon, der Sandmann aus der BRD dagegen durfte Porsche fahren. Das West Sandmännchen existierte allerdings nur bis 1989, während das Ostprodukt noch heute Sand in Äuglein müder Kinder streut.

 

Innerhalb der Sendung UNSER SANDMÄNNCHEN gab es in der DDR den ABENDGRUß (ehe jedes Kind ins Bettchen muss), das waren Kurzfilmchen mit wiederkehrenden Puppenfiguren wie Pittiplatsch, Schnatterinchen, Moppi, Herr Fuchs und Frau Elster oder Herr Igel, nuff nuff.

 

 

 

Schnatterinchen, Pitti, Moppi, Herr Fuchs & Frau Elster aus dem Abendgruß

Auch diese Puppentrickfilme waren herzerwärmend gestaltet, animiert und synchronisiert, begeistern noch heute Jung und Alt und das Sandmännchen wurde zu einem Ritual für müde Kinderlein, die nicht ins Bettchen gehen wollten. Im Jahr 2010 erschien sogar der erste Sandmännchen Kinospielfilm mit dem Titel DAS SANDMÄNNCHEN – ABENTEUER IM TRAUMLAND, produziert vom Filmstudio Babelsberg.

 

 

 

Oehmichen’s Schatztruhe

 

In der BRD gab es bis 1989 neben den Filmen der Gebrüder Diehl noch zwei weitere erfolgreiche Puppentrickproduktionen. Das war in erster Linie das Marionettentheater der Familie Oehmichen, welches unter dem Namen AUGSBURGER PUPPENKISTE berühmt wurde. Die Puppenkiste wurde 1943 gegründet und wurde vor allem durch ihre Fernsehproduktion ab 1953 bundesweit bekannt.

 

 

Die Augsburger Puppenkiste

Die erste Fernsehsendung der AUGSBURGER PUPPENKISTE war PETER UND DER WOLF (1953) als Live-Übertragung. In den 60er und 70er Jahren kamen dann die großen Ikonen des Familienbetriebs zum Einsatz, zuerst noch in Schwarz-Weiß – wer kennt sie nicht, JIM KNOPF UND LUKAS, DER LOKOMOTIVFÜHRER oder KATER MIKESCH. 1969 erschien URMEL AUS DEM EIS in Farbe, in den Siebzigern begeisterte KLEINER KÖNIG KALLE WIRSCH und in den Achtzigern war es der Roboter SCHLUPP VOM GRÜNEN STERN, der sich derzeit als Neuverfilmung in Planung befindet.

 

1997 schaffte es die AUGSBURGER PUPPENKISTE sogar auf die Kinoleinwand mit DIE STORY VON MONTY SPINNERATZ, im Jahr 2000 folgte die Serie LILALU IM SCHEPPERLAND und RALPHI (2005).

 

 

DIE MUMINS aus den Se-ma-for-Studios (1978–1982)

Ebenfalls von der AUGSBRUGER PUPPENKISTE umgesetzt wurden die Abenteuer der finnischen Trollwesen DIE MUMINS nach Büchern von Tove Jansson, die jedoch vor allem aus der gleichnamigen Fernsehserie zwischen 1978 und 1982 bekannt wurden, welche vom polnischen Trickfilmstudio Se-ma-for in Łódź produziert wurden. Aus diesem Studio kommt auch der OSCAR-prämierte Kurzfilm PETER UND DER WOLF (2006) von der britischen Trickfilmregisseurin Suzie Templeton.

 

 

 

Knetkunst

 

Der 1958 geborenen britische Trickfilmer Nick Park experimentierte früh mit Knetmasse und Stop Motion Tricks und seine Figuren WALLACE & GROMIT oder SHAUN, DAS SCHAF wurden weltberühmt. Nick Park verdankte seine Karriere dem Videoclip zu Peter Gabriels Song “Sledgehammer”, in dem er unter anderem ein Hühnchen animierte.

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Nick Park gewann für seine Animationsfilme bislang vier OSCARS, darunter 2006 für den Film WALLACE & GROMIT – AUF DER JAGD NACH DEM RIESENKANNINCHEN. Für das ambitionierte Stop Motion Projekt bedurfte es fünf Jahre Produktionszeit, pro Woche entstanden gerade mal 100 Sekunden Film. Produziert wurden die Filme von Nick Park vom britischen Animationsstudio Aardman Animations, die sich auf Claymationproduktionen spezialisiert haben und neben WALLACE & GROMIT auch noch die fantastischen Claymationfilme CHICKEN RUN und THE PIRATES im Portfolio haben.

 

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Die zweite große Persönlichkeit im Bereich Claymation ist der Australier Adam Elliot, der 2004 den OSCAR für den Puppentrickkurzfilm HARVEY KRUMPET gewann. Elliots Filme sind Dauerbrenner auf Filmfestivals, seine Figuren herrlich schräg und doch realistisch in ihrer Persönlichkeit. In den Filmen von Adam Elliot geht es um schwere Themen wie Depressionen und Ängste, die Wunderwerke der Animationskunst gleichermaßen ernst wie witzig und für hauptsächlich für Erwachsene konzipiert.

 

MARY & MAX – ODER: SCHRUMPFEN SCHAFE, WENN ES REGNET (2010)

 

2009 erschien Elliots Spielfilmdebüt mit MARY & MAX ODER SCHRUMPFEN SCHAFE WENN ES REGNET. Die Geschichte um die kleine Australierin Mary Daisy Dinkel, die eine Brieffreundschaft mit dem unter dem Asperger Syndrom leidenden New Yorker Max Jerry Horowitz pflegt, rührt zu Tränen, ist bittersüß und umwerfend komisch zugleich und so voller skurriler Details, dass man den Film hunderte Mal sehen kann und immer wieder Neues entdeckt.

 

 

 

 

„Ein Frosch ohne Humor ist nur ein kleiner grüner Haufen!“

 

Puppentrick war also in Ost- wie Westdeutschland beliebt, in Russland, Polen wie in Tschechien, auch aus dem asiatischen Raum kennt man Puppen- und Marionettenspiel im Film, was aber ist mit Hollywood, was filmisch sonst immer alles überstrahlt. Der amerikanische Puppentrickfilm stand lange Zeit unter der der Knute der Disney-Herrschaft, die überaus erfolgreich Zeichentrickfilme produzierten, welche größere Beliebtheit besaßen als der Puppentrickfilm. Doch auch in den USA gab es Künstler, die mit ihren Puppenfilmwerken Weltruhm erlangten.

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Der größte Künstler dieses Metiers war zweifelsfrei Jim Henson, geboren 1936, der mit der SESAMSTRASSE sowie mit der MUPPET SHOW Popkultur schuf. Henson experimentierte bereits Mitte der 50er Jahre mit Puppen im Fernsehen.

 

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Die Serie SAM & FRIENDS beeinflusste sowohl die spätere SESAMSTRASSE wie auch die Muppets. Im Gegensatz zur Kinderproduktion SESAMSTRASSE sollte die MUPPET-SHOW Erwachsene ansprechen, was weniger durch die Gestaltung der Puppen als durch ihre Agitation und die Themen erreicht wurde. War man am Anfang so gar nicht überzeugt von Hensons Konzept, entpuppten sich die MUPPETS alsbald als Dauerbrenner des Erfolgs, die Show wurde in über 100 Länder verkauft.

 

Die Figuren von Henson kennt heute jedes Kind, Kermit, der Frosch, Miss Piggy, Fozzie Bär oder Statler & Waldorf wurden weltberühmt. Aus dem Erfolg der MUPPET SHOW entstanden Fernseh- und Kinofilme, die auch heute noch ungemein erfolgreich und beliebt sind. Jeder Star, der etwas auf sich hielt, wollte Gast in der MUPPET SHOW sein. Henson kreierte auch die Serie DIE FRAGGLES, die noch ein wenig anarchistischer zur Sache ging und ebenfalls eine große Fangemeinde besitzt.

 

 

Jim Henson mit der ersten Kermit Puppe

 

Durch den immensen Erfolg war Henson für den amerikanischen Film nun der Ansprechpartner für Puppenanimation. Für George Lucas’ STAR WARS Saga kreierte er Jabba, the Hut und die Ewoks, zudem war er an der Konzeption von Yoda beteiligt, der ursprünglich von Maskenbildern Stuart Freeborn designt und von Puppenspieler Frank Oz zum Leben erweckt wurde.

 

Yoda Schöpfer Stuart Freeborn

Puppenspieler Franz Oz am Set von DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980)

 

DER DUNKLE KRISTALL (1982) von Jim Henson

Jim Henson wurde aber auch wegen zwei Spielfilmen geliebt, die jedem Fantasyliebhaber das Herz höher schlagen lässt. 1982 realisierte er den fantastisch ausgestatteten Film DER DUNKLE KRISTALL, im Jahr 1986 folgte DIE REISE INS LABYRINTH mit David Bowie und Jennifer Connelly.

 

Hensons Fantasypuppen hatten immer etwas düsteres, grimmiges. Auch die Muppets waren alles andere als zuckersüß. Jim Henson zählt zu den größten Effektkünstlern des amerikanischen Kinos. Sein Vermächtnis liegt heute beim Disneykonzern, welcher die Rechte an seinen Kreationen nach Jim Hensons Tod 1990 erwarb und ihn posthum zur Disneylegende erklärten.

 

 

 

Tim Burtons Stop-Motion Wunderwelten

 

Während Henson ausschließlich mit Live-Action Puppen arbeitete, schreckten amerikanische Studios vor aufwändigen Stop Motion Filmen anfangs zurück. Stop Motion wurde hauptsächlich im fantastischen Film eingesetzt, wie durch Ray Harryhausen, der damit umwerfende Kreaturen schuf. Erst Anfang der 90er Jahre wagte ein abtrünniger Disneylehrling einen erneuten Feldversuch.

 

 

TIM BURTONS NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS (1993) von Henry Selick und Tim Burton

Tim Burton wird als Filmemacher oft verkannt. Er mag surreale Figuren und düstere Settings, ein Surrealist aber ist Burton nie gewesen, eher ein konventioneller Geschichtenerzähler. Jeder liebt seinen Film TIM BURTONS NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS aus dem Jahr 1993, doch Burton ist beileibe auch kein Stop Motion Experte. Obgleich TIM BURTONS NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS ob der Story und der Figuren natürlich als Tim Burton Film wahrgenommen wird, Regie führte ein anderer Animationskünstler – der Regisseur und Produktionsdesigner Henry Selick. TIM BURTONS NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS revolutionierte den Puppentrickfilm, obwohl er weniger etwas veränderte, sondern sich auf seine Wurzeln besann.

 

 

 

Jack Skellington aus TIM BURTONS NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS

Die Sets waren expressionistisch in Anlehnung an Murnau, aber auch verspielt wie die Bauten eines Georges Méliès. Doch das Stop Motion Kunstwerk wurde auch getragen vom modernen Film, die Kamera begegnete den Figuren wie echten Menschen, die Sets wirkten weniger wie Bühnen, Burton und Selick kreierten eine echte, lebendige Fantasywelt, wie man sie nur aus dem Zeichentrickfilm kannte. Für den Stop Motion Film war das erzählerisch und dramaturgisch ein großer Sprung nach vorn.

 

 

 

Sowohl Burton als auch Selick beschäftigten sich in ihrer Laufbahn weiterhin mit Puppen, Tim Burton drehte noch THE CORPSE BRIDE und FRANKENWEENIE in wunderbar nostalgischer Stop Motion Technik und rasanter Inszenierung, Henry Selick hingegen erlitt nach JAMES UND DER RIESENPFIRSICH mit seinem Real-, Zeichen- und Puppentrickfilm-Mix MONKEBONE zunächst einen wirtschaftlichen Totalschaden. Dann jedoch stieß Henry Selick auf eine kleine Produktionsfirma, die sich ebenfalls auf Stop Motion Filme spezialisiert hatten, zwar zunächst nur Werbeclips, doch die Firma hatte Ambitionen, ins Filmgeschäft einzusteigen. – Laika.

 

Laika Entertainment

 

Zusammen mit Laika realisierte Henry Selick den Kurzfilm MOONGIRL in Computeranimation und 2009 den Spielfilm CORALINE als Stop Motion Puppentrickfilm. Die altmodische Technik obsiegte in vielerlei Hinsicht, der Film spielte weltweit 122 Mio. Dollar ein und war für einen OSCAR nominiert.

 

CORALINE (2009) von Henry Selick

Doch mit CORALINE endete auch die Zusammenarbeit zwischen Henry Selick und Laika. Während Selick bislang keinen neuen Film inszeniert hat und mutmaßlich an einer Verfilmung von Neil Gaimans “The Graveyard Book” arbeitet, gelang es Laika auch ohne Selick, sich im Stop Motion Filmgeschäft ganz oben zu positionieren. 2012 erschien PARANORMAN von Sam Fell und Chris Buttler, der erste Film, der 3D-Farbdrucker verwendete, um die Gesichter der Figuren zu gestalten. Das machte Stop Motion Puppentrickfilme mit einem Schlag noch beeindruckender.

 

 

 

 

 

Das große Problem bei Puppen war immer die Mimik. Puppenkünstler sahen das nie als Nachteil, die Abstrahierung gehörte zur Puppentraumwelt dazu. Wer realistische Mimiken wollte, griff zu CGI. Bei Puppentrickfilmen ging es selten um größtmöglichen Realismus. Je schräger und artifizieller Figuren und Szenerie war, desto atemberaubender war das Puppenspiel. Laika versuchte nicht, realistisch zu erzählen, aber sie benutzten Techniken, die das ermöglichten und das folgte den ungeschriebenen Gesetzen des Puppentricks, wo Funktionalität und Ästhetik schon immer Hand in Hand einher gingen.

 

 

Das LAIKA Puppenportfolio

 

Die Laika Produktionen PARANORMAN, THE BOXTROLLS und KUBO AND THE TWO STRINGS wirken wie CGI Animationsfilme von Pixar, sind aber handgemacht. Sie verraten ihre Technik nur zu gern, so sind am Ende von THE BOXTROLLS als auch bei KUBO Szenen eingebaut, welche die Puppenbühne in allen Einzelheiten der Stop Motion Produktion zeigen. Die Laika Filme sind heute Stop Motion in Perfektion. Aber noch mehr, sie sind umwerfend geschriebene Geschichten mit tollen Figuren, sie sind spannend, witzig, emotional, schlicht fantastische Filme.

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Trotz allem wird der Stop Motion Puppentrickfilm seit der Ära CGI weiterhin ein Nischendasein fristen, allein weil er ungleich aufwändiger zu produzieren ist als am Rechner. Er wird hauptsächlich Leidenschaft bleiben, aber das ist wunderbar so, denn das fühlt man den meisten Puppentrickfilmen an. Im Gegensatz zu den bis hier genannten Künstlern, bei denen das Puppentrickhandwerk eine Lebensaufgabe darstellte, gab es auch immer Filmemacher und Regisseure, die Puppentricks und Stop Motion als mögliche Ausdrucksform ihrer Geschichten gewählt haben.

 

DER FANTASTISCHE MR. FOX (2010) von Wes Anderson

ANOMALISA (2016) von Charlie Kaufmann

 

Dazu zählen Wes Anderson, der mit Puppentricks in LIFE AQUATIC experimentierte und mit FANTASTIC MR. FOX einen grandiosen Puppenfilm drehte, sowie Charlie Kaufmann (Drehbuch zu BEING JOHN MALKOVICH, SYNECDOCHE NEW YORK), der in diesem Jahr den Stop Motion Film ANOMALISA realisierte. Stop Motion bedeutet nicht nur Vollendung und Perfektion, sondern auch immer ein filmisches Experiment. Oder natürlich eine günstige Möglichkeit des szenischen Probierens, aus diesem Grund gibt es unzählige Kurzfilme, die in irgendeiner Puppentricktechnik realisiert wurden.

 

 

Mörderpuppen

 

Das hat auch HERR DER RINGE Regisseur Peter Jackson in einem seiner ersten Filme getan, der Puppenhorrorshow MEET THE FEEBELS. Womit wir bei einem Punkt wären, der nicht unterschlagen werden darf, wenn es um Puppen im Film geht.

 

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Sprachen wir bislang nur über die Puppe als Figurenwerkzeug, so denken wir uns nun in das Wesen der Puppe hinein. Die Puppe im Film ist ein ikonisches Ding. Ein Kleinkind ohne Puppe im Film geht dramaturgisch überhaupt nicht. Eine Puppe gibt Geborgenheit, tilgt Einsamkeit, ist ein Freund. Darum funktionieren Szenen gut, in denen ein Kleinkind ihre geliebte Puppe aus irgendeinem Grund retten will. Das passiert sehr häufig in Horrorfilmen und genau dort wird der Puppe eine wichtige Rolle zuteil.

 

 

CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE (1988)

Denn eine Puppe ist zwiespältiges Wesen. Dieses lächelnde, leblose Gesicht, es kann einem auch Angst machen. Furcht vor bösen Puppen ist eine Urangst, die sich der Horrorfilm schnell zueigen gemacht hat. Nur die wenigsten sind wirklich unheimlich, obwohl fast jede Horrorfilmpuppe für sich genommen schaurig daherkommt. Doch Puppenhorrorfilme, welch vorzüglich Subgenre, positioniert sich inszenatorisch häufig an der Grenze zur Komödie.

 

Das macht Filme wie CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE, DOLLS oder PINNOCHIOS REVENGE selten wirklich bedrohlich. Schaurig fand ich immer die Reihe PUPPET MASTER, ab der vierten Fortsetzung ausschließlich auf die Qualität bezogen. Aber die Filmreihe mit mittlerweile 12 Teilen hat auch irgendetwas sympathisches, vor allem die Gestaltung der Horrorpuppen. Der erste und dritte Teil sind sogar richtige kleine Klassiker.

 

PUPPET MASTER (1989)

Wirklich gruslig hingegen sind DEAD SILENCE und zum Teil ANNABELLE, der inszenatorisch zwar viel faulen Budenzauber betreibt, aber die Puppe schaut definitiv angsteinflößend aus. Echte Puppenhorrorfilme sind fast alle samt mit Live-Action Puppen realisiert, sie müssen noch nicht mal aufwändig animiert sein, um gruselig zu wirken. Stop Motion Figuren gibt es natürlich, wenn auch selten. Für Vampire, Zombies und Schlitzstrolche war die Technik bislang nicht nötig. In THE GATE gibt es schaurig-schöne Viecher, ansonsten ist Stop Motion im Horrorfilm längst nicht so verbreitet wie im Bereich Fantasy.

 

 

THE GATE – DIE UNTERIRDISCHEN (1987)

 

So endet unsere Reise durch die Wunderwelt des Puppentricks und ihrer Macher. Für mich eine der schönsten Sparten des Films, in Sachen Phantasie, Gestaltung und Wirkung ziehe ich jeden Puppentrickfilm einem Zeichentrickfilm oder CGI-Ware vor. Vielleicht liegt diese Faszination am Puppentrick auch an der Leidenschaft der Filmemacher und Puppenvisionäre, die man auf der Leinwand oder wo auch immer deutlich spürt.

 

Auch wenn Puppentrickfilme etwas altmodisches an sich zu haben scheinen, das trügt. Denn die frühen Werke dieser Zunft können heute noch so faszinierend wirken wie die ausgefeilten Produktionen aus dem Hause Laika. Was beweist, dass der Puppentrickfilm nicht altmodisch, sondern zeitlos ist.

 

 

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In der Reihe DIE KLEINE GENREFIBEL habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sämtliche Genre, Subgenre, Mikro- und Nanogenre des Genrefilms vorzustellen. Eine Aufgabe, die mich bis weit nach mein Lebensende beschäftigen wird. Ich lege den Fokus auf Dramaturgie und Buch, werde mich aber auch mit der Inszenierung sowie den jeweils besten Vertretern befassen.

 

Lesen Sie in der nächsten Folge:

 

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2 Comments

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    […] mal weg von all dem Comiczeug, wenden wir uns erwachseneren Filmen zu. Jawohl, zwei wunderschöne Stop Motion Puppentrickfilme kommen 2018 in die Kinos. Den Anfang macht ab 26. April das lang erwartete neue Werk von Nick Park […]

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    […] Die kleine Genrefibel Teil 51: Puppentrick « traumfalter filmwerkstatt | stoffentwicklung – … 21. Dezember […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de