Die kleine Genrefibel Teil 11: Serienkiller

Was ist das Faszinierende am Medium Film, an Geschichten, oder weitergefasst, an der Kunst selbst? Was sind die Antriebsmotoren, die Beweggründe, was bildet die Kunst eigentlich ab? Der Mangel des Vollkommenen, der Gewinn von Erkenntnis, das Hinterfragen des eigenen Ich´s innerhalb einer Gesellschaft? Da der Film ein visuelles Medium ist, bietet er die Möglichkeit, Dinge sichtbar zu machen, die in der Realität verborgen liegen. Sind Geschichten deshalb grundlegend bezogen auf Wünsche oder Sehnsüchte? Wissensdurst, die Suche nach Liebe, nach dem Sinn unseres Seins? So sehr beispielsweise Liebe Geschichten und Filmen eine thematische Basis bieten, sie ist selten das erste, was einem einfällt, wenn es um die Faszination menschlichen Verhaltens geht. Denn neben dem Sexualdrang ist es vor allem die Verhaltensweise Aggression, die anthropologisch gesehen die wichtigste Eigenschaft des Überlebens darstellt. Schlichter ausgedrückt, nichts fasziniert dem Mensch in der Erschaffung und Rezeption von Kunst so sehr wie Gewalt. Gewalt gehört zur Grundausstattung des Menschen, und er reibt sich weniger an dieser Tatsache selbst als im Versuch, sie mit den selbstaufgestellten, moralischen Auffassungen der Gesellschaft in Einklang zu bringen.

 

 

 

 

Nennen wir das Kind beim Namen: Mord und Totschlag, das ist es, was die Menschen fasziniert, was wie sehen wollen, hinterfragen wollen. Fiktion gleicht einem Schutzschild, hinter dem man all das ausleben kann, was in der Realität durch Gesetze, seien sie nun juristisch oder moralisch verankert, verboten scheint. Es geht um den Drang des Publikums, einen Einblick in eine Welt von Gewalt erhaschen zu können. Geschieht ein Unfall, ist man entsetzt, aber man schaut hin. Liest man in der Zeitung von einem Gewaltverbrechen, ist man erschüttert, aber interessiert zugleich, ein Mord wirkt magnetisch. Und die Faszination an Gewalt kennt keine Grenzen. Je unfassbarer oder brutaler ein Verbrechen ist, umso anziehender wirkt es auf Außenstehende. Mord, Gewalt, Tod und Leid sind die Motoren von guten Geschichten und Filmen. Am interessantesten ist diese Betrachtungsweise, wenn man sich ein Subgenre des Films anschaut, welches fast so alt wie der Film selbst ist: Filme über Serienkiller.

 

 

Faszination Gewaltverbrechen

 

Bevor wir uns in die schaurige Welt von Serienmördern begeben, klären wir genrespezifische Fakten. Zum Großteil entspringt der Serienkillerfilm dem Thrillergenre. Ein klassischer Serienkillerfilm ist aber entweder Krimi oder Thriller. Wo liegt da der Unterschied? Eine mögliche Unterscheidung zwischen Krimi und Thriller ist der Umstand, dass in einem Krimi ein Kommissar oder Polizist einen Mörder sucht, mit dessen Tat oder seiner Person er selbst nichts zu tun hat. In einem Thriller jedoch ist der Protagonist meist mit dem Antagonist verbunden, der Mordfall oder der Mörder steht mit dem Verbechensbekämpfer in Verbindung. Überschneidungen gibt es wie immer zuhauf.

Elizabeth Báthory, Jack, The Ripper Anzeige, Dr. H. H. Holmes (erster amerikanischer Serienkiller), Joachim Kroll (Der Ruhrkannibale), Serienmörder Dokumentation, LEICHENSACHE ZERNIK (DDR Serienkillerfilm)

 

Ein klassischer Serienkillerfilm lebt einerseits vom Täter und seinen Taten, andererseits aber auch von der Aufklärung des Verbrechens. In nicht wenigen Serienkillerfilmen ist die Symbiose Täter, Opfer und Verbrechensbekämpfer dramaturgisch bestimmend. Aber es gibt auch Ausnahmen, in denen das Psychogramm des Täters im Vordergrund steht, nicht die Aufklärung der Taten.

 

Und selbstverständlich kreuzen sich auch ab und zu Subgenres. So ist der Film FREQUENCY eine Mischung aus Zeitreiseplot und Serienkillergeschichte, Serienkillerthemen haben Zweige des Horrorfilms bestimmt, es gibt schwarze Komödien über das Thema, Parabeln in Zeichentrick (FELIDAE) und sogar Musicals (SWEENEY TODD).

 

 

Serienmorde unter Katzen in FELIDAE (1994)

 

Neben dem strukturellen Aufbau gibt es auch inhaltlich Unterschiede. Der Begriff Serienkiller selbst war lange Zeit unklar und fiel im gleichen Atemzug wie Massenmörder. Laut kriminalistischer Definition ist ein Serienmörder jemand, der zwei oder mehr Personen in separaten Ereignissen tötet. In der Fiktion hingegen fällt es schwer, eine Trennlinie zwischen Leatherface und Hannibal Lecter zu ziehen. Was sie eint ist, dass sie die gleichen Ursprünge haben. Filme über reale oder fiktive Serienmörder sind daher fast immer auf echte Verbrechen zurückzuführen oder wurden von echten Verbrechen inspiriert.

 

visual_classics

 

Die Geschichte von realen Serienmördern reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Graf Gilles de Montmorency-Laval gilt als erster männlicher Serienkiller, die “Blutgräfin” Elizabeth Bathory als erste in Serie mordende Frau der Geschichte. Doch erst durch die Morde von Jack, The Ripper Ende des 19. Jahrhunderts reagierte die Öffentlichkeit mit nahezu voyeuristischem Interesse. Anfang des 20. Jahrhunderts waren es die Morde von Karl Denke oder Fritz Haarmann, die auch in Deutschland für Aufsehen sorgten.

 

 

So war es nicht verwunderlich, dass bereits 1920 mit DAS CABINETT DES DR.CALIGARI ein Film mit Serienkillerbezug entstand. Trotzdem gelten Alfred Hitchcocks THE LODGER (DER MIETER) von 1927 und Fritz Langs M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER von 1931 als erste Serienkillerfilme. In jener Zeit waren es vor allem die Morde von Peter Kürten, dem Vampir von Düsseldorf, die in der Bevölkerung mit großem Interesse verfolgt wurden. Daran hat sich bis heute nichts grundlegendes geändert.

 

M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (1931)

LEICHENSACHE ZERNIK (1972)

 

Sogar in der ehemaligen DDR, in der propagandistisch vorgegeben wurde, dass es keine vergleichbaren Verbrechen wie im Westen gäbe, entstand 1972 ein Serienkillerkrimi namens LEICHENSACHE ZERNIK. Es ist die Faszination des Bösen, die Umstände, die den Serienmörder zu seinen Taten treibt sowie der Beginn der modernen Kriminalistik. So liegen in der Betrachtung von Serienkillerfilmen auch immer interessante, gesellschaftshistorische Parallelen inne.

 

 

Copykill

 

Widmen wir uns Verfilmungen realer Serienmörder. Noch bevor sich Filmschaffende mit den real existierenden Personen hinter den Verbrechen beschäftigten, waren sie bereits Inspirationsquellen für eine Vielzahl von bekannten Genremeisterwerken. Einer der bekanntesten Serienkiller war der Amerikaner Edward “Ed” Gein, dessen Taten Vorlage für zwei Filme lieferte. Zum einen sind Geins Morde vom Verlust seiner Mutter geprägt, was großen Einfluss auf die Gestaltung von Norman Bates aus Hitchcocks PSYCHO hatte.

 

 

Fritz Haarmann (DER TOTMACHER), Jeffrey Dahmer (DAHMER), John Wayne Gacy (GACY), Ted Bundy (TED BUNDY), Charles Manson (HELTER SKELTER), Zodiac-Killer (ZODIAC)

 

Ed Geins Taten lieferten aber vor allem Stoff für die Verfilmungen TEXAS CHAINSAW MASSACRE und DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER. In Geins Haus fand die Polizei 1957 die Überreste von mindestens 15 Leichen, eine Sammlung von Nasen, zusammengenähte Menschenhaut und Gesichter. Obwohl Gein Kannibalismus nicht nachgewiesen werden konnte, fand sich dieses Motiv in verschiedenen Verfilmungen wieder. Das Faszinierendste an Gein war seine Ruhe und Gelassenheit. Die Bevölkerung fragte sich, was einen äußerlich so unscheinbaren Mann zu solchen Taten brachte.

 

Die Figur Hannibal Lecter aus DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER geht zu Teilen auf den Serienmörder Jeffrey Dahmer zurück, wenngleich der Film stärker eine Verbindung von Ed Gein und dem Filmserienkiller Buffalo Bill spiegelt. Jeffrey Dahmer suchte in Schwulenbars nach seinen Opfern, nahm sie mit nach Hause, gab ihnen Alkohol und Drogen, bevor er sich an ihnen verging, tötete und seine Opfer in letzter Konsequenz auch verspeiste. So wurden die Opfer, laut Dahmers Aussage, zu einem Teil von ihm selbst. In erschreckend vielen Details gibt es Parallelen zwischen dem Jeffrey Dahmer und Hannibal Lecter. Natürlich war die Bevölkerung geschockt von den Morden Dahmers. Doch es ist ein schmaler Grat zwischen Abscheu und Faszination.

 

Ed Gein als Vorlage für Buffalo Bill in DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER (1991)

Hannibal “The Cannibal” Lecter (Anthony Hopkins)

 

Der Fall John Wane Gacy zeigt diese Faszination noch deutlicher. Gacy, der als Clown auftrat, Mitglied einer demokratischen Partei und angesehener Geschäftsmann war, tötete mindestens 33 junge Männer auf bestialische Weise und vergrub ihre Leichen auf seinem Anwesen. Nach seiner Festnahme brach ein Medienrummel sondergleichen aus. Gacy gab Interviews im Gefängnis, sein Gesicht wurde auf T-Shirts gedruckt.

 

Die berühmtesten Serienmörder der Geschichte, Ed Gein, Dahmer, Richard Speck oder Ted Bundy, die vornehmlich in den sechziger und siebziger Jahren aktiv waren, wurden filmisch erst viel später selbst thematisiert. Das liegt zum einen daran, dass die Aufklärung der Verbrechen mitunter Jahre in Anspruch nahm, andere Verbrechen erst viel später durch neue forensische Erkenntnisse gelöst werden konnten. Sieht man sich die Filme über Serienmörder in den 70er Jahren an, stellt man fest, dass sie stärker auf gesellschaftspolitische Aspekte fokussiert sind (BADLANDS als Vorlage für NATURAL BORN KILLERS), in den 80er Jahren fast ausschließlich innerhalb des Horrorfilms thematisiert wurden (FREITAG, DER 13., HALLOWEEN, NIGHTMARE ON ELM STREET).

 

 

DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER (1991) leitete das Serienkillerjahrzehnt ein

 

Möglich, dass der Film DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER 1991 den Durchbruch für eine andere Betrachtung von Serienmörder geführt hat. Viel mehr vermute ich allerdings, dass erst Anfang der Neunziger Jahre die wichtigsten Details der bekanntesten Serienmörder an die Öffentlichkeit drangen und das Interesse noch verstärkten. Fakt ist, dass die neunziger Jahre von 1991 bis 1999 “das” Jahrzehnt des Serienkillerfilms war. Woran lag es?

 

 

Auf dem Weg ins Millenium

 

Es mag zynisch klingen, aber erst durch DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER blühte die Faszination an Serienmorden so richtig auf. Das lag vorrangig daran, dass die Forensik in jenem Subgenre einen größeren Platz einnahm. Methoden zur Verbrechensüberführung, Tatortanalyse, Laboruntersuchungen hatten und haben noch immer einen großen Reiz. Doch damit passierte noch etwas anderes.

 

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DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER fügte der ohnehin anhaltenden Faszination an Serienmördern die Morbidität hinzu. Bloßes Strangulieren oder Erdolchen reichte dramaturgisch nicht mehr aus, die Morde wurde bizarrer, man fand tote Falter in Kehlköpfen oder Buchstaben unter Fingernägeln. Bezeichnend ist, dass viele Serienkillerfilme ihren Reiz nicht aus der Zurschaustellung der Tat, sondern aus Rückschlüssen über den Zustand der Opfer bezogen.

 

Der grausige Fund auf einer Müllhalde, die Obduktion der Leiche nebst Fundsachen sowie das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Mörder und Ermittler sind die tragenden, dramaturgischen Säulen, auf denen auch heute noch Serienkillerfilme aufgebaut sind. Für Serienkillerfilmliebhaber sind die Neunziger Jahre eine wahre Fundgrube an schauerlichen Streifen, die 1995 in den Zenit des Subgenres gipfelten. SIEBEN von Regisseur David Fincher markiert den Höhepunkt der Entwicklung des “Nicht-Wegschauen-Könnens”, und rückblickend betrachtet konnte sich der Serienkillerfilm kaum mehr steigern in den Folgejahren.

 

 

SIEBEN (1995) von David Fincher

 

Zwischen Sieben 1995 und 1999 erschienen Dutzende Serienkillerfilme, konnten aber dem Themenkomplex kaum mehr neue Facetten abgewinnen. Die Morde mussten perfekt und morbid-finster , der Ermittler persönlich stark an den Täter gekoppelt sein. Psychologische Erklärungsversuche waren allesamt unbefriedigend (THE CELL), das Subgenre steckte bereits vor dem Millenium in einer Sackgasse, aus dem es auch heute nicht wirklich herausgekommen ist. Lag es an einer Übersättigung von Gewalt und dem Streben nach immer bizarreren Morden?

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Wie in den achtziger Jahren flossen ab dem Jahr 2000 dann Aspekte von Serienkillerthematiken wieder stärker in den Horrorfilm ein. Heute steht auch John Kramer alias Jigsaw als Serienmörderprototyp. Doch typische Serienkillerfilme sind die SAW-Teile nicht, obwohl alle Zutaten vorhanden sind: bizarre Morde, mikroskopische Forensik und paralysierte Ermittler. Die Faszination an Gewalt und Morden scheint durch die SAW-Filme eine weitere Grenze überschritten zu haben: die Rechtfertigung der Taten des Mörders. Aber auch das ist ein alter Hut. Denn man hat bereits bei DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER einen tieferen, verständnisvolleren Bezug zu Hannibal Lecter gehabt, mehr Gefallen als Abscheu. Das Böse fasziniert.

 

Auch in SIEBEN “will” man das Ende von John Doe´s Plan sehen, das ganze Ausmaß der Perfidie. Niemand denkt sich während des Films, hoffentlich legen Mills und Sommerset dem Serienkiller vor Ablauf seiner angekündigten Taten das Handwerk. Man will es sehen, auch wenn man die Hand vor die Augen hält, sie aber einen Spalt breit öffnet.

 

AMERICAN PSYCHO (2000)

THE CELL (2000)

 

Vielleicht ist der Serienkillerfilm deshalb nicht mehr steigerbar, weil es streng genommen für den Zuschauer keinen Unterschied mehr macht, ob ein Mörder 20 oder 200 Menschen umbringt, welche Gerätschaften, Fallen oder Utensilien er benutzt oder welche Herkunftsgeschichte er hat. Zu oft wurden die gleichen Klischees behandelt, vom amerikanischen “White Trash” über Psychoanalsye, Misshandlungen im Kindesalter, das Sammeln von Zeitungsausschnitten und das Aufbewahren von Trophäen. Nur selten brechen Serienkillerfilme aus starren Mustern aus. Obwohl ich den Serienkillerfilm der Neunziger Jahre am meisten schätze (einem Serienkillerfilm kommt eine langsame Erzählweise oft entgegen), so etwas wie JENNIFER 8 würde heute nicht mehr funktionieren, zu langatmig, zu elegisch. Auch SIEBEN ist alles andere als rasant inszeniert. Dennoch gibt es einige Filme, die vor allem dramaturgisch dem Themenkomplex neue Facetten abgewinnen.

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Wie bereits angesprochen ist FELIDAE 1994 nach einem Roman von Akif Pirinçci eine interessante Serienkillerparabel, die auch als Zeichentrickfilm für Erwachsene funktioniert. THE POUGHKEEPSIE TAPES erzählt die Geschichte eines Serienmörders mit dramaturgischen Werkzeugen des Found Footage Subgenres. Wiederum klassisch inszeniert ist die RED RIDING TRILOGY und THE SNOWTOWN MURDERS, auch Finchers ZODIAC atmet das Flair der 90er Jahre. Gibt es aber noch andere Aspekte von Serienkillerfilmen?

 

 

Mordende Hausfrauen, das Erbe Haarmans & Jack, the Ripper

 

Filme über weibliche Serienkiller sind ausgesprochen selten, aber es gibt sie. DIE GRÄFIN von Julie Delpy behandelt das Treiben von Elizabeth Báthory, der Blutgräfin, die erste Serienmörderin der Geschichte, zumindest von der man weiß. Für den Film MONSTER verwandelte sich Charlize Theron in Aileen Wuornos, die mindestens sechs Männer umgebracht hat. Salma Hayek spielt in THE LONELY HEARTS KILLER die Serienmörderin Martha Beck, die zwischen 1947 und 1949 zwanzig Menschen tötete. Aber es gibt auch leichtere Kost. ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN von 1944 ist ein wahrer Klassiker unter den Serienkillerfilmen. Empfehlenswert ist aber auch die schwarze Komödie SERIAL MOM von John Waters mit Kathleen Turner als mordende Hausfrau.

 

 

Charlize Theron als Aileen Wuornos in MONSTER (2003)

 

Während sich so manche Genresparte in Deutschland schwer tut, ist auch der Serienkillerfilm Made in Germany eine der wenigen Subgenres, die auch hierzulande bedient werden, und das zum Teil recht erfolgreich. Neben den angesprochenen Klassikern M und ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAGE sticht hier vor allem DER TOTMACHER aus dem Jahr 1995 hervor, in dem Götz George den Serienmörder Fritz Haarmann mimt.

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Auch in dem TV-Film DER SANDMANN aus dem gleichen Jahr spielt George einen ehemaligen Prostituiertenmörder. TATTOO von Robert Schwentke mit August Diehl fühlt sich sogar ein wenig wie SIEBEN an. BELA KISS: PROLOGUE behandelt den gleichnamigen Serienkiller, der im 1. Weltkrieg mehr als 20 Frauen tötete. Und die Koproduktion DAS PARFUM brachte es sogar auf 5,5 Millionen Zuschauer in Deutschland und spielte weltweit 135 Million Euro ein. Serienkillerfilme haben also auch aus Deutschland Zugkraft.

 

 

DER TOTMACHER (1995) von Romuald Karmakar

 

Der berühmteste Serienmörder der Geschichte wird aber Jack, The Ripper bleiben, der bislang Dutzende Male verfilmt wurde, unter anderem mit Klaus Kinski oder Michael Caine. Im Kontext des Films FROM HELL spiegelt ein (fiktive) Zitat genau diese Faszination an Serienkillern und die Aufklärung derer Taten wieder:

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“Eines Tages wird die Menschheit zurückblicken und sagen, dass ich das 20. Jahrhundert eingeleitet habe!” Jack, The Ripper war nicht nur der erste Serienmörder der Neuzeit, seine Taten waren auch der Beginn für modernere Methoden zur Verbrechenaufklärung und Verbrechensbekämpfung.

 

 

Serien-Killer

 

Stoffe um Serienkiller stehen weiterhin hoch im Kurs und haben inzwischen auch das Fernsehen erreicht. Mittlerweile 8 Staffeln hat die Serie DEXTER mit Michael C. Hall, der Forensiker ist und in seiner Freizeit auf blutige Art und Weise Selbstjustiz übt. Mit THE FOLLOWING läuft bereits eine weitere Serienkiller-Serie zu Hochform auf. Auch das Universum rund um Thomas Harris Killerikone Hannibal Lecter wurde mit der Serie HANNIBAL fortgesetzt. Wird das wirklich alles noch so kontrovers aufgenommen? Der letzte Aufschrei seit AMERICAN PSYCHO, was ohnehin mehr auf die Buchvorlage bezogen war, ist schon längst verklungen. So sind Filme über Serienmörder noch immer recht präsent, zum Teil auch schwer verdaulich, doch Kontroversen bleiben größtenteils aus.

 

DEXTER (2006−2013)

HANNIBAL (2013 – 2015)

 

Wahrscheinlich deshalb, weil das Horrorgenre durch neue Subgenres wie Torture Porn dem schnöden Serienkiller an morbider Faszination den Rang abgelaufen haben. Dennoch, es bleibt festzuhalten, dass der Mensch größeres Interesse an den Taten Einzelner hat als am täglichen Leid in der Welt. Die Zahl der Opfer von Serienkillern, so grausam diese auch sein mögen, verblassen gegenüber den Millionen Einzelmorden, die jährlich rund um den Globus geschehen. Doch wenn ein Einzelner auch nur 5 Menschen in Serie ermordet, zieht das wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf sich. Möglicherweise ist es einfacher zu verstehen, was im Kopf eines Serienmörders vor sich geht, als das Verständnis für das Potential von Gewalt, was in jedem Menschen innewohnt.

 

 

MINDHUNTERS (2017) von David Fincher

 

 

Warte, warte nur ein Weilchen…

 

Die meisten Serienkillerstoffe gehen auf reale Personen und Verbrechen zurück. Aus diesem Grund wird es wohl weiterhin eine Vielzahl von Serienmörderfilmen geben. Es gibt Fälle, die nie aufgeklärt wurden (ZODIAC) und dessen erzählerisches Potential deshalb noch weiter ausgeschöpft werden kann. Zu den gelungensten Serienkillervariationen der letzten Jahre gehört mit Sicherheit THE VOICES von Marjane Satrapi mit Ryan Reynolds und Gemma Arterton. Auch das junge Leben des Jeffrey Dahmer wurde 2017 mit MY FRIEND DAHMER eindringlich und beklemmend beleuchtet.

 

 

THE VOICES, SOLACE, RAMAN RAGHAV, MY FRIEND DAHMER

 

Noch immer ist die Verfilmung des Buches THE DEVIL IN THE WHITE CITY um den ersten amerikanischen Serienmörders Dr. H. H. Holmes mit Leonardo DiCaprio in der Mache. Und möglicherweise besteht noch eine kleine Chance für eine 4. Staffel der Serie HANNIBAL, die dann hoffentlich auch die Figur Clarice Starling neu erfindet. Also weiterhin Chianti und Favabohnen kalt stellen.

 

 

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In der Reihe DIE KLEINE GENREFIBEL habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sämtliche Genre, Subgenre, Mikro- und Nanogenre des Genrefilms vorzustellen. Eine Aufgabe, die mich bis weit nach mein Lebensende beschäftigen wird. Ich lege den Fokus auf Dramaturgie und Buch, werde mich aber auch mit der Inszenierung sowie den jeweils besten Vertretern befassen.

 

Lesen Sie in den nächsten Folgen:

 

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9 Comments

  1. Antworten

    […] würden allerdings gar nicht unter das Label Cop Movie fallen, sondern sind eher dem Subgenre Serienkillerfilme […]

  2. Antworten

    […] mischt munter Facetten aus verschiedenen Horrorsubgenres, vom Zeitreiseplot über Geisterkrimi, Serienkiller und Besessenheit und präsentiert das Ganze als leichtfüßigen, sympathischen und effektiven […]

  3. Antworten

    […] heute ist es soweit, liebe Genrefreunde, nach Tieren, Pflanzen, Drogen, Zeitreisen, Atombomben und Serienkillern beschäftigen wir uns mit der Wurzel allen Übels, sowohl im Film als auch im echten Leben, was […]

  4. Antworten

    […] Der Beitrag erschien bereits auf Christians Blog: Traumfalter Filmwerkstatt. […]

  5. Antworten

    […] im Film aber nur eine thematische Facette wie Filme über Aliens, Zeitreisen, Agenten oder Serienkiller, die man zeit- und gesellschaftspolitisch in ihrer Evolution aufrollen kann? Nicht gänzlich, denn […]

  6. Antworten

    […] die einzigen Biopics zu sein, die über diese dramaturgischen Strukturen funktionieren. Da wir aber Serienmörder schon ausführlich behandelt haben, wenden wird uns anderen Themenkomplexen von Filmbiographien […]

  7. Antworten

    […] Der Kriminalfilm ist ein Genre, welches sich in eine Vielzahl Subgenres unterteilt. Der englische Begriff „Crime“ trifft die Materie am besten, denn er beschreibt, worum es in allen Filmen jenes Genres geht – um das Verbrechen. Und derer gibt es viele auf dem Erdenrund. Da passt nun auch PULP FICTION gut hinein, ein Vertreter des Subgenres Gangsterfilm, der sich weiter nach unten verästelt. DER PATE spezifiziert das im Untergenre des Mafiafilms. DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER hingegen ist ein waschechter Serienkillerfilm, den wir hier schon ausführlich besprochen haben. […]

  8. Antworten

    […] Atomkraft im Film ist nicht ganz einfach, nicht so, als würde man es vergleichen mit Filmen über Serienkiller, bei denen sich auch die Realität und die Fiktion die Hände reichten. Man bewundert vielleicht […]

  9. Antworten

    […] Adolf Hitler den 2. Weltkrieg gewonnen hat oder in der ein zäher Kriminalist einen bestialischen Serienmörder jagt. Eine Welt, in der es egal ist, wann und wo jemand die Fußballweltmeisterschaft gewonnen hat. […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de