Star Wars: The Last Jedi

Endlich wieder STAR WARS! Das Jahr geht zu Ende und mit ihm drückt Lucasfilm seinen Stempel auf das fast vollbrachte Filmjahr, nun schon zum dritten Male nach THE FORCE AWAKENS (2015) und ROGUE ONE (2016). Obwohl mit EPISODE 8 erst der Mittelteil der neuen Trilogie erreicht ist, fühlt es sich beinahe so an wie mit der jährlichen Vorweihnachtsdosis LORD OF THE RINGS vor fast 15 Jahren. STAR WARS gehört zu Weihnachten dazu und nun, zum dritten Mal, so scheint es, kann der Kreis sich schließen.

 

THE FORCE AWAKENS holte das Flair der Original Trilogie mit neuen, fantastischen Figuren auf die Leinwand zurück, ging auf Nummer sicher und bescherte dem Fan eine Art Reminiszenz der Macht. ROGUE ONE war noch mehr mit EPISODE 4 verbandelt, aber betrat zum Teil neue, inszenatorische Wege. Nun, so scheint es, kann THE LAST JEDI das Beste aus den beiden Vorgängern vereinen, eine neue Heldentruppe, unkontrollierte Widersacher und endlich eine neue Geschichte, befreit vom Ballast der Erwartungen. THE LAST JEDI soll die Weichen für die Zukunft stellen. Hat das geklappt? Schauen wir mal. Doch Obacht, Spoiler!

 

 

Die beeindruckende Eröffnungsschlacht fesselt in den Kinosessel ©2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 

 

Nachdem die Erste Ordnung in THE FORCE AWAKENS die Republik zerstört hat und die Rebellion daraufhin die Starkiller Basis, geht die Hatz zwischen Gut und Böse erst richtig los. Die Rebellen unter General Leia Organa und Raumpilotass Poe Dameron liefern sich hitzige Gefechte mit der Ersten Ordnung, angeführt von General Hux, koordiniert von Leader Snoke, mittendrin ein gramgebeutelter Kylo Ren, der nach wie vor zwischen der hellen und dunklen Seite der Macht in sich hadert. Die Kämpfe Erste Ordnung gegen die Rebellen sind Schlachten nach Punkten, in der gigantischen Eröffnung fahren erst die Rebellen einen Vorteilssieg ein, wenig später sind sie auch schon wieder auf der Flucht vor den übergroßen Kriegsschiffen der Imperiumserben.

 

Die Schlachten dienen dem Zeitgewinn. Denn Rey ist auf dem Weg zu Luke Skywalker, um den alten Jedimeister aus seinem selbstauferlegten Exil zu holen. In seinem Versteck angekommen aber sträubt sich der bärtige Luke vor weiterer Verantwortung. Doch Rey zeigt sich verbissen und trotzt dem alten Skywalker ein paar Jedilektionen ab, um zu erfahren, was ihr Schicksal ist.

 

 

Rey (Daisy Ridley) nimmt ihr unsicheres Schicksal in die Hand ©2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 

Währenddessen erwacht auch Finn wieder zum Leben, der zuvor von Kylo Ren empfindlich verletzt wurde. Als die Rebellen in eine aussichtslose Lage geraten, versuchen Finn, Poe Dameron und Wartungsarbeiterin Rose ein gewagtes Rettungsmanöver, vertrauen ihr Schicksal einem Ganoven an (Benicio Del Toro), um die Ersten Ordnung zu überlisten. Letztlich aber müssen sich die Rebellen auf einem Salzplaneten Crait verschanzen, woraufhin Kylo Renn zum entscheidenden Schlag ausholen will. Doch scheinen die Rebellen im letzten Moment Hilfe zu bekommen – von einer gereiften Rey und einem geläuterten Luke Skywalker, der mit ihnen zusammen die Schlacht austrägt.

 

Da ist sie also nun, die lang erwartete Fortsetzung von THE FORCE AWAKENS, ein Wiedersehen mit den fantastischen neuen Figuren, die Rückkehr von Luke Skywalker, der Aufbruch in die Zukunft der Saga, alles unter der Federführung des wahnsinnig talentierten Regisseurs Rian Johnson (BRICK, LOOPER). Während bei den anderen STAR WARS Projekten wie HAN SOLO oder EPISODE 9 munter das Spiel “Regieposten, wechsel dich!” gespielt wurde, schien Johnson das volle Vertrauen von Kathleen Kennedy zu besitzen und wurde sogar mit einer neuen Trilogie nach EPISODE 9 betraut. Alles deutete daraufhin, dass Johnson der richtige Mann für die Saga zu sein scheint. Was steht nun also auf der guten, der hellen, der Habenseite der Macht?

 

 

Die Szenen auf dem Casinoplaneten bremsen die ohnehin wenig spannende Verfolgungsjagd im All weiter aus. Die Flucht zu Pferde ist eher albern, dafür gefällt Neuzugang Rose (Kelly Marie Tran, zusammen mit John Boyega) ©2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 

 

Überraschenderweise beginnt THE LAST JEDI nicht im direkten Anschluss an die Vorgängerepisode um das Aufeinandertreffen von Rey und Luke, sondern mit einer überaus beeindruckenden Weltraumschlacht. Im Großen und Ganzen liefert hier Johnson auch den imposantesten Opener eines STAR WARS Films seit DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK ab, die Erste Ordnung zeigt sich grimmig, Poe Dameron ist ein Teufelskerl, die Eröffnungsschlacht ist spannend, visuell überragend und legt ab der ersten Minute deutlich Tempo und Drive vor, dass es einen in den Kinosessel drückt.

 

Auch mit Rey geht es aufregend weiter, ihr Zusammentreffen mit dem alten Jedimeister Luke weckt Erinnerungen an Dagobah, aber es wirkt dennoch eigenständiger, weil in Rey und Luke spannende Fragen innewohnen. Die Szenen auf dem Planeten Anch-To sind allesamt fantastisch, mehr als man ob der limitierten und sehr erdähnlichen Location vermuten konnte.

 

 

Luke Skywalker (Mark Hamill) auf Anch-To begeistert durch seine bärtige Bärbeißigkeit. ©2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 

 

Neuen Figuren wird kaum Platz eingeräumt, am meisten überzeugt noch Rose, die mit Finn und Poe Dameron einen waghalsigen Plan verfolgt und die wirklich toll eingeführt wurde. Nach Leias kurzem Knockout übernimmt Admiral Holdo (Laura Dern mit lila Haaren) das Zepter, erweist sich erst als charismatisch, dann als dickköpfig und letztlich als Brachialtaktikerin. Benicio Del Toro als DJ allerdings hat nur einen kurzen, unbefriedigenden Auftritt. Kurz ist auch der Auftritt einer ikonischen Figur aller STAR WARS Filme zuvor, die wiederum ein Lächeln auf das Gesicht des Fans zaubert.

 

Doch der Kern von THE LAST JEDI und das, was am besten funktioniert, ist das Gespann Rey und Kylo sowie Luke Skywalker, der in der Wiederaufnahme der Rolle seines Lebens neue Facetten abgewinnt und trotz bitteren Blicks großen Spaß an der ganzen Sache hat. Auch Daisy Ridley und Adam Driver spielen überaus ergreifend, zerrissen und voller Dramatik. Kylo Ren und Rey entwickeln sich großartig hin zu einer emotional-explosiven Mischung, die auch für Überraschungen in der sonst überraschungsfreien Chose sorgt.

 

 

Chewie hat nicht viel zu tun, aber seine neuen Freunde, die Minions, äh…die Porgs sind überaus niedlich. ©2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 

 

STAR WARS : THE LAST JEDI hat diese Lichtblicke, vor allem um Kylo, Rey, Luke und BB-8. Aber THE LAST JEDI hat auch dunkle Seiten und so leid mir das tut, in diesem Fall sind die negativen Aspekte in der Überzahl. Was zur Hölle ist mit STAR WARS und Lucasfilm los? Die Figuren sind klasse, die Besetzung stimmt, das Flair und die Optik sind über alle Zweifel erhaben, aber wo THE LAST JEDI fast gänzlich versagt ist in bei der Story und im Storytelling. Die Story von EPISODE 8 ist ein schlechter Witz. Und dieser wird auch noch hanebüchen schlecht erzählt. Im Grunde ist die Geschichte von THE LAST JEDI eine einzige Verfolgungsjagd, gegengeschnitten sind die Szenen um Reys dezente Jediausbildung. Das deckt sich zwar mit der Dramaturgie von DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK, ist aber bei weitem nicht so dramatisch und spannend geschrieben und inszeniert. Wenn schon keine epische Geschichte, dann muss die wenigstens schlüssig und spannend sein. Aber bei THE LAST JEDI klingt das Ganze in etwa so:

 

Nachdem die Erste Ordnung eins auf die Sternenzerstörermütze bekommen hat, fliehen die Rebellen durch den Hyperraum. Doch die Erste Ordnung kann sie aufspüren, denn sie kann nun Schiffe im Hyperraum orten. Zum Glück sind die Rebellen nach ihrer Entdeckung weit genug vom Riesenschlachtschiff entfernt, dass es ihnen vorerst nichts anhaben kann. Aber der Treibstoff wird knapp und so gerät die Szenerie zu einer Verfolgungsjagd in Slow Motion. Zu langsam, um wirklich spannend zu sein, zu unübersichtlich, wann dieser Zustand wirklich brenzlig wird. Denn auf der einen Seite scheint den Rebellen auf dieser Flucht die Zeit wegzulaufen, aber es bleibt noch genug, um einen Codeknacker von einem weit entfernten Planeten zu akkreditieren.

 

 

Auch der zweite Kampf gegen Captain Phasma (Gwendoline Christie) wirkt dahin geschludert und undramatisch. ©2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 

 

Warum die Erste Ordnung mittels anderer Schiffe die Rebellenflotte nicht einfach in die Zange nimmt, bleibt ebenso nebulös wie der verwegene Plan der Rebellen, sich in letzter Sekunde heimlich auf einen Planeten zu flüchten. Was natürlich nicht funktioniert, weil es die Erste Ordnung durch den zwielichtigen Codeknacker letztlich auf dem Silbertablett serviert bekommt. Überhaupt dreht sich das Fluchtszenario hauptsächlich um fehlenden Treibstoff, aber das gilt nicht für das Schiff von Finn und Rose, welches munter durch den Hyperraum und zurück springen kann. Als dann alles verloren scheint, kommt Admiral Holdo ein Geistesblitz, sie rammt das Flaggschiff der Rebellen in den Sternenzerstörer, aber das hätte ihr vielleicht einfallen sollen, bevor 80% der Rebellen bereits vernichtet wurden.

 

Der ganze Plot wird überaus fahrig und haltlos dahin geschludert, dass ich mich frage, was die in der Storygroup von Lucasfilm eigentlich die ganze Zeit über gemacht haben. Das kann unmöglich deren Ernst sein. Doch es kommt noch schlimmer. Der große Bösewicht im Hintergrund, Snoke, erweist sich als Flachzange und wird im wahrsten Sinne aus der Saga geschnitten, optisch ist sein Ableben schick, doch die Figur wirkt plötzlich völlig verschenkt.

 

 

Kylo Ren mag einigen wie eine kindsköpfige Dramaqueen vorkommen, aber Adam Drivers Spiel lässt einem mit der Figur mitfiebern. ©2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 

 

Auch Lukes letztendlicher Abgang ist an Dramatik nur schwer zu unterbieten. Ich habe nicht einmal mitbekommen, wie Lukes Jedihologram überhaupt Schaden nehmen konnte. Am Ende kommt es dann zur optisch fantastischen Schlacht auf Crait, doch sie ist nur ein Schatten der Wirkung, welche die Schlacht von Hoth auszeichnete. Der Storygroup und Johnson, der letztendlich das Drehbuch verfasste, scheint nicht wirklich etwas funktionierendes einzufallen. Schlimmer noch, im Finale greifen sie auf ein Element zurück, welches erst Wochen zuvor in einer neuen Folge der vierten Staffel von STAR WARS REBELS zu sehen war, nämlich die Flucht durch einen Bergstollen, angeführt von Eiswölfen. Als ich diese Dopplung auf der Leinwand sah, habe ich wirklich den Glauben an die Fantasie der Lucasfilm Storygroup verloren.

 

Jetzt mal ganz ehrlich. Snoke weg, Luke tot, Leia lebt, aber man wird sie wohl in EPISODE 9 nicht mehr wiedersehen. Keine der beiden Seiten scheint einen Plan zu haben, es wird verfolgt, beschossen, grimmig gekuckt oder “Möge die Macht mit Dir sein!” genuschelt, mehr gibt’s nicht in Sachen Story in THE LAST JEDI. Poe Dameron wird zum tumben Schießwütigen degradiert, Finn unternimmt eine völlig dämliche Selbstmordaktion, die angebliche Lovestory zwischen ihm und Rose wird derart kitschig aufgelöst, da wünscht man sich fast Padme und Anakin zurück. Dazwischen immer wieder dreist fotokopierte Szenen wie aus dem Finale von DIE RÜCKKEHR DER JEDI RITTER, dagegen war die Starkiller Basis noch eine dezente Reminiszenz an EPISODE 4. Nur Kylo Ren und Rey haben in all dem undramatischen Trouble echte emotionale Kämpfe auszutragen und es macht Spaß, den beiden zuzuschauen. Der Rest ist maximal Mittelmaß.

 

 

Optisch eine Wucht, aber bei Weitem kein zweites Hoth – die Schlacht auf Crait. ©2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 

 

Am Ende entlässt einem THE LAST JEDI nicht mit dem Gefühl, keine zwei Jahre auf den Abschluss der Trilogie warten zu können. So richtig wissbegierig darauf, zu erfahren, wie es weitergeht, das stellte sich bei mir zumindest nicht ein. Ich kann es mir nur schwer erklären, warum ein solches Mammutprojekt wie eine neue STAR WARS Trilogie storytechnisch und dramaturgisch so derart lustlos erzählt wird. Und dennoch will ich ihn bald nochmal sehen, THE LAST JEDI, vielleicht auch nur um zu hoffen, es war nur ein schiefgelaufener erster Eindruck.

 

THE LAST JEDI hat mehr Schwächen als Stärken, ihm fehlt eine wahre epische Geschichte, selbst wenn die verzichtbar wäre im Angesicht eines einfacheren Plots um spannende Gefechte zwischen Gut und Böse, dann müssen die sich aber auch wirklich dramatisch anfühlen. Es gibt einen Satz in THE LAST JEDI, der traurigerweise das Dilemma des Situation STAR WARS gut zusammenfasst: “Der Funke ist erloschen.” Möglicherweise gelingt es Lucasfilm, diese Sequeltrilogie sinnig und vom Herzen her abzuschließen, bevor man wirklich neue Wege bestreitet. Wenn da noch genug Fans übrig sind.

 

Ich hoffe darauf. Denn nach diesem Mittelteil der neuen Trilogie muss ich etwas gestehen, was ich nie vermutet hatte, wo mir auch jeder widersprechen oder den Krieg erklären wird. Aber so fühlt es sich an. Trotz aller berechtigter Kritik, trotz aller besseren Voraussetzungen und aller Möglichkeiten der Sequel Trilogie, die Prequels 1 bis 3 haben mich bislang mehr bewegt und erfüllt als THE FORCE AWAKENS und vor allem THE LAST JEDI.

 

The Walt Disney Company (Germany) GmbH

 

  • Das Rey und Kylo Dilemma
  • Luke Skywalker
  • Billie Lourd
  • Porgs, die neuen Minions
  • der 900jährige kehrt zurück
  • Story und Storytelling
  • Leader Snoke
  • Benicio Del Toros Figur
  • 1:1 Kopien an Originaldialogen
  • Lukes Ende

 

FAZIT:

Visuell berauschend, dynamisch und rasant, aber schwach in Geschichte und Storytelling. THE LAST JEDI wirkt kopflos, undramatisch und manchmal sogar hirnverbrannt. Der Funke der Hoffnung ist (fast) erloschen.

 

STAR WARS: THE LAST JEDI, USA 2017, Drehbuch und Regie: Rian Johnson
Für Fans von …äh, STAR WARS?

 

 

3 Comments

  1. Antworten

    […] geht’s in den Sommer mit der vollen Blockbusterladung. Auch wenn es ob STAR WARS: THE LAST JEDI diverse Bedenken gegenüber dem Kurs von Lucasfilm und Kathleen Kennedy geben könnte, nach dem […]

  2. Antworten

    […] Die Dinge, die ich an THE LAST JEDI kritisiere, sind allesamt dramaturgischer und erzählerischer Natur. Das Fandom aber ist wegen anderer Dinge gespalten. Ihr geht das Loslösen von der Vergangenheit zu weit, mir noch lange nicht weit genug. Nun gibt es bereits Petitionen, THE LAST JEDI aus dem Kanon zu streichen. Himmelherrgott, hatten wir das nicht alles schon mal? […]

  3. Antworten

    […] vor noch gar nicht all zu langer Zeit in diesem unserem Universum, als der letzte STAR WARS Film THE LAST JEDI über die Kinoleinwände flimmerte. Nur fünf Monate später startet nun der zweite Anthologiefilm […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de