Fantasy Filmfest Nights 2015

Im Februar GENRENALE, im März FANTASY FILMFEST NIGHTS, mittlerweile pendelt sich in Deutschland Genrenormalität ein. Naja, übertreiben wir mal nicht. Aber nachdem dieses Jahr genretechnisch besser nicht hätte starten können, gibt es auf den mittlerweile achten NIGHTS eine weitere Überraschung – mit GERMAN ANGST läuft endlich mal ein deutscher Horrorfilm. Das schauen wir uns mal genauer an, doch zuvor, voila, die alljährliche Übersichtstafel.

 

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So optisch schaut das ja alles super aus, ne? Lohnen sich die NIGHTS in diesem Jahr? Gibt es mittlerweile Statistiken, ob gerade oder ungerade Jahre bessere Genre-Vorabkollektionen hervorbringen? Fragen über Fragen! 2013 war ein Killerjahrgang, THE ABC’S OF DEATH, STOKER, JOHN DIES AT THE END und THE SEASONING HOUSE, im letzten Jahr ging es dann etwas ruhiger zur Sache, immerhin gefielen DEAD SNOW 2, ENEMY, THE RETURNED und IN FEAR. Zu den Highlights 2015 gehört, neben GERMAN ANGST, für mich der belgische Horrorfilm CUB (WELP), in dem eine Pfadfindertruppe für ein paar Tage in einem Waldstück zeltet und Pfade finden will. Doch sind sie nicht allein in Wiesen und Flur, ein maskierter Knirps, der in den Wäldern lebt, macht den Ausflug der Jugendlichen zu einer äußerst fiesen Angelegenheit. Sieht toll aus im Trailer, ich mag Kinder in Horrorfilmen und bin dementsprechend gespannt auf die Welpen in CUB.

 

CUB aka WELP, und bald aka CAMP EVIL (ab 24. April 2015 auf DVD und Blu-ray) (Splendid Film)

 

Schaurig schön schaut auch A GIRL WALKSHOME ALONE AT NIGHT, ein edles Vampirdrama in Schwarz-Weiß, irgendwo zwischen SO FINSTER DIE NACHT, THE ADDICTION, einem Western und Filmen von Jim Jarmusch. Der Film ist das Spielfilmdebüt der iranischen Regisseurin Ana Lily Amirpour, die auf internationalen Filmfestivals bereits einige Preise einheimsen konnte. Interessant schaut auch THE LAZARUS EFFECT aus, der ein wenig in Richtung RE-ANIMATOR tendiert. Eine Gruppe Wissenschaftler forscht am menschlichen Gehirn nach einer Möglichkeit, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Hoffen wir mal, das der auch zurückschlägt. Mit von der Partie ist Mark Duplass (SAFETY NOT GUARANTEED), den ich sehr mag, die Hauptrolle bekleidet Olivia Wilde (IN TIME). Warum nicht?

 

A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT (Capelight Pictures)

 

AUTOMATA habe ich bereits letztes Jahr gesehen, das spanische Science-Fiction-Drama mit Antonio Banderas ist ein cleverer Thriller in Richtung I, ROBOT, der sich auch beim Asimovschen Roboterprinzip bedient, aber doch eine ganz eigene, interessante Geschichte entwickelt. Da AUTOMATA für mich zu den besten Genrefilmen 2014 gehört und Science-Fiction beim FANTASY FILMFEST immer ein wenig untergeht, kann ich auch diesen Streifen jedem ans Herz legen.

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Jetzt aber mal zum wirklichen Highlight GERMAN ANGST. Deutsche Genrefilmproduktionen auf den letzten FANTASY FILMFESTEN kann man an einer Hand abzählen, wenn man vorher noch zwei Finger von irgendeinem Schlitzwicht abgekniffen bekommen hat. Doch GERMAN ANGST ist nicht nur irgendein deutscher Horrorfilm. Die Horror-Anthologie (Horror-Anthologie, war da nicht was?) kommt von drei deutschen Genrespezies, neben Andreas Marschall (TEARS OF KALI, MASKS) und Michal Kosakowski (ZERO KILLED) steuert Deutschland Enfant Terrible des mulchigen Genrefilmvergnügens Jörg Buttgereit (NEKROMANTIK, CAPTAIN BERLIN VERSUS HITLER) die Episode „The Final Girl“ bei. Endlich wieder Buttgereit im Kino, allein das bewirkt bei mir kribbelige Füße, was immer das auch heißen mag, ich hab nie einen Buttgereit-Film im Kino gesehen.

Die drei Episoden der Anthologie, „The Final Girl“, „Make A Wish“ und „Alraune“ versprechen düster, blutig und subversiv zu werden, ich bin so gespannt, dass ich mich gar nicht erst auf Storydetails und Spoiler einlasse. Das Drumherum allein verzückt den Genrefan in mir. Endlich mal wieder eine Freigabediskussion, die fast schon sein musste (wenn sie für die Filmemacher nicht immer so teuer wäre wegen der Berufung). Unser aller FSK hat GERMAN ANGST in der ersten Instanz die Freigabe „Keine Jugendfreigabe“ verweigert. Das ist so lustig wie es klingt, Leute.

Interessanterweise bezog sich die Freigabeverweigerung auf die Episode „Alraune“, die eher mit phantastischen als mit sozial-realistischen Elementen spielen soll und der Zuschauer dort „…mit der Gewalt allein gelassen wird…“. Um diese Irrungen, Wirrungen nicht weiter breitzulatschen, im Endefekt hat GERMAN ANGST dann doch ungeschnitten das rote Siegel bekommen und alles ist wieder in Butter. Aber schön zu sehen, dass es zensurtechnisch hierzulande mal wieder scheppert wie in den seligen achtziger Jahren. Na gut, Schwamm drüber.

 

THE FINAL GIRL (Buttgereit), MAKE A WISH (Kosakowski) & ALRAUNE (Marschall) – GERMAN ANGST Fotos © 2013 KOSAKOWSKI FILMS – Michal Kosakowski

 

GERMAN ANGST soll sich aber gar nicht ausschließlich über graphische Gewalt definieren, sondern vor allem unter die Haut gehen. Ich bin irre gespannt, muss wohl recht zeitig Karten holen, denn all zu oft passiert das ja nicht, dass ein deutscher Horrorfilm bei den NIGHTS läuft, noch dazu mit den drei Filmemachern als Gäste. Hand auf´s Herz – wer ist dabei in Berlin am 22. März zu GERMAN ANGST?

 

GERMAN ANGST Regisseure Andreas Marschall, Jörg Buttgereit, Michal Kosakoswki, Foto © 2013 Yazid Benfeghoul

 

So, die unschönen Details dann jetzt am Ende, eine Sache habe ich lange mit mir herumgetragen, jetzt muss sie raus, weil sie piekt. Zu den Filmen SPRING, MARSHLAND und auch WYRMWOOD hab ich keine rechte Meinung, zu unbekannt sind mir die beiden Filmchen. THE GUEST von Adam Wingard habe ich bereits gesehen und bis auf die Musik fand ich den Home-Invasion-Streifen eher langweilig. Doch richtig geärgert habe ich mich über TUSK, den neuen Film von Kevin Smith (CLERKS, DOGMA). Ich mochte Smith wirklich gern, seinen letzten Output allerdings (ZACK & MIRI MAKE A PORNO, COPOUT) fand ich eher belanglos.

+++ ACHTUNG: SPOILER +++

RED STATE war ok, aber TUSK, auf den ich mich lange wirklich gefreut habe, ist eine Vollgurke vor dem Herrn. Dabei ist der Plot ein richtiger Killer, ein alter Seefahrer (Michael Parks) will den Podcast-Redakteur Justin Long zu einem echten Walross umoperieren. Der Anfang des Films ist dann auch ganz stimmungsvoll, aber irgendwann brennen Smith die Sicherungen durch. Erst schiebt er eine nicht enden wollende Rückblende ein, die die Geschichte nicht nur ausbremst, sondern die auch wirklich auf die Nerven geht, dafür spart er interessante Details der Operation aus und präsentiert dann Long als Walross, nur hab ich mich schon weitaus mehr bei der Sesamstraße gegruselt. Ganz ehrlich, TUSK ist verhunzt von Mitte bis Hinten. Kevin Smith hat mehrfach angedeutet, gar keine Filme mehr machen zu wollen. Er soll entweder das tun oder es wieder richtig machen, aber TUSK gehört für mich zu den größten Enttäuschungen der letzten Jahre. Ist wie gesagt nur meine Meinung, schaut es euch selbst an.

 

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Michael Parks ist noch das Beste an TUSK (Sony Pictures)

 

Nun gut, nichts desto Trotz bieten die achten NIGHTS wieder ein vielfältiges Programm zwischen Horror, Science-Fiction, Thrill, Splatter und Dark Drama und sind für mich in ihrer Kompaktheit noch immer das bessere FANTASY FILMFEST. Alle weiteren Infos zu den Filmen und Terminen in allen Städten findet ihr auf der offiziellen Seite. Bis dahin!

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de