Der Traumfalter Jahresrückblick 2014

Als der Mensch die Zeit erfand, war das ein irreversibler Fauxpas, denn seitdem verging sie, die Zeit, und der Mensch hatte sich ab diesem Zeitpunkt Null mit Begriffen wie Vergangenheit, Gegenwart, Zeitgeist und Eieruhr herumzuschlagen. Wann immer er mit der Zeit nichts anzufangen wusste, begann er, die Vergangenheit zu ordnen. Die da war wüst und wild, ein riesiger Haufen unaufgeräumtes Spielzeug, Actionfiguren von Hasbro, Playmobil-Burgen, Plastiksoldaten, denn da war auch Krieg und Leid und Zwist in der Vergangenheit. Doch dem Mensch ward nicht bang, denn er hatte auch die Kunst erfunden, die wann immer ihm beliebte, ihn von den sorgenvollen Wirren des Zeitgeschehens, welches er verursacht hatte, abzulenken vermochte. Seitdem harrt der Mensch seiner Gegenwart, sieht dem Zeitfluss des Jahres zu, wie er vergeht, um am Ende Kapitel für Kapitel abzuschließen in einer Retrospektive. Dann gibt´s Schnaps und der ganze Kladeradatsch geht von vorne los, langweilig, ich weiß, und so kryptisch! Was soll das? Was ist das für ein gequirlter Geheim-Scheiß-Blog hier, wir haben Jahresrückblick 2014 gegoogelt, ihr Vollpfosten.

 

Bevor der Monolog noch eskaliert, Willkommen zum etwas anderen Rückblick des vollendeten Filmjahres 2014. Was ist eigentlich so toll an solchen Jahresrückblicken, heißt es nicht nach Vorne, in die Zukunft schauen? Nein, es heißt Jahresrückblick, und da wirft man nicht nur einen Blick auf High- und Lowlights an Filmveröffentlichungen, sondern auch auf die ein oder andere Entwicklung, die einem dann in der Zukunft, in der man wieder Retrospektive betreibt, Hinweise auf den großen Gesamtplan liefert, was immer das auch heißen mag. Lasst Euch davon aber nicht ablenken.

 

 

Was also war los im Jahr 2014?

 

Das Filmjahr 2014 begann exakt am 1. Januar 2014 und zwar mit dem Film DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES WALTER MITTY. Krass, oder? Das war auch gleich der erste Film, den ich suh, obwohl ich kein ausgesprochener Ben Stiller Fan bin. Wohl aber von Sean Penn, der mich in diesem unerhört pathetischen Trailer schon ein wenig geködert hat. Naja, WALTER MITTY war erträglich, trotz Stiller, aber dann ging’s rapide bergab.

 

Sean Penn bittet ins Filmjahr 2014 – DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES WALTER MITTY

 

Ich will nicht in Gänze den Filmen die Schuld geben. Das ganze Frühjahr war ein elendiger zäher Matschebrei und ich habe mehr Zeit in Himmelsrand verbracht als in der tristen, grauen Gegenwart. Aber von Seiten der Filme gab´s auch kein wirkliches Entgegenkommen, Schinken wie ALL IS LOST mit einem mundfaulen, faltigen Robert Redford, ZWEI VON ALTEN SCHLAG oder Naomie Watts als DIANA interessierten mich nicht die Bohne. Hinzu kamen zwar hochkarätige, aber auch schwerfällige OSCAR-Schinken von staubiger Trockenheit, AMERICAN HUSTLE, 12 YEARS A SLAVE, auch THE WOLF OF WALL STREET und alles sah so aus, wie ich es prophezeit hatte – 2014, das wird ein doofes Filmjahr zwischen den Stühlen.

 

 

Drehbuch Oscar für HER von Spike Jonze

 

Bis 2013 wurden viele Trilogien oder Reihen geschlossen, für das Jahr 2015 standen viele prominente Reboots an, 2014 hingegen sah Anfangs, trotz ein paar Hoffnungsträger, nicht wirklich viel versprechend aus. Doch wie gesagt, einfach nur Filme, das ist ja nicht alles, was die Leidenschaft an der Fiktion abbildet. Das Jahr 2014 begann auch mit der zweiten GENRENALE und einem hoffnungsvollen Weckruf für den deutschen Genrefilm. Doch später dazu mehr.

 

Das Filmjahr 2014 war am Anfang von bekannten Schauspiel-Gesichtern geprägt, doch wer hat wirklich Spuren hinterlassen in den letzten zwölf Monaten? Zu den Gewinner des Vorjahres gehören für mich eindeutig Saorise Ronan und Andrea Riseborough, in diesem Jahr begann womöglich eine weitere große Karriere, nämlich die von Shaileen Woodley, wer kennt sie nicht? Aber man muss Shaileen Woodley kennen, denn Shaileen Woodley, und ich schreibe ihre Namen bewusst mehrfach, ist die neue Jeniffer Lawrence, die ihrerseits die neue Scarlett Johansson war. Und so weiter.

 

DURCHSTARTER DES JAHRES: Shaileen Woodley

 

Mir ist die smarte Kalifornierin bereits 2011 in THE DESCENDENTS aufgefallen, 2014 spielte sie einerseits in dem grenzwertig erträglichen Melodram DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER als auch in der neuen Franchise DIVERGENT – BESTIMMUNG die Hauptrolle. DIVERGENT war zwar nicht ganz so erfolgreich wie die Konkurrenz DIE TRIBUTE VON PANEM, wohl aber unterhaltsam, Fortsetzungen sind bereits angekündigt. Beide Filme sind keine richtigen Knaller, werden aber durch Shaileen Woodley ziemlich aufgewertet, denn es macht großen Spaß, ihr beim Spielen zuzuschauen. Die Woodley ist frisch, keck und ziemlich talentiert. Frau Nummer 2, die in diesem Jahr das Filmgeschäft bestimmt hat, hat eigentlich keinen Vorgänger oder Nachfolger nötig, sie ist mittlerweile ein Synonym ihrer selbst und bewirkt allein durch ihre Erscheinung neue Gedankenimpulse.

 

 

Under the Skin of Lucy Johansson

 

Für mich war Miss Johansson eigentlich immer die Kleine mit der Speckgusche aus DER PFERDEFLÜSTERER. Was ist mit Scarlett Johansson passiert? Ich glaube, sie ist ein Alien. UNDER THE SKIN war und ist nicht nur einer der Filme des Jahres, er ist eindeutig eine Dokumentation, keiner rafft`s, außer ich. Einem anderen Film des Jahres, HER, leiht Johansson lediglich ihrer Stimme und ist damit der Star des Films. Zwischen diesen Sternstunden der Filmgeschichte hüpft Miss Johansson noch im hautengen Body durch CAPTAIN AMERICA – THE WINTER SOLDIER und als kulinarischer Leckerbissen in CHEF (kommt 2015 als KISS THE COOK).

 

 

SCHAUSPIELERIN DES JAHRES: Scarlett Johansson

 

Ach und weil das noch nicht genug ist, auch in Luc Bessons LUCY rastet Johansson vollkommen aus und macht alle fertig, mit einer prozentualen Nutzung ihres Gehirns von 100%, BAAAM! Das ist zu verrückt. Für ein männermordendes Alien, welches ihre Opfer zwingt, ihr zu verfallen, ist Scarlett Johansson möglicherweise DIE Idealbesetzung, wie es auch ihre Stimme in HER ist. Johansson ist das Symbol des Begehrens, sie ist Werbeikone, sie hüpft durch Musikvideos, sie singt, sie ist sozial engagiert, sie verdient Milliarden, ganz klar, diese Person ist sowas von auf ihrem Zenit…nee, irgendwie noch nicht, auch da geht noch einiges. Respekt, meine kleine Grinseschnute aus DER PFERDEFLÜSTERER. Dass du ein Alien bist, werde ich niemanden verraten. Ich schwör!

 

 

SCHAUSPIELER DES JAHRES: Matthew McConoughey

 

Aber von wegen, das können nur Frauen, Pustekuchen. Von gleichem Kaliber scheint mir mittlerweile Matthew McCornieriegel zu sein, von mir manchmal scherzhaft Matthew McConoughey genannt. Völlig zu Recht OSCAR-Preisträger für DALLAS BUYERS CLUB, mindestens genau so irre in THE WOLF OF WALL STREET, in MUD, in TRUE DETECTIVES, in INTERSTELLAR. Dabei war der Gute mal eine Zeit lang weg vom Oкнo. Jetzt ist er jedenfalls wieder da und präsenter denn je, Schauspieler der Jahres, so viel steht fest.

 

Up´s & Downs 2014: Jamie Foxx als Electro in THE AMAZING SPIDERMAN 2 (albern), Tilda Swinton in SNOWPIERCER (überbissig), Christoph Waltz in THE ZERO THEOREM (überschätzt), Ella Purnell gehörnt & zuckersüß in MALEFICENT, Jared Leto gottgleich in DALLAS BUYERS CLUB, Daniel Radcliffe gehörnt & angepisst in HORNS, erst blau, dann grün: Zoë Saldaña in GUARDIANS OF THE GALAXY, grobschlachtes Holzstück: Russel Crowe als NOAH

Schauspielerisch gibt´s eigentlich nix zu meckern dieses Jahr? Oder erinnert man sich an schlechte Performance nur seltener? Vielleicht Russel Crowe als NOAH? Ich finde, Russel Crowe hat ganz schön nachgelassen und ich kann ihn irgendwie nicht mehr ernst nehmen seit LES MISERABLES. Passiert oft, dass man sich verkuckt. Zum Beispiel geht mir das auch mit Evangeline Lilly so, beim zweiten Hobbit dachte ich noch, “Hui, welch zartes Geschöpf!” Doch in diesem Jahr sah ich auch das erste Mal die Serie LOST und da hätte ich Evangeline Lilly pausenlos schlagen können, natürlich nur in der Phantasie. Da aber richtig! So hieß es dann in diesem Jahr beim dritten Hobbit: “Ähhh, die schon wieder!” Kann vorkommen. Auch halte ich Christoph Waltz, den überall verehrten Christoph Waltz nicht immer für die beste Besetzung, siehe ZERO THEOREM. Und Jamie Foxx als Electro war schlicht jämmerlich, ansonsten gibt´s aber auch positives zu vermelden. Daniel Radcliffe in HORNS war wirklich super, TILDA SWINTON in SNOWPIERCER umwerfend und die kleine Ella Purnell spielt in MALEFICENT die große Angelina Jolie an die Wand.

 

 

Das jährliche Update

 

Wie man es auch dreht und wendet, man kann an so ein Filmjahr von ganz vielen Seiten herangehen. Es ist für mich zum Beispiel immer ganz interessant, welche von mir geschätzten Regisseure neue Werke vorlegen. Da gibt es keine Jahresrhythmen, Peter Jackson zählt da mit DER HOBBIT nicht, sondern jedes Jahr ist eine neue bunter Wundertüte von Filmemacher-Neuerscheinungen.

 

In diesem Jahr durften wieder folgende Herren, denn es sind meist Herren, antreten: Christopher Nolan, Terry Giliam, David Cronenberg, Martin Scorcese, Lars von Trier, Darren Aronofsky, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet. Wenn ich das jetzt so lese, finde ich, dass es keine gute Idee ist, das Jahr nach Regisseuren zu rekapitulieren, zumindest in diesem Jahr nicht, denn da gibt es einige Enttäuschungen.

 

 

FILM DES JAHRES: INTERSTELLAR von Christopher Nolan

 

 

GONE GIRL von Fincher lässt mich völlig kalt, fand ich leider enttäuschend, Auch Terry Giliams THE ZERO THEOREM kann bei Weitem nicht an BRAZIL heranreichen. DIE KARTE MEINER TRÄUME von Jean-Pierre Jeunet wurde an der Kinokasse komplett ignoriert und irgendwie verblasst auch der Zauber von Jeunet langsam, obwohl der Film noch einer der besseren in dieser Aufzählung ist. THE WOLF OF WALL STREET war irres Schauspielerkino, aber erzählerisch karg und unspannend.

 

 

BESSER ALS SEIN RUF: ROBOCOP Remake 2014 ist zumindest unterhaltsamer als TOTAL RECALL

 

NOAH von Darren Aronofsky hingegen fand ich lustigen Fantasyschmarrn, wer mehr erwartet, wird definitiv enttäuscht, aber was haben alle von einer biblischen Geschichte wie die von Noah erwartet? Nur Nolan hat mich wieder nicht enttäuscht, INTERSTELLAR ist einer der Blockbuster in diesem Kinojahr und da gab es einige, was man zu Beginn des Jahres so nicht absehen konnte.

 

 

 

 

 

Trotz des mauen Starts wurde 2014 von Monat zu Monat besser. HER, ONLY LOVERS LEFT ALIVE, SNOWPIERCER und THE GRAND BUDAPEST-HOTEL , das waren bereits frühe Highlights, auch der erste Comic-Output CAPTAIN AMERICA – THE WINTER SOLDIER war besser als Teil 1. Nicht so gut wie Teil 1 war X-MEN – ZUKUNFT IST VERGANGENHEIT, trotzdem stellt Bryan Singers Mutantenspektakel manierliches Actionkino dar, welches prima unterhält. THE AMAZING SPIDERMAN hat mich beim ersten Mal schauen begeistert, beim zweiten Mal nicht mehr so, trotz Garfield, Stone und Dane DeHaan. Zwar ein Feuerwerk, aber auf Dauer doch zu generisch. Dann, am 15. Mai, kam es zu einer sehr unglücklichen Konstellation im Kino.

 

GODZILLA von Gareth Edwards

 

 

Am 15. Mai 2014 startete nicht nur einer der besten Actionkracher in den Kinos, sondern auch einer der besten deutschen Genresteifen seit Langem. Ein ungleiches Duell, was man schon an den Titeln erkennen kann: STEREO versus GODZILLA. Naja. So ist auch an mir STEREO zuerst vorbeigegangen, weil ich mich sehr auf eine Wiederbelebung des Godzilla-Mythos durch MONSTERS-Regisseur Gareth Edwards gefreut hatte. Eine Ungeheuerlichkeit! Da rufe ich immer, gebt dem deutschen Genrekino eine Chance und dann renne auch ich in GODZILLA. Ist aber auch fies, diese Platzierung. Für STEREO waren das nur 87.000 Besucher, für GODZILLA 955.000. GODZILLA ist atemberaubend, groß, brachial, ein Fantraum, aber auch ein spannender Blockbuster für Godzilla-Unkundige. STEREO ist ebenfalls ein Traum, straff geschrieben, spannend inszeniert, ich habe mir die Fingernägel abgeknabbert. Rückblickend kann man sagen, ab diesem Zeitpunkt hat das Kinojahr richtig Fahrt aufgenommen.

 

 

STEREO von Maximilian Erlenwein

 

Cruise, Kobe & Turtles auf Koks

 

Bleiben wir bei großem Krawallkino. Wirklich positiv überrascht hat mich EDGE OF TOMORROW mit Tom Cruise und Emily Blunt. Hab nicht viel gegeben auf den Film, sah im Trailer optisch ganz gut aus, eine TÄGLICH GRÜßT DAS MURMELTIER-Variation, was ja nicht das Schlechteste ist, aber irgendwie klebte der Hauch der Skepsis an dem Film, weiß der Geier. Lag das an Cruise? Glaube ich nicht, ich mag den Fatzke. Ich gehöre auch nicht zu der Fraktion, die gern äußern: “…ja, als Schauspieler find ich ihn ok, aber als Mensch, mit dem ganzen Scientologyscheiß…” Immer schön die Schubladenscharniere ölen, ekelhaft. Was Cruise macht ist mir vollkommen egal, er hat mich zu unterhalten und das kann er durchaus, auch in EDGE OF TOMORROW.

 

 

ÜBERRASCHUNG DES JAHRES: EDGE OF TOMMORROW von Doug Liman

 

 

Was die Blunt macht, ist mir auch egal, sie hat einfach nur gut auszusehen und auch das gelingt ihr in dem Film. Doch genug der Oberflächlichkeit, gegen jede Erwartung ist EDGE OF TOMORROW ganz großes Science-Fiction-Kino, welches sogar überraschen kann. Großer Pluspunkt – die Geschichte um so einen Zeitkonflikt wird mal wirklich komplett durchgesponnen und hat unglaubliche Momente inne – ein WTF möchte man alle fünf Minuten äußern. Grandioses Teil, wer es allerdings im Kino verpasst hat, muss für das Heimkino alle Tricks kennen, denn der deutsche Verleih verlah dem Film den Titel LIVE.DIE.REPEAT.

 

DAWN OF THE PLANET OF THE APES hingegen habe ich sehnsüchtig erwartet. Habe mir den Film nun bereits zwei mal angesehen, denn beim ersten Mal fand ich den nicht so befriedigend. Was ist da los? Zuerst das Positive, DAWN OF THE PLANET OF THE APES ist ebenfalls grandioses Effektkino, vielleicht sogar ein Meilenstein, denn die Affen sind unfassbar realistisch animiert. Aber auch nur die Affen, ein Bär beispielsweise ist dann wieder CGI-Stangenware, komisch. Der Anfang des Films ist atemberaubend, wortlos, bildgewaltig, beklemmend, hoffnungsvoll und Koba könnte der beste Filmbösewicht des Jahres sein. Die erste Stunde des Films ist schier fesselnd, doch dann tauchen Fragen auf, bzw. die Geschichte fährt in eine Sackgasse.

 

 

BESTER BÖSEWICHT 2014: Koba (DAWN OF THE PLANET OF THE APES)

 

Zum einen wird mir ein globales Ereignis geschildert, fokussiert wird aber nur eine Beispielgruppe, nämlich die Überlebenden von San Francisco unter dem Megafongeschrei von Gary Oldman. Das ist zu isoliert erzählt und damit faktisch spannungslos. Nach dem gelungenem Erstling tritt die Geschichte hier auf der Stelle und ein so interessanter Schritt wie das Kippen des Gleichgewichts zwischen Mensch und Affe wird viel zu plump mit Actionklischees abgefrühstückt.

 

Auch emotional funktioniert die Familie um Hauptfigur Malcom, der durchaus ganz cool von Jason Clarke gespielt wird, nur bedingt, Frau und Sohn bleiben blass und somit haben manche Szenen keinen wirklich Effekt. Am Ende kracht es, zwar schick und durchaus imposant, aber das Gefühl bleibt, die zweite Hälfte ist ein wenig verkorkst. Meckern auf hohem Niveau, durchaus. Schauen wir mal, was so richtig daneben ging in diesem Jahr.

 

 

FLOPS 2014

 

TRANSCENDENCE, das Regiedebüt von Wally Pfister, Kameramann von Christopher Nolan, ging völlig in die Hose. Ich zitiere mich hier mal selbst: “Mr. Nolan, geben Sie ihrem Kameramann einen Rat: Er gehört hinter die Kamera, nicht hinter die Kamera!”. Verschaukelt kam ich mir auch bei dem Film 3 DAYS TO KILL mit Kevin Costner vor, der so unfreiwillig komisch wie langweilig ist.

 

Auch MONUMENTS MEN von Clooney enttäuscht, das konnte der schon mal besser. Was aber Michael Bay geritten hat, aus den sympathischen Turtles düstere CGI-Schwachmaten zu machen, schrecklich. Ein Film, bei dem man sagen kann, Megan Fox ist nicht das Schlechteste, da muss man aufhorchen, aber lassen wir das. Enttäuscht war ich auch von SIN CITY – A DAME TO KILL FOR, die Fortsetzung kam eindeutig zu spät und ist bis auf Eva Green in allen Belangen schwächer als Teil 1. Doch genug der Meckerei, wir wollen wieder frohlocken und so schöne Wörter wie “atemberaubend” benutzen, das kann ich mittlerweile ganz schnell tippen.

 

 

Who We Are

 

HORRORFILM DES JAHRES: THE BABADOOK von Jennifer Kent

 

Ich finde das ganze Kinojahr derart von Genre durchzogen, dass eine Unterteilung mit einer Extrarubrik GENRE 2014 so überflüssig wie ein Kropf ist. Aber dennoch mal blauäugig gefragt, war es ein besseres Genrejahr als 2013? Immerhin war das Vorjahr ein saftiger Tummelplatz für Genre-Größen, siehe EVIL DEAD, STOKER, HAUNTER, usw. Auch in diesem Jahr gab es vorzügliche Genrekost. Weil Titulierungen immer ziehen verleihe ich den Titel BESTER HORRORFILM 2014 an THE BABADOOK, wunderschönes Gruselkino mit tollen Darstellern und der Film soll 2015 sogar noch offiziell in die deutschen Kinos kommen. DEAD SNOW 2 übertrifft seinen Vorgänger, feinster Splatter, welcher bereits auf den FANTASY FILMFEST NIGHTS gereicht wurde. HORNS von Alexandre Aja hat mich umgehauen, toll erzählt und super besetzt und auch 13 SINS war fesselnd.

 

 

 

 

Und auch aus Deutschland kam in diesem Jahr ein Schwung Genresachen, nicht nur auf der zweiten GENRENALE oder per Überraschungshit STEREO. Wie ist das in Deutschland mit Genre? Die meisten Besucher im Jahr hatte der Film MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER, immerhin 3,6 Millionen, der erfolgreichste deutsche Film VATERFREUDEN bewegte 2,3 Millionen Zuschauer.

 

 

Erfolgreicher deutscher Genrefilm – schön, diese drei Worte mal zusammen zu führen: WHO AM I

 

Dann kommt bis auf SAPHIRBLAU und BIBI & TINA lange nix, aber mit 744.000 Besuchern stellt der Film WHO AM I von Baran bo Odar (DAS LETZTE SCHWEIGEN) einen außerordentlichen Erfolg dar, sogar ein US-Remake ist angekündigt. Ist er das nun, der Durchbruch? Eher nicht, denn Genrefilm bedeutet Breite und Vielfalt. Von so einer Breite ist man hierzulande noch weit entfernt, aber man kann mehr entdecken, wenn man genauer hinschaut, unter die brodelnde Asphaltdecke.

 

 

 

 

Da gibt es konservatives Genrenachgeäffe á la DIE PRÄSENZ, aber auch mutige neue Wege wie DER SAMURAI, dem sogar ein Kinostart beschieden war. DAS FINSTERE TAL ist eine österreichisch-deutsche Koproduktion, aber gerade die Österreicher zeigen seit BLUTGLETSCHER, wie man mit nationaler Identität und Genre umgehen kann. Immerhin haut RTL ja auch GÖTZ VON BERLICHINGEN raus, warum nicht. Vieles ist schwierig in Deutschland, auch weil der Konsument so konservativ geprägt ist. Konnte man schön am TATORT IM SCHMERZ GEBOREN sehen, der sich allem widersetzte, das auch gefiel, aber das keine große Überraschung darstellt. Ich fand ihn super, den “ungewöhnlichen, anderen Tatort”.

 

Aber genau da muss man wegkommen, denn so funktioniert Genre und so sollte man es auch wahrnehmen, ohne den ganzen Vorbehalts-Mist. Weil mich das gar nicht überraschte, dass der TATORT so gut ankam. Genre kommt immer gut an (man darfs nur nicht Genre nennen). Aber am Vertrauen fehlt`s hier, von beiden Seiten, Produzenten und Konsumenten. Die alte Leier…

 

 

“Wir sind wie Kevin Bacon!”

 

Bereits im Spätsommer war mir klar, das 2014 ist ein fantastisches Filmjahr. Nicht nur durch hochkarätige Filme wie GUARDIANS OF THE GALAXY oder NO TURNING BACK mit einem glänzenden Tom Hardy, nein auch durch Überraschungen und tolle Kleinigkeiten, die man nicht auf allen Listen findet. Der MUPPETS MOST WANTED Film ist ein wenig untergegangen und es ist wohl auch kein bahnbrechendes Meisterwerk, aber was habe ich mich amüsiert über den Film, über Danny Trejo und Ray Liotta, wie sie da im Gulag singen, über Constantine, wie er versucht, Kermit, den Frosch zu imitieren.

SYMPATHISCHSTES ENSEMBLE: Aaron Paul, Imogen Poots, Toni Collette & Pierce Brosnan in A LONG WY DOWN

 

Oder A LONG WAY DOWN mit der tollen Besetzung von Imogen Poots (FRIGHT NIGHT 2011) und Aaron Paul (BREAKING BAD). Wenn selbst Perlen wie UNDER THE SKIN nicht ins Kino kommen, muss man auf dem direct-to-disc-Markt besonders scharfe Augen haben. Dann kann man mit THE SCRIBBLER den Film SUCKER PUNCH in gut finden, mit GRAND PIANO einen teuflisch-spannenden Thriller und endlich auch mal SAFETY NOT GUARANTEED unter JOUNEY OF LOVE auf Deutsch schauen.

 

 

 

 

Irgendwie war 2014 bereits ein STAR WARS Jahr. Anfang 2014 erschienen die THE CLONE WARS – THE LOST MISSIONS, dann gab es eine monumentale Enthüllung von STAR WARS EPISODE VII – THE FORCE AWAKE mit Besetzung und Teaser-Trailer und auch die neue STAR WARS Serie REBELLS ist inzwischen angelaufen, noch nicht so gut wie THE CLONE WARS, aber sie macht sich. Klar war 2014 auch ein tolles Serienjahr, angefangen mit der dritten Staffel SHERLOCK zu Pfingsten, mit GAME OF THRONES, AMERICAN HORROR STORY und ganz frisch mit GOTHAM, die mich völlig von den Socken haut.

 

Auch die Serie HANNIBAL hat sich mit der zweiten Staffel verbessert, zwar wird immer noch zu hochtrabend dahergequatscht, aber Staffel 2 ist düsterer, hat einen tollen Storybogen und mit der Origin von Mason Verger ein wirklich finsteres Kapitel. Also, Kino top, Serien top, echt cool, dieses 2014, coole Games (ALIEN ISOLATION, SHADOW OF MORDOR), neues LAIBACH-Album, neues NEUBAUTEN-Album und mein Lidl hat jetzt frische Muscheln für 2,99 Euro im Angebot. Dauerhaft!

 

 

 

 

Dann sind wir auch fast durch, mit dem Filmjahr, meine ich. Bis ganz zum Schluss blieb es exzellent, INTERSTELLAR hat längst verschwunden geglaubte Fernsucht neu entfacht, DER HOBBIT – DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE konnte nochmal kräftig auf die Pauke hauen, obwohl ich froh bin, dass ich bald wieder einen originären Peter-Jackson-Film bekomme. NIGHTCRAWLER & RUHET IN FRIEDEN sind noch zwei düstere Dezember-Perlen, ansonsten gibt es da am Ende wieder Ben Stiller mit NACHTS IM MUSEUM 3. Ben Stiller hat`s begonnen, Ben Stiller beendet es – das Filmjahr 2014. Eine schöne Klammer, die der Stiller da liefert, vielleicht werden wir doch noch Freunde.

 

Leider musste man 2014 auch wieder Abschied von lieb gewonnen Akteuren nehmen, besonders tragisch sind die Verluste von Philip Seymour Hoffman und Robin Williams, aber auch Ghostbuster Harold Ramis und Bob Hoskins werden fehlen…

 

Ruhet in Frieden: Maximilian Schell (1930 – 2014), Philip Seymor Hoffman (1967 – 2014), Harold Ramis (1944 – 2014), Bob Hoskins (1942 – 2014), Robin Williams (1951 – 2014)

 

Nächstes Jahr wird hart, meine Lieben, ein neuer STAR WARS Film, TERMINATOR, BOND, JURASSIC PARK – werden wir uns mit allem beschäftigen in einem First Look. Ihr wisst ja, geht alles wieder von vorne los im Januar. Ich kann Euch nur einen geruhsamen Jahreswechsel wünschen, dicken Kopp und jede Mengen Filmleidenschaft auch über Silvester hinaus. Dann lesen wir uns nächstes Jahr wieder, mit allem Pi, Pa, Po. Rutscht gut rein, aber rutscht nicht aus. Liebe Grüße, Christian!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de