Die kleine Genrefibel Teil 13: Der Slasher

Horrorfilme? Das sind doch diese billigen Machwerke, in denen maskierte Serienmörder promiskuitive Teenager aufschlitzen, am Ende aber nie totzukriegen sind und jedes Jahr an Halloween im Ferienlager auftauchen, um noch mehr kreischende Blondinen zu schnetzeln? Kann das sein? Wir hier wissen natürlich, das ist nicht die ganze Wahrheit, aber diese Klischeevorstellungen über den Horrorfilm sind nicht so unüblich. Woran liegt das? Der Horrorfilm ist so alt wie das Kino selbst und hat sich über Jahrzehnte hinweg in unterschiedlichste Subgenre aufgedröselt. Doch erst in den 70er Jahren entstand eine Untersparte des Horrorfilms, welche eine Vielzahl jener genannten Genremerkmalen vereinte, die von da ab die Sicht auf das Genre bestimmten – der Slasherfilm.

 

 

American Horror Story 1984

Kaum ein Subgenre ist so lebendig wie der klassische Slasher, wenn auch die neusten Reinkarnationen vorrangig retrospektiv daherkommen – AMERICAN HORROR STORY 1984.

 

 

Der Slasher ist das vielleicht prominenteste Subgenre des Horrorfilms. Klar kennt man auch Filme über Zombies, Vampire und Werwölfe, die klassischen Sparten der Gruselunterhaltung. Aber sobald man kontemporäre Horrorstoffe ins Visier nimmt, landet man meist auf der großen Spielwiese der Slasher Movies, welche das Genre kommerzialisierten, ihm aber auch eine Vielzahl von Merkmalen verliehen, die heute als Klischees betrachtet werden. Wie so oft in der Geschichte des Genrefilms hatte auch der Slasher Inspirationsquellen, Vorbilder und einen initialen erfolgreichen Startschuss, dem dutzende Trittbrettfahrer folgten und somit das Subgenre in Wellen formten. Schauen wir ihn uns mal genauer an, den Slasherfilm und dessen Verästelungen im Genredickicht.

 

Die hohe Kunst des Schlitzens

 

Was ist ein Slasher? Der englische Begriff slash bedeutet aufschlitzen und das mag verroht und brachial klingen, aber es verdichtet ein ganz entscheidendes Element des Horrorfilms. Denn gibt es eine größere Urangst als die Angst vor dem Tod und den Wunsch nach körperlicher Unversehrtheit? In jedem Slasherfilm gibt es eine klare Bedrohung in Form eines blutrünstigen Killers, welcher sich aufmacht, vornehmlich junge Leute mit diversen Hieb- und Stichwaffen niederzumetzeln. Die Bandbreite der Mordwerkzeuge aber ist riesig, von Messerchen über Äxte, Macheten bis hin zu Sicheln, Heckenscheren oder Forken war in Slasherfilmen schon alles dabei, auch Hämmer oder Bohrmaschinen erfüllen ihren blutigen Zweck, wenn auch diese weniger schlitzig daherkommen.

 

 

Slasherfilm Tools

Gut geschlitzt wird im Slasher nicht nur mit dem Küchenmesser (PROM NIGHT), beliebt sind vor allem Sicheln (CURTAINS), Sägen oder Äxte (HATCHET).

 

 

Da der Slasher seinen Namen ob diverser Mordwerkzeuge erhalten hat, darf er sich eigentlich nicht beschweren, wenn man ihn deshalb als roh, brutal und widerwärtig empfindet. Aber jene Sparte wird storytechnisch auch von mythologischen Aspekten des klassischen Horrorfilms bestimmt, denn fast immer rankt sich um den Schlitzstrolch ein Geheimnis seiner Existenz. In ihm liegen Motive seiner Mordgier wie Rache oder Vergeltung und sind meist tragischer Natur. Man erfährt davon in Lagerfeuergeschichten, in Erzählungen und Gerüchten aus der Vergangenheit und manchmal sind sie der Schlüssel zum Überleben der Figuren.

 

 

Slasherfilm Legende

Eins der wichtigsten Merkmale des Slashers ist die Legende – egal ob Lagerfeuergeschichte, Eriegnisse von vor 25 Jahren oder Ereignisse nach den Ereignissen von vor 25 Jahren (FREITAG, DER 13. – EIN NEUER ANFANG).

 

 

Die Figurenkonstellationen rund um den Killer sind für das Subgenre gleichwertig bedeutend. Nicht der klassische Held wird mit dererlei Gefahr konfrontiert, meist handelt es sich um eine Gruppe von jungen Leuten mit unterschiedlichsten Charakteren. Die Fokussierung auf Teenager gab dem Slasher noch einen zusätzlichen Begriff, Teenieslasher, zum einen, weil die Figuren meist Teenager sind, die Zielgruppe aber eben auch. Dass der Horrorfilm, speziell der Slasher, seit den 70er Jahren in den Mainstream geriet, liegt vor allem an der Fokussierung auf ein junges Zielpublikum. Zumindest in den USA, aus denen der überwiegende Teil des Subgenres stammt. Allerdings gibt es auch kulturelle Unterschiede, der Slasher oder Horrorfilm insgesamt erreichte dieses Publikum außerhalb der USA erst wesentlich später, in Europa erst in den 90er Jahren.

 

 

Teenieslasher

Teeniegruppen in Slasherfilmen haben sich über die Jahrzehnte nur unwesentlich verändert, werden aber zunehmend rabiater und widerstandsfähiger (FREITAG, DER 13., ICH WEIß, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST & BLACK CHRISTMAS).

 

 

 

Oft wird deshalb auch schlicht von Teeniehorror gesprochen. Innerhalb des Subgenres ist der Begriff Teenieslasher aber eher irreführend, denn so gut wie alle Subsparten des Slashers drehen sich mehrheitlich um junge Figuren und werden von jungem Publikum konsumiert, darüber hinaus stehen junge Leute und Teenager oft auch in anderen Horrorsubgenres im Mittelpunkt. Obwohl der Slasherfilm ein klar definiertes und geradezu puristisches Subgenre ist, gibt es immer mal wieder Verwechslungen.

 

 

Backwood Slasher

Der Backwood Slasher (hier THE WINDMILL MASSACRE) ist ein nach allen Regeln ein klassisches Slasher Subgenre, aber nicht nur. Mehr über den Survival und Backwood Horrorfilm in der Kleinen Genrefibel Teil 83: Survival.

 

 

Der Slasher an sich ist sehr geradlining in Story und Figuren, das Ziel in einem Slasher ist das Überleben und oder Besiegen der Gefahr. Auch in anderen Subgenres kann geschlitzt und gemordet werden, aber das muss dann nicht immer ein Slasher sein. Im Rape & Revenge Subgenre ist das Hauptmotiv Rache an die Leidensfigur gekoppelt, im Torture Porn bestimmt Macht das Handeln der meist menschlichen Widersacher. Und selbst Freddy Krüger in der NIGHTMARE ON ELM STREET Reihe besitzt zwar einen schnuckeligen Klingenhandschuh, ihn aber zu besiegen bedeutet vor allem, sich einer eher surrealen Alptraumgefahr zu stellen.

 

 

Final Girl

Slasher Inkonographie – Final Girls & Scream Queens: Olivia Hussey in BLACK CHRISTMAS 1974, Jamie Lee Curtis in HALLOWEEN 1978 und Neve Campbell in SCREAM 1996.

 

 

Der Slasher teilt sich in zwei Ferienlager, der Schlitzer kann gut und gern ein normaler Mensch sein, viel öfter aber ist er ein Wesen mit phantastischem Hintergrund. Das offensichtlichste ist, dass der Killer scheinbar nie totzukriegen ist und immer wieder aufersteht. Er ist gebunden an seine Legende, im Kern oft das ultimative Böse und er ist in gewisser Weise unsterblich. Wie er das wurde, ist wiederum ein eher filmwirtschaftlicher Effekt. Denn die ersten großen Slashererfolge an der Kinokasse zogen nicht nur Trittbrettfahrer nach sich, sondern eben auch Fortsetzungen um jene Figuren, man musste ihre immerwährende Wiederkehr natürlich irgendwie erklären. So entstanden nicht nur die großen Ikonen des Slashers, sondern auch die Horrorfilmklischees.

 

 

Slasherfilm

Viel Verwirrung darüber, welcher Film nun das Slasher Subgenre begründet hat. Bereits vor FREITAG, DER 13., welcher infolge des Erfolges von HALLOWEEN entstand, gab es ganz ähnliche Schlitzstrolche wie in THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN (1976).

 

 

In Slashern geht es immer wieder um dieselbe Choose. Eine Gruppe Teenager findet sich an einem Ort oder zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammen, egal ob Ferienlager oder an Halloween. Dort werden sie unvermittelt zu Opfern des Antagonisten, müssen sich mit der Legende auseinandersetzen und alle Tricks ausspielen, um zu überleben. Sexuell aktive Figuren, Kasper, Looser oder Gernegroße werden vom Killer oft bevorzugt, am Ende obliegt es meist der unwahrscheinlichsten Figur, den Schlitzer zu besiegen. Meist ist das eine junge Frau, besser noch eine Jungfrau, die den Terminus des Final Girls definiert. Diese Elemente gaben dem Slasher sogar eine gewisse gesellschaftspolitische Tiefe, Sex, Drogen und Dummheit führen ins Verderben, nicht nur im Horrorfilm.

 

 

Scream

Die Evolution des klassischen Slashers als Blaupause und Klischeesammlung – so gut wie alle Regeln des Horrorfilms, hier erklärt in SCREAM 1996, stammen eigentich aus Slasherfilmen.

 

 

Durch die Vielzahl an Genrevertretern, diversen Endlosserien, Fortsetzungen, Remakes und Reboots wurden konzeptionelle und inszenatorische Wiederholungen zu Regelwerken, die das Horrorgenre bis heute definieren, auch und vor allem in der Ironisierung jener Elemente. Den schnöden Filmkritiker hat das immer sauer aufgestoßen, aber der Horrorfilmfan liebt diese Verlässlichkeit. Insbesondere der Slasher wurde nicht wegen der Story oder der Figurenzeichnung verehrt, sondern wegen der immer wieder funktionierenden Spannung, der Angst, dem Ekel und der Genugtuung gegenüber der Konfrontation. Das hat den Slasher über die Jahrzehnte hinweg definiert und damit Generationen von Horrorfilmfans unterhalten.

 

Going To Pieces

 

Der moderne Slasher debütierte erst in den späten 70er Jahren und vereinte seinerzeit eine ganze Reihe von Inspirationen und filmischen Vorbildern. Das Entscheidende dabei war die Konstruktion der Bedrohung, des Killers mit dem Mordwerkzeug. Der erste Film, welcher über diverse Elemente und Prämissen des späteren Slasherfims verfügte, war THIRTEEN WOMEN (1932) von George Archainbaud, in dem eine Gruppe von jungen Frauen nach und nach ermordet werden. THIRTEEN WOMEN etablierte für das Subgenre eine mythologische Hintergrundgeschichte und das systematische Morden an einer Gruppe junger Frauen, das alles zwar noch im Mantel eines Kriminalfilms, doch deutlich mit den inszenatorischen Werkzeugen des Horrorfilms geflochten.

 

 

Peeping Tom

AUGEN DER ANGST (PEEPING TOM, 1960) von Michael Powell

 

 

Neben inhaltlichen Ebenen waren es vor allem inszenatorische Ideen, die im Slasherfilm Einzug fanden. In AUGEN DER ANGST von 1959 geht es um einen mordenden Kameramann, der das Ableben seiner Opfer mit seiner Kamera festhält. Das wurde aus der Perspektive des Täters erzählt, ein wichtiges Element des Slasherfilms. Auch Alfred Hitchcock bemühte diese Perspektive in PSYCHO und gab dem noch nicht existierenden Subgenre auch die inhaltliche Ebene der psychisch gestörten Hauptfigur. Thrill war aber nur eine der Hauptzutaten, aus denen der Slasher entstand. In den 60er Jahren kam eine weitere tragende Säule hinzu.

 

 

Slasher History

Inspirationsquellen für den modernen Slasherfilm: THIRTEEN WOMAN (1932), PSYCHO (1960) und das italienische Subgenre Giallo (DEEP RED, 1975).

 

 

Durch BLOOD FEAST von Hershell Gordon Lewis und NIGHT OF THE LIVING DEAD von George A. Romero etablierte sich der Begriff Splatter im Horrorfilmsujet, die graphisch explizite Darstellung von Gewalt, also Blut und Gekröse. Diese erreichte in den späten 60er und frühen 70er Jahren im Exploitationfilm einen neuen Höhepunkt, bedingt durch die Evolution von Filmtechnik und einer Öffnung gegenüber den Maßstäben des Zeigbaren. Die Exploitationwelle brachte vor allem extrem günstige wie blutrünstige Streifen für das damalige Bahnhofskino hervor, mit ihnen eine neue Diskussion über Gewalt und sexuelle Freizügigkeit, aber eben auch kommerzielle Erfolge, nicht nur in Hollywood, auch im eher liberalerem Europa.

 

 

A BAY OF BLOOD

Mutmaßlich der erste Slasherfilm der Filmgeschichte – IM BLUTRAUSCH DES SATANS (A BAY OF BLOOD, 1971) von Mario Bava.

 

 

Dort entstand Ende der 60er Jahre in Italien das Subgenre des Giallo, Kriminalfilme mit expliziter Gewaltdarstellung, viel nackter Haut, einer Fetischisierung des Killers und derer Schlitzwerkzeuge, die konsequente Täterperspektive und die psychosexuelle Pathologie. Die Meister des Giallo waren Mario Bava und Dario Argento und von Mario Bavas BLUTIGE SEIDE aus dem Jahr 1964 bis zu IM BLUTRAUSCH DES SATANS 1971 war es kein großer Schritt mehr in Richtung echter Slasherfilm. In Amerika wurde dessen Entwicklung zudem vom neuen Subgenre des Backwoodfilms beeinflusst, vor allem Tobe Hoopers THE TEXAS CHAINSSAW MASSACE diente als Vorbild und etablierte das Element des Final Girls in die Horrorsparte.

 

Was dem Slasher nun noch fehlte, war der große kommerzielle Erfolg an der Mainstream Kinokasse, der auch die Filmstudios zur Partizipierung trieb. Denn in den frühen 70er Jahren gab es dann bereits echte Slasher wie BLACK CHRISTMAS (1974) oder COMMUNION – MESSE DES GRAUENS (1976), welche allerdings Low Budget Produktionen des ausgehenden Exploitationzeitalters waren, eher eine kleine Zielgruppe ansprach und von Filmkritikern als billiger Schund betitelt wurde.

 

Erst 1978 gelang es einem Regisseur, mit geringem Aufwand sämtliche Fäden an Vorbildern und Inspirationen zusammenzuknüpfen und somit die Blaupause für den modernen Slasher zu erschaffen, welcher nicht nur das Subgenre definierte, sondern den gesamten Horrorfilm in den Mainstream brachte – John Carpenters HALLOWEEN mit der ikonischen Hauptfigur Michael Myers.

 

„Er ist kein Mensch …“

 

John Carpenter bündelte all diese Einflüsse in eine einfache, doch extrem wirkungsvolle Story. Es war die Geschichte von Michael Myers, welcher als Kind seine eigene Schwester ermordete, in eine Nervenheilanstalt gesteckt wurde und nach 15 Jahren von dort entflieht, um an Halloween Jagd auf weitere Teenager zu machen. Der Killer Michael Myers trug eine schauderliche Maske, tötete mit einem Küchenmesser und war einfach nicht totzukriegen. Durch die Komprimierung der typischen Elemente wie die Perspektive des Killers, furchteinflössende Maskerade, Stichwaffe, mehr oder weniger explizite Gewaltdarstellung sowie Gegenwehr durch eine beherzte Jungfrau definierte HALLOWEEN über Nacht das neue Subgenre des Slasherfilms.

 

 

Halloween 1978

Die Vereinigung aller Slasherfilm Elemente im Kinohit HALLOWEEN (1978) von John Carpenter.

 

 

Mit einem Budget von 325.000 US-Dollar spielte HALLOWEEN in den Staaten stolze 47 Millionen US-Dollar ein, ein exorbinanter Erfolg, auf dem nun auch die Majorstudios aufmerksam wurden. Wie konnte es sein, dass ein schmuddeliger Horrorfilm so ein Erfolg werden konnte, in dem ein Killer auftritt, der eine umgedrehte William Shatner Maske für läppische 1,98 Dollar trug und in dem eine junge, unbekannte Schauspielerin wie Jamie Lee Curtis über Nacht zur Scream Queen ausgerufen wurde? Horrorfilme waren seinerzeit durchaus günstig wie profitabel, aber nicht in diesem Maße. Der Erfolg von HALLOWEEN zog zwei Dinge nach sich, Fortsetzungswellen und Trittbrettfahrer.

 

1981 drehte John Carpenter die Fortsetzung HALLOWEEN 2, welcher direkt an das Ende des Vorgängers anschloss und ebenso erfolgreich wurde. Danach allerdings gab Carpenter das Zepter ab und man versuchte aus dem verkaufsträchtigen Titel HALLOWEEN auch ohne Carpenter und Myers Kapital zu schlagen. Doch dieser Plan ging in HALLOWEEN 3, der nichts mit den Vorgängern zu tun hatte, gründlich daneben, also kehrte zumindest Michael Myers 1988 in HALLOWEEN 4 auf die Leinwand zurück.

 

Die Teile 4 bis 6 bilden innerhalb der Horrorfranchise eine Art eigene Trilogie, bauten die Mythologie um die Figur weiter aus, blieben im Kern aber der Slasherrezeptur treu. Als man bereits glaubte, auch diese Reihe sei zu Ende erzählt, belebte der Erfolg eines weiteren Slasher Meilensteins Mitte der 90er Jahre auch Michael Myers wieder, man ignorierte dafür die vorherige Trilogie und schloss mit HALLOWEEN H20 an Teil 2 der Reihe an, abermals mit Jamie Lee Curtis, aber ohne John Carpenter. HALLOWEEN H20 wurde wiederum mit Teil 8 HALLOWEEN: RESURRECTION fortgesetzt, bis im Jahr 2007 die Figur Michael Myers von Musiker und Filmregisseur Rob Zombie als Remake plus dessen freie Fortsetzung aus dem Jahr 2009 wiederbelebt wurde.

 

 

HALLOWEEN 4

Nachdem Michael Myers in HALLOWEEN 3 aussetzen musste, kam er 1988 in HALLOWEEN 4 zurück und danach weitere sieben Male – zwei neue HALLOWEEN Filme sind bereits abgedreht (HALLOWEEN KILLS) oder in Planung (HALLOWEEN ENDS).

 

 

Doch Schluss war auch nach zehn mehr oder weniger erfolgreichen HALLOWEEN Filmen noch immer nicht, im Jahr 2018 kam mit HALLOWEEN der mittlerweile elfte Beitrag der Reihe in die Kinos, ignorierte alles bis auf die Carpenter Teile 1 und 2, brachte abermals Jamie Lee Curtis zurück und soll mit HALLOWEEN KILLS und HALLOWEEN ENDS eine weitere Trilogie bilden. Damit ist die HALLOWEEN Franchise die langlebigste Horrorfilmreihe aller Zeiten. Was war der Grund dafür, waren doch sämtliche Filme immer gleich gestrickt und Michael Myers immerwährende Auferstehung überaus kalkulierbar?

 

 

Halloween Film Franchise

Ignorante Rückkehr: Jamie Lee Curtis in HALLOWEEN H20, der alles nach Teil 2 für nichtig erklärte, ROB ZOMBIES HALLOWEEN Remake & HALLOWEEN 2018, erneut mit Jamie Lee Curtis, der nochmal alles nach Teil 1 ignorierte.

 

 

Der Grund ist eines der wichtigen Elemente des Horrorfilms überhaupt, die Ikonisierung der Hauptfigur, des Killers. Michael Myers war so ikonisch, dass er der Star der Franchise war und nicht das First oder das Final Girl. Es ging weniger um die Fortführung einer Geschichte, die wurde durch Ignorierung von vorherigen Teilen oder Remakes wie Reboots ohnehin ad absurdum geführt. Aber jeder Horrorfilmfan lechzte nach dem Thrill und dem Schrecken, der Zelebrierung der Morde, die viel gescholtenen Horrorfilmklischees wurden für die Fangemeinde zu einem verlässlichen Versprechen. Der Horror ging so in Serie und das nicht nur mit HALLOWEEN.

 

Schnittige Lagerfeuergeschichten

 

Durch den Erfolg von HALLOWEEN sprangen die großen Studios auf den Slasherzug auf, vor allem Paramount Pictures, welche 1980 ein zweites Franchise starteten. Mit FREITAG, DER 13. betrat ein noch brachialerer Schlitzer die Bühne – der maskierte Untote Jason Voorhees, Markenzeichen Eishockeymaske und Machete. Natürlich hatte auch diese Figur eine Evolution zu durchleben und startete einen ähnlichen Weg wie Michael Myers mit HALLOWEEN, mit Fortsetzungen und Remakes. Tatsächlich debütierte Jason Vorhees sogar erst am Ende von Teil 1 und tötete die Besucher des Feriencamps erst mit Beginn von FREITAG, DER 13. TEIL 2.

 

 

Jason Voorhees

Jason Vorhees aus der FREITAG, DER 13. Reihe.

 

 

Dass Jason am Ende von FREITAG, DER 13. aus dem Crystal Lake auftauchte und zum Leben erwachte, war ursprünglich so gar nicht vorgesehen. Doch auch dieser Slasher wurde ein großer Erfolg an der Kinokasse und so hieß es bereits ein Jahr später: JASON KEHRT ZURÜCK. Jason Voorhees, dessen Gesicht verunstaltet war und der einen Leinensack um den Kopf trug, hatte allerdings zu große Ähnlichkeit mit dem 1980 erschienenen DER ELEFANTENMENSCH, was die Macher veranlasste, sein Aussehen in Teil 3 UND WIEDER IST FREITAG DER 13. zu überarbeiten.

 

Das führte dann zu seiner ikonischen Gestalt mittels Einhockeymaske, so, wie man Jason Voorhees bis heute kennt und liebt. Mit Teil 3 und Teil 4 wurde die Geschichte dann geschlossen, für Teil 5 EIN NEUER ANFANG das Konzept überworfen und ein anderer Killer eingeführt, der zwar noch Querverweise zu Jason Voorhees bot, allerdings die Fangemeinde enttäuschte. Der neue Anfang galt als vertan, wie HALLOWEEN 3 scheiterte der Slasher daran, ein Film ohne echten Jason zu sein.

 

Ergo trat dann 1986 Herr Voorhees mit JASON LEBT  wieder in die Tradition der ersten vier Teile und führte diese Geschichte fort. Teil 7 bis 10 hatten dann nur noch wenig mit dem Ferienlagerthema zu tun, bis es 2003 zum Gipfeltreffen der Horrorikonen Jason Voorhees und Freddy Krüger kam, obgleich ein VOORHEES VS. MYERS möglicherweise auch spannend gewesen wäre.

 

 

Freitag, der 13.

Die Evolution des Voorhees Mythos’ – Pamela Voorhees in FREITAG, DER 13., Sackträger Voorhees in FREITAG, DER 13. TEIL 2, mit Hockeymaske und in 3D in UND WIEDER FREITAG DER 13., Wiederauferstehung in FREITAG, DER 13. TEIL 6 – JASON LEBT und das Gipfeltreffen der Schlitzer in FREDDY VS JASON.

 

 

Bis heute bestimmen die drei großen Horrorikonen Michael Myers, Jason Voorhees und Freddy Krüger das Geschäft der Schlitzerfranchises. Auch wenn sämtliche Subgenremerkmale wieder und wieder durchexerziert wurden, etablierten die Figuren auch neue Aspekte im Slasherfilm. Vor allem die FREITAG, der 13. Reihe galt als Startschuss einer weiteren Verästelung des Subgenres, die Fokussierung auf den Schauplatz Ferienlager ließ das Subsubgenre des Camp Slashers entstehen.

 

 

FREITAG, DER 13.

Schaurige Lagerfeuergeschichten, die hoffentlich zum Leben erwachen – eine Grundzutat des Camp Slashers (FREITAG, DER 13. TEIL 2)

 

 

Die Location Ferienlager ist in jeder Hinsicht ikonisch für den Horrorfilm. Jeder, der zumindest einmal in einer Gruppe gezeltet hat, weiß um die Wirkung von Gruselgeschichten, die sich am Lagerfeuer erzählt werden. Es ist, dramaturgisch gesehen, die lebendigste Möglichkeit, die Geschichte durch einen Rückblick beginnen zu lassen. “Hier vor 20 Jahren ist etwas ganz schreckliches passiert!” Jedes mal, wenn eine Figur einen solchen Satz an einem Lagerfeuer zum Besten gibt, weiß der Filmkenner, wo das endet.

 

THE BURNING (1981)

JUST BEFORE DAWN (1981)

 

“Es war hier gleich in der Nähe, man sagt, der Mörder wurde nie gefasst!” Und so weiter und so weiter, eigentlich immer die gleiche Leier, effektiv war das trotzdem. Es war die einfachste Methode, einen Schreckmoment zu inszenieren, durch das betont schaurige Vortragen einer Horrorlegende wird beim Zuhörer, egal ob Filmfigur oder Zuschauer, erhöhte Aufmerksamkeit gebündelt. Folgt man so gefesselt dieser Geschichte und blendet alles bis auf die Erzählstimme aus, ist man dadurch höchst anfällig für markerschütternde Schockmomente.

 

Aber ein Sommercamp bietet noch mehr Möglichkeiten, klassischen Grusel, Thrill und Kill eine Bühne zu geben. Jugendliche, Teenager, gackernde Cheerleader wie pubertäre Großmäuler, sind für ein paar Wochen fern der Zivilisation und des schützenden Elternhauses auf sich allein gestellt, das mehr oder minder kompetente Aufsichtspersonal entpuppt sich nicht selten als untauglich. Telefone gab es früher nicht, heute verhagelt schlechter Handyempfang rettende Notrufe.

 

Flirtende Pärchen, die sich mal kurz ins Unterholz stehlen, um Petting zu machen, fallen dann meist als Erste dem Messerstecher zum Opfer, gefolgt vom Klassenkasper und der Oberblondine. Wälder und Seen in näherer Umgebung ermöglichen dem Killer zumeist auch, dass seine Opfer längere Zeit vor den Anderen verborgen bleiben. Tolle Möglichkeiten zur Nutzung des Terrains bieten auch Damenduschkabinen oder Vorratskammern. Nur wer sich von Drogen und Sex fernhält, hat gute Chancen, am Ende zu überleben. Meist sind das frigide Streberinnen, die sich zu einem tüchtigen Survival Girl mausern. Das Feriencamp mit tragischer Vorgeschichte, im Wald, an einem See, bei Vollmond, selten gibt ein Szenario für einen Horrorfilm so viel her wie das Ferienlager.

 

RETURN TO SLEEPAWAY CAMP (2008)

FRIDAY THE 13TH (2009)

 

Durch den Erfolg von FREITAG, DER 13. kam es in den Folgejahren zu einem vermehrten Auftreten von Camp Slashern, die sich der Grundexposition Blutiges Sommercamp annahmen. Während Jason Voorhees zum Star wurde, gilt die SLEEPAWAY CAMP Reihe als Geheimtipp, und das, obwohl mit Angela Baker eine durchaus konkurrenzfähige weibliche Horrorikone erschaffen wurde. Die Reihe kam in Deutschland unter dem Namen CAMP DES GRAUENS heraus und brachte es immerhin auf sechs Teile.

 

 

Sleepaway Camp

Angela Baker in SLEEPAWAY CAMP (1983)

 

 

In SLEEPAWAY CAMP ging es um einiges rabiater zu als in den ersten Teilen der FREITAG, DER 13. Franchise, hier wurde nicht nur geschlitzt, sondern auch mal ein Opfer in einem Plumpsklo ersäuft. Angela Baker, eine der unterschätztesten Slasherkillerinnen, wurde im Übrigen sogar mal von Pamela Springsteen, der Tochter von Bruce Springsteen, gespielt. Die SLEEPAWAY CAMP Reihe war wesentlich trashiger angelegt als FREITAG, DER 13., aber ebenso kurzweilig und dreckig. Angela Baker und das CAMP DES GRAUENS hätten eigentlich ein Remake verdient, nur wer braucht diesen tollen, schmutzigen Filmtrash in einer Edelfassung?

 

 

 

 

FREITAG, DER 13. und CAMP DES GRAUENS sind die bekanntesten Vertreter des Subgenres Camp Slasher, doch es gibt auch eine Hand voll bemerkenswerte Einzelfilme, allen voran THE BURNING und JUST BEFORE DAWN (beide 1981). Im riesigen Dschungel der Slasherfilmwelle in den Achtziger Jahren blieben Camp Slasher aber ein überschaubares Subgenre, genau wie eine andere Abwandlung des Grundrezeptes, welches keinen Ort, sondern eine bestimmte Zeit in den Slasherfokus nahm.

 

Silent Night, Deadly Night

 

Bereits zwei der ersten echten Slasherfilme aus den Jahren 1972 und 1974, SILENT NIGHT, BLOODY NIGHT und BLACK CHRISTMAS, verlegten das blutige Treiben in die Weihnachtszeit und wurden Vorlage für das Subgenre des Christmas Slashers. Wie HALLOWEEN war jene Sparte von zwei wichtigen Elementen bestimmt, ein spezieller Zeitraum und eine ikonische Killerfigur.

 

 

STILLE NACHT, HORROR NACHT

STILLE NACHT, HORROR NACHT (1984)

 

 

Im Gegensatz zum Fest Halloween, welches traditionell Gruselsaison ist, scheint das Fest der Liebe und Geschenke auf den ersten Blick nicht so markant, aber genau darin lag die Ironie, wenn das Grauen plötzlich durch den Schornstein kroch. Denn noch bestimmender war die Ikonisierung des fiesen Weihnachtsmannes als Schlitzstrolch.

 

Man erwartet von Weihnachten Seeligkeit und Frieden und vom Weihnachtsmann Geschenke, aber was, wenn der weißbärtige Santa Graus nicht mit der Rute, sondern mit einer Axt zur Weihnachtsfeier erscheint? Nach BLACK CHRISTMAS, welcher ebenso zwei Remakes erhielt, wurde diese spritzig-witzige Überlegung vor allem in der Reihe SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT ab 1984 umgesetzt. Das weihnachtliche Zerhacken brachte es auf fünf Teile und ein loses Remake aus dem Jahr 2012.

 

Bis heute tauchen immer wieder vereinzelt tolle Christmas Slasher auf wie KRAMPUS oder BETTER WATCH OUT und halten auch am Fest der Liebe Deftigkeiten für den Horrorfilmfan bereit. Feiertage sind für den Slasherfilm ziemlich clevere Zeiträume, bieten Platz für mythologische Hintergrundgeschichten und Maskeraden wie Kostümierungen lassen markante Horrorikonen entstehen. Mit dem klassischen Slasher, dem Camp und dem Christmas Slasher sind aber bereits alle Spielarten des Schlitzfilms benannt.

 

 

Black Christmas 2006

BLACK CHRISTMAS (2006)

 

 

Andere Kreuzungen können durchaus gute Slasherunterhaltung bieten, setzen aber andere Schwerpunkte. So zum Beispiel der Backwood Slasher, in dem natürlich auch alle Elemente des Subgenres vorkommen, der aber zudem noch die Unterschiede zwischen Stadt- und Hinterwaldbevölkerung thematisiert. Durch explizitere Gewaltdarstellung entstanden auch andere Subgenre wie der Torture Porn, aber ihn unterscheidet vom Slasher, dass die Killerfiguren Menschen sind, keine stummen Predatoren wie Michael Myers oder Jason Voorhees und somit ihre Gewalt psychologisch anders motiviert ist.

 

 

Nachdem Ende der 80er Jahre der Slasher im Leerlauf trat und nicht mehr die großen Erfolge vorweisen konnte, ging die Zahl der Mainstreamproduktionen zurück. Doch der Slasher hatte den Horrorfilm derart geprägt, dass er aus dessen Grundkonstruktion nicht mehr wegzudenken war. Man meint, der Slasher hat sich nie groß geändert, aber eine Veränderung hat er doch noch vollzogen und damit erneut einen Siegeszug im Mainstreamkino angetreten. Als man dachte, die Zeit der Slasher sei vorbei, konzipierte Mitte der 90er Jahre eine Regieikone des Horrorfilms dessen Regeln nicht unbedingt neu, aber ironisierte sie grundlegend.

 

 

CANDYMAN

Die letzte große Slasher Franchise vor dessen Wiedergeburt – Candyman in CANDYMAN 2 – DIE BLUTRACHE (1995)

 

 

Die frühen 90er Jahre waren für Horrorfilmfans ein Graus. Im B-Movie Bereich und auf Video war Horror nicht totzukriegen, aber im Kino wollte man den Horrorfilm eher intellektualisieren. Es wurden die großen Klassiker mit BRAM STOKERS DRACULA oder FRANKENSTEIN wiederbelebt, aber vom wahren Horror blieb nicht viel übrig. Zwei Überlegungen standen im Raum. Wie konnte man den Horrorfilm wieder kommerziell erfolgreich machen und wie schaffte man es, aus der immerwährenden Wiederholung der Geschichten auszubrechen, ohne ihren wirkungsvollen Kern zu verlieren? Dieses Kunststück gelang zwei Konspiranten, dem Autor Kevin Williamson und dem Regisseur Wes Craven.

 

Die Renaissance des Slasherfilms

 

Kevin Williamson schrieb ein Drehbuch mit dem schlichten Titel SCARY MOVIE, welches er für 400.000 US-Dollar an die Weinstein Brüder verkaufen konnte. Diese holten Regieikone Wes Craven und Drew Barrymore an Bord und hatte nun zwei Zugpferde für die Produktion. Zum einen war das Drehbuch zu SCARY MOVIE ein klassischer Slasher um eine Gruppe Jugendlicher, die nach und nach von einem maskierten Killer dezimiert wurden, es gab ein Final Girl, alle Grundrezepte des Slashers waren vorhanden.

 

 

Scream

SCREAM (1996) von Wes Craven, Drehbuch von Kevin Williamson

 

 

Aber Regisseur Wes Craven beließ es nicht bei der bloßen Reproduktion des Subgenres, sondern er inszenierte das Groß an Klischees selbstreflektierend und ironisch. Kurz vor der Veröffentlichung wurde noch der Titel geändert, aus SCARY MOVIE wurde SCREAM und dieser belebte nicht nur das Subgenre des Slashers, sondern gleich den gesamten Horrorfilm.

 

 

 

 

Für das Subgenre bedeutete das mehr Revolution als Evolution und es ist ein wahres Kunststück, dass SCREAM sowohl spannender Horrorfilm wie Parodie des Genres zugleich wurde. Es war ein großes Vergnügen, mit der eingefahrenen Erwartung des Publikums zu spielen, die vermeintliche Hauptfigur Drew Barrymore gleich zu Beginn vom Ghostface Kiler niederzumetzeln, dann Kids genüsslich die Grundpfeiler des Horrorfilms zitieren zu lassen und sie trotzdem beinah jeder Chance zum Überleben zu berauben.

 

Scream 2

Coole Horrorfilm Metaebenen in SCREAM 2 (1997)

Scream Serie

Ein neuer Ghostface Killer für eine neue Generation in der Serie SCREAM (2015 – 2019)

 

SCREAM holte das Publikum an Horrorfilmfans und noch mehr wieder zurück in die Kinos, vornehmlich Kids und Teenies und der Horrorfilm erlebte eine neue kommerzielle Blüte. Inzwischen war es sogar so, dass SCREAM nicht lediglich als puristischer Slasher aufgenommen wurde, sondern als Horrorfilmblaupause schlechthin. Die Slashermerkmale Teeniegruppe, maskierter Killer und Final Girl wurden zu Wesenszügen des Horrorfilms an sich. Das lag eben auch daran, wie im Film damit umgegangen wurde. Mit SCREAM wurde der Horrorfilm erstmals selbstreflektierend, nicht nur durch Metaebenen wie den Film im Film STAB oder die Diskussion um Horrorfilmregeln.

 

Der ganze Horrorfilm wurde ikonisch und zog nach den 80er Jahren eine weitere große Welle nach sich, die bis heute nicht versiegt scheint. SCREAM machte Horrorfilme wieder hipp. Natürlich ging auch SCREAM in Serie, alle vier Teile wurden von Wes Craven inszeniert, der letzte Output ist die Serie SCREAM ab 2015. Das Echo von SCREAM bescherte dem Slasher ab den späten 90er Jahre unzählige Trittbrettfahrer wie ICH WEIß, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST oder DÜSTERE LEGENDEN.

 

ICH WEIß, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST schrieb Autor Kevin Williamson sogar noch vor SCREAM, konnte es aber erst im Zuge dessen Erfolges verkaufen. Auch ein Grund für den Siegeszug des neuen Teenieslasher Booms waren natürlich eine neue Riege von jüngeren Schauspielern, vor allem junge Frauen, die nach dem Zepter der ehemaligen Scream Queen Jamie Lee Curtis griffen. Die jungen Figuren waren mit ein Grund für den Erfolg beim jungen Publikum. War die Zahl an Slashern in den späten 70er und 80er Jahre schon inflationär, spätestens ab 2000 übertrafen die neuen Produktionen deren Anzahl noch weiter.

 

 

ICH WEIß, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST

ICH WEIß, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST (1997) von Jim Gillespie, Drehbuch von Kevin Williamson

 

 

Der Slasherfilm, zwar auch beeinflusst vom italienischen Giallo, war hauptsächlich ein durch US-amerikanische Filme geprägtes Subgenre, aber durch den internationalen Erfolg von SCREAM wurde nun auch global geschlitzt und zerhackstückelt. Slasherfilme wurden nun auch mit anderen Subgenres gekreuzt oder evolutionierten in Subsparten wie Backwood Horror und Torture Porn.

 

 

In Frankreich zur Zeit der Neuen Französischen Härte war der Slasher entweder puristisch wie in HIGH TENSION oder gepaart mit Backwood Anleihen in FRONTIER(S) erfolgreich, aus Skandinavien kam die Trilogie COLD PREY und sogar in Deutschland versuchten sich Filmemacher an neuen Slashern wie mit ANATOMIE, FLASHBACK oder SWIMMING POOL. Auch in Amerika geschahen wieder Wandlungen weg von der Selbstironie hin zu einer neuen Auslotung an graphischer Gewalt und Exzessen.

 

 

Laid to Rest

LAID TO REST (2009)von Robert Green Hall

 

 

Natürlich musste der neue Slasher auch in Sachen Gewalt seine Vorbilder übertrumpfen. Neue Reihen wurden gestartet, teilweise direkt auf DVD, darunter Highlights wie HATCHET oder LAID TO REST. Viele ältere Slasherfilme erhielten Remakes wie SORORITY ROW, MY BLOODY VALENTINE 3D oder BLACK CHRISTMAS. Allein das Jahr 2009 bescherte dem Slasherfilmfan dutzende neue Kreationen. Das alles half zwar nicht, um Kritiker des Subgenres umzustimmen, noch immer gilt der Slasher als billigstes und unoriginellstes Horrorfilmsubgenre überhaupt, aber er ist nach wie vor erfolgreich, wenn auch in den letzten Jahren vermehrt paranormale Geistergeschichten an der Kinokasse Erfolge verbuchen.

 

 

So manches Subgenre hat sich inhaltlich verändert, mehr aber noch inszenatorische Belange oder Zeitgeist, der Slasher ist sich bis auf die Ironisierung und Selbstreflektion eher treu geblieben. Sicherlich gab es hier und da wilde Experimente, den Slasher in andere Kontexte zu stellen, zum Beispiel in Zeitschleifengeschichten wie TRIANGLE oder HAPPY DEATHDAY. Große Teile der neuen Slasher sind gleichzeitig aber retrospektive Abziehbilder der alten Klassiker, in Inhalt, aber mehr noch Form angelehnt an die Goldenen Jahre des Subgenres zwischen 1978 und 1990, bevor SCREAM das Subgenre aufscheuchte.

 

 

Skull the Mask

SKULL: THE MASK (2020) von Kapel Furman & Armando Fonseca

 

 

Trotzdem gebührt dem Slasher großer Dank für große strukturelle Teile, aus denen sich der Horrorfilm definiert. Manche sind genervt und gelangweilt von der ewigen Mär des maskierten Killers, auf der anderen Seite gehört ein Film wie HALLOWEEN zum Halloweenfest dazu wie Butter zum Brot. Die Langlebigkeit von Slasherlegenden wie Michael Myers oder Jason Voorhees sind der Beweis für die Lebendigkeit jenes Genres von Generation zu Generation und glücklicherweise einfach nicht totzukriegen.

 

 

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In der Reihe DIE KLEINE GENREFIBEL habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sämtliche Genre, Subgenre, Mikro- und Nanogenre des Genrefilms vorzustellen. Eine Aufgabe, die mich bis weit nach mein Lebensende beschäftigen wird. Ich lege den Fokus auf Dramaturgie und Buch, werde mich aber auch mit der Inszenierung sowie den jeweils besten Vertretern befassen.

 

Lesen Sie in der nächsten Folge:

 

 

 

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de