THE BROOD

Eigentlich wollte ich in der Rubrik Review ausschließlich Neuheiten und Geheimtipps feilbieten. Aber nachdem mich aus dem VHS-Schrank so ein paar Genreklassiker angelächelt haben, gibt´s nun jede dritte Review eine Portion Retro, Undergroundhits und vergessene Perlen der Siebziger, Achtziger und Neunziger Jahre.

 

Auch folgenden Streifen von 1979 habe ich aus den Untiefen einer Geraer Videothek gehoben. THE BROOD von David Cronenberg. Trotz seines Alters ist THE BROOD oder DIE BRUT bereits Cronenbergs sechster Film, nach seinen beiden anderen Klassikern SHIVERS – PARASITENMÖRDER und RABID – DER BRÜLLENDE TOD. Zudem ist THE BROOD die erste Zusammenarbeit zwischen Cronenberg und Filmmusikkomponist Howard Shore. THE BROOD gehört zu den eher unbekannteren Frühwerken von Cronenberg, der nur zwei Jahre später SCANNERS drehte und dann mit VIDEODROME, DEAD ZONE und DIE FLIEGE unvergessliche Genreklassiker vorlegte.

 

Ich würde SHIVERS und RABID, Cronenbergs bekannteste Frühwerke, nicht als amateurhaft bezeichnen, sie sind ruppig, dreckig und biestig. THE BROOD jedoch ist anders, eleganter und zeigt die Richtung, in die es in späteren Werken Cronenbergs gehen soll.

 

Candy (Cindy Hinds) begeistert wie später Heather O’Rourke in POLTERGEIST

Frank lebt mit seiner Frau Nola in Scheidung, beide teilen sich das Sorgerecht für ihre Tochter Candy. Nola ist psychisch krank und bei Dr. Hal Reglan in Behandlung, der eine neuartige, psychosomatische Behandlung an Patienten erforscht. Nach einem Besuch von Candy bei ihrer Mutter in der Klinik entdeckt Frank Blutergüssen und Bissspuren auf ihrem Rücken. Frank versucht nun, das Besuchsrecht seiner Frau zu unterbinden und kommt damit hinter die Machenschaften von Dr. Reglan.

 

Kurz darauf tauchen Kinder mit Kapuzenpullis auf, die brutale Morde begehen und letztendlich die kleine Candy entführen. Frank findet heraus, dass seine Exfrau Nola zu einer Art Bienenkönigin mutiert ist, welche boshafte Kinderwesen gebiert, die mit ihrem emotionalen Zentrum mental verbunden sind und morden, sobald Nola Hass empfindet. Nola hat eine ganze Schar dieser Kinder geboren und die Brut geht äußerst kaltblütig gegen jeden vor, der sich ihnen in den Weg stellt.

 

David Cronenberg und Cindy Hinds bei den Dreharbeiten 1979

Die Verbindung von Mentaler Kraft und organischer Substanz, die Auswirkungen von Geist und Materie, all das zieht sich wie ein roter Faden durch die frühen Werke David Cronenbergs. THE BROOD ist somit der erste Film, der in dieser Elegie und Bitternis bereits den Weg für VIDEODROME vorgibt. THE BROOD ist wesentlich eleganter gefilmt als SHIVERS und RABID, butterweiche Kamerafahrten durch tolle, atmosphärische Locations. Vor allem der Score von Howard Shore (seine erste Filmmusik überhaupt), ist eingängig und unheimlich.

 

Zudem bietet THE BROOD ein paar gelungene Gewaltspitzen. Die Schnitzelklopferszene ist fantastisch gefilmt, musikalisch sauber untermalt und erinnert ein wenig an Hitchcocks PSYCHO. Aber Gewalt, so drastisch sie in Filmen wie VIDEODROME oder SCANNERS auch gezeigt wird, ist bei Cronenberg selten plakativ. Es ist das Spiel zwischen Psyche und Physis, die Cronenbergs Filme in ihrer Faszination ausmachen. Wie auch DEAD ZONE und seine Werke in den Achtziger Jahren bis DIE UNZERTRENNLICHEN ist THE BROOD voller bedrückender Atmosphäre und Intensität.

 

 

 

 

THE BROOD ist beklemmend, gut gespielt, sauber gefilmt und geizt nicht mit Shocks und Ekel. Ein deutlicher Sprung von RABID und ein Vorbereiter der Klassiker VIDEODROME und DIE FLIEGE. Ungeschnitten war der Streifen lediglich als US- oder UK-Import. Seit April 2013 aber ist THE BROOD in Deutschland runter vom Index und mittlerweile gibt es den Klassiker als Media Book von Wicked Vision.

 

 

  • Deutliche Steigerung zu SHIVERS & RABID
  • tolle Kamera
  • erster Score von Howard Shore
  • Schnitzelklopferszene
  • Cindy Hinds als Candy
  • Deftige Gewaltspitzen
  • Beklemmende Atmosphäre
  • Ekeliges Finale
  • Die Brut hat was von den Teletubbies

 

 

FAZIT:

Eleganter als Cronenbergs Erstwerke und ein Wegbereiter für SCANNERS und VIDEODROME. THE BROOD ist ein bedrückender Horrorfilm mit interessanter Story, guten Darstellern und drastischen Gewaltspitzen.

 

THE BROOD, CAN 1979, Regie: David Cronenberg, Drehbuch: David Cronenberg
Für Fans von VIDEODROME, SCANNERS  & GRACE

4 Comments

  1. Antworten
    Abel Ferrara 29. Mai 2013

    Guter Artikel…;) :) , sehr informativ und klar ist das ein guter Film… ….von einem der besten Regisseure überhaupt…Er wollte ja eigentlich Biologe werden…;) gut das er es eben nciht geworden ist :)

    Ich gebe aber zu, der frühe Film “Shivers” mit seinem Thema und der Metapher an den Aidsvirus (10 Jahre früher als Offiziell) ne Spur prägender war wie “The Brood” für mich…
    Klar ist der Shivers von 1975 (4 Jahre Unterschied) zu seinem “The Brood” wo klar eine verbesserung zu sehen ist (Filmisch gesehen)…du hast es schon richtig geschrieben – eleganter …:) …
    ich sehe Shivers als Experiment in seiner frühen Regiezeit und ein sehr wichtiger Film von Cronenberg noch vor “The Brood” ….

    • Antworten
      rikenbaker 29. Mai 2013

      Klaro, ich mag auch SHIVERS und RABID, besonders Letzterer. Aber THE BROOD hat irgendwie diese Ruhe und Beklemmung. Für mich gehört der mit VIDEODROME und DEAD ZONE in eine Reihe! Erinnerst du dich noch an die Videothek, wo wir den gefunden haben, irgendein riesengroßer Saal voller VHS-Kasssetten. Aber wo das war…irgendeine, in der wir nur ein mal waren. Liebe Grüße, ach…Sonntag kommt auch was Schickes, über Malerei!

  2. Antworten
    Abel Ferrara 29. Mai 2013

    Ich erinnere mich…:) sogar gut…es waren sehr viele (so ne Art) Wühlkisten an einer langen Wand entlang…und ich weiss das ich wiedermal kein Geld hatte zu dem Zeitpunkt um mir was zu kaufen ;) :) ….aber “The Brood” ausgerechnet den das weiss ich nicht mehr…hast aber einen guten Kauf gemacht…das steht mal fest…

    die Malerei….ich freu mich :)

    Sage mal….”Rickenbaker”…ist das ne Anspielung auf Jean claude Van Dammes “Cyborg”?

    • Antworten
      rikenbaker 29. Mai 2013

      Nee…vielleicht erzähl ich irgendwann einmal, was das bedeutet…zumindest für mich…hehehe!

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