Debütantenball

Jetzt, da die Welt den Bach herunter geht und alle Idole so langsam wegsterben, was kann man da machen? Richtig, über Filme dampfplaudern. Es gibt ja so viel, was es noch zu sagen gäbe über dieses wunderbare Ding namens Film. Nicht alles passt immer in eine Genrefibel, Debütfilme zum Beispiel. Lasst uns über Debütfilme reden, genauer gesagt über Regiedebüts. Jeder Regisseur muss vor seinem zweiten Werk einmal ein Spielfilmdebüt inszeniert haben, so will es das Gesetz. Warum sind Regiedebüts wichtig? Weil sie die gramgebeutelte Künstlerseele beruhigen. Also nicht meine, die Zeiten sind vorbei. Aber junge Filmemacher können Hoffnung schöpfen, alle haben mal klein angefangen, mit mickrigen Budgets, dafür mit umso mehr Pfründen Leidenschaft.

 

Aber Regiedebütant ist nicht gleich Regiedebütant. Auch Kameraleute, Drehbuchautoren und natürlich Schauspieler haben sich am Regiefach versucht und dabei manch feine Debütperle hinterlassen. Für einige war es der Beginn einer Zweitkarriere, andere wiederum wechselten schleunigst wieder das Gewerk. Das wollen wir uns jetzt alles mal genauer anschauen, also genug der langen Vorrede, der Artikel selbst ist lang genug, oh ja er ist lang, sehr lang, aber egal, wir haben Zeit! Zeit ist doch das Schönste, was uns der liebe Gott mit auf den Weg gegeben hat außer Porsche, SchwippSchwapp und Handschuhe, mit denen man Seifenblasen anfassen kann. Also los jetzt!

 

Die üblichen Verdächtigen

 

Meine Generation knapp unter Vierzig ist natürlich mit den Filmen der großen Regielegenden aufgewachsen, aber deren Debüts kennt man altersbedingt nur aus der Retrospektive. Nicht alle hatten eine klassische Ausbildung an einer Filmschule. Sie alle eint, dass sie mit möglichst geringen Mitteln große Visionen auf die Leinwand bringen wollten. Manchen gelang das sogar auf Anhieb.

 

 

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Steven Spielberg, geboren 1946, filmte bereits als im Alter von 10 Jahren auf 8mm und gewann mit 13 seinen ersten Filmpreis für einen 40-minütigen Kriegsfilm. An der University of Southern California wurde Spielberg allerdings zweimal für ein Filmstudium abgelehnt und studierte stattdessen englische Literatur. Im Alter von 22 Jahren erhielt er durch seinen Kurzfilm AMBLIN einen Vertag bei Universal Pictures und inszenierte dort erste Fernsehserienfolgen.

 

Sein offizielles Regiedebüt ist umstritten. Spielberg gab 1974 mit SUGARLAND EXPRESS sein Kinodebüt, aber bereits 1971 drehte er den Fernsehfilm DUEL für die ABC auf 16mm, der im selben Jahr ausgestrahlt wurde und wegen des erstaunlichen Erfolges 1973 auch ins Kino kam. DUEL ist ein packender, minimalistischer Thriller um einen Truck, der einen PKW-Fahrer über den Highway jagt, fast ohne Dialoge. Mit wenigen Mitteln schafft Spielberg bereits in seinem ersten richtigen Spielfilm eine dichte Atmosphäre, verbeugt sich vor Altmeister Hitchcock und ist damit auch finanziell erfolgreich – ganz im Gegensatz zu SUGARLAND EXPRESS, dem allerdings ein Jahr später JAWS (DER WEIßE HAI) folgte und Spielberg weltberühmt machte.

 

 

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Tim Burton (BEETLEJUICE, BATMAN, MARS ATTACKS, SLEEPY HOLLOW) wurde 1958 geboren und drehte ebenfalls mit 13 Jahren erste eigene Filme. Dank eines Stipendiums von Disney studierte er Trickfilmkunst am California Institure Of The Arts und bekam danach eine Festanstellung im Disneykonzern. Dort arbeitete er an Filmen wie TARAN UND DER ZAUBERKESSEL und CAP UND CAPPER sowie an seinem ersten offiziellen Kurzfilm VINCENT.

 

Tim Burton und Paul Reubens am Set von PEE WEE’S BIG ADVENTURE (1985)

Für Disney waren Tim Burtons Filme nicht kindertauglich, also wurde er 1984 gefeuert. Der Komiker Paul Reubens sah Burtons Kurzfilm FRANKENWEENIE und war so begeistert, dass er den jungen Querkopf als Regisseur seines Films PEE WEE’S BIG ADVENTURE verpflichtete.

 

Pee Wee Herman ist eine amerikanische Klamaukfigur, vielleicht vergleichbar mit Dieter Hallervorden. Aber Burtons Regie machte aus der sinnbefreiten Komödie ein schräges Etwas. Es war die erste Zusammenarbeit mit Burtons Haus- und Hofkomponist Danny Elfman, der Film wurde ein Erfolg und ermöglichte Burton 1988, BEETLEJUICE zu drehen. Ein Jahr später kam das Angebot für BATMAN.

 

 

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Die berühmten Coen Brothers (BARTON FINK, FARGO, THE BIG LEBOWSKI, NO COUNTRY FOR OLD MAN) drehten bereits als Kinder auf Super8. Joel und Ethan (Jahrgang 1954 und 1957) schrieben seitdem gemeinsam Drehbücher und führten Regie. Bereits ihr Erstlingswerk BLOOD SIMPLE gewann 1985 den Hauptpreis beim Sundance Film Festival.

 

Im Low-Budget Thriller BLOOD SIMPLE will ein betrogener Ehemann seine Frau und ihren Liebhaber umbringen lassen, doch der scheinbar simple Plan geht gehörig schief. Ein pechschwarze Drehbuch mit viel skurrilem Humor, fotografiert in edler Film Noir Stilistik und voll zynischer Gewalt, für viele ist das Debut der Coen Brothers neben FARGO das Highlight ihrer Filmographie.

 

 

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Der 1946 geborene David Keith Lynch begann seine Karriere als Maler, brach sein Studium an der Kunsthochschule ab und wanderte mit einem Schulfreund mehrere Jahre durch Europa, bis er Mitte der sechziger Jahre nach Amerika zurückkehrte und an der Pennsylvania Academy For Fine Arts sein Studium wieder aufnahm. Seine ersten Kurzfilme waren stark von der Malerei inspiriert und erfolgreich, Lynch erhielt mehrere Stipendien, die ihn 1970 nach Los Angeles führten.

 

ERASERHEAD (1977) von David Lynch

Für sein Spielfilmdebüt ERASERHEAD 1977 standen Lynch 100.000 Dollar zur Verfügung. Lynch produzierte, schrieb das Drehbuch, führte Regie und schnitt den Film, der Herstellungsprozess zog sich über ein Jahr lang hin. Auch war der Kinostart im Jahr 1977 nicht unbedingt erfolgreich, aber ERASERHEAD entwickelte sich zu einem Undergroundhit, der besonders vom Feuilleton als Nachfolger von Bunel und Dali´s DER ANDALUSISCHE HUND gehandelt wurde.

 

ERASERHEAD war zudem eine große Inspiration für andere Filmemacher wie Stanley Kubrick, David Cronenberg, Terry Gilliam und Darren Aronofsky. Nach seinem Debüt erhielt David Lynch von Mel Brooks das Angebot, Regie bei dem Film DER ELEFANTENMENSCH zu führen. Es folgten Klassiker wie DUNE, BLUE VELVET, TWIN PEAKS, LOST HIGHWAY und MULHOLLAND DRIVE, die Lynch als surrealistischen Künstler unsterblich machten.

 

 

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Der französische Filmemacher Jean Pierre Jeunet (geboren 1953) erwarb im Alter von 17 Jahren seine erste Kamera und studierte Animation, als er seinen Freund und Wegbegleiter Marc Caro, seines Zeichens Comicautor, kennenlernte. Zusammen entwickelten sie Animationskurzfilme und Musikvideos, bis beide 1991 ihr Spielfilmdebüt mit DELICATESSEN gaben.

 

DELICATESSEN ist ein groteskes, dystopisches Märchen um einen ehemaligen Clown, der eine Stelle als Hausmeister annimmt und an einen Metzger gerät, der seine Mitbewohner zu Wurstwaren verarbeitet. Nach internationalen Preisen für ihr Debüt blieben beide Filmemacher ihren surrealen Stilmitteln mit DIE STADT DER VERLORENEN KINDER treu, bis Hollywood rief und beide Filmemacher trennte.

 

Enttäuscht über die kreativen Einschränkungen bei seinem US-Debüt ALIEN RESSURECTION (1997) kehrte Jeunet nach Frankreich zurück und drehte mit DIE FABELHAFTE WELT DER AMELIE seinen wohl erfolgreichsten Film. Marc Caros erster Spielfilm in Eigenregie DANTE 01 (2008) indes floppte.

 

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Der Australier George Miller, geboren 1945, studierte Medizin und arbeitete viele Jahre als Unfallarzt, bis er sich 1971 an der University Of Melbourne für Dramaturgie und Regie einschrieb. Dort lernte er seinen Studienkollegen Byron Kennedy kennen, mit dem er zusammen die Produktionsfirma “Kennedy Miller Productions” gründete und das Drehbuch für MAD MAX entwickelte.

 

MAD MAX wurde unter erschwerten Bedingungen unabhängig für knapp 400.000 Dollar produziert und hatte seine Premiere im Jahr 1979. Das Debüt wurde weltweit verkauft und obwohl Mel Gibson in Amerika nachsynchronisiert werden musste, wurde er über Nacht weltberühmt. Heute gilt MAD MAX als einer der profitabelsten Filme im Verhältnis von Budget und Einspielergebnis.

 

Miller inszenierte später Dramen (LORENZOS ÖL), Komödien (DIE HEXEN VON EASTWICK) und Kinderfilme (EIN SCHWEINCHEN NAMENS BABE, HAPPY FEED), aber die MAD MAX Serie wird Milllers größter Erfolg bleiben. Nach der fulminanten Fortsetzung THE ROAD WARRIOR im Jahr 1981 und dem nicht ganz so gelungenem dritten Teil JENSEITS DER DONNERKUPPEL 1985 gelang dem mittlerweile 70jährige George Miller mit MAD MAX: FURY ROAD 2015 ein atemberaubendes Comeback.

 

 

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George Lucas wird für allezeit der Filmemacher sein, der 1977 mit STAR WARS ganz Hollywood revolutionierte. Dabei war bereits sein Debütfilm THX 1138 aus dem Jahr 1971 wegweisend. George Lucas, geboren 1944, studierte Anthropologie, Psychologie, Philosophie, Astronomie, Geschichte und nahm an Seminaren für Filmgeschichte und Animation teil. Eigentlich wollte Lucas Dokumentarfilmer werden, was man seinen frühen Kurzfilme durchaus ansieht.

 

Am Set von THX 1138 (1971) von George Lucas

Sein Debütspielfilm THX 1138 basiert auf Lucas’ Kurzfilm ELECTRONIC LABYRINTH: THX 1138 4EB, der wiederum auf seinem Kurzfilm FREIHEIT basierte. Der Film wird heute als einer der Wegbereiter des New Hollywood bezeichnet. Die Science-Fiction-Dystopie handelt von Menschen im Untergrund, denen Emotionen verboten sind und die bei Zuwiderhandlung bestraft werden. Zwei Individuen jedoch widersetzen sich dem System, nachdem sie Gefühle für einander entwickeln.

 

George Lucas, der mit Francis Ford Coppola das Studio American Zoetrope gründete, produzierte THX 1138 zusammen mit Warner Bros., die den Film aber umschneiden und konservativ bewerben ließen, was zu Streit mit Lucas führte. Trotzdem wurde der Film ein passabler Erfolg, vor allem Kritiker waren angetan. Nach seinem Debüt gelang George Lucas mit AMERICAN GRAFFITI ein großer Kassenerfolg, welcher den Weg für sein nächstes Projekt ebnete – STAR WARS. Der Rest ist Geschichte.

 

 

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Nachdem James Cameron, geboren 1954, den Film 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM gesehen hatte, stand für ihn fest, dass er Filmemacher werden wollte. Dennoch studierte er erst erfolglos Physik, später englische Literatur und verdingte sich als LKW-Fahrer, bis im Jahr 1977 ein weiterer Film seine Leidenschaft neu entfachte – STAR WARS von George Lucas. Cameron schmiss alles hin und brachte sich die Grundlagen des Filmemachens selbst bei.

 

Er bewarb sich 1979 bei der Produktionsfirma von B-Movie-Legende Roger Corman und ergatterte erste Jobs als Ausstatter und 2nd Unit Regisseur. Cameron war bereits in dieser Zeit wegen seines besessenen Ehrgeizes nicht unbedingt beliebt unter seinen Kollegen, dennoch bekam er dadurch auch das Angebot, in Italien Regie bei dem Horrorfilm PIRANHAS 2 zu führen.

 

Die ganze Produktion war ein Fiasko, Cameron, damals 23 Jahre alt wurde nach der Hälfte der Drehzeit gefeuert, brach später ins Studio ein, um den Film selbst umzuschneiden, vergeblich. Die Fortsetzung des Joe Dante Klassikers PIRANHAS wurde künstlerisch wie kommerziell ein Megaflop. Aber Cameron blieb bissig, kehrte nach Amerika zurück und schrieb das Drehbuch für den Film TERMINATOR, welches er erfolgreich verkaufte und selbst Regie führen durfte. TERMINATOR machte 1984 sowohl Cameron als auch den jungen Arnold Schwarzenegger zu Superstars.

 

Weitere Debütklassiker: Georges Méliès – LE MANOIR DU DIABLE (1896) +++ Alfred Hitchcock – NUMBER 13 (1922) +++ Orson Wells – CITIZEN KANE (1941) +++ Stanley Kubrick – FEAR AND DESIRE (1953) +++ Roman Polanski – KNIFE IN THE WATER (1962) +++ Francis Ford Coppola – DEMENTIA 13 (1963) +++ Dennis Hopper – EASY RIDER (1969)

 

 

New Generation

 

Die nächste Generation an Regisseuren eint dann, dass sie eindeutig von früheren Regielegenden inspiriert wurden, sei es durch ihre Biographie oder ihre Filmographie.

 

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Der Brite Christopher Nolan wurde 1970 in London geboren und begann im Alter von 7 Jahren Filme auf Super8 zu drehen, die Hauptrollen besetzen Actionfiguren. Nolan studierte englische Literatur am University College London und drehte erste Kurzfilme in einem Universitäts-Filmclub.

 

Für knapp 6000 Dollar realisierte er mit Freunden und seiner Familie 1998 seinen ersten Spielfilm FOLLOWING, der Preise gewann und 43.000 Dollar in den USA einspielte. Bereits FOLLWING hat viel von Nolans unchronologischer Erzählweise und der klaren Visualität seiner späteren Blockbuster. Zudem tauchen in FOLLWING bereits der Name Cobb (INCEPTION) und das Batman-Logo auf.

 

FOLLOWING hat trotz seines Erfolges nicht den Bekanntheitsgrad von Nolans zweitem Film MEMENTO, den er zusammen mit seinem Bruder Jonathan schrieb und der erst später groß vermarktet wurde. Nolans US-Debüt 2002 war dann die Auftragsarbeit INSOMNIA, der kein besonders großer Erfolg beschieden war. Dennoch wurde Warner Bros. auf Nolan aufmerksam und er erhielt 2004 den Zuschlag für sein Konzept zu einem Reboot der Batman-Franchise namens BATMAN BEGINS.

 

 

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Quentin Tarantino, geboren 1963, war High School Abbrecher, studierte Schauspielerei und jobbte in einer Videothek. Dort lernte er Roger Avary und Jerry Martinez kennen, mit denen er erste Drehbücher schrieb, die allerdings von Produktionsfirmen abgelehnt wurden. Später nahm er an einem Regie-Workshop von Robert Redford teil und wurde dazu ermutigt, selbst Filme zu produzieren.

 

Doch die Finanzierung seines ersten Projektes RESERVOIR DOGS, für das er auch das Drehbuch schrieb, schien zu platzen, bis Harvey Keitel auf das Script aufmerksam wurde und den Film koproduzierte. Die Gangster-Groteske um einen missglückten Rauüberfall kostete 1,2 Mio. Dollar und wurde von Kritikern gefeiert. Infolge dessen konnte Tarantino nun seine frühen Drehbücher verkaufen, die unter anderem von Tony Scott (TRUE ROMANCE) und Oliver Stone (NATURAL BORN KILLERS) verfilmt wurden.

 

Zu Weltruhm gelangte Tarantino dann mit seinem zweiten Spielfilm PULP FICTION. Fans sind sich jedoch nicht sicher, ob RESERVOIR DOGS nicht das wichtigere Werk in seiner Filmographie darstellt. Für PULP FICTION gab es einen Drehbuch-OSCAR, seitdem wird Tarantino als Begründer des neuen unabhängigen Films in Hollywood bezeichnet.

 

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Darren Aronofsky wurde 1969 geboren, studierte an der Harvard University Anthropologie, Film und Animation und machte 1991 seinen Abschluss. Im selben Jahr war sein erster Kurzfilm unter den Nominierten der Students Academy Awards. Aronofsky studierte anschließend Regie am American Film Institute und konzipierte 1996 seinen ersten Spielfilm PI.

 

In PI finden sich filmische Einflüsse von Akira Kurosowa, Terry Gilliam und Jim Jarmush. Zudem etablierte Aronofsky neue Techniken wie die Hip-Hop-Montage und die Verwendung der sogenannten Snorricam. Für PI erhielt er 1998 beim Sundance Film Festival den Preis für die beste Regie. Mit Produktionskosten von 60.000 Dollar spielte sein Debüt über 3 Million Dollar ein.

 

 

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Alejandro González Iñárritu ist mit nur sechs Spielfilmen der erfolgreichste mexikanische Regisseur überhaupt, gewann zweimal nacheinander den OSCAR für die beste Regie (BIRDMAN, THE REVENANT) sowie einen Drehbuch-OSCAR für BIRDMAN. Seine Karriere begann der 1963 geborene Iñárritu jedoch als Radiomoderator und Filmkomponist.

 

Sein Spielfilmdebüt AMORES PERROS verschlang 36 Drehbuchfassungen des mexikanischen Schriftstellers Guillermo Arriaga, bis er 2000 in die Kinos kam, mit gigantischem Erfolg. Neben Goldenen Palmen in Cannes und einer OSCAR-Nominierung als bester fremdsprachiger Film war AMORES PERROS mit über 60 Auszeichnungen der meist prämierte Film des Jahres 2000.

 

Sein Markenzeichen, die verschachtelte, episodenhafte Erzählweise, hielt Iñárritu auch bei 21 GRAMM und BABEL bei, die zusammen mit AMORES PERROS die sogenannte “Death Trilogy” bilden.

 

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Robert Rodriguez, geboren 1968 in Texas, ist Produzent, Drehbuchautor, Regisseur, Komponist, Cutter und Kameramann in Personalunion. Er wurde allerdings wegen schlechter Noten erst nachträglich an der Filmklasse der Universität von Austin aufgenommen und realisierte 1991 den Kurzfilm BEDHEAD, mit dem er Preise wie Preisgelder gewann, die er für sein Spielfilmdebüt nutzte.

 

Inspiriert von Actionfilmen von John Woo drehte er 1991 für gerade mal 7000 Dollar EL MARIACHI, den ersten Teil seiner Mariachi-Trilogie, zu der auch DESPERADOS und IRGENDWO IN MEXICO gehören. EL MARIACHI wurde später von Columbia Pictures in die Kinos gebracht und Rodriguez gewann beim Sundance Film Festival sowohl den Jury- als auch Publikumspreis.

 

Bis heute lebt Rodriguez eine famose Freiheit als Filmemacher aus, drehte abwechselnd Expoitation-Movies (MACHETE), Comicverfilmungen (SIN CITY) und Filme für seine Kinder (SPY KIDS), unabhängig und ohne große Budgets, gilt als Technikpionier und ist einer der engsten Wegbegleiter von Quentin Tarantino, für dessen Film KILL BILL 2 Rodriguez den Soundtrack zusammenstellte.

 

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Regisseur David Fincher gilt als Wunderkind, eine Filmhochschule hat der 1962 geborene Autodidakt nie besucht. Als Achtjähriger drehte er erste Filme auf Super8, die Familie zog nach Kalifornien und zwar in die direkte Nachbarschaft von George Lucas. Das ermöglichte David Fincher, bereits in jungen Jahren das Set von AMERICAN GRAFFITI zu besuchen und später eine Anstellung als Trickfilmzeichner in Lucas’ Firma ILM zu ergattern. Dort arbeitete Fincher dann an den Effekten für DIE RÜCKKEHR DER JEDI RITTER und den ersten Indiana Jones Film JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES.

 

David Fincher und Sigourney Weaver am Set von ALIEN 3 (1992)

Später drehte Fincher mit seiner eigenen Produktionsfirma Propaganda Films preisgekrönte Musikvideos für Madonna, Michael Jackson und die Rolling Stones sowie zahlreiche Werbeclips, bis man ihm Anfang der Neunziger Jahre die Regie für ein Großprojekt anvertraute – ALIEN 3.

 

Um die Produktion des dritten Alien-Films ranken sich diverse Gerüchte. Fakt zu sein scheint, dass Fincher mit einem ständig umgeschriebenen Drehbuch arbeiten musste, keine Kontrolle auf den finalen Schnitt hatte und ALIEN 3 letztendlich an der Kinokasse scheiterte. Geschadet hat ihm diese Erfahrung zum Glück nicht, bereits mit seinem zweiten Spielfilm SIEBEN gelang David Fincher der große Wurf, es folgten u.a. THE GAME, FIGHT CLUB, PANIC ROOM und THE SOCIAL NETWORK.

 

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Über den mexikanischen Regiesseur Guillermo Del Toro, geboren 1964, wird gesagt, er habe an einer Filmschule studiert, die er selbst mitgegründet hat. Respekt! Er arbeitete als Autor, Maskenbildner und Produktionsdesigner, bis er 1993 nach zwei Kurzfilmen sein Kinodebüt mit CRONOS gab.

 

Mit knapp 2 Millionen Dollar Budget war CRONOS die bis dahin teuerste mexikanische Produktion, für die sich der damals 28jährige enorm verschulden musste. Aber CRONOS wurde ein Erfolg, gewann zahlreiche Filmpreise und ermöglichte es Del Toro, bereits seinen zweiten Spielfilm MIMIC in den USA zu produzieren. Seitdem arbeitet Del Toro abwechselnd in Mexico, den Staaten und der UK, wurde für PANS LABYRINTH vielfach ausgezeichnet und schuf die Comicverfilmungen BLADE 2 und HELLBOY.

 

Del Toro ist seitdem nicht nur als Filmregisseur erfolgreich. Er schrieb Bücher, die als TV-Serie adaptiert wurden (THE STRAIN), kreierte Videospiele (InSane und den Playable Teaser für Silent Hill), konzipierte mit Peter Jackson die HOBBIT-Verfilmung und produzierte eine ganze Reihe von Genresahnestücken wie RABIA, DAS WAISENHAUS, SPLICE und DONT BE AFRAID OF THE DARK.

 

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Danny Boyle ist einer der wenigen erfolgreichen Theaterregisseure gewesen, bevor er ins Filmgeschäft einstieg. 1956 im englischen Radcliffe geboren arbeitete Boyle in der Londoner Joint Stock Theatre Company und wurde 1982 Intendant des Royal Court Theatre. Ende der Achtziger ging Danny Boyle zum Fernsehen und drehte vornehmlich Serien und zwei Fernsehfilme.

 

Sein Kinodebüt SHALLOW GRAVE aus dem Jahr 1994 ist eine bitterböse, schwarzhumorige Satire mit dem jungen Ewan McGregor und Christopher Ecclestone in den Hauptrollen. Boyle gewann mit seinem Debüt zahlreiche Preise wie den BAFTA Award für den besten Film 1995.

 

Nach seinem furiosen Debüt legte Boyle 1997 mit TRAINSPOTTING noch eine Schippe drauf. Sein US-Debüt A LIFE LESS ORDINARY allerdings floppte. Doch mit THE BEACH, 28 DAYS LATER, SUNSHINE und 127 HOURS setzte er seinen Lauf an großartigen Filmen fort, gewann 2009 den Regie-OSCAR für SLUMDOG MILLIONAIRE und inszenierte 2012 die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London.

 

 

Regisseurinnen: Kathryn Bigelow – THE LOVELESS (1982) +++ Barbara Streisand – YENTL (1983) +++ Jennifer Lynch – BOXING HELENA (1993) +++ Sofia Coppola – THE VIRGIN SUICIDES (1999) +++ Madonna – FILTH AND WISDOM (2008) +++ Drew Barrymoore – WHIP IT! (2009) +++

 

Alle Plätze wechseln sich

 

Oft wechseln erfahrene Filmschaffende anderer Gewerke ins Regiefach. Das sind in erster Linie Schauspieler, die selbst bei einer Produktion den Ton angeben wollen. Es gibt durchaus einige bemerkenswerte Regiearbeiten von bekannten Schauspielern, über andere wiederum hüllt man besser das Molton des Schweigens. Aber auch Kameramänner, Effektkünstler, Maskenbildner und natürlich Drehbuchautoren haben auf dem Regiestuhl Platz genommen.

 

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Ben Affleck, Jahrgang 1972, hatte bereits eine illustre Karriere in den wichtigsten Gewerken des Films hinter sich, als er 2007 sein Regiedebüt mit GONE BABY GONE gab. Sein Schauspieldebüt gab er mit neun Jahren, freundete sich mit dem Nachbarjungen Matt Damon an, mit dem er nach der High School nach Los Angeles zog. Dort schrieben beide das Drehbuch zu GOOD WILL HUNTING, was Damon und Affleck 1998 den OSCAR und den Golden Globe bescherte.

 

Nach diversen Independentproduktion wechselte Affleck mit ARMAGEDDON und PEARL HARBOR ins Blockbustergeschäft , landete einen grandiosen Flop mit DAREDEVIL und wurde schon als Kassengift verschrien. Zusammen mit Aaron Stockard verfasste er das Drehbuch zu GONE BABY GONE und sein Regiedebüt erhielt wider Erwarten fantastische Kritiken.

 

Befreit vom Schönlingsimage drehte Affleck mit THE TOWN ein ebenso gefeiertes Zweitwerk, doch der größte Erfolg seiner Regielaufbahn wurde 2012 sein dritter Film ARGO, der den OSCAR für den besten Film gewann. Inzwischen ist Affleck auch wieder als Schauspieler erfolgreich und wurde nach dem Erfolg von BATMAN VS SUPERMAN als Regisseur und Produzent der Batman-Franchise verpflichtet.

 

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Auch Ryan Gosling hatte eine schwierige Schauspielkarriere hinter sich, bevor er ins Regiefach wechselte. Als Kind trat er neben Britney Spears und Justin Timberlake in Disneys Mickey Mouse Club auf und spielte danach hauptsächlich in Fernsehserien. Seine erste größere Rolle war an der Seite von Sandra Bullock in MURDER BY NUMBERS, seinen Durchbruch feierte der 1980 geborenen Gosling 2006 mit dem Independent-Drama HALF NELSON.

 

Inspiriert durch die Zusammenarbeit mit Regisseur Nicolas Winding Refn, mit dem er die bemerkenswerten Filme DRIVE und ONLY GOD FORGIVES drehte, gab er 2014 sein Regiedebüt mit LOST RIVER, der sichtlich von Refn, aber auch von David Lynch geprägt war. Im Gegensatz zu Afflecks Regiedebüt konnte LOST RIVER die Kritiker nicht überzeugen, zu sperrig und selbstverliebt zitiert Gosling seine filmischen Vorbilder.

 

Noch mehr Schauspieler-Regiedebüts: Sylvester Stallone – PARADISE CITY (1978) +++ Leonard Nimoy – STAR TREK 3 – THE SEARCH FOR SPOCK (1984) +++ William Shatner – STAR TREK 5 – THE FINAL FRONTIER (1989) +++ Mel Gibson – THE MAN WITHOUT A FACE (1993) +++ Robert De Niro – A BRONX TALE (1993) +++ Al Pacino – LOOKING FOR RICHARD (1996)

 

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Viele Kameramänner sind später ins Regiefach gewechselt, doch kaum einer kann einen größeren Debüthit vorweisen als der 1943 geborene niederländische Kameramann Jan De Bont. De Bont studierte an der Filmakademie in Amsterdam und lernte dort Paul Verhoeven (ROBOCOP, STARSHIP TROOPERS) kennen. Beide wurden ein Traumteam, gingen in den frühen Achtzigern nach Hollywood und arbeiteten an gemeinsamen Filmen.

 

Jan De Bont und Keanu Reeves am Set von SPEED (1994)

De Bont wurde Ende der Achtziger einer der gefragtesten Kameramänner, drehte Actionklassiker wie STIRB LANGSAM, BLACK RAIN und LEATHAL WEAPON 2. Insgesamt stand De Bont für über 50 Produktionen hinter der Kamera, bis er für 1994 für SPEED auf dem Regiestuhl Platz nahm. Für den Actionhit mit Keanu Reeves und Sandra Bullock konnte De Bont aus seiner ganzen Erfahrung schöpfen und machte so aus SPEED den wohl rasantesten Actionfilm der Neunziger Jahre.

 

Auch sein Zweitwerk war künstlerisch wie kommerziell erfolgreich – TWISTER aus dem Jahr 1996. Doch mit der Fortsetzung seines Debüts SPEED 3: CRUISE CONTROL landete De Bont auf der Nase. Auch THE HAUNTING und der zweite TOMB RAIDER Film floppten gewaltig, heute hört man kaum noch etwas von der niederländischen Kameralegende.

 

 

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Auch Wally Pfister, geboren 1961, hatte eine erfolgreiche Karriere als Kameramann hinter sich, bevor er sein Regiedebüt gab. Mit Regisseur Christopher Nolan drehte er insgesamt sieben Filme, für INCEPTION gewann er den OSCAR für die beste Kamera.

 

Für die Nolan-Produktion TRANSCENDENCE wechselte er 2014 ins Regiefach, doch das Ergebnis war wenig berauschend. Als visueller Geschichtenerzähler versagt Pfister auf ganzer Linie. Hinter der Kamera ist eben etwas anderes als hinter der Kamera.

 

Neue junge Wilde

 

Gehen wir noch eine Generation an Regieneulingen weiter. Die meisten Filmemacher, die ihr Debüt ab den Neunzigern gaben, hatten den Vorteil, dass sich die Technik zu ihren Gunsten weiterentwickelt hatte und immer bezahlbarer wurde. Einige Regisseure kamen aus dem digitalen Effektbereich und hatten eine klare Vision. Andere wiederum fanden als Querköpfe Lücken in angestaubten Filmmottenkisten und definierten Genregesetze einfach neu.

 

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Duncan Jones, geboren 1971, ist der Sohn von David Bowie, lebte in London, Berlin sowie der Schweiz und studierte bis 2001 Regie an der London Film School. Nach diversen Image- und Werbefilmen gab er 2009 sein Debüt mit dem Science-Fiction-Film MOON.

 

Für MOON erhielt Jones zahlreiche Filmpreise, darunter den BAFTA Award für das beste Debüt. Mit minimalem Cast und einem Budget von 5 Millionen Dollar sollte MOON eigentlich nur auf Disc veröffentlicht werden, doch der große Erfolg auf Festivals ließ Lizenzinhaber SONY PICTURES umdenken und MOON kam 2009 in die Kinos.

 

Duncan Jones kam als Regisseur fast aus dem Nichts, nach seinem zweiten Spielfilm SOURCE CODE wurde er mit der Verfilmung des Videospiels WARCRAFT betraut, der ebenfalls zu einem großen Box Office Hit wurde. Derzeit arbeitet Duncan Jones an MUTE, einen spirituellem Prequel zu MOON.

 

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Nur wenigen Regisseuren gelingt bereits mit ihrem Debüt der große Durchbruch. Einer von ihnen ist Richard Kelly, Jahrgang 1975, der an der School Of Cinematic Art in Kalifornien studierte. Nach zwei Kurzfilmen gab er mit DONNIE DARKO das wohl bemerkenswerteste Debüt seit RESERVOIR DOGS.

 

DONNIE DARKO ist zwar gespickt mit Filmzitaten von ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT bis THE EVIL DEAD, von Lynch bis Stephen King, darüber hinaus aber ein ungemein faszinierendes, eigenständiges Werk von frischer, komplexer Erzählweise und einem guten Gespür für Tonalität und Mindfuck. DONNIE DARKO war nicht sofort ein Kassenschlager, entwickelte sich aber über kurze Zeit zum Kultobjekt, so dass Kelly sogar einen Director’s Cut in die Kinos bringen konnte, für den ihm zuerst das Geld fehlte.

 

Kelly kehrte 2006 mit dem Film SOUTHLAND TALES zurück, der in Cannes lief. Sein dritter Film THE BOX allerdings floppte bei Kritikern und an der Kinokasse.

 

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Vincenzo Natali, geboren 1969, ist ein Regisseur mit italienischen Wurzeln und schaffte ebenfalls mit seinem Debütfilm den internationalen Durchbruch. Natali nahm in jungen Jahren an diversen Filmprogrammen teil und arbeitete als Storyboarder, bis er 1997 den Sci-Fi-Horrorfilm CUBE drehte.

 

CUBE kostete 365.000 kanadische Dollar und spielte fast 10 Millionen Dollar ein. Der Film zog zwei Fortsetzungen nach sich, doch erst danach konnte Natali beweisen, dass er auch in anderen Genres glänzen konnte. Mit SPLICE und HAUNTER schuf er Genrekleinode, seine Episoden für die TV-Serien HANNIBAL, THE STRAIN, WAYWARD PINES und ORPHAN BLACK sind fantastisch inszeniert.

 

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Rian Johnson wurde 1973 geboren und schloss 1996 sein Studium an der USC School Of Cinematic Art ab. Sein erster Kurzfilm hatte den klangvollen Titel EVIL DEMON GOLFBALL FROM HELL. Für sein Spielfilmdebüt lieh er sich 500.000 Dollar und drehte an seiner ehemaligen Schule das Dark Drama BRICK, welcher 2005 auf dem Sundance Film Festival ausgezeichnet wurde und 2006 in die Kinos kam.

 

Zwischen der ersten Drehbuchfassung zu BRICK 1997 und dem Kinostart lagen acht schwierige Jahre der Finanzierung und Produktion, aber kaum ein Debüt wurde so gelobt und mit Preisen überschüttet wie Johnson Erstlingswerk. Nach seinem zweiten Film THE BROTHERS BLOOM erregte Johnson Aufsehen mit fantastischen Folgen für die TV-Serie BREAKING BAD, bis er 2012 mit LOOPER einen hochbudgetierten Spielfilm realisieren konnte. Nach nur drei Spielfilmen wurde Shootingstar Johnson der achte Teil der STAR WARS Saga als Regisseur anvertraut, der 2017 in die Kinos kommt.

 

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Regiedebüts sind oft mit Umwegen verbunden, davon kann auch Neill Bloomkamp Lieder singen. Der 1979 in Südafrika geborene Regisseur begann seine Karriere als 17jähriger Trickfilmzeichner. 1997 zog er nach Kanada und schrieb sich an der Vancouver Film School ein. Zunächst arbeitete Bloomkamp als Effektkünstler, bis er durch seine Kurzfilme, die im Universum der Videospielreihe HALO angesiedelt waren, Aufsehen erregte.

 

Sharlto Copley, Peter Jackson & Neill Blomkamp – DISTRICT 9 (2009)

Neill Blomkamps Debüt sollte dann eine Spielfilmadaption von HALO werden. Doch die Finanzierung scheiterte und das Projekt liegt bis heute brach. Es war Produzent Peter Jackson, ein großer Fan von Blomkamps Kurzfilm ALIVE IN JOBURG, der ihn zu einer Spielfilmversion überredete. DISTRICT 9 kam 2009 in die Kinos und war überaus erfolgreich, Blomkamp wurde wegen des dokumentarischen Ansatzes gefeiert, obendrauf gab es für das Debüt vier OSCAR-Nominierungen inklusive Bester Film.

 

Diesen Erfolg konnte Blomkamp mit seinen Folgefilmen ELYSIUM und CHAPPIE nicht wiederholen. Trotzdem beauftragte die 20th Century Fo den Südafrikaner mit der Regie für einen neuen ALIEN-Teil.

 

Das Horrordebüt

 

Im Genrefilmbereich ist besonders der Horrorfilm das Trittbrett für junge Filmschaffende. Ein paar Beispiele für Regisseure, die nach ihrer Horrorfilmvergangenheit auch in anderen Genres glänzten und Regisseure, die dem Horrorfilm bis heute die Treue hielten.

 

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Sam Raimi, geboren 1959, brach nach drei Semestern sein Studium für englische Literatur an der Michigan State University ab, um seinen Debütfilm THE EVIL DEAD zu drehen. Bereits 1978 produzierte er mit seinem Freund Bruce Campbell den Kurzfilm WITHIN THE WOODS, auf dem THE EVIL DEAD basierte. Raimi war gerade mal 21 Jahre alt, als er den wohl wichtigsten Horrorfilm der Neuzeit erschuf.

 

Bruce Campbell und Sam Raimi am Set von THE EVIL DEAD (1981)

Raimi verwandt für THE EVIL DEAD neue Techniken wie die sogenannte Shakycam und manipulierte Abspielgeschwindigkeiten. Beim Schnitt des Horrorklassikers arbeitete Joel Coen von den Coen Brothers mit, das Konzept, einen Kurzfilm als Promotion für einen Langfilm zu produzieren, verwendeten die Coen Brothers 1984 auch bei BLOOD SIMPLE.

 

Bis zu seinen Kinostart 1981 hieß THE EVIL DEAD übrigens noch BOOK OF THE DEAD, der Titel wurde auf Anraten von Produzentenlegende Irvin Shapiro umbenannt. Shapiro brachte Raimis Debütfilm sogar nach Cannes, wo er von Stephen King hochgelobt wurde, was wiederum New Line Cinema auf den Film aufmerksam machte, die ihn vertrieben. Mit zirka 90.000 Dollar Produktionskosten spielte THE EVIL DEAD über 35 Millionen Dollar ein.

 

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Bevor Peter Jackson (Jahrgang 1961) mit Blockbustern wie THE LORD OF THE RINGS, KING KONG oder THE HOBBIT Milliarden in die Kinokassen spülte, drehte er putzige Splatterfilmchen in seiner Heimat Neuseeland. Bereits als Kind war Jackson großer Fan von Stop Motion Legende Ray Harryhausen und träumte davon, Effektkünstler zu werden. Nach ein paar Kurzfilmversuchen machte sich Peter Jackson an die Produktion seines Spielfilmdebüts BAD TASTE.

 

BAD TASTE wurde an freien Wochenenden zwischen 1983 und 1987 für ungefähr 30.000 New Zealand Dollar produziert. BAD TASTE wurde mit 16 Filmpreisen ausgezeichnet, Peter Jackson gründete darauf seine eigene Produktionsfirma Wingnut und beteiligte sich an der Effektschmiede Weta Digital.

 

Das Jackson mehr drauf hatte als krude Splattereffekte, bewies er bereits 1994 mit dem Drama HEAVENLY CREATURES, der eine OSCAR-Nominierung für das beste Drehbuch erhielt. Nach der US-amerikanischen Koproduktion THE FRIGHTENERS begann Jackson 1997 mit der Vorproduktion seiner HERR DER RINGE Verfilmung, die ihn als Regisseur unsterblich machen sollte.

 

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Neil Marshall ist ein britischer Regisseur, der nach seinem Abschluss an der Filmschule in Newcastle eine Karriere als Cutter begann. Sein Debüt gab der 1970 geborene Marshall mit dem intelligenten Horrorfilm DOG SOLDIERS, der in England 2002 erfolgreich im Kino lief.

 

DOG SOLDIERS begeistert durch ansehnliche, handgemachte Effekte und Animatronics, einen neuen Blickwinkel auf den angestaubten Werwolfmythos und ist mit Sean Pertwee (GOTHAM) und Liam Cunningham (GAME OF THRONES) glänzend besetzt.

 

Mit seinem zweiten Film THE DESCENT schaffte der Brite dann seinen internationalen Durchbruch, es folgten DOOMSDAY und der Historienfilm CENTURION, zudem inszenierte Marshall das grandiose Finale der vierten Staffel von GAME OF THRONES.

 

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Der Australier James Wan, geboren 1977, studierte an der RMIT University in Melbourne und produzierte 2003 mit einem Studienfreund einen zehnminütigen Kurzfilm namens SAW. Das Kalkül ging auf, Lionsgate sicherte sich die Rechte am Stoff und ließ Wan 2004 sein Spielfilmdebüt mit der Langfassung von SAW inszenieren.

 

James Wan und Cary Elwes am Set von SAW (2004)

Mit einem Budget von 1,2 Millionen Dollar spielte SAW weltweit über 100 Millionen Dollar ein und gilt neben THE BLAIRWITCH PROJECT als profitabelster Horrorfilm aller Zeiten. An den Fortsetzungen des Kassenschlagers war Wan dann als Executive Producer beteiligt. Den Erfolg von SAW konnte Wan mit seinen nächsten Spielfilmen DEAD SILENCE und DEATH SENTENCE nicht wiederholen, doch gelang ihm 2010 ein sensationelles Comeback mit INSIDIOUS.

 

James Wan steht derzeit für eine erfolgreiche Wiederbelebung des Geisterfilms, mit INSIDIOUS (3 Teile) und CONJURING (2 Teile) plus Spin Of´s produzierte Wan erfolgreich in Serie, führte zudem Regie beim siebten Teil der Reihe FAST & THE FURIOUS.

 

 

Noch mehr Horror-Debütanten: George A. Romero – NIGHT OF THE LIVING DEAD (1968) +++ Wes Craven – THE LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) +++ Eli Roth – CABIN FEVER (2002) +++ Rob Zombie – THE HOUSE OF 1000 CORPSES (2003) +++ Zack Snyder – DAWN OF THE DEAD (2004) +++

 

Extravagant & Kontrovers

 

Letztlich werfen wir noch einen Blick auf ein paar Filmemacher, die sich nicht so einfach in irgendwelche Genreschubladen stecken lassen, deren Debüts dafür aber umso interessanter ausfallen.

 

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Der 1963 geborenen Argentinier Gaspar Noé hat den Ruf eines Skandalregisseurs. Im Alter von 12 Jahren zog seine Familie nach Frankreich und Noé studierte Philosophie und Filmwissenschaft am Ecole Louis Lumière in Paris. Seine ersten Kurzfilmen sorgten bereits in Cannes für Aufsehen, bis Noé 1998 den Spielfilm SEUL CONTRE TOUS inszenierte, der hierzulande als MENSCHENFEIND bekannt ist.

 

MENSCHENFEIND ist die Fortsetzung seines Kurzfilms CARNE aus dem Jahr 1991. Der Film gewann mehrere Filmpreise, schockierte aber auch das Publikum wegen seiner drastischen, visuellen Erzählweise und dem Ausloten von Tabus. Sein zweiter Spielfilm IRREVERSIBLE trieb das noch auf die Spitze. Noé´s Filme bestechen durch lange, elegische Kamerafahrten ohne Schnitt, exzessiver Gewalt und berauschender Klanguntermalung.

 

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Regisseur, Autor, Schauspieler und Produzent Spike Jonze heißt eigentlich Adam Spiegel und wurde 1969 in Rockville, Maryland geboren. Jonze begann seine Karriere als Musikvideoregisseur und inszenierte preisgekrönte Clips für Beastie Boys und Fatboy Slim. Nach zwei Kurzfilmen gab er 1999 sein Debüt mit BEING JOHN MALKOVICH.

 

Jonze gilt als Querkopf und ist Teil der avantgardistischen Filmemachergruppe um Charlie Kaufman und Michael Gondry. Zudem gilt er als Erfinder der MTV-Show JACKASS. Mit BEING JOHN MALKOVICH etablierte sich Jonze als surrealistischer Geschichtenerzähler, es folgten ADAPTATION und HER. Bereits für JOHN MALKOVICH erhielt er neben zahlreichen anderen Filmpreisen eine OSCAR-Nominierung für die beste Regie. Die Trophäe gewann er schließlich 2014 für das beste Drehbuch zu HER.

 

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Nicolas Winding Refn ist ein dänischer Regisseur und wurde 1970 in Kopenhagen geboren. Er wuchs in Amerika auf und studierte an American Academy Of Dramatic Arts in New York, allerdings ohne einen Abschluss zu machen. Auch seinem Debütspielfilm PUSHER (1996) ging ein zehnminütiger Kurzfilm voraus. Das Budget für PUSHER betrug 6 Millionen dänische Kronen, also ungefähr 780.000 Euro und ist zudem das Debüt des Schauspielers Mads Mikkelsen.

 

Durch den Erfolg von PUSHER konnte Refn zwei Fortsetzungen produzieren, bis sein Spielfilmdebüt 2012 ein englisches Remake erhielt. Mit BRONSON und WALHALLA RISING drehte Nicolas Winding Refn zwei weitere bemerkenswerte Filme, sein Hollywooddebüt gab Refn 2012 mit DRIVE.

 

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Der Inder Tarsem Singh, geboren 1961, wurde wie David Fincher als Musikvideoregisseur berühmt, bevor er 2000 sein Spielfilmdebüt gab. Mit dem Clip zum R.E.M. Song Losing my religion gewann er 1991 den MTV Video Music Award. Danach drehte er Werbefilme für Pepsi und Mercedes Benz, bis er mit THE CELL auf die große Leinwand wechselte.

 

THE CELL ist ein surrealistisch verspielter Serienkillerfilm mit Jennifer Lopez und Vincent D’Onofrio in den Hauptrollen. Er erhielt eine OSCAR-Nominierung für das beste Make-up und wurde wegen seiner fantastischen Bildersprache gefeiert. Tarsem Singh´s Filme sind wie opulente Videoclips, was er mit THE FALL und IMMORTALS erneut eindrucksvoll unter Beweis stellte.

 

Seine Schneewittchen-Verfilmung MIRROR MIRROR und das Science-Fiction-Drama SELFLESS hingegen konnten nicht an seine frühen Erfolge anknüpfen. Derzeit arbeitet Singh an der WIZARD OF OZ-angelehnten TV-Serie EMERALD CITY, die hoffentlich wieder bildgewaltig und betörend wie THE CELL oder THE FALL wird.

 

(Noch) ohne Zweitwerk: Alex Garland – EX MACHINA (2015) +++ Ana Lily Amirpour – A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT (2014) +++ Joseph Gordon-Levitt – DON JON (2013) +++ László Nemes – SON OF SAUL (2015) +++ Jennifer Kent – THE BABADOOK (2014) +++ Dan Gilroy – NIGHTCRAWLER (2014)

 

 

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de