ROBOT & FRANK

Die Science-Fiction-Filmwelt ist voller putziger Roboter. Von der falschen Maria aus METROPOLIS über Yul Brynner als Western-Android, Protokolldroiden wie C-3PO, Replikanten, Terminatoren und Robocops, so manche künstliche Intelligenz machte sich im Laufe der Filmgeschichte daran, dem Mensch der Zukunft entweder die Einkaufstüte nach Hause zu tragen oder den Tag anzukündigen, an dem die Erde still stehen wird. Einer der netteren dieser Spezies ist der Pflegeroboter VGC-60L aus der  Science Fiction-Tragikkomödie ROBOT & FRANK – erhältlich auf Blu-ray und DVD.

 

(!ACHTUNG! Review enthält Spoiler!)

 

Frank (Frank Langella) ist ein mürrischer und zurückgezogen lebender Rentner, der gern in der Gemeindebücherei herumhängt, spazieren geht und in einem Tante Emma Laden Dekoartikel wie Seife und Porzellanfiguren klaut. Eigentlich nur eine Fingerübung für Frank, der früher Fassadenkletterer und Juwelendieb war. Doch seine besten Tage hat der schusselige Querkopf schon hinter sich. Frank lebt allein in einem Haus im Nirgendwo. Er leidet unter beginnender Demenz. Da seine Kinder ständig zu tun haben, schenkt ihm sein Sohn Hunter (James Marsden) eines Tages einen Roboter, der Frank bei der Hausarbeit helfen soll. Widerwillig muss Frank sich das gefallen lassen, doch nach einiger Zeit entwickeln Robot und Frank eine tiefe Freundschaft füreinander und der ehemalige Langfinger beginnt wieder, mit der patenten Blechbüchse auf Diebestour zu gehen.

 

Robot & Frank

Frank (Frank Langella), Madison (Liv Tyler) & Robot VGC-60L

Robot & Frank ist ein Zukunftsszenario, aber meilenweit von Geschichten wie I ROBOT oder ARTIFICIAL INTELLIGENZ entfernt. Der Blick in ferne Zeiten ist durchaus realistisch. Während Roboter in Haushalt und Verwaltung eingesetzt werden, verschwinden auch langsam Relikte wie Bibliotheken und Bücher aus dem Alltag, der zunehmend digitalisiert wird. Der Film erzählt aber keine Parabel über das Menschwerden einer Maschine oder eine Dystopie wie 1984 oder FAHRENHEIT 419. Das besondere an dem Film ist, dass er eigentlich nur die schlichte Freundschaft eines demenzkranken Diebes erzählt mit einem besseren Geschirrspüler erzählt.

 

Demzufolge sind auch keine Special-Effekt-Lawinen oder Weltuntergangsszenarien zu erwarten. Jake Schreiers Debütfilm ist eine kleine Independentperle, entfaltet seine Faszination viel mehr aus der sanften Melancholie der Einsamkeit und der durchaus zarten Bande der Freundschaft zwischen Eigenbrötelei und programmierter Vernunft. Die Nebenrollen sind treffend besetzt (zum Beispiel Liv Tyler als Franks Tochter) und Susan Sarandon als Bibliothekarin Jennifer glänzt wie eh und je.

 

 

 

 

Das Verhalten seiner Mitmenschen, allen voran der Polizei, lässt das Chaos um Frank manchmal etwas unglaubwürdig erscheinen. Doch schlägt der Film am Ende eine Wendung ein, die diesen Umstand Größtenteils gekonnt gerade bügelt. ROBOT & FRANK ist mehr als nur ein weiterer Film über die Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Er ist Buddy-Movie, Gauner-Klamotte und Science-Fiction gleichermaßen. Mit leisem Humor und Sinn für Ironie erzählt, sauber gefilmt und durchweg sympathisch und rührend, ohne aufdringlich und kitschig zu sein.

 

Label: Senator
auf Blu-ray und DVD erhältlich

 

  • Frank Langellas One-Man-Show
  • Liv Tyler als Madison
  • Peter Sarsgaard als VGC-60L ist rührend
  • Stilvolle Zukunftsvision ohne CGI
  • Kaum Kitsch oder Pathos
  • Selbstzerstörungssequenz eingeleitet…10…9…8…
  • Wendungsreich & überraschend…
  • …aber ein paar offene Fragen bleiben

 

 

FAZIT:

Leise, herzerwärmende Science-Fiction-Tragikkomödie mit einem hervorragenden Frank Langella, überraschenden Wendungen und einen Schuss Traurigkeit. 

 

ROBOT & FRANK, USA 2012, Regie: Jake Schreier, Drehbuch: Christopher D. Ford
Für Fans von DER 200 JAHRE-MANN, Marvin aus PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS und AI – KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

One Comment

  1. Antworten

    […] & Dystopien, Aliens, apokalyptische Weltuntergangsszenarien bis hin zu Geschichten über künstlicher Intelligenz und menschenähnliche Roboter. Wenn der Science-Fiction-Film Subgenre hat, und im Vergleich zum Horrorfilm ist das nicht immer […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de