Posts Tagged: Die kleine Genrefibel

Die kleine Genrefibel Teil 94: In Prison

In manchen Subgenres ist Storytelling endlich. Zu 96% finden sich am Ende von Liebesschnulzen diverse Pärchen und alles ist gut. Wer will schon wissen wie’s weitergeht? Auch wenn in Horrorfilmen schlussendlich allerlei Monstrositäten darnieder gemetzelt sind, in der Fortsetzung kommen sie wieder und das blutige Treiben beginnt von vorn. Manche Geschichten, so scheint es, wollen einfach nicht weitergehn. Nicht so beim Komplex Crime. Wenn Mörder, Diebe, Finanzbetrüger oder andere Schmierlappen am Ende von Kriminalfilmstoffen geschnappt werden, öffnet das meist eine neue Storypforte, zuerst im eigenen Subgenre des Justizdramas oder Justizthrillers, doch noch interessanter wird es am Ende dieser Geschichten, wenn Übeltäter verurteilt werden und ihre Strafe in einem Gefängnis absitzen müssen. Dann nämlich beginnt das beliebte Subgenre des Gefängnis- oder Knastfilms.

Die kleine Genrefibel Teil 93: Body Horror

Zu Beginn dieser Kleinen Genrefibel beantworte ich erstmal ein paar Leserbriefe. Feigwart Felb aus Fresenhagen schreibt: „Hallo. Die letzten beiden Genrefibeln haben mir nicht so gut gefallen. Tiere und experimentelle Filme, das ist nicht das, wovon die Kinder kommen. Wann gibt es endlich mal wieder was mit Blut und Splatter und so?“ Nun, lieber Feigwart Felb aus Fresenhagen, wir sind inzwischen bei Teil 93 der Kleinen Genrefibel angekommen und so manch Subgenre macht sich nun natürlich rar, denn derer Zahl ist begrenzt, vor allem im Bereich Horror, in dem ihr Wunsch nach Blut und Splatter und so ja inkludiert ist. Doch nicht verzagen, denn ein Subkomplex der Horrorfilmkunst ist noch übrig und wie es der Zufall so will, beschäftigen wir uns genau heute damit. Doch freuen Sie sich nicht zu früh, denn trotz teilweise heftig-deftiger Splattereinlagen gibt es auch in diesem Subgenre diverse Überschneidungen mit Tieren und dem Experimentalfilm. Das heutige Thema heißt Body Horror, aber der Begriff wirft Fragen auf.

Die kleine Genrefibel Teil 92: arthouse cnma

Da kam mal einer an und sagte Film ist Kunst! Ein provokanter Satz fürwahr, denn sogleich meldete sich ein Kulturpessimist und entgegnete Film ist Kommerz. Ein Dritter stieg in die Diskussion ein und bekundete Film ist Narration, der Widerspruch ließ nicht lang auf sich warten, Nein tönte es von Draußen rein, Film ist Lichtmalerei. Bis heute wird die Diskussion um das Medium Film zu großen Teilen zwischen diesen vier Eckfahnen geführt. Haben wir hier in der Kleinen Genrefibel nicht auch des Öfteren mit allerlei Schlagwörtern hantiert, die immer irgendwie gegensätzlich erschienen? Kunst und Kommerz, Fiktion und Realismus, Mainstream und Arthouse? Heute wollen wir uns das mal genauer anschauen, doch es soll keine Kulturdebatte werden, denn wir sezieren die semipermeable Diskrepanz zwischen diesen Begriffen, um verborgene Formen der Filmgestaltung ausfindig zu machen.

Die kleine Genrefibel Teil 91: Zoo-Palast

Willkommen im neuen Jahr 2021 und zurück zur Kleinen Genrefibel, unserem illustren Genrestreichelzoo, wie ich manchmal so keck sage. Und wisst ihr was, heute stimmt das sogar, heute lassen wir die altgediente Homo Saper beinah gänzlich beiseite und geben den tierischen Filmstars eine Bühne. Kino mag vielleicht nicht das erste sein, an was man denkt, wenn es um Tiere geht. Will man Tiere sehen, geht man in den Zoo, in den Zirkus oder man radelt fix nach Galapagos, um Warane zu kucken. Doch viele Tierarten der mannigfaltigen Fauna unseres Planeten wie Kaiserschnurrbarttamarin, Wandelnde Geige, Blattschwanzgekko, Elefantenspitzmaus oder Rosa Löffler haben neben Milchtreten, Nesthocken oder Wiederkäuen auch einen Nebenjob beim Film angenommen.

Die kleine Genrefibel Teil 90: Religious

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, schön mit Kartoffelbrei und Röstzwiebeln, legte eine Schallplatte auf (Invisible Touch von Genesis) und sprach: „Es werde Licht.“ Und es ward Licht. Dann dividede er the light from the darkness, denn Gott war Amerikaner aus dem noch zukünftigen Milwaukee. Er formte Landmassen und Täler, füllte sie mit Wasser und nannte es Meer, schnell noch die anderen Gestirne ans Himmelszelt gepappt mit Doppelklebeband, fertig. Aus einer überdimensionalen Playmobilkiste griff er sich Pflanzen und Getier und verstreute sie über das Erdenrund, Seegurken, Schleierkraut, Fichtenmarder, das ganze Geschnetz, dass es nur so fleuchte und zu guter Letzt schuf er den Mensch nach seinem Bilde als Mann und Frau, segnete sie und schickte sie am Ende des Schachtelsatzes in den Garten Eden spielen. Das Werk ward vollbracht. Nun wollte er ruhen, aber es gab noch kein Netflix, Gott sagte „Scheiße!“, trat die Playmobilkiste um, setzte sich auf sein rotes Moped und fuhr nach Südtirol Marillen pflücken.

Die kleine Genrefibel Teil 89: Thriller

Der Mensch ist Zeit seines Lebens auf der Suche, nach dem Sinn, der Erfüllung, dem Glück, aber manchmal auch nach zwiespältigen Gefühlslagen zwischen Lust und Angst. Nur allzu gerne treibt er sich auf diversen Rummelplätzen herum und fordert ihn in Geister- oder Achterbahnen heraus – den Nervenkitzel. Im Extremsport, in gefährlichen Expeditionen oder beim Magnetangelspiel, wieder und wieder setzt er sich auf der Suche nach dem Kick einer Hochspannung aus. Nervenkitzel nennen es die einen, Angstlust die anderen, wir Filmliebhaber wiederum bedienen uns einem eigenen Begriff – Thrill. To Thrill – anglizistisch für durchbohren oder durchdringen, Erregung, Anspannung, Schnappatmung, Unrast, Kick & Tension – für das Medium Film scheinen diese Begriffe unverzichtbar, insbesondere dann, wenn sich ein Genre gänzlich den Gefühlslagen der Angstlust verschreibt wie der Thriller.

Die kleine Genrefibel Teil 88: Ghosts’n Demons

Manche Leute sagen, es gibt Gespenster. Manche Leute sagen, es gibt keine Gespenster. Ich aber sage, da gibt es noch ganz anders Gefleuch zwischen den Sphären, welches einem Angst einjagen kann. Vom lakierten Schlossgespenst bis zum Poltergeist Santana, welcher rasselt mit sein’ Ketten, dass das Gebälk erzittere, von ruhelosen Geistern in verfluchten Häusern bis zu Dämonen, die sich in deinem Leib einnisten und deine Seele umklammern. Schaurig, schaurig, aber so steht es geschrieben. Und so wurden sie auch auf Zelluloid gebannt, Geister, Dämonen und Spukgestalten in ihrer schrecklichen Durchsichtigkeit wie Undurchsichtigkeit. Doch gleichsam auch Wesen mit überaus tragischer Vergangenheit im Diesseits und voller Sehnsucht nach Erlösung im Jenseits.

Die kleine Genrefibel Teil 13: Der Slasher

Horrorfilme? Das sind doch diese billigen Machwerke, in denen maskierte Serienmörder promiskuitive Teenager aufschlitzen, am Ende aber nie totzukriegen sind und jedes Jahr an Halloween im Ferienlager auftauchen, um noch mehr kreischende Blondinen zu schnetzeln? Kann das sein? Wir hier wissen natürlich, das ist nicht die ganze Wahrheit, aber diese Klischeevorstellungen über den Horrorfilm sind nicht so unüblich. Woran liegt das? Der Horrorfilm ist so alt wie das Kino selbst und hat sich über Jahrzehnte hinweg in unterschiedlichste Subgenre aufgedröselt. Doch erst in den 70er Jahren entstand eine Untersparte des Horrorfilms, welche eine Vielzahl jener genannten Genremerkmalen vereinte, die von da ab die Sicht auf das Genre bestimmten – der Slasherfilm.

Die kleine Genrefibel Teil 87: Black Cinema

Der Film generiert sich oft als moralisches Korrektiv, vor allem in der Verarbeitung gesellschaftspolitischer Themen. Diese Prozesse sind ständig im Wandel, verändern sich durch Zeitgeist, Annäherung oder wütenden Protest. Nicht immer müssen gesellschaftliche Reizthemen abgeschlossen und aufgearbeitet sein, filmische Selbstreflektion menschlichen Denkens und Handelns wird vielmehr ständig neu justiert. Auf Kriegspropaganda folgte der Antikriegsfilm, filmische Projektionen von Feindbilder erfolgten analog zu historischen Ereignissen, Gewalt und Sexualität im Film begleiteten Debatten unterschiedlicher Dekaden. Doch es gibt ein Thema, welches sich seit Erfindung des Mediums bis heute nur zögerlich verändert hat, trotz mehrerer Wellen filmischen Protests. Jenes traurigsten Kapitel ist das Thema Rassismus, in der Realität wie im Film, der zu oft rassistischer Mittäter war und es immer noch ist.

Die kleine Genrefibel Teil 86: Cool Kids!

Heute, Kinder, wird´s was geben, und zwar ein richtiges Reizthema im Kinematographenzoo, im Flimmergewimmel unseres kleinen Nickelodeons hier, heut gibt´s voll auf die VierbisZwölf, ob ihr wollt oder nicht. Erst kürzlich hab ich es wieder erlebt, hier in meiner schnuckeligen Filmhöhle. Ich sitze mit einem guten Freund bei einem Quarkhörnchen und einem Kasten SchwipSchwap vor dem Fünfundfünfzigzoller und wir wollen einen Film schauen, mein Vorschlag SON OF RAMBOW klingt dem Titel nach verheißungsvoll, doch dann erwähne ich spitzwegerich beiläufig, dass es sich dabei um einen der besten Kinderfilme handle, den ich kenne und der Kasten SchwipSchwap gehört mir plötzlich ganz alleine. Was ist denn da los? Beim heiligen Perforationsloch, warum sollte man an einem Samstagabend einen Kinderfilm kucken, als „Erwachsener“? Also „nur“ einen Kinderfilm? Warum keinen „richtigen“ Film?

Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de