EVIL DEAD

Endlich ist es soweit. Der allererste Traumfalter Artikel ANGST ESSEN VIDEOKASSETTE AUF beschäftigte sich mit der Notwendigen Übelkeit von Remakes im Horrorbereich, ganz konkret am Beispiel EVIL DEAD. Und nun isser da, der Film, jenes Remake, was herbeigesehnt oder verteufelt wurde wie kaum eine andere Neuverfilmung. Eine kurze Zusammenfassung.

 

 

 

 

Sam Raimi und Bruce Campbell drehten 1978 den Kurzfilm WITHIN THE WOODS, um Geld für eine Spielfilmfassung zu sammeln. 1981 erschien THE EVIL DEAD, der als TANZ DER TEUFEL auch in Deutschland für Furore sorgte. 1987 dann die Fortsetzung EVIL DEAD 2, schon die mehr Remake als Sequel. Wesentlich eigenständiger kam dagegen 1993 ARMY OF DARKNESS daher, der mehr Fantasygrusel als Splatterbolzen ist. Dann lange Zeit Stille, Gerüchte um einen möglichen Teil 4, Bruce Campbell mischt sich ein, EVIL DEAD wird eine Neufassung des Originals von 1981. Basta! Aufregung an allen Fronten, echt Horrorschow! Erst der Red Band Trailer beruhigte die Gemüter, das sah doch alles gar nicht so schlecht aus. Doch dann, nach dem US-Start am 5. April wieder Ernüchterung. Doch nicht „The most terrifying film you will ever experience!“. Ab nächsten Donnerstag läuft EVIL DEAD dann auch in Deutschland an, ungeschnitten. Bei allem Getöse, wie ist das Remake nun, ganz nüchtern und emotionslos betrachtet?

 

 

(!ACHTUNG! Review enthält Spoiler!)

Die Story von EVIL DEAD 1981 wurde in der Tat ein wenig aufgepumpt. Nach einem nicht ganz zündenden Prolog fahren die fünf Protagonisten Eric, Olivia, Mia, Mia’s Bruder David, dessen Freundin Natalie zur optisch vertrauten Hütte im Wald. Anders als im Original, in dem ein schnöder Urlaub Grund für den „Abstecher“ der Truppe ist, weht im Remake eher realistischer Wind. Hauptfigur Mia hat nach einer Überdosis die Schnauze voll von Heroin und verordnet sich selbst einen kalten Entzug in der Abgeschiedenheit einer Waldhütte. Ihre Freunde und ihr Bruder David helfen ihr, das durchzustehen.

 

Im Grunde genommen ist diese Motivation gar nicht schlecht gewählt. Denn auf diese Weise kommt wieder sehr schön der beliebte Kassandra Komplex zum Tragen. Obwohl die ersten Tage des Entzugs nicht unbedingt realistisches Drogenkino darstellen, so spielt man doch ab und zu mit dem Umstand, ob die Dinge, die langsam in der Hütte passieren, real oder nur Mias Zustand zuzuschreiben sind. Nicht ganz konsequent, aber als Storygerüst schon ganz brauchbar.

 

Mia (Jane Levy) auf Entzug oder vom Dämon besessen? Sehr lang wird nicht mit diesem Mittel gespielt.

Das Original war ja nun aber auch nicht unbedingt eine Storybombe. Als die Gruppe im Keller ein altes Buch findet (ob es auch das NEKRONOMICON ist, wird nicht erwähnt) und daraus ein paar Zeilen vorliest, erwacht auch in den Remakewäldern das ratternde Böse. Ist die besessene Mia erstmal unter der Kellertür verstaut, folgt das Remake brav den Storypfaden des Originals. Eine wirkliche Ash-Figur wie die von Bruce Campbell gibt es nicht, oder David und Mia teilen sich Anleihen dieser Ikone. Ich finde das aber nicht so tragisch. Denn viele Verweise und ironische Bildhaschereien versprühen definitiv TANZ DER TEUFEL Flair.

 

Was hab ich erwartet? Straffes, optisch glänzendes Horrormainstreamkino mit überzogener Härte. Die Gewalt im Remake ist ganz deftig, aber nichts, was man nicht schon irgendwo ähnlich gesehen hat. Natürlich ist das Remake nicht so dreckig wie das Original. Geschenkt. Man könnte eher kritisieren, warum es nicht so böse wie das Original ist? Denn dort haben weniger Mittel ausgereicht, um höhere Beklemmung und Abscheu zu erzeugen. Ich verstehe zudem nicht recht, warum die Macher des Remakes es als Notwendig empfanden, Anleihen aus DER EXORZIST oder RING in den Film zu implementieren. Gerade der besessene Dirty Talk von Mia wirkt eher unfreiwillig komisch und erinnert zu sehr an Linda „Regan“ Blair.

 

Und ein wenig mehr Stimmung hätte dem Film auch gut getan. Die Einführung der Hütte wurde klar vergeigt, trotz schönem Kameraflug zu Beginn. Der größte Kritikpunkt allerdings ist, spannend ist EVIL DEAD leider kaum. Weder dramaturgisch (gut, der Verlauf und die Figuren waren im Vorfeld klar), aber leider auch nicht innerhalb von echt schicken Terrorszenen. Nur ansatzweise kann man kurz die Luft anhalten, wenn Nathalie nicht rechtzeitig aus dem Keller gekrochen kommt oder Mia sich am Ende geradezu „freireißen“ muss, um einem kriechenden Angreifer zu entkommen. Viel Soundgeschepper, viel Schnitt-Schnick-Schnack, viel Blut und Gekröse, ja, aber keine echte Fiberspannung.

 

 

 

 

Im Finale dreht EVIL DEAD aber dann nochmal auf, nachdem er durch einen höchst albernen Kurzzeitexorzismus fast ins Mittelmaß abgerutscht wäre. Für gut 15 Minuten wird dann noch mal Alles gegeben, die Härte pegelt sich dort auch auf FRONTIER(S) Niveau ein und man kann zwei, drei Mal fies grinsen. „Der schockierendste Film, den du jemals sehen wirst“? Nee, is klar, Leute! Unterhaltsam? Freilich, Langweilig sind die knapp 91 Minuten definitiv nicht. Eine Schändung des Originals? Also meiner Originalfassung geht’s gut. Völliger Hochglanzdünnschiss mit grenzdebilen Teenies und Gewalt von der Stange? Definitiv nicht! Ein astreiner Horrorfilm ohne Makel? Auch nicht!

 

Wer von EVIL DEAD kurzweiliges Splattervergnügen mit optischen Zuckerguss und ein paar gelungenen Schockeffekten erwartet, der wird mit Sicherheit nicht enttäuscht. Ich für meinen Teil hatte definitiv Spaß, aber Vieles hätte besser gelöst sein können, straffer und spannender inszeniert und mit ein bisschen mehr Boshaftigkeit vorgetragen werden können. Aber passt schon, worüber reden wir uns jetzt den Mund fusselig? Über das HELLRAISER Remake? Oder Avarez’ EVIL DEAD 2? Oder EVIL DEAD 4 von Raimi und Campbell? Eins ist sicher, das wird nicht der letzte Leib sein, der mittels Kettensäge entlaubt wird!

 

Sony Pictures Releasing GmbH

 

  • mehr Story, mehr Figurenmotivation
  • ein paar gelungene Schocks
  • angenehmer Härtegrad
  • technisch sehr sauber
  • ungeschnitten, aber auch…
  • unspannend
  • alberne EXORZIST-Anleihen
  • völlig unironisch und ernst…
  • …aber auch nicht wirklich böse

 

 

FAZIT:

Weder Splatter-Highlight noch Remake-Gurke. Durchaus unterhaltsamer Hochglanzschocker mit deftigen Einlagen, besser ausgearbeiteten Figuren, aber auch Spannungsarmut.

 

EVIL DEAD, USA 2013, Regie: Fede Alvarez, Drehbuch: Fede Alvarez & Rodo Sayagues
Für Fans von EVIL DEAD, EVIL DEAD 2 & CABIN FEVER

5 Comments

  1. Antworten
    Abel Ferrara 23. Mai 2013

    Was du nur hast…wir sind änhlicher Ansichten über dieses Remake…ich habs vielleicht ein wenig drastischer Ausgedrückt…aber das zeigt von wirklicher Liebe zu dem original und NUR zu dem Original ;) :) Das Remake ist nun endlich da und der Spuk hat bald ein Ende…Wir sind alle zufrieden weil er eben nciht an das Original herranreicht…
    Ich möchte wirklich nciht hoffen das…”The Killer”, “Hard Boiled”, “Bullet in the Head” “The Wild Bunch”…um nur mal ein paar zu nennen….achja…Hellraiser noch aber das ist jetzt schon sicher das der Floppt…allein weil es unzählige Fortsetzungen gibt von dem Movie…das sollte man gelassen nehmen….schade nur das dann plötzlich jeder Hellraiserfan ist….wie bei Evil Dead und alle haben sie ihn damals gesehen…
    Wie gut und Schön waren noch die alten Zeiten….wo Filme schauen, sich die ungeschnittenen Fassung von Hellraiser2 in den Videorekorder gelegt hat und sich gefreut das der Ripp auch noch uncut war…die gute alte Astrozeit…was ja schon mordern war…und ich träume wieder von den GUTEN ALTEN Zeiten….:) :)

    Ach Christian…das Leben ohne Filme ist nichts…vor allem die alten Filme….:)

    P.S. Na hoffen wir mal nicht das sie nun das Remake von Evil Dead 2 Remaken :D :D

  2. Antworten
    Christian 24. Mai 2013

    Lieber Abel, welch köstlicher Satz:

    „Wir sind alle zufrieden, weil er eben nicht an das Original heranreicht.“

    Hm, also wie ich schon oft gesagt habe, derartige Schadenfreude oder Erleichterung kann ich bei mir nicht feststellen. Ich liebe EVIL DEAD 1981, ich habe mich bei allen Fortsetzungen amüsiert und wurde auch von Remake gut unterhalten. Ich muss nicht vergleichen. Hebt mich nicht an. Dass das Remake nicht die gleichen Gefühle hervorrufen kann wie das Original, liegt an der Wirkungskraft, die jener Streifen auf unerfahrene 12jährige ausgeübt hat. Wenn ich jetzt EVIL DEAD 1981 schaue, kann ich mich an dieses Gefühl erinnern, kann auch anmerken, mit welchen geringen Mitteln Raimi damals sehr viel Atmosphäre erschaffen hat. EVIL DEAD ist ein Kultfilm. Doch nüchtern betrachtet, ist er kein Meisterwerk an Story, Figuren oder Dramaturgie. Dieses ganze Gejammer um alte Zeiten und wie schön das damals alles war und wie Scheiße jetzt alles ist, in solchen Kategorien denke ich nicht. Ich habe einfach Spaß am Film, nach wie vor. Manchmal tun mir die “Filmfans” da Draußen wirklich Leid, wie viel sie ertragen müssen, dass immer jemand kommt und ihre Kindheitserinnerungen kaputt machen muss. Das hat schon eine gewisse Homerische Tragik inne. Vielleicht werden wir uns in 25 Jahren mal nach Remakes wie EVIL DEAD 2013 zurücksehnen. Dann bin ich jedenfalls noch hier und wir sprechen das noch mal durch, Abel!

    Da freu ich mich schon drauf!

    PS: Was ich eigentlich sagen wollte, nächste REVIEW wird eine Retrosache. Nich wegen der Guten Alten Zeiten, sondern weil ich einfach Bock auf Genreklassiker habe. Werde aber eher exklusive Geheimperlen besprechen, so Streifen wie EVIL DEAD 81 oder HALLOWEEN, wen interessiert das denn noch? Den Anfang macht übrigens eine Rarität, die ich in der Tat auch in unserer Zeit in Gera gefunden habe! Also dranbleiben, Rummelboxer!

  3. Antworten
    Abel Ferrara 25. Mai 2013

    ich will mich nicht beschweren…um Gottes Willen…aber jetzt mal eine Frage…

    Was ist denn die Definition eines Meisterwerkes?…Wann ist ein Film ein Meisterwerk…bzw. wann ist ein Regisseur ein Meister seines Faches?
    Das kann man ja so nie sagen und ist immer eine Ansichtssache…für mich persönlich ist der Evil Dead kein Meisterwerk (ich habe das glaube ich nicht geschrieben) aber ein Kultfilm…der in aber auch in jeder Hinsicht besser ist nunmal wie das Original…Man muss auch sehen das Raimi und co Abends in der hütte gekifft haben und so auch improviseirt wurde (die Szene am Kamin wo geraucht wird, in wirklichkeit haben die gekifft)…;) aber das mal so am Rande. Die Story von Evil Dead ist schon nciht minderschlechter als 90% der Genre Filme dieser Art…Welche Horrorstory außer mal von dem wirklichen Drehbuchmeisterwerk “Sieben” wo auch die Umsetzung von einem Spannungsmeister gemacht wurde, was nunmal Fincher ist. Das auch mal so als Beispiel…Und bei Evil Daed gehts nur um Atmospäre…sogar weniger um die Effecte mehr um die SPielerei mit der Kamera und den HAuptdarsteller…so finde ich das…Dramaturgisch ist es nur am Ende eben absinkend aber bis dato hat er schon durchweg nen guten Spannungsverlauf…was das Remake nciht hat…finde ich. Sobald die Protagonisten das WOrt haben wird es langweilig, und von dem aufgesetzten Drogenentzug will ich gar nicht erst sprechen. Das Remake will ja nun selbst bei Story besser sein…aber der Regisseur hat verkannt das Im Original die Suspense aus dem Nicht Sehen …also das Böse ist nicht sichtbar…ähnlich wie in Halloween von 1978 wo Carpenter mit geringsten Mitteln wirkliches Grauen hervorgebarcht hat…und das ist von der STory her auch kein Meisterwerk…aber irgendwie schon…
    Es war quasi Raimis erstes Werk, so offiziell, nehmen wir dazu den Vergleich Quentin Tarantino sein Reservoir Dogs…was auch sein erstes Werk war und meiner Meinung nach das beste von ihm…Selbst wenn man sich die Vorproduktion und Drehproben ansieht, dann sieht man auch das da noch Liebe und weniger Geld eine Rolle gespielt hat…den Keitel spielte kostenlos und die Effecte von Berger sind auch so unter der Hand weggegangen( nach dem Motto, eine Hnad wäscht die andere)…aber er eben nciht kommerziell…ich erinner emich damals als der Rauskam und ich von gera zurück mit dem Zug gefahreh bin und in Arnstadt halt gemacht haben und ich die Videothek besucht habe….das Cover von Reservoir gesehen von VCL und einfach mal mitgenommen…was stand auf der Kassette drauf…”Die Gewalt in diesem Film ist ncihts für schwache Nerven” …ich freute mich sehr und wurde nicht entäuscht…nur die Gewalt ist nicht so wie es geschrieben wurde….nur weil Harvey Keitel in Nahaufnahme 2 Polizisten blutig erschiesst….die einzige makabere Szene die es in sich hat….im Alllgemeinen ist der Film eher Polizeifeindlich eingestellt (siehe Gespräch zwischen Keitel und Buscemi)…aber das mal so am rande…was cih sagen will eben das Raimi und Tarantino ihr bestes Wissen und Können in das Projekt gesteckt haben ohne viel Geld mit kreativen Ideen das beste herausgeholt…Tarantino hat danach kein kreativeren Film gedreht…das muss man mal so sagen…den Reservoir Dogs ist echt unterschätzt und im Prinzip der echte Tarantino…weil da waren die guten Dialoge echt geschliffen und Mega genial…gar nciht langweilig und mit dem Film Geschichte geschrieben…
    Raimi hat eben mit Evil Dead ebenfalls Geschichte geschrieben…

    Ich freue mich auf dein Retroartikel…

  4. Antworten

    […] wäre es ganz schick, den Faden aufzugreifen und zum Remake des Jahres, ach was, zu dem Remake überhaupt zu springen. Aber im Zuge des talentierten Nachwuchses muss man 2013 noch eine weiter Person […]

  5. Antworten

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de