Nintendo says No!

Sommer, heiß, Zitroneneis! Das unbeschreibliche Gefühl, am Kunstlederbezug des Bürostuhls festzukleben, Schokokekse von Griesson, die zu einem riesigen Nukleus zusammenschmelzen, warmes Bier zum Frühstück? Was für Zustände, wie soll man so arbeiten? Worüber schreibt man bei so einem Sauwetter? Man könnte ja mal was über Filmstoffe verfassen. Absolut verrückt! Keine Genreanalysen und so, nein, über Storyfragmente, eigene Ideen. Da tauchen links und rechts zwei Wolpertinger auf meiner Schulter auf, die das kritisch hinterfragen – beide! Sollte nicht einer auf meiner Seite sein? Der Linke meint, wenn ich über eigene Stoffideen schreibe, werden die mir sofort alle geklaut und man macht daraus Filme, zehn Stück, alles Genrefilme, die dann irre erfolgreich im deutschen Kino laufen. Der rechte Wolpertinger lacht sich darüber kaputt und meint, diese Sorge sei unbegründet, außerdem liest meinen Blog ja sowieso kaum jemand. Während sich die beiden Wolpertinger prügeln und beißen, kommt mir eine tolle Idee.

 

Ich liebe “Was-wäre-wenn”-Szenarien. Da grübel ich oft drüber nach, was wohl hätte sein können, wenn mich mal jemand gefragt hätte! Wie hätte ich STAR WARS EPISODE 1 – DIE DUNKLE BEDROHUNG erzählt? Wie stelle ich mir eine mögliche Story für EPISODE VII vor? Wie würde ich ein erneutes BATMAN-Reboot erzählen wollen? Fanfiktion nennt sich das und die Sache hat entscheidende Vorteile. Je größer die Vorlage, desto unbesorgter kann man spinnen. Nie im Leben werde ich wohl mal ein neues BATMAN-Reboot schreiben, wohl auch nicht EPSIODE IX, obwohl da das letzte Wort noch nicht gefallen ist. Genau aus diesem Grund kann man da so befreit an die Materie herangehen. Vielleicht ist es völlig unsinnig, sowas zu machen, vielleicht sollte man seine Zeit und Energie lieber in wirklich umsetzbare, eigene Projekte investieren. Kann sein. Aber es ist Sommer, Leute!

 

Vertraue dem Pilz!

Beschäftigen wir uns mal mit Videospielverfilmungen. Viele ikonische Spielfiguren oder Stories haben den Sprung von der Konsole auf die Leinwand geschafft, viele stehen noch aus, uns erwartet noch eine WORLD OF WARCRAFT-Verfilmung, ASSASSIN´S CREED oder UNCHARTED – THE MOVIE. Von Lara Croft über die STREET FIGHTER, MAX PAYNE, HITMAN bis zum PRINCE OF PERSIA schafften es unzählige Videospielcharaktere auf die Leinwand. Aber es gibt eine Firma, die sich bislang, mit einer Ausnahme, gegen die filmische Adaption ihrer größten Videospielhelden gewehrt hat – NINTENDO. Warum ist das so? Was ist so schwer daran, die großen NINTENDO-Figuren, die durchaus den Bekanntheitsgrad von Mickey Mouse erreichen, filmisch zu adaptieren?

 

Fragt man einen jungen Spund nach einer bekannten Videospielfigur, dann antwortet dieser in jedem Fall: “Der Master Chief!” Dann muss man sich jemand anderen suchen, nochmal fragen und bekommt dann vielleicht die richtige Antwort. Genau, “Super Mario”! Mario ist vielleicht der bekannteste Videospielheld der Welt, noch vor PAC MAN, SONIC oder eben Lara Croft. Jener ikonische Klempner und seine Abenteuer wurden allerdings sehr wohl mal verfilmt und zwar 1993. Der Film SUPER MARIO BROS. galt damals und gilt heute als Debakel, als mittlere bis große filmische Naturkatastrophe. Das habe ich nie verstanden. SUPER MARIO BROS. ist einer der besten Filme wo gibt auf Welt! Was für ein Monumentalwerk!

 

 

 

 

In Brooklyn leben zwei Klempner, Mario Mario und Luigi Mario. Beide treffen auf eine Paläontologin namens Daisy, die Dinosaurierknochen in einer Baustelle ausbuddelt. Jene Daisy wird dann entführt von zwei Idioten, die sie in eine Parallelwelt verfrachten, in der ein fieser Kerl namens Koopa regiert. Der braucht Daisy und ihren Meteoritensplitter, um beide Parallelwelten wieder zu vereinen, die sich nach dem großen Kometeneinschlag vor 65 Millionen Jahren aufgespalten hatten. Koopa, ein Nachfahre von Tyrannosaurus Rex, hat den alten König in einen riesigen Pilz verwandelt und erschafft mit seinem Devulutionator eine Armee von minderbemittelten Goombas. Mario und Luigi retten nicht nur die Prinzessin, sie besiegen auch Koopa und kehren in ihr geliebtes Brooklyn zurück. So oder ganz anders.

 

Absoluter Besetzungscoup: Bob Hoskins (links) als Mario!

Klar, SUPER MARIO BROS. ist grenzdebil, chaotisch, wirr und scheint mit den Super Mario Spielen soviel zu tun zu haben wie der Dalai Lama mit FCKW. Aber genau das ist irgendwie auch die Stärke des Films, er ist einfach ein sinnfreies Trashfest vor dem Herrn. Die Macher des Films waren definitiv nicht halbherzig am Werke, als es an der Zeit war, Mario für´s Kino zu adaptieren. Allein die Besetzung ist irre: Bob Hoskins und John Leguizamo als Mario und Luigi, Dennis Hopper als Koopa und Samantha Mathis als Prinzessin Daisy, und alle spielen sie, als wäre es DER PATE. Besonders Dennis Hopper, der heute zwar sagt, es sei das Schlimmste, was er je gedreht hätte, zeigt sich so unendlich viel Spielfreude an diesem Käse, dass es einfach Spaß machen muss, dem beizuwohnen.

 

Auch die Ausstattung und das Produktionsdesign von SUPER MARIO BROS. sind fantastisch, manche Sets wirken ebenso ambitioniert und düster wie in BATMAN 89 oder BLADE RUNNER. Habe ich gerade SUPER MARIO BROS. mit BLADE RUNNER verglichen? Ja na klar! Hinzu kommt die ungeheure Ideenvielfalt, manch wirklich schräger Gedanke, die Welt des Spiels in einen Film umzusetzen. Dabei bezieht sich der Film schon auf Mario Bros. von 1983 und Super Mario Bros. von 1985 : die New Yorker Kanalisation, Warpzonen, Goombas, Schildkröten, Pilzkönigreich. Als SUPER MARIO BROS 1993 in die Kinos kam, war die Mario-Spielreihe bereits auf dem Super Nintendo angekommen und bot mit Super Mario World eins der besten 2D-Jump´n Runs der Videospielgeschichte. Ich habe im Vorfeld viel überlegt, wie man Super Mario wohl adaptieren könnte, vor allem in der Evolution, die jene Spielfigur bis zu Super Mario Galaxy oder Super Mario Wörld durchlebt hat. Es gibt nicht viele Möglichkeiten.

 

 

Als Animationsfilme oder Serie sind die Figuren wie Toad, Prinzesin Peach oder Yoshi eigentlich eins zu eins adaptierbar, für die Kleinsten bis 6 Jahren kann man da sicher lustige, kurze Animationsabenteuer draus schustern. Gab ja auch Animeversuche und eine Fernsehserie, ne? Aber als Realfilm? Mal ehrlich, hat jemand bessere Ideen als in SUPER MARIO BROS. von 1993?

 

Ein Pilzkönigreich, zwei italienischer Klempner, Schildkröten, Saurier, Babybomben? SUPER MARIO BROS. wird heute noch in der Luft zerrissen, aber gibt es wirklich große Alternativen für ein solche bizarres Stück japanische Spielekultur? Wahrscheinlich eher nicht. Die Spielereihe ist schwer adaptierbar, der freakige Film von Annabel Jankel und Rocky Morton macht eigentlich schon das Beste aus der Vorlage.

 

“Goombaaaaaa!”

 

 

Vielleicht ist Super Mario auch deshalb so schwer zu adaptieren, weil es Jump ´n Run wenig Story besitzt und generell, ein Spielprinzip ist nicht in etwas Filmisches transformierbar. Spiele sind aktiv gestaltet, interaktiv, Filme hingegen eine passive Unterhaltung. Andere Nintendohelden sind klassischer gestrickt und für eine Verfilmung wohl geeigneter. Aber dazu kam es nie, SUPER MARIO BROS. blieb der bislang einzige Kinoauftritt einer Nintendofigur.

 

Nintendo selbst, bzw. der amerikanische Präsident von Nintendo, Reggie Fils-Aime, sagte einmal, man sei sehr bedacht auf ihre Figuren, künftig seien keine Verfilmungen klassischer Nintendotitel geplant. Schade, denn im Gegensatz zu Mario ist das filmische Potential anderer Figuren, was Story, Welt und Spielemechanik anbelangt, ungleich größer.

 

 

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Eine langlebige und beliebte Serie aus dem Hause Nintendo ist Metroid. Die Spiele handeln von einer Kopfgeldjägerin namens Samus Aran, die im Auftrag der galaktischen Konföderation in entlegene Welten reist, um unbekannte Spezies zu erforschen oder auszuschalten. Metroid ist ein klassischer Science-Fiction-Stoff, der wesentlich geeigneter scheint als das verrückte Mario-Jump´n Run. Die Hauptfigur Samus war seinerzeit aufsehenerregend, weil man nicht wusste, dass sich eine Frau unter dem Power Suite befandet. Zudem waren Frauen im Allgemeinen keine Videospielhelden seinerzeit. Als Metroid 1986 auf dem NES erschien, kam auch ALIENS von James Cameron in die Kinos. Auch ALIEN von 1979 hatte einen weiblichen Helden in einem reinen Männerjob. Viele glauben ja, Lara Croft wäre für die Emanzipation von Frauen in Videospielen verantwortlich. Aber Samus Aran vollbrachte das bereits Jahre zuvor, und sie blieb dabei immer bescheiden und demütig. Ein klassischer Held also, auch für´s Kino?

 

Cosplayerin Jenni Källberg AKA Pixelninja als Samus Aran…nun ja…

Auf jeden Fall. Eine etwaige Verfilmung stand sogar im Raum, von keinem geringeren als John Woo. Aber Nintendo, sich des Debakels um SUPER MARIO BROS. bewusst, war vorsichtiger geworden. Am Ende wurden die Arbeiten an dem Projekt METROID 2007 eingestellt, die Rechte gingen zurück an Big N.

 

Angeblich sollte die Geschichte erzählt werden, wie aus Samus Aran die bekannte Weltraumamazone wurde, sozusagen ein Prequel, eine Origin-Geschichte. Kann man machen. Aber adaptieren bedeutet im Falle von Games nicht nur das Erzählen einer Geschichte, sondern auch das Adaptieren von Spielmechaniken in Filmische. Das ist im eigentlichen Sinne die Königsdisziplin. Es ist daher müßig, sich über Geschichten und Stories rund um die Welt von Metroid auszudenken. Plots gäbe es genug, fremde Welten, fiese Aliens wie Ridley, dramatisches Potential, wenn der Metroid Mother Brain angreift, um Samus zu schützen, alles gegeben. Wie aber setzt man spielerische Elemente filmisch um?

 

 

Eine Frau wird zur Kugel

Das spielerisch faszinierendste an fast jedem Metroid-Spiel ist die Einsamkeit in einer fremden Welt. Der Spieler landet mit Samus auf der Oberfläche eines Planeten, macht sich mit der Umgebung vertraut, erforscht, scannt, analysiert, sucht neue Wege. Dieses Gefühl des Alleinseins setzt die Spieleserie fantastisch um. Als 2002 mit “Metroid Prime” ein neues Kapitel der Spieleserie begann, wurde etwas konzeptionelles geändert, nämlich die Perspektive. War Metroid zuvor ein Third-Person-Adventure, visualisiert sich die Prime-Serie aus der Egoansicht. Das Ergebnis, was zuerst kritisch beäugt wurde, führte zu einer noch stärkeren Immersion mit der Spielwelt. Ich würde beide Elemente, sowohl die Einsamkeit als auch die Egoperspektive, für eine Verfilmung in den Vordergrund stellen.

Drei potentielle Samus-Darstellerinnen im Vergleich: Charlize Theron (l), Uma Thurman (m) und Rosamunde Pike (r).

Samus landet auf einem fremden Planeten, sie hat einen Auftrag. Sie analysiert die Umgebung, begibt sich auf die Suche, was zu einem Teil aus der Egoperspektive heraus visualisiert wird. Wir sind nah dran an Samus, hören ihren Atem. Sie selbst redet nicht, mit wem auch! Der Computerstimme, die den Auftrag umreißt, bevor Samus landet, muss man nicht antworten. Nervige Selbstgespräche oder andere verbale Spitzfindigkeiten passen nicht zur Figur.

 

Rein filmisch wird es nicht funktionieren, Samus vollkommen stumm zu inszenieren. In einer bombastischen Eingangssequenz jedoch schon. Man könnte mehrere Aliens mit einer Klappe schlagen. Natürlich läuft die Erkundung des fremden Planeten auf eine Konfrontation mit einem riesigen Geschöpf hinaus, welches es zu bezwingen gilt. Vielleicht landen im entscheidenden Moment, nämlich dem, an dem Samus die ganze Arbeit bereits gemacht hat, andere Spezialeinheiten der galaktischen Konföderation auf dem Planeten. Zeit, dem Zuschauer zu offenbaren, welcher Held unter dem Helm steckt.

 

Ob es ein ähnlich großes Aha-Erlebnis wie seinerzeit 1986 wird, wage ich zu bezweifeln. In jedem Fall wird aber der Moment unvergesslich, in dem Samus nach der Besprechung zu einer kleinen Kugel schrumpft und wegrollt. Starker Tobak für konservative Science-Fiction-Freunde. Samus wird dann gespielt von Charlize Theron, da sind sich die Fans wohl einig. Aber nicht einig mit mir, ich bin kein großer Fan von Charlize Theron. Warum nicht Rosamunde Pike? Oder gar nochmal Samantha Mathis! Dann wäre Samantha die uneingeschränkte Nintendo-Heldin. Dann müsste sie nur noch…

 

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Super Mario mag als Filmstoff zu freakig sein, Metroid sicherlich ein spannendes Science-Fiction-Abenteuer, aber das Herz welches Film- und Videospielfans würde nicht höher schlagen, wenn es um eine mögliche Verfilmung von “The Legend of Zelda” gehen würde. Das Zelda-Universum tendiert erzählerisch in zwei Richtungen. Zum einen ist Zelda klassisches High Fantasy, geprägt von der Heldenreise, alten Mythen, Schwertern, Drachen und Prinzessinnen.

 

Die Zelda-Timeline. Zeitreisen & Was-Wäre-Wenn-Stories en masse. © AtrumLevis www.zelda-sanctuary.net

Das Paradebeispiel für diese Welt und auch die Erzählweise ist “Ocarina of Time” auf dem N64. Es gibt aber auch noch das eher experimentelle, surrealistische Zelda, welches in Erzählform und Gestaltung ganz und gar nicht klassisch ist, zum Beispiel “Majoras Mask”, “Links Awakening” oder “Spirit Tracks”.

 

Erzählweise und Genre sind in jedem Fall adaptierbar. Was den Kosmos um Held Link und Prinzessin Zelda darüber hinaus so attraktiv für ein Filmabenteuer macht, ist auch die Struktur der einzelnen Zelda-Abenteuer im Gesamtkontext der Spielesaga.

 

Denn “The Legend of Zelda” erzählt die Geschichte einer immerwährenden Wiedergeburt eines Helden. Nur wenige Zelda-Abenteuer sind Fortsetzungsgeschichten. Während andere Spieleserien das Problem haben, dass sich manchmal eine Filmadaption in die Gesamtstoryline schwer einfügt, bietet Zelda einen einfacheren Weg, eine neue Geschichte innerhalb des bestehenden Spielekosmos zu integrieren. Held Link kann und wird immer wieder geboren, ebenso Zelda und andere Nebenfiguren. Es existiert eine Timeline, die alle Spiele in einen Bezug zueinander setzt. Insgesamt ist der Storybackground inklusive einer Zeitreisekomponente und der Aufteilung in drei Zeitlinien eine hervorragende Schablone für ein weiteres Abenteuer.

 

 

 

 

Bislang existiert eine 13-teilige Zeichentrickserie aus dem Jahr 1989 rund um Link und Zelda, die man im Gegensatz zu SUPER MARIO BROS. dann doch besser totschweigen sollte. 2007 versuchte sich die Firma Imagi Animation Studios, welche den gelungenen Teenage Mutant Ninja Turtles-Animationsfilm TMNT (2007) kreiert hatten, an einer Animationsdemo für einen CGI-Zeldafilm. Nintendo hatte aber kein weiterführendes Interesse.

 

Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von Fanprojekten, die dem Spieleuniversum filmisches Leben einzuhauchen versuchten. Hervorzuheben ist hier vor allem THE ZELDA PROJEKT, ein Cosplayer-Spielplatz, welcher die Welt rund um Zelda in Photos und Filmclips lebendig werden lässt. Die letzte Nachricht in Sachen Zeldaverfilmung kam vom leitenden Entwickler der Reihe Eiji Aonuma, der sich ein Kinoabenteuer vorstellen könnte, bei dem die Zuschauer mittels ihres NINTENDO 3DS die Möglichkeit hätten, zu interagieren. Aber auch das wird nur Wunschdenken bleiben, so es überhaupt funktioniert. Wie immer bleibt nur eine Möglichkeit, man muss sich eine Zelda-Filmgeschichte wohl selbst zusammenspinnen.

 

THE LEGEND OF LINK AND PRINCESS ZELDA

Wir machen Nägel mit Köpfen! Realverfilmung oder Animation? Beides hat Vor- und Nachteile. So bezaubernd manche Fotos von THE ZELDA PROJEKT auch sind, ich kann mir nur schwer einen erwachsenen Schauspieler für die Rolle des Helden Link vorstellen. Ein Animations-Zelda wiederum läuft Gefahr, sich nicht wirklich von anderen Fantasy-Animationsfilm á la EPIC abzuheben. Ich habe mit Peter Jackson darüber telefoniert und wir sind einer Meinung. Wir werden THE LEGEND OF LINK AND PRINCESS ZELDA im Motion-Capture-Verfahren realisieren, ähnlich DIE ABENTEUER VON TIM UND STRUPPI – DAS GEHEMINS DER EINHORN. Andy Serkis hat auch Bock.

 

Wir, also Peter, Andy und ich, sitzen in einem großen Konferenzsaal und besprechen weitere Details. Der Held unserer Geschichte ist in jedem Fall ein ganz junger Link. Wird es nun ein klassisches oder eher ein experimentelles Zelda? Ich argumentiere, für ein Kinoabenteuer, das erste seiner Art, sollten vorrangig die klassischen Komponenten im Vordergrund stehen, denn es wird ein einmaliges Projekt bleiben, während für die Spieleserie Abwechslung geradezu verlangt, kein Wunder nach bislang 17 Abenteuern. Es soll klassische Aspekte, aber auch verrückte spiegeln, wenn man schon einen Zeldafilm macht, dann sollte man das Beste aus allen Spiele filtrieren. Ich will ein Kokiri-Dorf, auch Saria ist eine tolle Figur und die Geschichte soll sich ganz um das Masterschwert drehen. Da macht Andy einen berechtigten Einwand.

 

Die größte Schwierigkeit besteht darin, dass der Held Link in der Spieleserie nun mal stumm ist. Ein ständig quasselnder Link, das ist eine Horrorvorstellung für jeden Fan. Man kann aber aus dieser Not auch eine dramaturgische Tugend machen. Wie bei Samus wird es nicht funktionieren, die Figur Link komplett auf Stumm zu schalten. Aber man kann es erzählerisch aufgreifen, in Figur und Umständen. Link wird in THE LEGEND OF LINK AND PRINCESS ZELDA nicht wirklich viel plappern. Er ist ein ruhiger Bub, unser Link. Zudem wird unser Link selten allein sein und sehr bald diverse Gefährten an seiner Seite haben, die wesentlich geschwätziger daherkommen. Unser Link wird extrem cool werden, ein Knirps mit großem Herz, der kaum überflüssiger Worte bedarf, um Heldenhaftes zu tun.

 

Dann picken wir uns die Rosinen aus dem Zeldakuchen, alles, was faszinierend ist, kommt erstmal in einen großen Topf. Link und Saria, die verlorenen Wäldern, ein Schwert in einem Sockel mitten auf einer Waldlichtung. Link findet ein Portal in den Wäldern, welches in eine Parallelwelt führt und trifft dort auf einen Unhold, der Link zu einer Mutprobe herausfordert.

 

Er führt ihn zu einem seltsamen Ort, wo eine dunkle Variante des Masterschwertes in einem Sockel ruht. Beide Schwerter, das helle und das dunkle Masterschwert, sind miteinander verbunden. Links kann aus dem Sockel ziehen, doch wird er von dem fiesen Unhold betrogen und in einen Deku verwandelt. Wie es Link schafft, aus Verwandlung und der fremdartigen Parallelwelt zu entkommen, wird der Auftakt des Kinoabenteuers. Als Link wieder in seinen verlorenen Wäldern landet, stellt er zu seinem Entsetzen fest, dass das richtige Masterschwert ebenfalls verschwunden ist.

 

 

Und wo bleibt Prinzessin Zelda? In den Spielen ist man häufig auf der Suche nach der Prinzessin, entweder wurde sie entführt, verzaubert, irgendwas ist immer. Das hat aber zur Folge, dass Zelda für gewöhnlich nur am Anfang und am Ende der Geschichte auftaucht. Das soll im Fall einer Verfilmung aber ganz anders werden, Link und Zelda müssen zusammenarbeiten, aus verschiedenen Gründen.

 

Nachdem sich beide im Schloss kennenlernen, wird Link auch gleich beschuldigt, für das Verschwinden des Masterschwertes verantwortlich zu sein. Um seiner Bestrafung zu entgehen, hilft ihm Prinzessin Zelda und zieht so den Zorn des großen Gegenspielers auf sich – Ganondorf, einer der Berater des Königs. Der macht kurzen Prozess und verwandelt Prinzessin Zelda in eine Fee.

 

“Eine Fee?” Andy Serkis schaut mich ungläubig an. Ich entgegne, ich würde die Figuren Navi, die Fee aus “Ocarina of Time” und Prinzessin Zelda gern verschmelzen lassen, zumindest für eine Zeit lang. Link braucht einen Begleiter, am besten jemanden, der ständig plappert. In “Spirit Tracks” harmonieren Link und die Geister-Zelda einfach fantastisch. Peter Jackson hingegen will unbedingt Goronen, welche damals das Schwert geschmiedet hatten und bestimmt auch etwas über die Zwilligsklinge wissen. Andy Serkis dagegen möchte einen Zorakrieger spielen, nachdem wir ihm klargemacht haben, dass Link nicht so ganz seine Rolle sei.

 

Da meldet sich Shigeru Miyamoto per Skype zu Wort und mokiert, das sei ihm alles zu klassisch und zu sehr auf die Spiele bezogen. Einzig meine Idee, dass Link kleine Edelsteine sammelt, um daraus Herzsteine zu basteln, gefällt Shigeru. Aber am Ende zerstreiten wir uns total und wieder einmal platzt der Traum einer großen Zeldaverfilmung wie Seifenblasen an der Raufasertapete.

 

 

Ralph reichts – Mario schon lange!

Aber mal im Ernst. Ein reines Aufgreifen von Storyfragmenten aus “Ocarina of Time” ist fast langweilig, andererseits wäre es fatal, im Falle eines Zeldafilm auf all die Eckpfeiler wie Goronen, Zoras, Zelda, Salia, Masterschwert oder Ganondorf zu verzichten, weil sie nun mal das sind, was die Spielereihe ausmacht. Natürlich kann man Link nicht 90 Minuten lang durch fünf oder sechs Dungeons rennen lassen, Schlüssel suchen, Waffen finden, Bosse killen. Ein Spielprinzip bleibt, was es ist, ein Spielprinzip, es ist nicht übertragbar auf eine dramatische Geschichte. Wohl aber liefert die Spielereihe “The Legend of Zelda” einen bunten Haufen von Puzzleteilen, die geschickt arrangiert durchaus ein klassisches Fantasyfilmabenteuer ergeben können.

 

Eigentlich ein Graus, dass es sogar das Spiel “Schiffe versenken” mit BATTLESHIP zu einer Verfilmung gebracht hat, während solche ikonischen Helden wie Samus Aran, Link oder Zelda bislang dem Medium Film verwehrt bleiben. Nintendo macht das eigentlich auch nicht wirklich falsch, ihre Figuren sind so zeitbeständig und werden immer wieder von neu herangewachsenen Zielgruppen geliebt, so ist es nicht verwunderlich, dass Nintendo ein zweites SUPER MARIO BROS. Debakel gern unterbinden möchte. Aber man munkelt ja, dass Mario in RALPH REICHTS 2 auftreten wird, das ist schon mal beruhigend. Vielleicht kommen Link oder Samus dann ja irgendwann doch nochmal auf die große Leinwand. Bis dahin bleibt nicht viel anderes übrig, als weiter zu zocken und sich der Fanfiktion hinzugeben. Warum auch nicht. Wenn die Spielebranche und die Filmwirtschaft weiter so zusammenwachsen und sich gegenseitig anschieben, ist irgendwann vielleicht auch mal ein ZELDA Fim im Bereich des Möglichen.

 

Bis dahin schmollen Peter, Andy und ich uns noch eine Zeitlang an, sind aber verfügbar, so man uns braucht.

 

 

5 Comments

  1. Antworten

    […] wir uns letztlich damit auseinandergesetzt, warum es zu wenig NINTENDO-Filme gibt, fragen wir uns heute, in aller Bescheidenheit, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich STAR WARS […]

  2. Antworten

    […] …sind häufig das Thema der ZELDA-Spielereihe. Auch wenn dieser Ausblick bereits in der ersten Ausgabe des Specials FanFiction veröffentlicht wurde, der süße Deku-Link darf hier einfach nicht fehlen. Wer die Sache weitergesponnen haben möchte, findet Nadel und Faden in dem Artikel NINTENDO SAYS NO. […]

  3. Antworten

    […] ist eine tolle Sache. Schon einmal ging es dabei um Videospiele, bzw. Verfilmungen jener, speziell Nintendoware. Nun ist das mit Spielen so eine Sache, ich bin kein Programmierer oder Art Director. Doch auch in […]

  4. Antworten

    […] der SOULS-Spielereihe filmisch zu interpretieren. In einem meiner Artikel habe ich mal über NINTENDO-Spieleverfilmungen herumgesponnen. Es ging dabei auch um das filmische Aufgreifen von Spielemechaniken und deren […]

  5. Antworten

    […] SUPER MARIO BROS. floppte gigantisch und machte es für NINTENDO bis zum heutigen Tag schwer, Filmhersteller Lizenzen zu überlassen. So gab es durchaus Versuche um NINTENDOS zweiten Vorzeigeheld Link aus THE LEGEND OF ZELDA, von […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de