Keine Gravitätlichkeiten, Fliegen fällt sonst schwer…

Und wieder. OSCAR vorbei – Füße kalt. Kreislauf is das, beziehungsweise mangelnder Kreislauf oder fahriger Kreislauf oder unrunder Kreislauf…also oval oder elliptisch. Jedes Jahr der selbe Brei. Gibt aber schlimmeres als Kreislauf. Als 1995 FORREST GUMP den OSCAR für den besten Film bekam, habe ich ein Glas Erdnusscreme mit einem Teelöffel leergelöffelt. Dann war mir schlecht und ich habe Erdnusscreme jahrelang nicht angerührt. Was hab ich gestern zu mir genommen? Kilo Nudeln, Bier und PICK UP! Caramel von Leibnitz – sehr lecker, is bestimmt neu in deren Sortiment. Jetzt bin ich irgendwie abgeschweift, worum gings gleich nochmal? Achja, die GENRENALE! Ich glaub, ich fang nochmal an.

 

 

 

 

Und wieder. OSCAR vorbei – und die Saftnasen halten sich einfach nicht ans Protokoll! Die OSCAR-Nachlese 2014 sollte gänzlich von Amy Adams handeln, wunderbar, diese Frau, immer schon, JUNEBUG, SUNSHINE CLEENING, TANZ DER HEXEN 2!!! Text war mehr oder weniger bereits fertig. Eine Ode an die Aura, dass Ausstrahlung wichtiger ist als schauspielerische Finessen und wie derbe Amy Adams in AMERICAN HUSTLE gestrahlt hat, diese Präsenz, dieses Appeal, diese Erscheinung.

 

Eine Göttin!

 

Man zittert sich durch die Konkurrentinnen auf der Bank, da ist Meryl Streep in einer Art weißem Kokon, sie hat den OSCAR erfunden und bekommt seitdem Dividenden. Judi Dench schien eine Konkurrentin zu sein, fünfmal als beste Hauptdarstellerin nominiert besitzt sie erst den Nebenrollengoldjungen für SHAKESPEARE IN LOVE. Aber ansonsten?

 

Die einzige Angst, die sich in mir brodelnd aufbaut hat, war, dass Sandra Bullock einen weiteren Award bekommt, der für BLIND SIDE war für mich eine glatte Fehlentscheidung. Ich hab nix gegen die Bullock, im Gegenteil. Aber in diesem Jahr geht einfach nix an Amy Adams vorbei. Und was passiert? Es gewinnt Cate Blanchet für BLUE JASMIN. Mal abgesehen von Amy Adams, aber das is ne Frechheit. BLUE JASMIN ist einer der wenigen Filme der Saison, den ich nicht gesehen habe. Jetzt kann ich noch nicht mal drüber herziehen. Dumm gelaufen.

 

Nagut, PHILOMENA hab ich auch noch nicht gesehen, aber darüber wollte ich sowieso nix schreiben, ich wollte ausschließlich über Amy Adams schreiben, ach wisst ihr was, ich mach das einfach.

 

Den OSCAR für die beste weibliche Hauptrolle ging in diesem Jahr berechtigterweise an Amy Adams für AMERICAN HUSTLE. Adams spielt elfengleich, lasziv, um sie herum flimmert die Luft wie Benzin auf Asphalt. Dieser Blick, dieses Lächeln, jede Bewegung, mit der Amy Adams Sydney Prosser spielt, ist einzigartig. Eine fantastische Wahl der Academy, zu der ich nur sagen kann: “Edel ist das Wildleder, das wie die Ernte mäht!”

 

Gut. Hätten wir das. Der Rest geht in Ordnung. Mal ein wenig Struktur reinbringen hier. Wie lief´s denn nun ab? Zuallererst hätte ich die Show beinahe verpasst, weil ich bei VOX hängengeblieben bin – bei EINMAL CAMPING, IMMER CAMPING. Der Wahnsinn, davor lief auch noch irgendwas über den Wendler. Irre. Wenn man OSCARS kucken will, muss man am Gätjen vorbei. Gätjen und Scott Orlin balgen sich mit anderen Journalisten um Menschenmaterial. Gätjen zieht Bruce Dern zu sich und gibt ihm einen ausgefüllten Lottoschein. Den Gag hab ich soweit verstanden, warum er aber Lupita Nyong’o einen Schoko-Cupcake schenken wollte, hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Gätjen und Carpendale, da muss man durch, obwohl ich schätzungsweise auch nichts falsch gemacht hätte, wenn ich noch ein wenig die CAMPING-Show geschaut hätte.

 

Man mag ihn nicht in Hollywood, aber auch Jaquin Phoenix ist in HER eine Wucht.

Die OSCAR-Verleihung selbst, moderat moderiert von Ellen DeGeneres, war ein wenig, ja man mags nich glauben, unglamourös. Sah das im Dolby Theater schon immer so aus? Irgendwie erinnerte mich die Ausstattung an Erichs Lampenladen, überall Glühbirnen. War es im letzten Jahr ein wenig frivol und zotelig (“We saw your bobs!”) gab es in diesem Jahr keine wirkliche Showeinlage seitens der Moderation. Auch die Einspieler über Helden, das Motto der Show, war eher bieder. Die musikalische Untermalung wankte zwischen wow (Pink) über naja (U2) bis hin zu “Schrei doch nicht so!”-Indina Menzel (auch bekannt als Adele Dazeem) “Let it go” aus FROZEN. Die hat dann auch gewonnen, aber das läuft anders als beim EUROVISION SONG CONTEST, sie musste das am Ende nicht nochmal singen.

 

Reden wir nicht um den heißen Brei herum, die diesjährige OSCAR-Verleihung hat mich in einigen Fällen positiv überrascht. Hatte sich in den letzten Jahren eine gewisse Tipp-Konservativität breitgemacht, eine Diskrepanz zwischen persönlichen Favoriten und Awards, die man sich bereits im Vorfeld so ausmalen konnte. Habe demzufolge auch nie vermutet, dass Spike Jonze den Drehbuch-OSCAR für HER bekommt. Zu Recht, ein absolutes Wahnsinnsbuch, mehr noch, ein überwältigender Film. Allein die Tatsache, eine so lebendige Figur wie Samantha nur aus Worten zu erschaffen, ist eine Glanzleistung. Auch der OSCAR für Alfonso Cuarón als bester Regisseur für GRAVITY hat mich überrascht, sah ich doch Steve McQueen als Favorit. In dem Moment hielt ich es sogar für gut möglich, dass GRAVITY auch den OSCAR als Bester Film abräumt.

 

Die OSCARS sind gerecht: Jared Leto und Matthew McConaughey, beide prämiert für DALLAS BUYERS CLUB.

Das wurde dann aber doch erwartungsgemäß 12 YEARS A SLAVE. Das mag wie gesagt vorhersehbar gewesen sein, aber nicht unverdient. Steve McQueen ist ein Koloss, seine Filme gleichsam kraftvoll wie fragil, schwer in Worte zu fassen. Bereits SHAME hat mich umgehauen, mehr noch als 12 YEARS A SLAVE. Ein typischer Bester Film, könnte man meinen. Mag man für mutlos halten. Darüber will ich nicht urteilen. Hätte GRAVITY gewonnen, wäre das Statement aber ungleich größer, denn GRAVITY widerspricht dem Vorurteil gegenüber hirnlosem CGI-Blockbusterkino.

 

Ich halte GRAVITY nicht für Cuaróns besten Film (HARRY POTTER 3, CHILDREN OF MAN und DER GEHEIME GARTEN haben mehr eine Handschrift gezeigt). Ob er als Bester Film aber wirklich so einen Impact hinterlassen hätte, bezweifle ich. GRAVITY ist genau das, für dass er ausgezeichnet wurde, glasklares Genrekino, emotionales Drama und eine triumphaler filmtechnischer Kraftakt – sieben OSCARS gehen absolut in Ordnung.

 

 

Jennifer Lawrence in einer Szene aus AMERICAN HUSTLE, die mich irgendwie an FIGHT CLUB erinnert…

Und Leto? Ein Gott, mindestens aber Jesus. Matthew McCornyriegel absolut zurecht bester Hauptdarsteller (einzig Bruce Dern hätte es noch verdient, DiCaprio war umwerfend, aber der kriegt ja bereits in zwei Jahren einen OSCAR, von daher…). Gibs denn das? Die OSCARS sind mal gerecht? Natürlich sind sie das, allein der OSCAR für Amy Adams.

 

Achja, auch die Lawrence war wieder nominiert für ihre Wahnsinnsperfomance in AMERICAN HUSTLE. Einzig, dass die Rolle so klein ausfiel, machte sie für mich nicht zum Favoriten. Aber allein dafür, wie sie immer so niedlich grunzt nach irgendwelchen Interviewfragen und dass Jennifer Lawrence ähnlich wacklig auf den Beinen zu sein scheint wie Larissa Marolt…hab ich grad die Lawrence mit der Marolt verglichen? Egal, bei den OSCARS gabs dieses Jahr neben Adele Dazeem auch noch Jessica Roberts und als Samuel L. Jackson mit Naomi Watts die Bühne betrat, dachte ich fast, Bruce Darnell wurde engagiert, also wenn die das nich so eng sehen…

 

So, die OSCARS sind vorbei und wir können uns endlich wieder den wichtigen Dingen zuwenden wie Krieg und so. Noch ein wenig rummeckern, wie derb doll die sich in Hollywood alle selber feiern, welch physikalischen Schwachsinn GRAVITY darstellt und wie beschissen politisch korrekt es sein muss, dass 12 YEARS A SLAVE am Ende doch den OSCAR für den besten Film bekommen musste, aber dann is genug. Ich labe mich noch ein wenig an der tollen besten Hauptdarstellerin Amy Adams und muss nächsten Sonntag unbedingt wieder in EINMAL CAMPING, IMMER CAMPING reinschauen. Definitiv OSCAR-reif, diese Scheiße.

 

 

Bester Film: 12 YEARS A SLAVE
Bestes Originaldrehbuch: HER
Bestes adaptiertes Drehbuch: 12 YEARS A SLAVE
Beste Hauptdarstellerin: Cate Blanchet für BLUE JASMIN
Bester Hauptdarsteller: Matthew McConaughey für DALLAS BUYERS CLUB
Beste Nebendarstellerin: Luptia Nyong´o für 12 YEARS A SLAVE
Bester Nebendarsteller: Jaret Leto für DALLAS BUYERS CLUB
Beste Regie: Alfonso Cuarón für GRAVITY
Bester fremdsprachiger Film: LA GRANDE BELAZZA (Italien)
Bester Animationsfilm: FROZEN
Beste Kamera: GRAVITY
Bestes Szenenbild: THE GREAT GATSBY
Bester Ton: GRAVITY
Bester Tonschnitt: GRAVITY
Bester Schnitt: GRAVITY
Bestes Kostümdesign: THE GREAT GATSBY
Bestes Make-up und Frisuren: DALLAS BUYERS CLUB
Beste visuelle Effekte: GRAVITY
Beste Filmmusik: GRAVITY
Bester Filmsong: “Let It Go” für FROZEN
Bester animierter Kurzfilm: MR. HUBLOT
Bester Kurzfilm: HELIUM
Bester Dokumentarkurzfilm: THE LADY IN NUMBER 6
Bester Dokumentarfilm: 20 FEET FROM STARDOM

 
 

One Comment

  1. Antworten

    […] DIANA interessierten mich nicht die Bohne. Hinzu kamen zwar hochkarätige, aber auch schwerfällige OSCAR-Schinken von staubiger Trockenheit, AMERICAN HUSTLE, 12 YEARS A SLAVE, auch THE WOLF OF WALL STREET und […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de