Die kleine Genrefibel Teil 56: VideoSpielFilme

In Los Angeles ist soeben die Electronic Entertainment Expo, kurz E3, zu Ende gegangen, die größte Spielmesse der Welt. Seit 1995 zeigen dort Spielehersteller und Publisher die neusten Trends der Gamesindustrie, vor allem aber neue Spiele. Videospiele sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Zeiten, in denen Gamer als mangelernährte, unterentwickelte Nachtschattengewächse wahrgenommen wurden, sind lange vorbei. Videospiele und Konsolen sind heute ein selbstverständlicher Teil des Unterhaltungsangebotes, welche weltweit fast 100 Milliarden Dollar Umsatz generieren. Noch sind die Umsätze des Filmmarktes insgesamt höher als die der Spielebranche, aber niemand hätte solche Zahlen in den seeligen Tagen des Gameboys oder des Amiga 500 vorausgeahnt. Filme und Games, das scheint ein und dieselbe Erfolgsgeschichte zu sein. Aber Zocker und Cineasten verbinden mit der Kopplung Film und Game meist etwas ganz anderes – die schaurig-schlechte Videospielverfilmung.

Die kleine Genrefibel Teil 55: Sci-Fi Visions

Wenn in den kleinen Genrefibeln von Genre, Subgenres, dem Film an sich gesprochen wird, dann liegt in der Materie immer eine gewissen Arroganz. Manchmal scheint es so, als liege im Film der Wahrheit letzter Schluss. Das Unbekannte, Unerklärliche, das Phantastische, alles hat seine Wurzeln, alles beeinflusst die Kunst und irgendwann gibt es zu all dem auch einen Film, der die Dinge visuell und plastisch macht. Der Film war stets stolz darauf, durch seine Projektionsfläche am Ende auch die Zivilisation und Gesellschaft beeinflusst und neue Impulse und Gedankenanstöße geliefert zu haben. Doch gerade bei einer Säule der Phantastik schient diese Rechnung nicht aufzugehen – der Science-Fiction. Denn die raffiniertesten Fragen um den Stand der Zivilisation, der Gesellschaft, der Wissenschaft und der Technik stellte nicht der Film, sondern die Literatur.

Die kleine Genrefibel Teil 54: Found Footage

Angeblich leben wir in einer Zeit, in der Fake News und Alternative Fakten die Gemüter der Menschen erzürnen und auf die Barrikaden bringen. Da kann der Filmliebhaber nur müde lächeln und macht sich eine neue H-Milch auf. Denn Film war und ist schon immer Beschiss an der Wahrheit. Mag er auch noch so realistisch inszeniert sein, Film ist nun mal Film und nicht die Realität. Da wird gebogen, verbrämt und überschüssiges weggespachtelt, Zeiträume werden gerafft, Perspektiven verschwiegen, Informationen ausgespart und hier und da getrickst. Nix Neues eigentlich, es liegt in der Natur der Filmdinge. Aber manchmal lehnt sich der Film noch weiter aus dem Fiktionsfenster und macht es selbst dem Profi schwer zu unterscheiden, ob das nun ernst gemeint ist oder nicht. Denn die Kamera lügt nicht und Filmmaterial ist oft gleichbedeutend mit Beweismaterial.

Die kleine Genrefibel Teil 53: Musik & Tanz

Die OSCARS stehen vor der Tür und der große Favorit bei den 89. Academy Awards heißt LA LA LAND mit 14 Nominierungen, so viele gab es seit TITANIC 1998 nicht mehr. Doch nicht jeder teilt die Euphorie über das Musical von Regisseur Damien Chazelle, im Gegenteil, LA LA LAND wird in den Internetforen reichlich beschimpft und angefeindet. So ergeht es vielen Filmen, die als OSCAR-Bait Dreck verschrien werden, Filme, die sich angeblich der Academy anbiedern, an ein Hollywood, welches wieder einmal nur sich selbst feiert. Doch bei LA LA LAND hat das noch einen spezielleren Grund, denn es ist ein Filmmusical und diese werden von Filmliebhabern leidenschaftlich gehasst. Nun ist LA LA LAND nicht nur ein Musical, es ist die Quintessenz des klassischen Hollywood Musicals schlechthin. Doch viele sehen in LA LA LAND weniger Hommage als Heuchelei, der Film sei völlig unpolitisch, übertrieben kitschig, ein Weichspülkonzentrat, gefährlicher Eskapismus in gefährlichen Zeiten und vor allem – diese unerträglich nervige, klebrige, schmalzbeutelig-triefende Musik!

Die kleine Genrefibel Teil 52: Maritimus

“Das Meer ist alles. Es bedeckt sieben Zehntel der Erde. Sein Atem ist rein und gesund. Es ist eine immense Wüste, wo ein Mann nie alleine ist, in dem er fühlen kann, wie das Leben aller in ihm bebt. Das Meer ist nur ein Behälter für alle die ungeheuren, übernatürlichen Dinge, die darin existieren; es ist nicht nur Bewegung und Liebe; es ist die lebende Unendlichkeit.” – So beschrieb es Jules Verne in “20.000 Meilen unter dem Meer”. Genau, das Meer, Weltmeer, Ozean. Gewaltige Wassermassen von unbändiger Macht. Aber auch beseelt von inniger Sehnsucht. Was liegt wohl hinter dem Meer, am Ende des Horizonts? Was verbirgt sich unter der Wasseroberfläche, am Grunde des Ozeans? Welche Kreaturen verstecken sich in den Tiefen, welche Schätze sind dort zu finden?

Die kleine Genrefibel Teil 51: Puppentrick

“Das is doch Trick!” entfuhr es mir und meinen Freunden, als wir, jung an Jahren, Filme wie KAMPF DER TITANEN oder DIE UNENDLICHE GESCHICHTE im Kino sahen, in denen geflügelte Pferde, Riesenskorpione oder Rennschnecken wie von Zauberhand zum Leben erweckt über die Leinwand hoppelten. Faszinierend war es schon, doch wir wussten um die mutmaßliche Gaukelei, oder hatten zumindest eine Ahnung. Zeichentrick war etwas, was man verstand, wenn man kleine Figuren am unteren Rand des Schnellhefters hinkritzelte, die sich plötzlich bewegten, wenn man die Blätter durch die Finger rattern ließ. Daumenkino nannte man das, es resultierte aus der Trägheit des Auges und machte aus Einzelbildern Animationen. So funktionierte Film und hatte man das verstanden, konnte man sich auch erklären, wie Spielzeugfiguren plötzlich lebendig wurden.

Die kleine Genrefibel Teil 50: Der Sexreport

Da wären wir also, liebe Genrefreunde, ein gar wundervolles Jubiläum zu zelebrieren – 50 Jahre Die kleine Genrefibel! Was war das für eine tolle Zeit. Ich erinnere mich noch genau, als ich die Genrefibel im Frühjahr 1966 konzipiert habe, ganze elf Jahre vor meiner Geburt. Das nenne ich Engagement über die Zeugung hinaus. Apropos Zeugung. Ich habe lang überlegt, welches Genre oder Subgenre denn für ein solches Jubiläum geeignet wäre. Zur Auswahl standen Bee-Movies (also Filme über Bienen), die Geschichte des Daumenkinos und das Microgenre Film im Film im Film. War mir im Endeffekt aber alles nicht prall genug. So blieb nur noch ein Thema übrig, das über genügend Potenz verfügt, dieses Jubiläumsloch zu stopfen. Was gibt es da zu kichern? Die kleine Genrefibel wollte schon immer aufklären, nun endlich scheint die Zeit gekommen, sich mit einem entscheidenden Triebfeld der Kunst zu beschäftigen – Erotik und Sex im Film.

Die kleine Genrefibel Teil 49: Stephen King

Weil der erste Satz beim Schreiben einer kleinen Genrefibel immer der schwerste ist, lass ich ihn dieses mal einfach weg. Kommen wir also gleich zur Sache. Auf unserer Reise durch die Genres und Subgenres der Phantastik stehen wir wieder einmal vor einem streitbaren Thema. Vampire, Werwölfe oder Zombies, sie bestimmen als Figuren ihre jeweiligen Subgenres. Anthologien oder der Found Footage Film werden durch strukturelle oder technische Belange klassifiziert. Unser Thema heute aber heißt Stephen King, bzw. Stephen King Verfilmungen. Ist das nun ein eigenes Subgenre?

Die kleine Genrefibel Teil 48: Odýsseia

Weh mir! Zu welchem Volke bin ich nun wieder gekommen? Sind’s unmenschliche Räuber und sittenlose Barbaren; oder Diener der Götter, und Freunde des heiligen Gastrechts? Eben umtönte mich ein Weibergekreisch, wie der Nymphen, welche die steilen Häupter der Felsengebirge bewohnen, und die Quellen der Flüsse und grasbewachsenen Täler! Bin ich hier etwa nahe bei redenden Menschenkindern? Auf! Ich selber will hin, und zusehn, was es bedeute! Also sprach er, und kroch aus dem Dickicht, der edle Odysseus, brach mit der starken Faust sich aus dem dichten Gebüsche einen laubigen Zweig, des Mannes Blöße zu decken;

Die kleine Genrefibel Teil 47: Marvelous

Die Kleine Genrefibel ist zurück, sie war im Urlaub und hat sich einen Seeigelstachel eingetreten. Aua! Doch Urlaub hatte sie dringend nötig. In bislang 46 Folgen hat sie sich nicht nur durch diverse Subgenres geackert, sondern auch über den Genretellerrand geblickt, auf thematische Komplexe, Filmnationen und Franchisen. Denn die Welt des bewegten Bildes ist riesig und expandiert unentwegt. Am Anfang gab es lediglich Filme, dann folgten Fortsetzungen, Trilogien, Quadrologien und sogar Sagas. Im weltweiten Milliardengeschäft um Einspielergebnisse und Markenrechte aber bedurfte es einer weiteren Steigerung an Komplexität und Zuschauerbindung – das Filmuniversum.

Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de