Fantasy Filmfest Nights 2020

Endlich wieder Fantasy Filmfest? Nicht nur das, Freunde der saftigen Aderspritzpökelung, endlich auch mal wieder Kino, will ich meinen. Am Ende des Anfangs des Endes präsentiert das Fantasy Filmfest nun doch noch die NIGHTS 2020, die eigentlich im April stattfinden hätten sollen, wenn nicht der böse Virus Semikola durch die Kassenbons gemacht hätte. Das kommt davon, wenn man immer so garstige Filme zeigt, ich hab’s euch gesagt. Gleich zehn davon gibt’s aber nun in sieben Städten, allesamt vom 11. – 12. Juli 2020, so weit, so ähnlich, die Ticketverkäufe allerdings hängen von den jeweiligen Hygienebestimmungen vor Ort ab.

 

 

 

 

Gesichtsmasken (zum Beispiel die aus SCREAM) braucht man nur in diversen Foyers, im Kinosaal dann nicht mehr, schade. Aber Mundschütze sind immer noch besser als Taucherbrillen. Viel schlimmer werden wohl diverse Abstandsregeln, man kann sich so nun eventuell nicht mehr am Nachbarn festkrallen, wenn’s zu gruselig wird, das könnte den Horror intensiviren äh intensivieren. Gibt es durch die Verschiebung irgendwelche Verluste? Ja, GUNS AKIMBO ist raus, die überdrehte Ballerfarce mit Daniel Radcliffe und Samantha Weaving startete nun schon vor den NIGHTS, doch das restliche Programm bietet ebenso gute Genrekost.

 

 

 

 

Zwei Haunted House Gruselstücke laden zur Verköstigung, zum einen der spanische Geisterthriller 32 MALASANA STREET, in dem eine Familie dreier Generationen eine luxuriös ausgestattete Wohnung in Madrid beziehen. Während die Eltern auf Arbeit gehen, muss sich die älteste Tochter um ihren kleinen Bruder und ihren greisen Großvater kümmern, bis plötzlich Unheimlichkeiten ihren Lauf nehmen. Auf solche stößt auch der vom Glauben abgefallene Chassid Yakov in THE VIGIL, welcher widerwillig die Totenwache für einen kürzlich Verstorbenen übernehmen muss, bis Schrecken und Wahnsinn die Oberhand gewinnen. Schaurig schaurig.

 

 

32 MALASANA STREET

32 MALASANA STREET von Albert Pintó (Studiocanal)

 

 

Wahre Begebenheiten im Genreteigmantel gibt es mit THE MAN STANDING NEXT aus Südkorea und mit TRUE HISTORY OF THE KELLY GANG, eine Koproduktion aus Australien, Frankreich und Großbritannien. THE MAN STANDING NEXT von Woo Min-ho thematisiert die letzten 40 Tage im Leben des koreanischen Präsidenten Park Chung-hee im Jahr 1979 vor seiner Ermordung durch den eigenen Geheimdienstchef, das verspricht ein packender True Crime Politthriller zu werden. In TRUE HISTORY OF THE KELLY GANG von Justin Kurzel (Autor von SNOWTOWN) geht es um den Aufstieg des gesetzlosen Outlaws Ned Kelly, prominent besetzt mit George MacKay (MARROWBONE, 1917), Thomasin McKenzie (JOJO RABBIT) sowie Nicolas Hoult, Russel Crowe und Charlie Hunnam.

 

 

TRUE HISTORY OF THE KELLY GANG

TRUE HISTORY OF THE KELLY GANG von Justin Kurzel (Koch Films)

 

 

Nach ESCAPE ROOM lädt Regisseur Will Wernick erneut zu einem perfiden Katz und Maus Spiel in FOLLOW ME, beschrieben als SAW für die Social Media Generation, in dem sich eine Gruppe Influencer in einem russischen Bunker wiederfinden, bis das blutige Treiben wohl auch dort beginnt. Von Marc Meyers (MY FRIEND DAHMER) indes kommt WE SUMMON THE DARKNESS um eine deftige Heavy Metal Party der Band Soldiers of Satan, die alles verspricht, was sich der geneigte Satanist so wünscht, Schwermetall, Alkohol, Blut und satanische Rituale. Mit dabei ist auch Johnny “Jackass” Knoxville als erzkonservativer Priesterpapa.

 

 

WE SUMMON THE DARKNESS

WE SUMMON THE DARKNESS von Marc Meyers (Splendid Film)

 

 

Gesitteter, aber gleichwohl unbehaglich und düster kommen sowohl THE OTHER LAMB aus Irland, Belgien und den USA als auch THE INTRUDER aus Argentinien und Mexico daher. In THE OTHER LAMB geht es um eine im Wald lebende Sekte, die sich um den Schäfer, einer Art selbsternannten Jesus, schart, allesamt junge Frauen, darunter Selah (Raffey Cassidy), die sich den Anordnungen des zwielichtigen Messias widersetzt. In THE INTRUDER von Natalia Meta wiederum erwacht in der Kirchenchorsängerin und Slasherfilm-Synchronsprecherin Inés eine bedrohliche Stimme und ein wahnhafter, psychosexueller Trip der surrealen Art beginnt.

 

 

THE OTHER LAMB

THE OTHER LAMB von Małgorzata Szumowska (Trust Nordisk)

 

 

Das letzte Doppel verspricht dann noch zwei Genretotschlagargumente und zwar Zeitreisen und Zombies, die schönsten Dinge mit Z neben Zapfhähnen und Zaubertränken. Im japanischen Anime HELLO WORLD erhält ein Highschool-Schüler im futuristischen Kyoto Besuch seines zehn Jahre älteren Ichs und beide versuchen, den Tod ihrer beider Freundin zu verhindern. Das kling toll! Tolldreist wird es dann auch in Belgiens erstem Zombiefilm YUMMY, darin möchte sich Heldin Alison in einer Schönheitsklinik in Osteuropa die Brüste verkleinern lassen, was aber durch eine Schar Zombies im Erdgeschoss unterwandert wird. Was es alles gibt…

 

 

YUMMY

YUMMY von Lars Damoiseaux (Busch Media)

 

 

Heavy Metal, Sekten, Brüste, Zombies, Ganoven, Polithrill, Zeitreisen, Geister und Dämonen – mit dem Programm der diesjährigen NIGHTS bietet das Fantasy Filmfest eine überaus bunte Tüte an Genreschokobons, jedweder Krise zum Trotze und das ist auch gut so, vielleicht findet ja 2020 doch noch großes Kino statt. So dann auch hoffentlich im September beim regulären Fantasy Filmfest, das königliche Wir halten Euch auf dem Laufenden. Alle weiteren Infos zu Filmen und Spielzeiten findet ihr wie immer auf der offiziellen Fantasy Filmfest Seite.

 

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    […] acht Wochen nach den Fantasy Filmfest Nights im Juli findet nun im September auch die reguläre Festivalausgabe statt und bringt endlich wieder […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de