Die kleine Genrefibel Teil 80: Tolkiens Welt

“Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul, Ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.” Diese Zeilen in der Schwarzen Sprache Mordors künden vom Hass des dunklen Herrschers Sauron auf die freien Völker Mittelerdes, dass er ihre Laute pervertierte und mit jenen Worten den Verrat an ihrer Gemeinschaft offenlegte. Denn er betrog sie alle um die Verbindungen ihrer Macht, in dem er noch einen weiteren Ring schmieden ließ, welcher es ihm ermöglichte, die Gedanken und Geschicke der anderen Ringträger lesen und lenken zu können. “Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht, Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein. Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun. Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron, im Lande Mordor, wo die Schatten drohn. Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.”

 

 

Mittelerde als der zentrale Kontinent der Welt Ardas

 

 

“Ein Ring, sie zu knechten…” Von Aalen bis nach Ankara, von Windhuk bis nach Wolgograd, fast ein jeder kennt diese Zeilen und fast ein jeder kennt die Bücher, aus denen sie entstammen. Und beim Klang dieser Worte, ob in Englisch, Deutsch, Quenya oder Sindarin, denkt ein jeder an grasgrüne Auen und düstere Wälder, verschneite Berggipfel und tiefschwarze Höhlen, an reißende Ströme und sandige Dünen, an schwelende Moore und neblige Täler. Fällt heute der Begriff Fantasy, ist dieser untrennbar mit dem Werk eines britischen Schriftstellers und Philologen verbunden – J. R. R. Tolkien. Doch ist die Fantasy, die wir aus Büchern und Filmen kennen, nicht viel älter, als dass sie einem Werk des 20. Jahrhunderts entstammen könnte? Und ist Fantasy gleich Fantasy? Begeben wir uns in der Kleinen Genrefibel auf eine Quest, auch diese Fragen ins Dunkel zu treiben und auf ewig zu beantworten.

 

Rising High Fantasy

 

In der Literatur war der Begriff Fantasy schon immer im Wandel, noch bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Der Begriff Phantastik hingegen wird in der Kunstgeschichte recht häufig angewendet und er vereint im gröberen Sinne all jene dichterischen Elemente, welche den Naturgesetzen widersprechen. Phantastisch ist alles, was übernatürlich und unglaublich erscheint. Die Wurzeln dessen finden sich in der Mythologie und Sagenwelt. Die Fantasy als literarische oder gar filmische Gattung hingegen ist relativ jung und speist sich aus einer großen Anzahl von Erzählungen früherer Kulturen wie Heldenepen, Homers Ilias, dem Nibelungenlied oder mittelalterlichen Märchensammlungen der Frühromantik des 19. Jahrhunderts. Als eigenständige Literaturform aber entstand sie erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts in Komprimierung dieser Elemente und die wiederum geht auf J. R. R. Tolkien zurück.

 

 

Der britische Schriftsteller und Philologe John Ronald Reuel Tolkien (1892 – 1973)

 

 

Doch Fantasy ist eben nicht gleich Fantasy und somit wird Tolkiens Werk vornehmlich einem Subgenre der Fantasy zugeordnet – der High Fantasy oder Epischen Fantasy. Dem Gegenüber scheint der Begriff Low Fantasy zu stehen, doch sind jene Schlagworte keine Gegenpole oder an qualitative Maßstäbe geknüpft. In der Literatur entstand die Subsparte Low Fantasy sogar noch eher, durch Fantasygeschichten in Pulp Magazinen der 1930er Jahre und durch Autoren wie Robert E. Howard (“Conan the Cimmerian”). Um beide Formen zu unterscheiden, muss man zunächst die Charakteristiken von High und Low Fantasy benennen.

 

Sowohl High als auch Low Fantasy Geschichten spielen in fiktionalen Welten ungleich der Unsrigen. Es sind Welten mit anderen Naturgesetzen, Welten, in denen Magie existiert und ein natürlicher Bestandteil des Kosmos ist. Fantasywelten sind bevölkert mit Wesen, die wir nur aus Märchen oder Sagen kennen, Drachen, Zwerge, Riesen, sprechende Tiere, Zauberer, Könige und Helden. Die Tiefen jener Anderswelten sind unterschiedlich gestaltet, in der Low Fantasy meist archaisch und rudimentär, in der High Fantasy dafür umso filigraner, Geschichte, Religion, Sprachen, all das ist in der High Fantasy ausführlicher ausgearbeitet und ausformuliert.

 

 

Illustration zu “The Lord of the Rings” von Greg and Tim Hildebrandt

 

 

Unterschiede bestehen somit in der literarischen Ausarbeitung von Figuren und Dramaturgie. In der High Fantasy wie auch in der Low Fantasy gilt die Quest als dramaturgischer Motor der Erzählung. Die Quest ist nicht zu verwechseln mit der modernen Lesung aus beispielsweise Videospielen, die lediglich eine Aufgabe formuliert. In der Fantasyliteratur ist die Quest die archetypische Reise, angelehnt an die Heldenreise, einem Grundmuster der Mythologie. Die Quest ist es auch, die High und Low Fantasy unterscheidet. In der High Fantasy ist die Quest ein Bündnis der Gemeinschaft und am Erreichen eines gemeinschaftlichen Zieles gekoppelt. Besonders in Tolkiens Werk ist die Gemeinschaft das zentrale Figurenelement. Das Ziel ist zudem von übergeordneter Bedeutung für die gesamte Fantasywelt, es geht um das Wohl oder Überleben aller, nicht nur der Gemeinschaft.

 

Die Quest innerhalb der Low Fantasy hat dieses übergeordnete Ziel selten, auch definieren sich Low Fantasy Geschichten nicht über eine Gemeinschaft, sondern über das Individuum. Im Zentrum steht ein Einzelheld, ein Einzelschicksal und ein persönliches Ziel – Ruhm, Reichtum, Rache. Die Säulen der fiktiven Welt beeinträchtig die Quest kaum oder gar nicht. Auch tonal unterscheidet sich die Low Fantasy von der High Fantasy, es gibt ungleich mehr humoristische Einschübe, aber auch düstere Abwandlungen, Gewalt und Sex nehmen mehr Raum ein, generell wirkt eine Low Fantasy Welt brutaler und grobschlachter als eine High Fantasy Welt.

 

 

Low Fantasy Charaktere nach Zeichnungen des Künstlers Frank Frazetta

 

 

Beispiele in Literatur und Film sind demnach leicht und treffend zu finden. Robert E. Howards Geschichten um den Barbaren “Conan the Cimmerian” sind typische Low Fantasy, im Film CONAN, DER BARBAR hat der fleischige Held Conan das Ziel der Rache für den Mord an seiner Familie, das ist seine persönliche Quest. In “The Lord of the Rings” von J. R. R. Tolkien, dem einflussreichsten Urtext der High Fantasy, macht sich eine Gemeinschaft, die Gefährten, auf die Reise, das Reich Mittelerde vor der Versklavung durch den dunklen Herrscher Sauron zu befreien. Ihre Quest bestimmt über das Schicksal aller freien Völker.

 

“Conan” und “The Lord of the Rings” mögen einen als definitive Beispiele für Low und High Fantasy dienlich sein, doch andere Fantasygeschichten sind nicht so klar abgegrenzt. Denn für gewöhnliche finden sich in der Fantasyliteratur und noch mehr im Film Mischformen beider Ausprägungen. Und damit nicht genug, die Fantasy verfügt noch über eine Vielzahl anderer Subgenres. Eine weitere große Säule ist die sogennnte Zeitgenössische Fantasy (Contemporary oder Modern Fantasy) sowie ihr Ableger, die Urban Fantasy. In dieser Form treten übernatürliche, phantastische Elemente auch in der uns bekannten Welt auf, bei Urban Fantasy vor allem in modernen Städten. In Modern Farytales wiederum erfahren Märchenmotive eine Neuinterpretation, in der Science-Fantasy gibt es eine Mischform aus Technik und Magie, Dark Fantasy tendiert in Richtung Horror, Weird Fantasy in Richtung Klamauk.

 

 

Beispiele für Fantasy Subgenres: High Fantasy (THE LORD OF THE RINGS), Low Fantasy (CONAN THE BARBARIAN), Contemporary Fantasy (HARRY POTTER), Modern Farytales (MALEFICANT), Science-Fantasy (DR. STRANGE), Dark Fantasy (THE CROW) & Weird Fantasy (THE COLOR OF MAGIC)

 

 

Oft werden alle Ausprägungen der Fantasy in Literatur und Film wild gemischt, in DIE UNENDLICHE GESCHICHTE oder in den Büchern und Filmen um Narnia gibt es einen Einbruch des realen, zeitgenössischen Jetzt in eine High Fantasy Welt. Im Bereich Dark Fantasy ist es die Ausführung oder Inszenierung, welche Horror von Fantasy unterscheidet. Zudem gibt es eine Vielzahl von Subgenres kleineren Ausmaßes, die sich um bestimmte Mythen und Legenden drehen wie die Medieval oder Arthurian Fantasy, die Verbindung zweier Welten thematisieren (Portal Fantasy) oder andere Merkmale vermengen (Romantasy, Historical Fantasy, Lost World, Grimdark oder Magical Realism).

 

Die Low Fantasy hatte ihre Hochzeit in den 30er Jahren und Werke von Robert E. Howard, Edgar Rice Burroughs oder H. P. Lovecraft beeinflussten andere Autoren. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Prosawerke des Schriftstellers und Sprachwissenschaftlers John Ronald Reuel Tolkien, darunter “Der Hobbit”, welchen Tolkien im Jahr 1930 zu schreiben begann. Doch Tolkien hatte einen anderen Zugang zur Fantasy, sie beruhte auf Quellen keltischer und germanischer Mythologie, mittelalterlichen Heldenepen oder altnordischer Sagenliteratur wie die Beowulfsaga oder dem Nibelungenlied. Zudem entwickelte Tolkien für seine eigene übergroße, mythologische Vorarbeit neue Sprachen als wichtigstes Fundament seiner Weltenschöpfung.

 

 

Die Inspirationsquellen für “The Lord of the Rings”: Die Nibelungensaga, Homers Ilias, die Islandsaga, die Beowulfsaga & die altisländische Edda

 

 

1937 erschien “Der Hobbit”, sein Hauptwerk “The Lord of the Rings”, verfasst in sechs Einzelbüchern, veröffentlicht 1954/55 in drei Bänden, wurde anfangs von Literaturkritikern argwöhnisch beäugt. Doch das änderte wenig andem globalen Siegeszug in den 1960er Jahren. “The Lord of the Rings” wurde über 150 Millionen Mal verkauft, es gilt als Urwerk der Fantasyliteratur schlechthin, in einer Zeit, in der fast ausschließlich Science-Fiction Romane verkauft wurden. Die Romantrilogie löste einen bislang nie dagewesen Boom innerhalb der Kunst aus, nicht nur in der Literatur, Tolkiens Welt, welche bis ins kleinste Detail lebendig wurde, entfesselte eine kreative Lawine in der Malerei, der Musik und auch im Film. Es ist möglicherweise das wichtigste Werk des 20. Jahrhunderts, doch nicht von einem intellektuellen Standpunkt, sondern weil es eine überaus emotionale Geschichte war.

 

 

 

 

 

 

“The Lord of the Rings” stand für die Macht der Phantasie. Maler bedienten sich Tolkiens Worten, um seine Welt zu visualisieren, Gedichte und Gesänge in fremden Sprachen wurden vertont, andere Autoren übernahmen Figuren und Kreaturen, dass sie heute als Symbole für das gesamte Genre Fantasy stehen. Nur der Film hatte in gewisser Weise das Nachsehen, für dieses Medium war “The Lord of the Rings” einfach zu groß. Betrachtet man den Einfluss von Tolkiens Werk auf den Film, so gibt es nur eine Zeit vor der monumentalen Verfilmung aus den Jahren 2001 bis 2003 und die Zeit danach. Fantasy gab es im Film natürlich bereits vor Tolkiens Werken, doch konnte man das nie so klassifizieren wie die literarische Gattung Fantasy. Während aber in der Literatur Tolkiens Werk das Subgenre High Fantasy begründete, blieb es im Film eine beinahe nicht zu realisierende Anomalie.

 

Der Herr der Ringe in Zeichentrick

 

Phantastische Elemente im Film gibt es seit Erfindung des Mediums, vielleicht ist es sogar darin begründet. Denn im Film wollte und konnte man zeigen, was es in der Realität nicht gab. Film war zu Beginn mehr Jahrmarktsattraktion, bei Film geriet man ins Staunen. Phantastische Elemente sind nicht gleich Fantasy, die Begrifflichkeiten um das filmische Genre entstanden erst in den 70er Jahren, im Gegensatz zum Begriff Horror, der inszenatorisch bedingt war. In den frühen Filmen von Filmpionier Georges Méliès trat ein Teufel auf oder man reiste zum Mond, DIE NIBELUNGEN (1924) von Fritz Lang mischte Legenden und Geschichte, eine fremde Welt wurde von KING KONG (1933) bewohnt. eine erste Fantasywelt betrat dann 1939 Dorothy in DER ZAUBERER VON OZ.

 

 

Dorothy, die Fantasywelt Oz und ihre Bewohner in THE WIZARD OF OZ (1939)

 

 

Phantastisches fand man oft in der Geschichte, wie in DER DIEB VON BAGDAD aus dem Jahr 1941. Das war bereits teuer zu produzieren in Ausstattung und Setting. Die meisten Vorläufer des Fantasyfilms hatten literarische Ursprünge, sie alle waren Mischformen verschiedener Fantasysubgenre der Literatur, Geschichte trifft auf Legenden und Mythen, Märchenmotive und Phantastereien fand man darin, aber keine Gesetzmäßigkeiten. Alles, was nicht direkt mit menschlichen Figuren zu tun hatte, in Landschaften, an denen man ob der schwierigeren Wetterbedingungen nicht drehen konnte, blieb dem Film aus Kostengründen verwehrt. Drachen, Riesen oder Märchenwälder konnten selten so umgesetzt werden wie in Fantasyromanen.

 

Riesenspinnen vor Kankra in DER DIEB VON BAGDAD (1941)

Mehr High Fantasy als russisches Volksmärchen – ILJA MUROMEZ (1956)

 

Hinzu kam, dass das Interesse an Fantasystoffen im Kino seinerzeit eher gering war. Wie in der Literatur beherrschte die Science-Fiction die 50er und 60er Jahre. Es gibt wenige Filme in jenen Jahrzehnten, die man als echte Fantasy bezeichnen konnte, egal in welcher Subausprägung. Dann erschien 1954/55 Tolkiens “The Lord of the Rings” und wurde binnen weniger Jahre ein globales Phänomen. Doch das, worüber Tolkien in aller Ausführlichkeit schrieb, war undenkbar im Film reproduzierbar. Allein die epische Länge, eine Vielzahl von Figuren, die endlose Reise würde jeglichen Rahmen sprengen, Fortsetzungen oder Trilogien gab es seinerzeit einfach nicht. Die realistische Ausarbeitung von Tolkiens Welt und derer Bewohner war tricktechnisch schlicht unmöglich.

 

Dessen war sich auch Tolkien bewusst und deshalb vergab er die Filmrechte an seinen Romanen und Geschichten seinerzeit für wenig Geld, wohlwissend, jede Produktionsfirma würde sich die Zähne daran ausbeißen. Auch wollte er verhindern, dass sie sich der Konzern Disney krallte, denn deren Filme mochte Tolkien nicht unbedingt. Als man das globale Ausmaß des Erfolgs von “The Lord of the Rings” begriff, saß man möglicherweise auf einem Schatz, den man nicht einlösen konnte. So waren die ersten Adaptionen aus Tolkiens Werken zaghafte Zeichentrickfilme in starker Komprimierung.

 

 

Gandalf, Bilbo Beutlin, Gollum und Drache Slag in THE HOBBIT (1966)

 

 

“Der Hobbit”, die leichtfüßigere Vorgeschichte zu “The Lord of the Rings” wurde 1966 mit gravierenden Änderungen von Produzent William L. Snyder als 12-minütiger, nichtanimierter Zeichentrickfilm adaptiert. Übrig blieben nur Bilbo, Gandalf, Thorin, Gollum und eine im Buch nicht vorkommende Prinzessin, welche den Arkenstein aus den Klauen eines Drachen namens Slag anstelle Smaug befreiten. THE HOBBIT von 1966 wurde in dieser kurzen Form wohl auch gedreht, um vertraglich an die Rechte zu “The Lord of the Rings” zu kommen. Binnen weniger Jahre brach der Tolkien Hype aus und die Filmrechte wurden zum Teil unbezahlbar.

 

THE HOBBIT (1977)

THE RETURN OF THE KING (1980)

 

William L. Snyder beschloss, die Filmrechte später für teuer Geld weiterzuverkaufen, so landete “The Hobbit” bei Arthur Ranking jr. und Jules Bass, welche 1977 die erste Langfilmadaption in die Kinos brachten. Trotz einiger Straffungen hielt sich der Film recht nah an Tolkiens Buch und war gar nicht so unerfolgreich. Kurioserweise realisierten Arthur Ranking jr. und Jules Bass nicht Tolkiens Hauptwerk “The Lord of the Rings”, diese Rechte kaufte Produzent Saul Zaentz dem Studio United Artist ab, dennoch erschien 1980 von Ranking & Bass eine freie Interpretation von THE RETURN OF THE KING, welche THE HOBBIT von 1977 größtenteils fortsetzte.

 

 

THE LORD OF THE RINGS (1978) von Ralph Bakshi

 

 

An Tolkiens Hauptwerk versuchten sich derweil Produzent Saul Zaentz (EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST) und Regisseur Ralph Bakshi, welcher mit FRITZ, THE CAT (1972) und WIZARDS (1977) bereits zwei bemerkenswerte Animationsfilme realisiert hatte. Der Aufwand um THE LORD OF THE RINGS aus dem Jahr 1977 war schon beträchtlicher. Zwar fanden nur die Bände “The Fellowship of the Ring” und “The Two Towers” als Vorlagen in die 132minütige Filmfassung und vieles wurde vereinfacht und weggelassen, aber das Flair eines echten Fantasyfilms war mit Bakshis in Rotoskopietechnik realisierten Zeichentrickfilm durchaus zu spüren. Echte Schauspieler mimten Mensch wie Ork und wurden nachträglich umzeichnet. Einige Einstellungen inspirierten später auch Peter Jackson, zum Beispiel jene, in der sich die Hobbits vor den Ringgeistern unter einer Baumwurzel versteckten.

 

 

 

 

Leider scheiterte die Realisierung von THE RETURN OF THE KING unter Bakshi und übrig blieb 1980 nur die freie Version von Arthur Ranking jr. und Jules Bass. Damit schien auch das Kapitel “The Lord of the Rings” für´s Kino beendet. An eine Realverfilmung traute sich kein Studio. In Russland und Finnland erschienen noch die sehr freien Adaptionen von “The Hobbit” aus den Jahren 1985 und 1993, die allenfalls skurrilen Charakter hatten. Doch “The Lord of the Rings” als Kinoevent blieb ein phantastischer Traum.

 

Fantasy Light

 

Während “The Lord of the Rings” weltweit gelesen und geliebt wurde, das Kino schien dafür zu klein. Nicht aber das neue Genre Fantasy, welches in der Literatur entstand und genügend Vorlagen für weniger aufwändige Adaptionen bot. Durch die Evolution von Filmtricktechnik kam es in den 1980er Jahren zu einigen sehenswerten High Fantasy Filmen, in denen auch Motive aus “The Lord of the Rings” auftauchten. Doch Tolkiens Werk beeinflusste auch eine Filmsaga, die man nicht sofort als High Fantasy verstand.

 

 

Riesenspinnen nach Kankra in KRULL (1983)

 

 

In gewisser Weise erschien 1977 doch eine Adaption von “The Lord of the Rings”George Lucas’ STAR WARS trat einen ähnlichen globalen Siegeszug an und wurde zur Popkultur. Es gibt verblüffend viele Parallelen zu Tolkiens Werk, die aber auch wieder auf archetypischen Vorbildern basierten, dass diese Motive auch in anderen Welten funktionierten. STAR WARS war die Geschichte einer Gemeinschaft von anfänglich unbedeutenden Helden, ihre Quest war es, die Galaxis von der Herrschaft des Imperiums zu befreien. Vom Ring der Macht blieb die Macht, statt vor Sauron fürchtete sich ein jeder vor Darth Vader, ein alter, bärtiger Mann namens Obi Wan Kenobi war ein Pendant zum Mentoren Gandalf, und sah Yoda nicht irgendwie aus wie der knubbelige Gollum?.

 

DER DUNKLE KRISTALL (1982) von Jim Henson

LEGENDE (1985) von Ridley Scott

 

Auch wenn es anfänglich nicht so geplant war, aber Lucas realisierte STAR WARS als Trilogie, statt der RÜCKKEHR DES KÖNIGS gab es eine RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER, als dies verdeutlicht den oft missverstandenen Fakt, dass es sich bei STAR WARS um Fantasy statt um Science-Fiction handelt. “The Lord of the Rings” hatte durchaus einen Einfluss auf das Blockbusterkino der späten 70er und 80er Jahre. In diesen wurden dann auch traditionellere Fantasyfilme gedreht, unter anderem wieder von George Lucas.

 

 

WILLOW (1988) von Ron Howard

 

 

Man darf es aber nicht als Hochzeit der High Fantasy Verfilmungen betrachten, trotz des Erfolges von STAR WARS und einigen High Fantasy Filmen der 80er Jahre blieb Fantasy im Film eine Nische. Arthur Ranking jr. und Jules Bass (THE HOBBIT) legten 1982 mit DAS LETZTE EINHORN nach, der im Stil dem HOBBIT sehr ähnelte. 1982 erschien auch das Puppenanimationsspektakel DER DUNKLE KRISTALL, welcher immens von Tolkiens Welt inspiriert war.

 

Mit KRULL (1983) von Peter Yates, LEGENDE (1985) von Ridley Scott und WILLOW (1988) von Ron Howard nach einer Geschichte von George Lucas war im Bereich High Fantasy auch schon fast alles machbare erzählt. Günstiger waren Low Fantasy Werke, angestachelt durch den Erfolg von CONAN, DER BARBAR aus dem Jahr 1983 und einer Welle an Sword & Sorcery Filmen, in denen phantastische Elemente eher in der Unterzahlt waren. Barbaren und Amazonen ja, aber keine Drachen oder Orkse.

 

Alles aber änderte sich Anfang der 90er Jahre, als echte Magie auch im Film Einzug hielt – CGI. Mit Hilfe von Computer Generated Images schien es möglich, das auf die Leinwand zu zaubern, was Tolkiens Welt ausmachte – die Landschaften, die Wesen, die Magie. Technisch schien ein epischer High Fantasy Film nun möglich. Was es nun noch bedurfte, war ein risikofreudiges Filmstudio und ein Regisseur, welcher die Tolkiensche Magie des Geschichtenerzählens auch wirklich verstand.

 

Eine Monumentalverfilmung, sie alle zu binden

 

Der neuseeländische Regisseur Peter Jackson galt durch seine furiosen Frühwerke BAD TASTE und BRAINDEAD als Insidertipp unter Horrorfilmfans. Mit HEAVENLY CREATURES aus dem Jahr 1994 zeigte Jackson aber auch ein Händchen für feinfühliges Storytelling, das Drehbuch wurde für den OSCAR nominiert. Gleichzeitig war Jackson seit Kindesbeinen Fan von Tolkiens Werken und durch die Revolution im Effektbereich schien für ihn Anfang der 90er Jahre eine Adaption von “The Lord of the Rings” durchaus möglich. Mit seiner Frau Fran Walsh konzipierte Jackson aus der Trilogie Drehbücher für zwei Filme und ging Mitte der 90er auf Studiosuche.

 

 

Aus Menschen (Viggo Mortensen, Dominic Monaghan, John-Rhys Davis, Elijah Wood, Ian McKellen, Liv Tyler, Sean Bean, Orlando Bloom, Sean Astin, Billy Boyd plus Oberhobbit Peter Jackson) werden…

 

 

Das erste Studio MIRAMAX ließ sich auf einen Deal mit Peter Jackson ein, doch bekam bereits in der Vorproduktion kalte Füße ob des gewaltigen finanziellen Risikos eines solchen Unterfangens. Nachdem es Jackson ablehnte, die Handlung in einem einzigen Film unterzubringen, schied MIRAMAX aus. Möglicherweise drohte ohnehin ein Rechtsstreit, denn Tolkien hatte eine Verwertung seines Werkes durch den Disneykonzern testamentarisch untersagt und MIRAMAX war ein Tochterunternehmen Disneys.

 

 

…die Bewohner von Mittelerde (Arago, Gandalf, Leogolas, Gimli, Boromir, Sam, Frofo, Pippin & Merry)

 

 

Nach einigem Hickhack um die Filmrechte war es das eher kleine Studio New Line Cinema, welches das Risiko auf sich nahm, “The Lord of the Rings” in drei Filmen zu produzieren. Die Produktion war seinerzeit dahingehend bemerkenswert, weil zuvor noch nie drei Filmteile am Stück gedreht wurden. Das hatte Vor- und Nachteile, bessere Logistik und günstigere Gagen, sollte aber der erste Teil floppen, war die gesamte Bemühung umsonst.

 

Trotz der Gigantomanie des Vorhabens herrschte am Set größtenteils familiäre Stimmung. Bis auf Christopher Lee besetzte Jackson die Rollen nicht mit großen Leinwandstars, mit einem jungen Viggo Mortensen, der den eigentlichen Aragon Darsteller Stuart Townsend ersetzte, ein Orlando Bloom kam gerade frisch von der Schauspielschule. Sean Connery, der das Drehbuch nicht verstand, wurde durch Ian McKellen ersetzt, Uma Thurman schied wegen frisch gebackenem Nachwuchs aus.

 

Im Nachhinein betrachtet erwiesen sich alle Umwege und Schwierigkeiten um eine Verfilmung von “The Lord of the Rings” als Glücksfälle. Mit Peter Jackson als absoluten Tolkienfan, der gleichzeitig ein begnadeter Geschichtenerzähler und unglaublich technikaffin war, hätte es seinerzeit keinen besseren Regisseur geben können. Es war vor allem der große Respekt vor der Vorlage, der schier unglaubliche Aufwand und die Liebe zum Detail. Das Auenland wurde Monate vor den Dreharbeiten errichtet, um ein natürlich bepflanztes Set bespielen zu können, es wurden hunderte Rüstungen und Waffen gefertigt, mit Neuseeland ein atemberaubender und zudem noch kostengünstiger Drehort gefunden. THE LORD OF THE RINGS musste einfach gelingen.

 

 

Gandalf im Auenland in THE LORD OF THE RINGS: THE FELLOWSHIP OF THE RING (2001) von Peter Jackson

 

 

New Line Cinema setzte mit der Verfilmung von “The Lord of the Rings” alles auf eine Karte und es wäre bei einem Flop das Aus für das gesamte Studio gewesen. Noch dazu startete einen Monat vor weltweitem Start im Dezember 2001 eine andere Verfilmung eines Fantasyromans – HARRY POTTER AND THE PHILOSOPHER’S STONE, und das mit gigantischem Erfolg. Doch der erste Teil der Trilogie, THE FELLOWSHIP OF THE RING, geriet ebenso zum Hit, spielte weltweit 870 Millionen US-Dollar ein und begeisterte Tolkien- und Fantasyfans weltweit, auch jene, die skeptisch waren und Kürzungen wie Änderungen als Sakrileg verteufelten.

 

 

CGI- und Performance Capture Revolution Gollum und Frodo in THE LORD OF THE RINGS: THE TWO TOWERS (2002) von Peter Jackson

 

 

Die Magie, welche Tolkiens Bücher während des großen Hypes entfachten, und das bis heute, in gewisser Weise schaffte das auch die Verfilmung von “The Lord of the Rings”. Möglicherweise fühlte man das erst im Dezember 2002, als THE TWO TOWERS in die Kinos kam und das Wiedersehen mit Frodo, Sam, Gandalf, Aragon, Legolas und Gimli das Herz aufblühen ließ. Die Weihnachtszeit zwischen 2001 und 2003 war HERR DER RINGE Zeit und als 2003 die Trilogie mit dem übergroßen DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS schloss, fühlte es sich auch traurig an, dass die Reise nun endete. Immerhin endete sie für alle Beteiligten mit einem Paukenschlag, als DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS 2004 mit stolzen 11 OSCARS geehrt wurde, darunter als Bester Film und Beste Regie.

 

 

Minas Tirith in THE LORD OF THE RINGS: THE RETURN OF THE RING (2003) von Peter Jackson

 

 

Mit den Extended Versionen, welche zwischen 2002 und 2004 im Vorfeld der Fortsetzungen erschienen, konnten noch mehr Tolkien Fans in die Tiefen seines Lebenswerkes eintauchen. Für manche war es sicherlich zu viel. Aber genau wie mit den Büchern brach auch mit den Verfilmungen ein neuer HERR DER RINGE Hype aus. Mit der LORD OF THE RINGS Trilogie begann ein neues Filmzeitalter, das Zeitalter der Franchise und Mehrteiler abseits von normalen Fortsetzungen. Dass neben THE LORD OF THE RINGS auch noch die HARRY POTTER Verfilmungen reine Goldgruben waren, begründete ab den frühen 2000er Jahren auch einen neuen Boom an Fantasyfilmen, die vorher im Kino eine Nische waren.

 

Von Narnia bis Azeroth

 

Da man früher kaum literarische Fantasyromane verfilmen konnte, hatte man nun einem riesigen Goldschatz an Stoffvorlagen vor sich, die ähnliche Magie versprachen. Walt Disney Pictures und Walden produzierten 2005 den Film DIE CHRONIKEN VON NARNIA: DER KÖNIG VON NARNIA, basierend auf den Büchern von C. S. Lewis, der in gewisser Weise ein Mitstreiter Tolkiens gewesen ist und dessen Romane um die von sprechenden Tierwesen bevölkerte Welt Narnia von Fantasyfreunden ebenfalls heiß geliebt wurden.

 

 

THE CHRONICLES OF NARNIA – THE LION, THE WITCH AND THE WARDROBE (2005) von Andrew Adamson

 

 

Tolkien und Lewis waren nicht nur befreundet, sie beeinflussten und inspirierten sich gegenseitig. Lewis Werk um die Parallelwelt Narnia war nur zum Teil echte High Fantasy, er mischte auch zeitgenössische Elemente in die Geschichte. DER KÖNIG VON NARNIA war zudem nicht die erste Verfilmung des Stoffes, zuvor gab es bereits eine Fernsehserie sowie einen Zeichentrickfilm, denen in den Jahren 1988 bis 1990 eine dreiteilige Miniserie des britischen Senders BBC folgte.

 

 

THE LION, THE WITCH AND THE WARDROBE als 10-teilige Fernsehserie (1967) und als Zeichentrickfilm (1979), die BBC-Verfilmung als Dreiteiler (1988 – 1990) sowie die Kinofilmreihe

 

 

Auch DER KÖNIG VON NARNIA war an der Kinokasse ein großer Erfolg und spielte 745 Millionen US-Dollar ein. In den Jahren 2008 und 2010 folgten die Fortsetzungen PRINZ KASPIAN VON NARNIA und DIE REISE AUF DER MORGENRÖTE, die zwar nicht halb so viel wie der Erstling einspielten, aber immer noch sehr profitable Fantasyfilme waren. Insgesamt erwirtschaftete die Filmreihe 1,5 Milliarden US-Dollar, die LORD OF THE RINGS Trilogie hingegen spielte 2,92 Milliarden US-Dollar ein.

 

 

THE CHRONICLES OF NARNIA – THE LION, THE WITCH AND THE WARDROBE (2005), PRINCE CASPIAN (2008) & THE VOYAGE OF THE DAWN TREADER (2010)

 

 

Doch nicht alle Fantasyfilme in jener goldenen Zeit waren erfolgreich. Ein Schicksal, was auch TLOTR hätte ereilen können, wiederfuhr dem Film DER GOLDENE KOMPASS aus dem Jahr 2007 nach der Romantrilogie “His Dark Materials” von Phillip Pullman. Die 180 Million Dollar Produktion spielte in den Staaten gerade mal 70 Millionen US-Dollar ein, international immerhin über 300 Millionen, doch zu wenig, um die Trilogie fortzusetzen. Was schade ist, denn DER GOLDENE KOMPASS ist ein seltener Fantasyfilm, welcher auch über Sci-Fi Elemente und Steampunk Anleihen verfügt und eine ebenso epische Fantasygeschichte erzählt.

 

THE GOLDEN COMPASS (2007) von Chris Weitz

WARCRAFT (2014) von Duncan Jones

 

Aber Tolkiens Werk hatte auch großen Einfluss auf das Medium Computer- oder Videospiel, die ersten Pen & Paper Rollenspiele erschienen Ende der 70er Jahre und liehen sich diverse Motive aus Tolkiens Welten. Im Gamesbereich war Fantasy viel weiter und selbstverständlicher verbreitet als im Film seinerzeit. 2001, im Jahr der GEFÄHRTEN, kam auch die Verfilmung des Spieleklassikers DUNGEONS & DRAGONS in die Kinos, der von den Fans förmlich zerrissen wurde. Viel besser machte das WARCRAFT (2016) von Duncan Jones, doch auch diese High Fantasy Produktion floppte in den Staaten, was die Pläne für Fortsetzungen zunichte machte.

 

 

High Fantasy nach THE LORD OF THE RINGS: DUNEGONS & DRAGONS (2001), WARCRAFT (2014), THE GOLDEN COMPASS (2007), JACK, THE GIANT SLAYER (2013), STARDUST (2007) & THE HUNTSMAN & THE ICE QUEEN (2016)

 

 

Die exorbitanten Einspielergebnisse der THE LORD OF THE RINGS und NARNIA Filme war also keine Selbstverständlichkeit. Nachdem der Fantasyfilm Ende der 2000er langsam von den neuen Superheldenfranchises abgelöst wurde, wollte man es noch einmal mit Tolkien und auch Peter Jackson versuchen, immerhin gab es da noch die Vorgeschichte zu “The Lord of the Rings”.

 

 

“In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit.”

 

Für die Verfilmung von Tolkiens “Der Hobbit” wurde anfangs Regisseur Guillermo Del Toro verpflichtet, doch nach Rechtsstreitereien und langwierigen Verschiebung schied Del Toro aus und Peter Jackson übernahm wieder den Regieposten. THE HOBBIT sollte nach dem Konzept der LORD OF THE RINGS Trilogie produziert werden, was Licht- und Schattenseiten hatte. Noch immer war Jackson ein Filmmagier und der Aufwand stand der Verfilmung der “Lord of the Rings” Trilogie in nichts nach. Die Vorlage “The Hobbit” allerdings war ein wesentlich schlichteres Werk und eigentlich kaum geeignet für einen abermals überbordenden Dreiteiler.

 

 

Martin Freeman als Bilbo Beutlin in THE HOBBIT – AN UNEXPECTET JOURNEY (2012) von Peter Jackson

 

 

Obgleich “The Hobbit” vor “The Lord of the Rings” erschien, erzählte er die Vorgeschichte des Epos um eine Gruppe von Zwergen, welche in ihre angestammte Festung zurückkehren wollten, die ihnen von einem Drachen namens Smaug genommen wurde. Der Zauberer Gandalf bat einst den Hobbit Bilbo Beutlin, mit auf eine unerwartete Reise zu gehen. Auf dieser Quest begegnet Bilbo zum ersten Mal einer Kreatur namens Gollum, welcher den einen Ring besitzt. Durch eine Wette trotzt er dem tragischen Wesen seinen Schatz ab und wird selbst zum Ringträger, viele Jahre vor seinem Neffen Frodo Beutlin.

 

Wenn auch THE HOBBIT mehr Kritik entfesselte als die LORD OF THE RINGS Trilogie, es steckt eine Menge Tolkiensche Magie in jedem der drei Filme EINE UNERWARTETE REISE, SMAUGS EINÖDE und DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE. Die HOBBIT Trilogie startete wie gewohnt im Dezember zwischen 2012 und 2014 und spielte wie die LORD OF THE RINGS Trilogie knapp 3 Milliarden US-Dollar weltweit ein, allerdings zu weit höheren Produktionskosten von insgesamt knapp 560 Million US-Dollar.

 

Der Grund, warum die HOBBIT Trilogie nicht ganz so euphorisch aufgenommen wurde wie THE LORD OF THE RINGS, lag einerseits an der übergroßen Aufblähung der doch eher schlichten Kindergeschichte. Natürlich wurde THE HOBBIT um Teile anderer Tolkien Schriften erweitert und für jeden Fantasyfan war die Expansion ihres Lieblingskosmos pures Fantasygold, aber dramaturgisch war THE HOBBIT ein Stück weit holpriger. Auch schien es Peter Jackson mit CGI ein wenig zu übertreiben.

 

 

Viel Licht und ein wenig Schatten in der HOBBIT Trilogie: die Zwerge in THE HOBBIT: AN UNEXPECTET JOURNEY, Smaug in THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG (2013) und nicht ganz so beeindruckende neue Orkkreaturen, unter anderem in THE HOBBIT: THE BATTLE OF THE FIVE ARMIES (2014)

 

 

Letzten Endes aber begeisterte auch die HOBBIT Trilogie Millionen von Menschen und neue Generationen von Fantasyfans weltweit, sie ist perfekt besetzt, ebenso bis ins kleinste Detail mit Liebe inszeniert und führt das jüngere Publikum mehr oder weniger behutsam auch wieder an die Original Trilogie heran, die Jahr für Jahr, insbesondere zur Weihnachtszeit, regelrecht verschlungen wird, als Filme und als Bücher.

 

Neverending Fantasy

 

Der Erfolg von Fantasyverfilmungen wie THE LORD OF THE RINGS war aber nur zum Teil auf die bildgewaltige Erschaffung von Fantasywelten durch neue Filmtechnik zurückzuführen. Komplexes Storytelling, Franchises und die Verfilmung ganzer Sagas war auch den neuen Sehgewohnheiten des Zuschauers zu verdanken. Wurde in den 70er Jahren bei THE LORD OF THE RINGS von Ralph Bakshi bezweifelt, kein Mensch gehe in einen Film, dessen Geschichte mittendrin beginnt, war die Rezeption des Publikums in den 2000ern eine ganz andere. Komplexes, episches Erzählen im Fantasybereich wurde nun sogar im Fernsehen realisiert.

 

 

GAME OF THRONES (2011 – 2019)

 

 

Die Serienverfilmung GAME OF THRONES nach George R. R. Martins Romanzyklus “A Song of Ice and Fire” allerdings war keine reinrassige High Fantasy wie “The Lord of the Rings”, hier gaben sich High und Low Fantasy Elemente die Klinge in die Hand. Während im Kino Fantasywelten von Superheldenmultiversen abgelöst wurde, schien das Fernsehen und das Pay-TV ein neuer heiliger Hort für Fantasystoffe zu werden. Bereits in den 90er, vor dem HERR DER RINGE Filmboom, wanderte Fantasy ins TV mit Serien wie PRINZESSIN FANTAGHIRO oder XENIA, doch die Budgets waren winzig und die visuelle Gestaltung eher bescheiden.

 

 

THE WITCHER (2019) auf Netflix

 

 

Doch mit dem Erfolg von GAME OF THRONES und neuer Produktionsstandards blühten nun auch TV-Fantasywelten auf. Nach der Serie THE WITCHER, basierend auf Büchern des polnischen Autors Andrzej Sapkowski , welche soeben auf Netflix angelaufen ist, stellt sich natürlich die Frage nach dem Erbe Tolkiens, dessen Werk Stoff für unzählige Filme oder Serien bereithält. Zur großen Freude aller Tolkien Fans verkündete Amazon, einen Deal mit den Tolkien Erben ausgehandelt und Filmrechte für 250 Millionen US-Dollar erworben zu haben. Die Zeit für eine Tolkien Serie schien überreif.

 

 

The Lord of the Rings 2021

Der bislang bestätigte Cast der neuen THE LORD OF THE RINGS Serie von Amazon: Markella Kavenagh (PICNIC AT HANGING ROCK), Joseph Mawle (GAME OF THRONES), Ema Horvath (LIKE.SHAR.FOLLOW) & Maxim Baldry (ROME), raus ist leider schon Will Poulter (MAZE RUNNER)

 

 

Noch aber dauert es bis 2021, bis die derzeit noch unbetitelte Serie an den Start geht. Als Regisseur der ersten Episoden wurde J. A. Bayona (MARROWBONE, JURASSIC WORLD 2) verpflichtet, ein paar Jungsschauspieler wurden bereits besetzt und ein der Serie zugrunde liegender Zeitraum wurde veröffentlicht. So soll die “Lord of the Rings” Serie im zweiten Zeitalter angesiedelt sein und möglicherweise den Aufstieg Saurons und die Erschaffung der Ringe thematisieren.

 

 

The Lord of the Rings 2021

Hinweis für Kenner: Die Insel Númenor wurde tausende Jahre vor den Ereignissen in der Peter Jackson Trilogie zerstört und markiert so den möglichen Zeitraum Ende des Zweiten Zeitalters.

 

 

Viel Stoff für Tolkien Fans also, der da allein durch den Amazon Deal die Herzen der Fantasyfans höher schlagen lässt. Es darf bezweifelt werden, dass nach dem exorbitanten Erfolg von Peter Jacksons LORD OF THE RINGS und HOBBIT Trilogie eine neue Serie nach den Werken von J. R. R. Tolkien gänzlich neue inszenatorische wie erzählerische Wege gehen wird. Im Kino und im TV sind Tolkien Adaptionen ohnehin verhältnismäßig jung und frisch, wenn man den Werdegang des Stoffes und die Versuche um seine Verfilmungen betrachtet. “The Lord of the Rings” und Tolkiens Welt bleiben weiterhin ein globales Phänomen und die Bücher und Geschichten erreichen immer wieder neue Generationen. Es sind Geschichten, die alt und jung begeistern und staunen lassen.

 

 

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In der Reihe DIE KLEINE GENREFIBEL habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sämtliche Genre, Subgenre, Mikro- und Nanogenre des Genrefilms vorzustellen. Eine Aufgabe, die mich bis weit nach mein Lebensende beschäftigen wird. Ich lege den Fokus auf Dramaturgie und Buch, werde mich aber auch mit der Inszenierung sowie den jeweils besten Vertretern befassen.

 

Lesen Sie in der nächsten Folge:

 

 

 

One Comment

  1. Antworten

    […] ein Fantasyschmaus vor dem Herrn, sie ist übergroß und episch wie seinerzeit STAR WARS oder THE LORD OF THE RINGS, dramatisch mindestens auf GAME OF THRONES Niveau, so wunderbar altmodisch und doch technisch […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de