Die kleine Genrefibel Teil 47: Marvelous

Die Kleine Genrefibel ist zurück, sie war im Urlaub und hat sich einen Seeigelstachel eingetreten. Aua! Doch Urlaub hatte sie dringend nötig. In bislang 46 Folgen hat sie sich nicht nur durch diverse Subgenres geackert, sondern auch über den Genretellerrand geblickt, auf thematische Komplexe, Filmnationen und Franchisen. Denn die Welt des bewegten Bildes ist riesig und expandiert unentwegt. Am Anfang gab es lediglich Filme, dann folgten Fortsetzungen, Trilogien, Quadrologien und sogar Sagas. Im weltweiten Milliardengeschäft um Einspielergebnisse und Markenrechte aber bedurfte es einer weiteren Steigerung an Komplexität und Zuschauerbindung – das Filmuniversum.

 

marvelgif3Was unterscheidet aber ein Filmuniversum von einem Mehrteiler oder einer Saga? Die Antwort darauf fällt nicht leicht, denn gegenwärtig existieren nur wenige dieser Kolosse, meines Erachtens nach sind es drei an der Zahl. Der Prototyp eines Filmuniversums, um das es heute hier gehen soll, ist das sogenannte MCU, das MARVEL CINEMATIC UNIVERSE, welches seit 2008 existiert und sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich überaus erfolgreich funktioniert.

 

Neben dem MCU baut sich derzeit ein zweites Filmuniversum auf, das DC Extended Universe, welches Figuren, Handlungselemente und Schauplätze des DC Comic Universums filmisch miteinander verbindet. Und es gibt einen dritten Platzhirsch, Disney und Lucasfilm, welche die seit 1977 existierende STAR WARS Saga zu einem Filmuniversum ausbauen. Hier und heute geht es aber um MARVEL Verfilmungen, von denen das MCU trotz seiner Großspurigkeit nur ein Teil ist.

 

 

Das MARVEL-Imperium

 

Wie kommt man von MARVEL zum MCU? Zunächst war da der Verlag MARVEL COMICS, auch bekannt als MARVEL ENTERPRISE bzw. MARVEL PUBLISHING INC., gegründet 1939 von Martin Goodman. Neben DC COMICS gilt MARVEL COMICS als weltweit größter Verlag für Comics und Graphic Novels. Für die mediale Auswertung von MARVEL COMICS wurde 1998 MARVEL ENTERTAINMENT gegründet, ein Unternehmen, welches heute zum Disneykonzern gehört und mit MARVEL TELEVISION, MARVEL GAMES, MARVEL ANIMATION und MARVEL TOYS Tochterfirmen unter sich vereint.

 

Eine weitere Tochtergesellschaft von MARVEL ENTERTAINMENT sind die MARVEL STUDIOS, ursprünglich MARVEL FILMS, ein Filmproduktionsunternehmen, welches bereits 1993 gegründet wurde. Die MARVEL STUDIOS produzieren selbst Filme, seit 2008 sind diese Produktionen inhaltlich aufeinander abgestimmt und stellen somit das MARVEL CINEMATIC UNIVERSE dar.

 

 

 

 

Bevor die MARVEL STUDIOS selbst Filme über die bekannten Comichelden des MARVEL Verlages produzierten, hatte MARVEL COMICS Filmrechte an andere Studios verkauft und erhielt dafür Lizenzeinnahmen. Doch sowohl wirtschaftlich als auch vom kreativen Standpunkt aus war MARVEL unzufrieden mit diesem Geschäftsmodell. Bis in die späten 80er waren Comicverfilmungen schwierig zu realisieren, zu groß war der finanzielle Aufwand durch Special Effects, um die Comicwunderwelten adäquat in Szene zu setzen. Im Gegensatz zu DC Comic Verfilmungen, die bereits ab den späten 70ern technisch aufwändig und kommerziell erfolgreich waren (SUPERMAN, 1978, BATMAN, 1989), galten MARVEL Verfilmungen als billig, trashig und wenig umsatzstark.

 

 

HOWARD, THE DUCK (1986)

Zudem hatte der Verlag keinerlei kreative Kontrolle und musste zähneknirschend dabei zuschauen, wie Captain America oder die Fantastic Four mehr schlecht als recht auf der Leinwand oder dem Bildschirm herumdümpelten. Doch dann änderten sich die Zeichen der Zeit, Comics wurden längst auch von Erwachsenen konsumiert, die Stoffe wurden vielschichtiger und durch die technische Revolution im Film wurden Comicverfilmungen ab Ende der achtziger Jahre auch an der Kinokasse Dauerbrenner.

 

 

Als dann X-MEN und SPIDERMAN große Box Office Erfolge feierten, verdiente MARVEL daran nur einen Bruchteil. So beschloss das Unternehmen, unabhängig von anderen Studios Filme aus dem Repertoire des Comicriesen zu produzieren. Keine so leichte Aufgabe, denn die Rechte an einzelnen Figuren waren weit verstreut in der Filmindustrie und mussten erstmal zurückgekauft werden. Ein Grund war nämlich auch, dass es durch die unterschiedliche Rechtevergabe unmöglich war, Comicreihen wie die Avengers umzusetzen, weil die Rechte für die Einzelfiguren bei verschiedenen Studios lagen.

 

Stan Lee, Schköpfer der bekanntesten MARVEL-Comicfiguren

Als dann diese Rechte nach und nach wieder bei MARVEL landeten, wurde 2005 der Plan für ein einheitliches Filmuniversum entworfen. Künftig sollten Einzelabenteuer der Comiclegenden Iron Man, Captain America, Hulk oder Thor in das Comicensemble Avengers münden, kleinere und unbekanntere Figuren wurden in dieses erzählerische Universum integriert und auf das Gesamtbild abgestimmt. Ziel dieser Unternehmung waren keine bloßen Fortsetzungsgeschichten oder eine Saga, es war nicht einmal auf das Medium Film begrenzt.

 

 

Auch Kurzfilme, Fernsehserien, neue Comicreihen, Bücher und Videospiele wurden durch Figuren, Handlungselemente und Schauplätze miteinander verknüpft und das wiederum auch mit den Kinoablegern. Das klingt in erster Linie ungeheuerlich komplex und verwirrend, doch Seh- und Konsumverhalten des Publikums hatten sich in den letzten Jahren stark verändert, was dieses gigantische Unternehmen funktionieren ließ. Nicht zuletzt durch kreative Kontrolle und Beachtung der Funktion einzelner Elemente. So kann man durchaus auch nur einen Film innerhalb des MCU genießen, ohne Angst zu haben, sich im komplexen Geflecht des Universums zu verheddern.

 

Ein Universum in Phasen

 

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Das MCU verlief bislang in drei Phasen. Phase 1 beinhaltet Einzelfilme über die Herkunftsgeschichte der Comichelden IRON MAN (2008), CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER (2011) und THOR (2011), sogenannte Origins. Zudem erschien das Einzelabenteuer THE INCREDIBLE HULK (2008) und die Fortsetzung IRON MAN 2 (2010). All diese Einzelfilme mündeten dann im Jahr 2012 in das Ensemblespektakel THE AVENGERS.

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Phase 2 des MCU begann 2013 mit IRON MAN 3, auch wurden die Origins von Thor und Captain America mit THOR – THE DARK WORLD (2013) und THE RETURN OF THE FIRST AVENGER (2014) fortgeführt. Mit THE GUARDIANS OF THE GALAXY und ANT-MAN erschienen 2014 beziehungsweise 2015 Filme nach weniger bekannten Comicvorlagen, doch auch diese Phase schloss 2015 mit AVENGERS – AGE OF ULTRON in einem Ensemblefilm.

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Mit THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR startete 2016 die dritte Phase des MCU, der gut und gern auch ein AVENGERS 3 hätte sein können. Es folgten DOCTOR STRANGE, Fortsetzungen von GUARDIANS OF THE GALAXY, THOR und ANT-MAN sowie ein neues SPIDER-MAN Abenteuer und THOR RAGNAROK 2017. Mit BLACK PANTHER und CAPTAIN MARVEL halten neue Figuren Einzug ins Universum und abermals sollen zwei AVENGERS-Filme die dritte Phase komplettieren.

 

Ein Ende des MCU ist nicht in Sicht, wenn auch die Planung derzeit noch nicht über Phase 3 hinausgeht. Aber der immense Erfolg an der Kinokasse und allen crossmedialen Ablegern wird das MCU weiter wachsen lassen. Doch funktioniert das auch inhaltlich? Bevor wir uns dieser Frage stellen, schauen wir uns die einzelnen Comicakteure und ihre Evolution bis ins MCU etwas genauer an. Denn Verfilmungen von MARVEL-Helden gab es bereits vor dem Cinematic Universe, einige können aus Rechtegründen noch nicht integriert werden, andere wiederum haben zwar Wurzeln in MARVEL Comics, werden als solche aber nicht sofort erkannt.

 

 

Legenden

 

Der Dienstälteste Held der MARVEL-Schmiede ist Captain America bzw. Steve Rogers, der bereits vor der Gründung von MARVEL COMICS im Timely Publications Verlag erschien. Er debütierte 1941 in THE CAPTAIN AMERICA COMIC #1. Seinen ersten Kinoauftritt hatte der Comicheld 1944 in einem 15-teiligen Serial, wenn auch Captain America so gut wie nichts mit dem Comic zu tun hatte.

 

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Captain America, ein junger Soldat, nahm für die Regierung an einem Spezialprogramm teil, worauf ihm eine Art Superserum gespritzt wurde, durch welches er zu seinen Superkräften gelangte. In den Comics kehrte er in den 60er Jahren zu den Avengers zurück, ins TV 1966 als Fernsehserie. Es folgte ein weiterer Fernsehfilm 1979 sowie eine Direct-to-Video-Produktion 1990.

 

 

CAPTAIN AMERICA (1944) mit Dick Purcell als Captain America

Die ersten Filmerfahrungen des Supersoldaten mit seinem unzerstörbaren Schild waren teils grottenschlecht und trashig. Im 1944er Serial kämpfte er zudem gar nicht gegen seine Erzfeinde, die Nazis, sondern gegen wahnsinnige Wissenschaftler. Als Kunstfigur war Captain America ein amerikanisches Heldensymbol, die Comichefte spiegelten politische Themen wie der Zweite Weltkrieg, Antikommunismus während der McCarthy-Ära, der Vietnamkrieg oder die Watergate-Affäre.

 

Diese gesellschaftspolitische Dimensionen erreichten die frühen Filmversionen Captain Americas nicht einmal im Ansatz. Bis der patriotische Held seinen Einzug ins MCU fand.

 

 

 

CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER war neben IRON MAN das erste Projekt des zusammenhängenden Cinematic Universe und kam 2011 in die Kinos. Captain America bzw. Steve Rogers wurde von Chris Evans gespielt, der bereits 2005 als MARVEL-Comicheld Human Torch in FANTASTIC FOUR eine Hauptrolle bekleidete. Der Film CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER hält sich relativ eng an die Comicvorlage, wenn auch die Geschichte ein Filtrat aus vielen Comicjahrgängen darstellt.

 

 

IRON MAN (2008, Robert Downey Jr.) & CAPTAIN AMERICA (2011, Chris Evans)

 

Mit 370 Millionen Dollar Einspielergebnis ist der Film zwar nicht so erfolgreich wie IRON MAN (585 Mio. Dollar), trotzdem stellt die Verfilmung von Regisseur Joe Johnston (ROCKETEER, JUMANJI) ein erfolgreiches Fundamten des MCU dar. 2014 kehrte der erste Avenger mit CAPTAIN AMERICA: WINTER SOLDIER auf die Kinoleinwand zurück und übertraf nicht nur die kommerziellen Erwartungen (710 Mio. Dollar weltweit), auch bekam die Fortsetzung beinahe frenetische Kritiken, während beispielsweise IRON MAN 3 verrissen wurde. Mit CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR erschien im April 2016 der dritte Film der Reihe, der nicht nur die Avengers integrierte, sondern auch den letzten Filmhelden der zweiten MCU-Phase ANT-MAN sowie endlich den zu MARVEL zurückgekehrten SPIDER-MAN. Weltweites Einspielergebnis: 1,15 Mrd. Dollar.

 

 

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Neben Captain America ist Iron Man wohl das bekannteste Aushängeschild von MARVEL, obwohl die Figur erst 1963 ihren ersten Comicauftritt hatte. Iron Man ist das Alter Ego des Multimilliardärs Tony Stark, der die Firma seines Vaters STARK INDUSTRIES fortführt und als Held in Rüstung global auf Verbrecherjagd geht.

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Filmisch allerdings spielte IRON MAN bis zu seinem Debüt innerhalb des MCU kaum eine Rolle, abgesehen von einigen Animationsfernsehserien. Der Erfolg von IRON MAN ist sehr stark auf das charismatische Schauspiel von Robert Downey Jr. zurückzuführen, dem die Darstellung des exzentrischen Tony Stark bravourös gelang.

 

IRON MAN aus dem Jahr 2008 ist der erste Film des MCU und sogleich ein Riesenerfolg an der Kinokasse. IRON MAN 2 und 3 konnte diesen Erfolg sogar noch steigern, letzterer durchbrach sogar die magische Milliardenmarke.

 

Innerhalb des MCU ist Iron Man wohl die prominenteste Figur, die Firma STARK INDUSTRIES ist mit anderen Filmen verwebt (THE INCREDIBLE HULK), Iron Man ist Führungsfigur sowohl bei den AVENGERS als auch in CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR. Letzterer könnte auch gut IRON MAN 4 darstellen, woran man sieht, wie gut die Verzahnung des MCU funktionieren kann. Ob noch ein echter vierter Teil als Soloabenteuer erscheinen wird, ist unsicher, wohl aber im Bereich des Möglichen, Robert Downey Jr. jedenfalls hat großes Interesse. Doch das wird laut Planung wohl nicht vor Phase 4 des MCU passieren.

 

 

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Eine etwas anderer Figur aus dem Hause MARVEL stellt Hulk dar, denn er ist mehr Naturgewalt als Heldencharakter. Er wurde 1962 von den legendären Comiczeichnern Stan Lee und Jack Kirby veröffentlicht, die auch fast alle anderen MARVEL-Figuren wie Iron Man, Thor, Spider-Man oder Daredevil erschufen. Hinter dem grünen Klotz Hulk verbirgt sich der Atomphysiker Dr. Bruce Banner, der bei einem Unfall großer Gammastrahlung ausgesetzt war. Nun verwandelt sich Banner, wenn er in Wut gerät, zum unaufhaltsamen Hulk, der alles niederwalzt, was ihm in die Quere kommt. Damit ist er weniger Superheld im klassischen Sinne, sondern eher eine Variante von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Im Gegensatz zu Iron Man hatte der Hulk bereits frühzeitig Auftritte in Spielfilmen.

 

Bill Bixby als Bruce Banner und Lou Ferrigno als Hulk in DER UNGLAUBLICHE HULK (1978 – 1982)

Hulk debütierte 1966 in der Fernsehserie MARVEL SUPER HEROES, berühmt wurde er allerdings erst 1978 durch die Serie DER UNGLAUBLICHE HULK mit Bill Bixby als Bruce Banner und Lou Ferrigno als Hulk. Dem folgten fünf Fernsehfilm-Specials, bis Hulk 2003 seinen ersten Kinoauftritt hatte – HULK von Ang Lee. Trotz wirklich guter Darsteller (Eric Bana, Jennifer Conelly, Nick Nolte), einem ernsten Ansatz und sehenswerten Effekten war die erste Hulk-Verfilmung nicht sonderlich erfolgreich. Rechteinhaber UNIVERSAL PICTURES verzichtete auf eine Fortsetzung, so dass die Rechte an Hulk 2005 wieder zurück an die MARVEL STUDIOS gingen.

 

 

MARVEL nahm den Hulk von Anfang an in das MCU auf und verordnete der Figur einen Reboot im Kino, sowohl inhaltlich als auch von Seiten der Besetzung wurde nicht weiter auf Lee’s Hulk-Verfilmung eingegangen. Der neue Bruce Banner wurde Edward Norton, dessen Wahl kritisch beäugt wurde, der aber einen ganz manierlichen Bruce Banner abgab. Größeres Lob erhielt sein Gegenspieler Abnomination, gespielt von Tim Roth. Trotz des relativen Erfolges an der Kinokasse erhielt das MCU, welches auf Kontinuität bedacht war, gleich in Phase 1 einen ersten Dämpfer.

 

Eric Bana (HULK, 2003), Edward Norton (THE INCREDIBLE HULK, 2008), Mark Ruffalo (AVENGERS, 2012)

Edward Norton stand nach Streitigkeiten um seine Drehbuchbeteiligung künftig nicht mehr als Hulk zur Verfügung, die Rolle musste für THE AVENGERS umbesetzt werden. Der neue Hulk ist nun Mark Ruffalo, der wie Eric Banna einen physischen wie emotionalen Banner mimt. Innerhalb des MCU ist der Hulk zwar präsent, storybedingt aber schwierig zu integrieren, weil die Figur Hulk die Kräfte aller MARVEL-Superhelden in den Schatten stellt. So taucht der Hulk zwar in allen AVENGERS-Teilen auf, denn er gehört zum Team, wird aber inhaltlich häufig an der kurzen Leine gehalten.

 

 

 

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Captain America, Iron Man, Hulk – berühmt sind alle MARVEL-Helden der ersten Stunde. Aber einer ist vielleicht sogar noch etwas prominenter. Es ist die nette Spinne aus der Nachbarschaft. Spider-Man dürfte neben Batman der beliebteste Kindheitsheld weltweit sein. Grund dafür ist sein Charakter, der von anderen Superhelden dezent abweicht.

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Seinen ersten Comicauftritt hatte Spider-Man 1962 in Amazing Fantasy #15 und er wurde wie fast alle MARVEL-Helden von Stan Lee in Zusammenarbeit mit Steve Ditko erschaffen. Waren die Superhelden zuvor entweder Aliens, Wissenschaftler, Milliardäre oder Soldaten, wollte Stan Lee einen neuen Typus entwerfen, in zweierlei Hinsicht. Jugendliche Helden waren seinerzeit ausschließlich Sidekicks.

 

Zudem sollte Hauptfigur Peter Parker, der durch den Biss einer radioaktiv verseuchten Spinne zu Superkräften kam, ein normaler Teenager mit alltäglichen Problemen sein. High School, erste Freundin, Rangeleien mit Oberstuflern, Spider-Man wurde deshalb so erfolgreich, weil er aus den Herzen von Millionen Kindern und Jugendlichen sprach. Auch gab es seinerzeit keine Figuren, die über tierische Kräfte verfügten. So wurde Spider-Man bereits kurz nach seinem Comicdebüt zur Legende.

 

Seinen ersten Fersehauftritt hatte Spider-Man 1967 in einer Animationsserie unter Leitung von Ralph Bakshi (LORD OF THE RINGS, FIRE & ICE). Zwischen 1978 und 1979 kraxelte Nicholas Hammond als Spider-Man Hochhäuser hinauf und spielte sich so in die Herzen unzähliger Kids, die Serie kam als zusammengefügte Spielfilmversionen auch in deutsche Kinos.

 

Nicholas Hammond in THE AMAZING SPIDER-MAN (1978 – 1979)

Das Problem bei Spider-Man war, trotz seiner großen Beliebtheit, dass es in den sechziger und siebziger Jahren kaum technische Möglichkeiten für eine adäquate Umsetzung gab. Die Fernsehserie war vor allem billiger Trash, wenn auch liebenswert. Im Gegensatz zu Captain America konnte man die Comics nicht so leicht umsetzen, denn Spider-Man schwang sich für gewöhnlich von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer. So dauerte es bis in die späten Neunziger, als durch CGI der Traum vom fliegenden Spinnenmann Filmrealität werden konnte.

 

Lange Zeit sah es so aus, als wollte James Cameron Spider-Man auf die Leinwand bringen. Doch es war THE EVIL DEAD Regisseur Sam Raimi, der dieses Vorhaben 2002 mit Tobey Maguire als SPIDER-MAN umsetzte. Mit gigantischem Erfolg, die SPIDER-MAN Trilogie spielte, trotz einiger inhaltlicher Freiheiten, weltweit fast 2,5 Milliarden Dollar ein und begründeten den Wunsch MARVELS, selbst Filme zu produzieren. Während aber andere Studios ihre Rechte an MARVEL-Figuren zurückgaben, dachte SONY nicht im Traum daran, die lukrative Goldspinne zu veräußern.

 

Tobey Maguire (SPIDER-MAN, 2002), James Garfield (THE AMAZING SPIDER-MAN, 2012), Tom Holland (CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR, 2016)

Sam Raimi hatten bereits einen vierten Teil der Saga geplant, doch interne Streitigkeiten führten dazu, dass SONY PICTURES 2012 der Reihe einen Reboot verordnete. Peter Parker sollte wieder jünger werden und zur High School gehen und eine neue Comicflamme bekommen – die ebenso beliebte Gwen Stacy. Nach Tobey Maguire und Kirsten Dunst als Mary Jane schlüpften nun Andrew Garfield und Emma Stone in die Hauptrollen.

 

THE AMAZING SPIDER-MAN von Regisseur Marc Webb kam 2012 in die Kinos und wurde ebenfalls ein großer Erfolg. 2014 erschien dessen Fortsetzung THE AMAZING SPIDER-MAN 2: RISE OF ELECTRO, der jedoch finanziell auf hohem Niveau schwächelte. Glück für MARVEL, denn nun schien der Weg frei für den Einzug von SPIDER-MAN in das MCU.

 

Sein erster Auftritt in CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR war dann ein erneuter Reboot, ohne ein weiteres Mal die Origin des Spinnenmannes zu zeigen. Tom Holland spielt darin einen jungen, agilen SPIDER-MAN, der von Tony “Iron Man” Stark unterstützt wird und an seiner Seite für die Avengers kämpft – wie im Comic zuvor auch. Seinen ersten Soloauftritt innerhalb des MCU bekommt die Spinne 2017 mit SPIDER-MAN: HOMECOMING von COP CAR-Regisseur Jon Watts.

 

 

Gegen den Kodex

 

Wer ein riesiges Filmuniversum erschaffen will, muss in ganz anderen Dimensionen denken. Trotz der immensen Einspielergebnisse von Iron Man, Spider-Man und Co. gibt es Zielgruppen, die nicht durch grelle und poppige Superheldenabenteuer geködert werden. Das MARVEL-Comicuniversum aber ist breit gefächert und verfügt auch über Figuren, die stärker erwachsene Zuschauer ansprechen. Zu ihnen gehört sowohl DAREDEVIL, der noch am ehestens als Superheld durchgehen kann, als auch den Punisher, der definitiv nicht jugendfrei daherkommt.

 

Ben Affleck (DAREDEVIL, 2003) & Charlie Cox (MARVEL’S DAREDEVIL, 2015 – 2016)

Daredevil erblickte 1964 das Licht der Comicwelt, wurde aber erst 1979 durch die Interpretation von Comiclegende Frank Miller berühmt. Hinter dem maskierten Daredevil verbirgt sich der Anwalt Matt Murdock, der in seiner Kindheit durch einen radioaktiven Stoff erblindet ist und daraufhin übermenschliche Sinne entwickelte. Als Blinder mit Stock ist Murdock ein exzellenter, wenn auch erfolgloser Anwalt. In der Nacht jedoch geht er in den Straßen von Hell’s Kitchen auf Verbrecherjagd.

 

Daredevil hatte bereits 1981 einen Gastauftritt in der Zeichentrickserie SPIDER-MAN AND HIS AMAZING FRIENDS und spielte auch in DER UNHEIMLICHE HULK VOR GERICHT mit. 2003 verkörperte Ben Affleck Matt Murdock und Daredevil, jedoch wenig erfolgreich. Trotz der realistischeren Erzählweise hielt auch Daredevil 2015 Einzug ins MCU, allerdings nicht im Kino, sondern als Netflix Serie DAREDEVIL (2015).

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DAREDEVIL ist also im gleichen Universum angesiedelt wie IRON MAN oder CAPTAIN AMERICA. Thematisch wie inszenatorisch aber unterscheidet sich die Serie gewaltig von MARVELS Kinoablegern. Die Verflechtung im MCU ist zudem noch komplexer als die Verstrickungen der Avengers. In Staffel 2 von DAREDEVIL taucht der Punisher auf, der sogar seine eigene Serie bekommen soll.

 

Auch die MARVEL-Serie JESSICA JONES spielt in diesem Universum und ist sehr nah an DAREDEVIL angelehnt. Irgendwann werden die Figuren Daredevil, Jessica Jones wie auch Luke Cage und Iron Fist im Heldencrossover THE DEFENDERS aufeinandertreffen, sozusagen als TV-Avengers. Auch die Serien AGENTS OF S.H.I.E.L.D. und AGENT CARTER spielen im MCU und erweitern somit die AVENGERS- und CAPTAIN AMERICA-Filme.

Weitere Serien sind in Planung.

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Dass es der Punisher mal zu Fernsehehren schaffte, war vor dem MCU nicht abzusehen. Im Gegensatz zu allen anderen Superhelden der MARVEL-Schmiede ist der Punisher Frank Castle, ein Ex-Soldat, dessen Familie ermordet wurde und der nun auf Vergeltung sinnt, kein Held, sondern ein Rächer, der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Im Gegenteil. Der Punisher hatte seinen ersten Comicauftritt im Jahr 1974 und die Figur stammt ausnahmsweise mal nicht von Stan Lee, sondern wurde von Gerry Conway und John Romita Sr. erschaffen. Anfangs war der Punisher ein Feind von Spider-Man, bald jedoch mauserte er sich zu einer erfolgreichen Alternative für ein erwachsenes Comicpublikum.

 

Dolph Lundgren (THE PUNISHER, 1989), Thomas Jane (THE PUNISHER, 2004), Ray Stevenson (PUNISHER: WAR ZONE, 2008), Jon Bernthal (MARVEL’S DAREDEVIL, 2016)

Der Punisher hat es bislang zu drei Filmauftritten und einer Gastrolle in DAREDEVIL geschafft. Legendär ist THE PUNISHER mit Dolph Lundgren aus dem Jahr 1989, der jedem Videofanatiker in den neunziger Jahren ein Begriff war, trotz derbster Gewaltschnitte.

 

Dann verkörperte Thomas Jane den Bestrafer in THE PUNISHER 2004. Am wenigsten erfolgreich war dann 2008 PUNISHER: WAR ZONE, der sich jedoch als bislang beste Adaption herausstellte. Denn die Figur lebt von überzogener Härte und Gewalt, die Direct-to-DVD-Produktion begeistert vor allem durch Schauwerte jenseits des Jugendschutzgesetzes. Dessen bewusst war sich auch Netflix, die Frank Castle in der zweiten DAREDEVIL Staffel beinhart auftreten ließen, was so gut ankam, dass THE PUNISHER im November 2017 als eigenständige Serie startete.

 

Auch darf man in dieser Aufzählung BLADE nicht vergessen, der auch einem MARVEL-Comic entstammt und bereits 1974 auf Vampirjagd ging. Die BLADE-Verfilmungen haben eine treue Fangemeinde, auch gab es eine Fernsehserie, die jedoch, wie die Filme, nicht dem MCU angehören. Möglicherweise ändert sich das mit einem eventuellen vierten Teil von BLADE.

 

 

Außeneinsätze

 

Letztlich sind noch zwei Heldenteams aus dem Hause MARVEL übrig. Während der Konzern seine Lizenzschäfchen fast alle im Trockenen hat, hält die 20th Century Fox die Rechte an X-MEN noch immer fest in ihren Griffeln. Die X-MEN sind eine Gruppe von Mutanten mit außergewöhnlichen Kräften, die von der Welt argwöhnisch bis feindselig betrachtet werden und die ihren ersten Comicauftritt im Jahr 1963 hatten. Anfangs relativ erfolglos mauserte sich die Serie in den achtziger und neunziger Jahren zu einem Kultphänomen, die früh als Fernsehserie oder für Videospiele adaptiert wurde.

 

 

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Im Gegensatz zu den Fähigkeiten anderer Superhelden sind die Kräfte der X-MEN genetisch bedingt und angeboren. Die Comicreihe wurde somit zu einer Metapher für Andersartigkeit und sogar zu einem Symbol innerhalb der Schwulen-und-Lesbenbewegung. Der charismatische Professor X, der eine Schule für Hochbegabte leitet und Mutanten aus aller Welt rekrutiert, der besessene Magneto, der die Menschheit hasst und ihren Untergang herbeisehnt, Wolverine, Cyclops, Mystique, Jean Grey, Rogue, die Figuren aus X-MEN sind fantastisch ausgearbeitet. Ihren ersten Kinoauftritt hatten sie im Jahr 2000 mit X-MEN.

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X-MEN war ein kommerzieller Erfolg, noch vor SPIDER-MAN und er begründete die Welle an Comicverfilmungen der späteren Jahre. Die Filmreihe, obwohl rechtebedingt nicht Teil des MCU, hat mittlerweile ihr eigenes kleines Universum aus parallelen Welten erschaffen. Teil 1 bis 3 folgten die Spin Of’s X-MEN ORIGINS: WOLVERINE und THE WOLVERINE, ab 2011 erleben jüngere Reinkarnationen der Figuren Abenteuer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern und trafen bereits in X-MEN: DAYS OF THE FUTURE PAST mit ihren Kollegen der ersten Trilogie zusammen. Ganz so stimmig wie das MCU ist das X-MEN Universum nicht, es gibt kleinere und größere Logik- wie Kontinuitätsfehler, insgesamt steht die Reihe den MCU Streifen aber in nichts nach.

 

 

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Ob die Rechte ebenfalls wieder zu MARVEL wandern oder ob MARVEL und 20th Century Fox eine ähnliche Einigung zur Nutzung der Figuren erzielen wie einst SONY PICTURES mit SPIDER-MAN, wird man abwarten müssen. Wünschenswert wäre es natürlich, denn es gibt im Comic diverse Verknüpfungen zwischen den X-Men und den Avengers (Quicksilver, Scarlet Witch), die aus Rechtegründen nicht namentlich genannt werden durften. Derweil geht Fox aber noch einen eigenen Weg, nachdem sich auch das X-MEN Spin Of DEADPOOL als überaus erfolgreich herausgestellt hat.

 

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Ebenso verzwickt scheint die Lage beim letzten Heldengespann, den Fantastic Four, dessen Rechte ebenfalls bei Fox liegen. Doch mit den Fantastischen Vier ist es eine ganz andere Sache, denn obgleich die MARVEL-Comics bereits aus dem Jahr 1961 stammen und eine riesige Fangemeinde besitzen, auf den Verfilmungen lag bislang eine Fluch.

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Die Fantastic Four sind eine Superheldentruppe bestehend aus Mr. Fantastic, The Ting, Invisible Woman und Human Torch. Als Comics und als Zeichentrickserie waren die Fantastic Four überaus erfolgreich. Die Filmrechte erwarb im Jahr 1986 kein geringerer als Bernd Eichinger und trat damit einen Filmskandal sondersgleichen los.

 

In Jahren nach dem Erwerb der Rechte konnte kein Drehbuch oder eine Finanzierung erstellt werden, bis die Rechte im Jahr 1992 auszulaufen schienen, sollte kein Film produziert werden. So entschloss sich Eichinger, mit Hilfe von B-Movie-Papst Roger Corman einen Film zu produzieren, der nie veröffentlicht werden sollte. Nur so war es Eichinger möglich, die Rechte zu behalten.

 

 

FANTASTIC FOUR (1994)

 

Der Film THE FANTASTIC FOUR von 1994 beschämte sowohl Constantin Film als auch MARVEL, bis heute ranken sich unzählige Gerüchte und Märchen um den missglückten Versuch, die Fantastic Four auf die Leinwand zu bringen. Die, die ihn gesehen haben, sprachen von einer Unverschämtheit Eichingers, nur wegen der Rechte Geld zu verbrennen und Schund zu fabrizieren und das auch noch 2 Tage vor dem Auslaufen des Rechtevertrages. Inzwischen ist das Machwerk irgendwo wieder aufgetaucht. Für Eichinger und die Constantin aber bedeutete es vorrangig, ein paar Jahre später eine richtige Version verfilmen zu können, die 2005 ins Kino kam.

 

FANTASTIC FOUR (2015)

2007 folgte die Fortsetzung FANTASTIC FOUR: RISE OF THE SILVER SURFER, doch so richtig begeistert war niemand von den beiden Werken, obwohl die Filme nicht einmal floppten, sondern guten Profit abwarfen. Chris Evans war hier bereits in der Hauptrolle des Human Torch zu sehen, bevor er als Captain America offiziell ins MCU wechselte. 2015 wurden Story und Figuren der Comicvorlage erneut rebootet, FANTASTIC FOUR von Regisseur Josh Trank (CHRONICLE) aber soff mit 60 Mio. Dollar an der Kinokasse ab – bei einem Budget von knapp 200 Millionen.

 

Dabei gelang der Neustart am Anfang ganz ordentlich, die Figuren waren bestens besetzt, der Auftakt geriet stimmungsvoll und die Effekte konnten sich sehen lassen. Nach der Hälfte allerdings wurde aus dem Film ein Superhelden-Einheitsbrei von der Stange, einfallslos, unemotional und beliebig. Schade um den Cast und die Vision. Ob nun auch die Fantastic Four wieder zu den MARVEL STUDIOS zurückkehren, ist noch ungewisser als bei den X-MEN.

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Nichts mit dem MCU zu tun haben im Übrigen die KICK ASS Filme, die MEN IN BLACK Teile und KINGSMEN, deren Comicvorlagen in Tochterunternehmen von MARVEL erschienen, den sogenannten Imprints. Bei Imprints handelt es sich um spezielle Unterverlage, die sich auf heikle Themen spezialisiert haben, mit denen der Mutterkonzern nur zögerlich umgeht, Gewalt, Drogen und Sex zum Beispiel. Dennoch sind die Comicvorlagen zu MEN IN BLACK oder KICK ASS definitive MARVEL-Produkte und sollten in diesem Komplex nicht fehlen.

 

 

Marvelous?

 

Bislang sind 19 Filme innerhalb des MARVEL CINEMATIC UNIVERSE veröffentlicht oder geplant und spielten über 10 Milliarden Dollar ein. Auch im Fernsehen wird es bald vor MARVEL-Helden innerhalb des MCU nur so wimmeln. Ist nun also das Konzept des Filmuniversums der heilige Gral der Kinogeschichte, das, worauf man seit Begin des Filmzeitalters hingearbeitet hat? Die Sache hat Vor- und Nachteile. Einerseits gibt ein solches Universum der Zielgruppe Comicfan genau das, was sie will, nämlich eine kohärente Welt aus Figuren, Handlungssträngen und Crossovern, wie es sie auch über Jahrzehnte in den Comics gab. Aber auch Comicunkundige werden nicht verprellt, denn die Filme funktionieren auch allein und machen vor allem Spaß.

 

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Nicht alles kann man in ein Filmuniversum packen. Comics bieten sich dafür an, weil Verlage über Jahrzehnte unzählige Figuren entworfen haben, aus denen man schöpfen kann. Das erfüllt MARVEL wie auch DC COMICS und STAR WARS. Ein Filmuniversum rund um DER PIANIST ist eher eine absurde Idee. Im Fall MARVEL und DC COMICS kommt zu Gute, dass die Superhelden und Figuren so ikonisch sind, dass sie auf der ganzen Welt gekannt und geliebt werden. Und wenn man einmal überzeugt ist von einem Filmuniversum, sieht man sich auch die unbekannteren Akteure an.

 

Obgleich MARVEL gute Regisseure engagiert, um ihre Comics filmisch zu interpretieren, es bedarf eines Supervisors, der die Fäden in fester Hand hält. Wie kann man sonst Kontinuität und Logik aufrecht erhalten. Das DC EXTENDED UNIVERSE, welches gerade entsteht, nimmt sich das erst jetzt zum Vorbild. Dort haben sich bislang Individualisten wie Tim Burton, Christopher Nolan oder Zack Snyder an Adaptionen versucht, doch scheint das bei einem Filmuniversum eher hinderlich. Das MARVEL CINEMATIC UNIVERSE wirkt trotz unterschiedlicher Regisseure mehr aus einem Guss. Nachteil: man kann sie kaum mehr auseinanderhalten.

 

 

THE AVENGERS (2012)

 

 

Letztlich ist alles eine Frage des Profits. Aber selbst wenn das MCU irgendwann nicht mehr lukrativ ist, Comic-Superhelden werden immer wieder neu interpretiert, weil es im Gegensatz zu alten Büchern auch digital oder in Printform immer weiter geht mit dem Medium. Nicht nur das, das Repertoire aus dem Hause MARVEL reicht aus, um hunderte Jahre an Filmstoff zu adaptieren, nicht nur im Hinblick auf Figuren, sondern auch im Wandel gesellschaftspolitischer Auswirkungen.

 

Als Comics wie THE DARK KNIGHT RETURNS, WATCHMEN oder CIVIL WAR alles vorherige in den Schatten stellten und neue Perspektiven für Stoff und Medium eröffneten, da stak der Comicfilm noch in den Kinderschuhen. Mit dem MCU ist es gerade mal erwachsen geworden. Ich freue mich auf Phase 4 und Phase 5, auch auf das geplante DC Universum, wenn Kritiker auch von einer Übersättigung sprechen. Ein Filmuniversum nimmt den Wunsch des Fans sehr ernst, sich verlieren zu können in Figuren und Stoff und das in gigantischem Ausmaß, für die Mehrteiler oder Sagas zu klein sind.

 

 

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In der Reihe DIE KLEINE GENREFIBEL habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sämtliche Genre, Subgenre, Mikro- und Nanogenre des Genrefilms vorzustellen. Eine Aufgabe, die mich bis weit nach mein Lebensende beschäftigen wird. Ich lege den Fokus auf Dramaturgie und Buch, werde mich aber auch mit der Inszenierung sowie den jeweils besten Vertretern befassen.

 

Lesen Sie in der nächsten Folge:

 

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6 Comments

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    […] THOR 3: RAGNAROK. Das wäre allerdings beinahe nicht der Rede wert, ein neuer THOR, also ein neuer MARVEL, also ein neuer Kladeradatsch, wen juckt das noch? Aber man muss MARVEL in Schutz nehmen, denn sie […]

  2. Antworten

    […] eine Szene während des Abspanns, die sogenannte mid credit scene. Gleich alles zusammen wird im Marvel Cinematic Universe verwendet. Diese Form der Abspanngestaltung ist ein Sammelsurium aller bisher genannten […]

  3. Antworten

    […] folgen hier Videospielverfilmungen dem Vorbild Comics in den Jahrzehnten zuvor. Besonders die Firma MARVEL war jahrzehntelang unzufrieden damit, was Filmemacher mit ihren Figuren und Stories so alles […]

  4. Antworten

    […] Mythologie funktioniert auch für jüngere Altersschichten, so diese nicht gänzlich zu den MARVEL-Superhelden abgewandert […]

  5. Antworten

    […] Superhelden und dergleichen fällt das mitunter schwer. Filme mit oder über Superhelden wie das MARVEL Universum klassifizieren den Komplex zwar treffend, doch in welche Schublade steckt man das dann? Die Figur […]

  6. Antworten

    […] Konkurrenz hochschrecken. Wenn alle Produktionen, bei denen Disney involviert ist, von STAR WARS, Marvel bis Pixar und nun auch Fox (ALIEN Franchise, X-MEN, AVATAR, Blue Sky Studios, THE SIMPSONS), von […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de