Die kleine Genrefibel Teil 43: Biopic

Einen wunderschönen Guten Tag, liebe Filmfreunde, kommen Sie rein, was darf´s denn sein? Die schlechte Nachricht allerdings gleich am Anfang, Genreware is leider aus diese Woche. Aber dafür haben wir ganz vorzügliches Biopic im Angebot. Aus ökologisch kontrolliertem Anbau natürlich. Ah nee, jetzt hab ich mich vertan, gleich am Anfang. Heute geht es natürlich nicht um Bio-Schweinefleisch, obwohl einige der lecker Filmchen durchaus ganz schöne Schinken sind, wie man sagt. Is ja auch nicht immer einfach, Kunstdinger von Kunstdünger zu unterscheiden. Es ist OSCAR-Zeit und deshalb servieren wir heute Biopics. Na gut, dann nehme ich 500 Gramm Mozartkugeln, ein Pfund Schillerlocken und zwei Bismarckheringe. Dazu ein Glas MILK.

 

Filmbiographien oder Biopics sind eine faszinierende Facette der Filmgeschichte. Biopic leitet sich aus den beiden englischen Begriffen biographical und motion picture ab und beschreibt somit ein Filmgenre, in dem der Lebensweg oder Lebensabschnitte einer oder mehrerer historisch belegbarer Figuren nacherzählt wird. Die Betonung liegt auf geschichtlich belegbar, Bilbo Beutlin oder Anakin Skywalker zählen leider nicht dazu.

 

Minimum 15 Minuten Ruhm

 

Biopics definieren sich aus einer Handvoll fester Merkmale, Ausnahmen gibt es zwar, doch im Großen und Ganzen unterwirft sich dieses Filmgenre ganz einfachen Definitionen. Die Figuren müssen historisch belegbar sein, andererseits aber auch eine geschichtliche wie gesellschaftliche Relevanz besitzen. Die Lebensgeschichte von Karl-Heinz Pausback, der in den Siebziger Jahren seinen Kartoffelkeller ausmistete, um eine Modelleisenbahnanlage aufzubauen, kann eine spannende Geschichte sein, ein Biopic ist sie deshalb nicht gleich, es sei denn, Herr Pausback inspirierte durch seine Taten unzählige andere Modelleisenbahner.

 

Dalton Trumbo (Bryan Cranston) in TRUMBO, Regie: Jay Roach

Aber auch das ist eher ein Grenzfall, denn wer bestimmt schon historische Relevanz? Ein anderes Merkmal von Filmbiographien ist der Handlungsspielraum der Geschichte, in dem Fall der Story. Ein Biopic muss nicht das Leben einer historischen Persönlichkeit vom Uterus bis in die Urne erzählen, es genügen Abschnitte, die sein Wirken im Bezug auf das Weltgeschehen fokussieren. Auch ganz gängig ist das dramaturgische Abklappern von Lebensabschnitten. Aber noch vor all diesen Punkten ist es für ein Biopic unverzichtbar, die jeweilige historische Persönlichkeit als Figur in den Fokus zu rücken.

 

 

Das fängt beim Filmtitel an, der in 95% aller Fälle den Namen oder Spitznamen der Figur enthält oder zumindest ein ihr zugehöriges Zitat liefert, sei es ein Ausspruch, der Titel eines Songs oder Buches oder etwas, was ihn für die Allgemeinheit charakterisiert. LINCOLN, THE IRON LADY, WALK THE LINE, HOWL oder SIEBEN JAHRE IN TIBET sind solche Beispiele, eher unglückliche Ausnahmen sind Biopics mit allgemeinen Titeln wie A BEATIFUL MIND oder DAS WILDE LEBEN.

 

Teils biographisch, aber kein Biopic: THE UNTOUCHABLES mit Robert De Niro als Al Capone, Regie: Brian De Palma

Obgleich Biopics strukturell einfach zu verstehen sind, steckt der Teufel doch im Detail. Die Liste filmisch interpretierter Persönlichkeiten ist ellenlang, doch nicht jeder Film, in dem eine Persönlichkeit vorkommt, ist auch gleich ein Biopic. Der Film HUGO CABRET von Martin Scorcese beispielsweise ist keine Filmbiographie, obwohl in ihm eine wichtige Figur der Kinogeschichte integriert ist – Filmpionier Georges Méliès. Auch THE UNTOUCHABLES gilt nicht unbedingt als Biopic, obwohl die Figuren Al Capone und Elliot Ness durchaus existierten.

 

SCHINDLERS LISTE hingegen wird auch als Biographie wahrgenommen, denn immerhin thematisiert Spielbergs Film die wichtigste Station im Leben von Oscar Schindler, der auch im Titel auftaucht. Andere bezweifeln diese Bezeichnung, und nicht einmal zu Unrecht, den die historische Schilderung des Holocausts ist für die Dramaturgie der Geschichte entscheidender als der biographische Aspekt der Hauptfigur. Es gibt viele Fälle, in denen man zwischen Historienfilm und Biopic unterscheiden kann.

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Aber auch innerhalb von echten Biopics fällt das oft schwer. Denn wie gesagt bestimmen Leben und Lebensabschnitte die Dramaturgie der Geschichte. Der Großteil der Filmbiographien sind historische Stoffe, die Figuren entweder große Staatsmänner, Politiker oder Volkshelden. Ob sie nun Zeit ihres Lebens zu Berühmtheit gekommen sind oder posthum ist unterschiedlich, etwas eint sie alle, sie sind tot und das hat natürlich Auswirkungen auf die Dramaturgie.

 

 

Doch sind in jüngerer Zeit auch noch lebende Persönlichkeiten mit einem Biopic bedacht wurden. Zum einen zeigt das die Veränderlichkeit geschichtlicher Relevanz, zum anderen entstammen viele Persönlichkeiten der Neuzeit auch aus den Bereichen Kultur und Medien, und sei es nur der bekannten 15 Minuten Ruhm wegen. Aber genau dieser Punkt macht neuer Biographien wieder streitbar hinsichtlich gesetzlicher Genreverordnungen.

 

Biopic – das Antigenre

 

Der echte Aron Ralston aus 127 HOURS, Regie: Danny Boyle

Ein Extrembeispiel ist der Film 127 HOURS von Danny Boyle. Ist der Film nun ein Biopic oder ein Survival Thriller? Fakt ist, die Geschichte von Bergsteiger Aron Ralston ist in jedem Falle autobiographisch erzählt. Berühmtheit erlangte er durch einen Unfall im Blue John Canyon, als ein Felsbrocken Ralstons rechte Hand einklemmte und er so fünf Tage lang um sein Leben bangte. Nicht immer liegt historische Relevanz bereits der Wiege inne, Geschichte ist das, was passiert. Ob Ralstons Unfall und mehr noch seine Selbstrettung nun geschichtlich relevant sind oder nicht ist in diesem Fall gar nicht mal so entscheidend. Was aus 127 HOURS einen Grenzgänger im Bereich Biopics macht, ist die Konzentration auf eben diesen Unfall und der damit verbundenen dramaturgischen Auswirkungen.

 

Denn generell kann man sagen, Biopics sind keine Genrefilme. Ihre Struktur macht sie dazu, keine Böswilligkeit. Ziele und Wege der Figuren können einem geläufig sein, doch hat beispielsweise der Tod der Figur weniger Anteil an der dramaturgischen Gestaltung der Geschichte, weil er eben fest steht. Was nicht heißt, dass das nicht dramatisch ist. Aber im Falle von Biopics gibt das Leben die Dramaturgie vor, dass es spannende und langweilige Biopics gibt, heißt im Endeffekt nur, wie geschickt dieses Leben oder Lebensabschnitte dramatisiert wurde.

 

Trotzdem sind die meisten Biopics von epischer Erzählweise geprägt. Sie folgen nicht den Gesetzen des Genrefilms, nur in ganz wenigen Ausnahmen. Ein Grenzfall ist wie gesagt 127 HOURS, denn dem Film liegt bereits eine verdichtete Geschichte zu Grunde. Dass sie wahr ist und auf die Hauptfigur bezogen, macht sie zwar auch zum Biopic, strukturell spiegelt die Dramaturgie hier aber auch Thriller und Horrorelemente. Doch ist das eher eine Ausnahme.

 

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Ein Biopic kann streng genommen niemals ein Genrefilm sein. Szenisch kann man alles im Biopic unterbringen, klar, aber ganzheitlich wird aus einer Filmbiographie niemals ein Horror- oder Science-Fiction-Streifen. Was aber muss ein gutes Biopic leisten? Die Fokussierung auf die historische Person ist das eine. Doch funktioniert das nie ohne den geschichtlichen oder gesellschaftspolitischen Kontext. Das Leben eines US-Präsidenten erschließt sich aus der Politik, niemand interessiert sich dafür, wie George W. Bush Klarinette spielt.

 

Nun ist es aber meist so, dass man an der realen Geschichte kaum drehen kann, ohne an Authentizität zu verlieren. Wurde natürlich mehrfach gemacht, die Geschichte zugunsten einer spannenderen Geschichte zu verändern. Aber darum geht es hier nicht. Wichtiger für eine Filmbiographie ist das Gleichgewicht zwischen Privatperson, Geschichtsperson und Historie. Denn Geschichte wird von Menschen gemacht, Geschichte versteht man nur über Menschen und Menschen wiederum versteht man über Geschichte.

 

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So muss ein gutes Biopic nicht nur die Person einfangen, sondern auch das Thema. Das Thema ist ein Grundpfeiler einer jeden Filmbiographie und entscheidend dafür, ob man Figuren oder Persönlichkeiten überhaupt versteht. Ein Biopic über einen Musiker muss Musik enthalten, Sportler treiben Sport, Politiker betreiben Politik, das Thema muss sich im Film widerspiegeln. Klingt soweit logisch, aber es gibt natürlich Ausnahmen.

 

 

 

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THE THEORIE OF EVERYTHING ist ein Biopic über das Leben von Stephen Hawkin, theoretischer (Astro)Physiker . Der Film von James Marsh allerdings fokussiert hauptsächlich die Liebesbeziehung zwischen Hawkin und seiner Ehefrau Jane. Macht der Film nun etwas falsch? Keine so leicht zu beantwortende Frage, denn formell geht die Sache in Ordnung, der Film basiert auf den Memoiren von Jane Hawkins “Die Liebe hat elf Dimensionen: Mein Leben mit Stephen Hawkin”, somit ist der Film eigentlich ein Biopic über Hawkins Ehefrau.

 

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Erwartet man jedoch essentielles aus dem Leben des Theoretikers und Quantenforschers, insbesondere über seine Krankheit und den Einfluss auf seine Arbeit daraus, kann man gewiss enttäuscht sein. Ein Biopic über Hawkin ist natürlich generell eine schwierige Angelegenheit, da sein Leben auf theoretischer Arbeit beruht. Man stelle sich aber im Gegenzug vor, eine Filmbiographie über Muhammed Ali würde ohne einen einzigen Boxkampf erzählt werden.

 

 

History versus Story

 

Biopics, so unterschiedlich sie sein mögen, sind so alt wie der Film selbst. Biopics mögen im filmgeschichtlichen Kontext vielleicht am interessantesten erscheinen, aber diese Evolution über Jahrzehnte will ich dieses mal nicht in den Vordergrund stellen. Wer aufmerksamer Genrefibelleser ist, dürfte spätestens jetzt feststellen, filmgeschichtlich sind sich viele Genres ähnlich, denn sie bilden auch Zeitgeschichte ab. Genau wie der Western, Crime oder der Politthriller entwickelte sich auch das Biopic über Jahrzehnte analog gesellschaftlicher Wahrnehmung.

L´AFFAIR DREYFUS von Georges Méliès (1899), MOLIÉRE von Abel Gance (1909), RICHARD WAGNER von Carl Froelich (1913), Ernst Lubitschs Madame Dubarry (1919) und Anna Boleyn (1920), DISRAELI von Alfred E. Green (1929)

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in den Kindertagen des Films, waren sie ebenfalls heroisch geprägt, sie erzählten über historische Figuren große Geschichten über Fortschritt und Aufklärung, waren Heldenerzählungen. Auch beim Biopic gab es in den fünfziger Jahren durch die Hochzeit Hollywoods große Monumentalerzählungen, historische Figuren wie Cäsar, Cleopatra, Alexander, der Große oder Jesus Christus war prädestiniert dafür. Doch in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren begann auch die Rekonstruktion der Helden hin zu einer größeren Psychologisierung und einer Abkehr von Heroismus. Schattenseiten und Skandale wurden beleuchtet, streitbare Figuren fanden ihren Weg auf die Kinoleinwand.

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Durch Figuren und Persönlichkeiten wurden nun auch gesellschaftliche Tabuthemen aufgegriffen, viel mehr aber dadurch, weil Figuren diesen Themen ein Gesicht gaben. Biopics waren vor allem der aufgeklärteren Informationsgesellschaft verschuldet, Ausgangspunkte waren meist neue Autobiographien oder eine diffizilere Auseinandersetzung anhand von Geschichtsforschung. Popkultur leitete ab 1980 eine weitere Phase ein, nicht mehr nur Staatsmänner oder Volkshelden standen im Fokus, auch Musiker, Schauspieler oder wie auch immer geartete Berühmtheiten.

 

 

Albert Dieudonné als NAPOLEON (1927), Regie: Abel Gance

 

Dass man nun auch noch lebender Persönlichkeiten annahm, war eigentlich keine neue Facette von Filmbiographien, bereits 1899 verfilmte Georges Méliès Aspekte der Dreyfus-Affäre um den französischen Artillerie-Hauptmanns Alfred Dreyfus, der im Jahre 1899 noch recht lebhaft war.

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Weil geschichtliche und gesellschaftspolitische Themen neben der Hauptfigur in Biopics von entscheidender Bedeutung sind, kann man sie auch wunderbar nach diesem System verschachteln. In den frühen Jahren des Films waren es vor allem die großen historischen Persönlichkeiten, die mit einer Filmbiographie bedacht wurden. Hier mischten sich noch größtenteils Mythen mit historischen Wahrheiten, standen doch nur minder komplexe Überlieferungen als Vorlage zur Verfügung.

 

Wie aber Gaius Julius Cäsar wirklich fühlte oder dachte oder welche Konfitüre sich Cleoptatra am liebsten auf´s Toast schmierte, war nicht Gegenstand der Geschichtsforschung. Eine historische Authentizität nahmen diese Biopics aber eher selten für sich in Anspruch, Schauwerte standen im Vordergrund. Biopics waren eher Zeitreisen in längst vergangene Epochen.

 

Das klingt so, als seien Biopics über längst verstorbene Persönlichkeiten eine einfach zu realisierende Sache, von der Opulenz und der authentischen Darstellung der historischen Epoche abgesehen, das ist nämlich meist teuer. Aber man scheint frei und unangreifbar, wenn man sich eine Person auswählt, von der es maximal Gemälde oder Skulpturen gibt. Doch Authentizität ist in den seltensten Fällen ein Kritikpunkt misslungener Biopics. Das schöne an Filmbiographien und ihre Wirkung ist, man kann das wunderbar vergleichen, denn viele Persönlichkeiten wurden mehrfach auf Zelluloid gebannt.

 

Milla Jovovich und Leelee Sobieski als Jean D´Arc (1999)

Es reicht nicht aus, sich nur über die historische Faktenlage einer Figur zu nähern. Ein gutes Beispiel, wie und ob ein Biopic funktionieren kann, zeigen die Verfilmungen THE MESSENGER – THE STORY OF JOAN OF ARC von Luc Besson und der TV-Film JOAN OF ARC , beide aus dem Jahr 1999. Auf der Habenseite stehen bei beiden Verfilmungen die lebendige Darstellung der frühen 15. Jahrhunderts, beide erzählen chronologisch das Leben der Jungfrau von Orleon nach. Es existieren zwar Quellen und Akten über die reale Jean D´Arc, allerdings keine Selbstausgaben. Das, was Jean D´Arc für spätere Generationen war, ist im Endeffekt eine Legende. Aber eine Legende entwickelt sich nicht aus dem Nichts.

 

Es ist die Geschichte einer Bauerntochter, die zur Heldin (stilisiert) wurde. Erzählerisch bedienen sich beide Figuren eines Kniffes, der so erstmal gar nicht weiter auffällt. Denn Jean D´Arc wird als Figur nach eher modernem Bild gezeichnet, sowohl in ihrer Sprache als auch in ihrer (nicht überlieferten) Agitation. Das mag historisch nicht belegbar oder inkorrekt sein, ermöglicht aber überhaupt erst einen Zugang zu der Figur nach neuzeitlichen Erzählmaßstäben. Ob der Film dann wie im Fall von Luc Bessons Verfilmung zuweilen in phantastische Symbolik und Mystery abdriftet, ist weniger entscheidend. Die Darstellung der Jean D´Arc bestimmt hier weit mehr die Tonalität.

 

Da aber die überlieferte Geschichte selbst das Bild der realen Jean D´Arc geformt hat, hat jeder Interessierte auch sein Bild der holden Jungfrau von Orleon. Gemessen daran scheitert für mich die Besson-Verfilmung an Milla Jovovich, die die Rolle viel zu brachial, manisch und dem Wahnsinn nah spielt. Die Darstellung von Leelee Sobieskie hingegen kommt meinem Bild der Jean D´Arc wesentlich näher, ob nun geschichtlich korrekt oder nicht. Aus diesem Grund ist der Fernsehfilm dem Kinofilm weit überlegen.

 

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Geschichtliche Relevanz ist das eine, Faszination etwas ganz anderes. Faszination für Figuren der Geschichte hat ganz unterschiedliche Gründe. Heroisierung und Heldenverehrung scheinen das größte Interesse zu generieren, aber genauso faszinierend ist das Unbekannte, ein Blick auf einen Teil der Gesellschaft, den man nur aus dem Boulevardblatt kannte. Der Adel beispielsweise war schon immer ein begehrtes Objekt, hinter dessen Fassade Biopics nur allzu gern geblickt haben. Aber eine genauso große Faszination ging auch immer vom Bösen aus, Biopics näherten sich den Untaten von Mördern und Schwerbrechern, was manchem Kinozuschauer oft schwer zu vermitteln war.

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Denn war ein Biopic darauf bedacht, historisch korrekt zu erzählen, trat es  automatisch in einen Zustand der objektiven Darstellung. Je objektiver der Stoff erzählt wurde, desto glaubwürdiger wurde er.

 

Das führte und führt auch heute noch zu Wahrnehmungsproblemen, denn in der Fiktion konnte man einfache Mechanismen nutzen, um Gut und Böse zu trennen. Das machte es jahrzehntelang schwierig, sich einer ernsthaften Biographie über Adolf Hitler zu nähern, sowohl in Produktion als auch in der Rezeption.

 

 

Heldenverehrung

 

Figuren der Zeitgeschichte, manchmal weiß man gar nicht, in welche Schublade man sie stecken muss. Musiker haben ebenso Politik geprägt wie Staatsmänner, nur mit anderen Mitteln. Natürlich sind die meisten Persönlichkeiten über ihren Beruf oder ihre Berufung in die Geschichte eingegangen. Für den amerikanischen Film waren schon immer US-Präsidenten ein faszinierendes Metier im Bereich Biopic. Alle 44 US-Präsidenten haben es zu einer filmischen Darstellung im Kino oder Fernsehen gebracht, aber nicht alle davon sind Biopics.

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Man kann das gut vergleichen, wenn man mal auf zwei Stoffe trifft, denen die gleiche Persönlichkeit zu Grunde liegt, wie im Fall von Richard Nixon in NIXON von Oliver Stone und FROST/NIXON von Ron Howard. Ersterer ist ein klassisches Biopic, wenn auch der Film Stationen aus dem Leben des 37. US-Präsidenten unchronologisch erzählt und seinen Schwerpunkt auf die Jahre 1960 – 1974 legt.

 

FROST/NIXON hingegen fokussiert einen noch engeren Zeitraum, nämlich das TV-Interview zwischen David Frost und Richard Nixon im Jahr 1977, der sich darin erstmals zur Watergate-Affäre äußerte. Nixon war zu diesem Zeitpunkt nicht mal mehr Präsident, doch stellt dieser Abschnitt einen immens wichtigen Teil seines Lebens dar. Allerdings konzentriert sich der Film auch auf David Frost als Interviewer Nixons, zudem gelten manche Begebenheiten vor oder während des Interviews als frei erfunden. Doch hundertprozentige historische Korrektheit ist kein Hauptmerkmal einer Filmbiographie. Es ist ein dramaturgisches Hilfsmittel, um Sachverhalte zu verdichten.

 

 

Anthony Hopkins und Frank Langella als Richard Nixon (1995, 2008)

Bei Biopics gibt es immer diese Waage zwischen historischer Richtigkeit und filmdramaturgischer Spannung, sei es durch eine Fokussierung auf Schlüsselereignisse oder als frei erfundene, aber dem Charakter und der Sachlage entsprechende Allegorie. Das kann man als Purist sicher ablehnen, ist aber kein Merkmal guter oder schlechter Filmsprache. Manche Themen sind einfacher, manche schwieriger zu transponieren.

 

 

Senatsdebatten, Ausschüsse oder Gesetzesunterzeichnungen haben nicht den Ruf, spannende Angelegenheiten zu sein (wzbw). So riesig wie der Berg an Biopics ist, ihre thematische Unterschiedlichkeit unterteilt sie in viele kleine Nischen. So ist man selten ein genereller Fan von Biopics, sondern filtert eher nach den eigenen Steckenpferdchen der Geschichte. Für die einen ist WALK THE LINE ein spannendes Musik-Biopic, doch schlafen sie eventuell bei LINCOLN im Kino ein.

 

Daniel Day Lewis als Abraham Lincoln in LINCOLN (2012) von Steven Spielberg

Da man sich Geschichte und Geschichten in Biopics nicht so einfach aussuchen kann, gibt es schwierige und dankbarere Themen, die man in einer Filmbiographie über die Figur spiegeln kann. US-Präsidenten strahlen nach außen sicherlich eine starke Aktivität aus, doch sind das meist die wichtigen Entscheidungen ihrer Karriere. Wie viele Unterlagen ein Präsident am Tag von seinen Beratern unterzeichnen muss, wird filmisch richtigerweise weniger thematisiert.

 

 

Was aber macht man mit Persönlichkeiten, die weniger durch ihr extrovertiertes Auftreten in der Öffentlichkeit als durch ihre Arbeit im Stillen zu Berühmtheit gekommen sind. Filme über US-Präsidenten erzählen sich ja auch über Marksteine der Landes- oder Weltgeschichte. Was aber ist mit Malern, Komponisten, Schriftstellern oder Regisseuren?

 

 

Im stillen Kämmerlein der Geschichte

 

Neben der Politik ist die Kunst ein großes Feld filmbiographischer Stoffe und zugleich das wohl schwerste. Für den Ottonormal-Kinozuschauer ist es oft nicht von großem Interesse, wie genau nun Beethoven seine 9. Symphonie geschrieben hat. Stimm das überhaupt? Es scheint klar, dass die Akteure und Künstler hinter ihren Werken eine untergeordnete Rolle spielen. Aber gerade dieser Punkt macht Biopics darüber so interessant.

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Wollte man bei großen Persönlichkeiten in der Frühzeit des Films das sehen, was man von ihnen kannte und erwartete, ging das Interesse später stärker in Richtung von dem, was man nicht wusste. Grund dafür war auch, dass das selten historisch belegt war. Aber historische Belege waren nicht nur Autobiographien und verbriefte Quellen, auch Gerüchte  floss in spätere Filmbiographien ein. Wer hatte was mit wem, wer inspirierte wen wozu, was bewegte wem, zu tun, was er zu tun gedachte?

 

 

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Politik fand nicht nur im Hinterzimmer stand, sie wurde nach außen kommuniziert durch Menschen und Fakten. Kunst allerdings wurde über Kunstprodukte kommuniziert, eine Interpretation des Künstlers war dadurch eher erschwert. Zwar gibt es den roten Faden an Ereignissen und Zeitpunkten, die die meisten Biopics auch brav abklappern, aber vieles ist eben nicht verbrieft. Zum anderen stehen die meisten Werke von Künstlern ganz gut für sich und können allein durch ihre Darstellung im Film Emotionen bewirken.

 

Das mag im Fall von Malern schwieriger sein, aber bei großen Komponisten und Musikern kommt einem die Aufführung als inszenatorischer Kniff reichlich entgegen. Aber Spannungspotential liegt dann doch mehr in der Erschaffung von Kunst.

 

 

Tom Hulce als Amadeus Mozart in AMADEUS (1984), Regie: Milos Forman

 

Das Verhältnis zwischen Mozart und Antonio Salieri ist so ein Beispiel, denn Spannungspotential liegt hier in der Rivalität beider Komponisten, die im Übrigen gar nicht wirklich dokumentiert ist. Aber sie ist ein filmisch ungemein spannender Gedanke, der auch eine fantastische Filmbiographie resultieren ließ – AMADEUS von Milos Forman aus dem Jahr 1984. Auch dieser Film ist historisch hochgradig unkorrekt, was nach den ganzen genannten Beispielen die Frage aufwirft, ob historische Richtigkeit überhaupt ein Indiz für eine gute Filmbiographie sein kann.

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Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte, aber eins ist geschichtliche Korrektheit niemals – Träger einer spannenden Erzählung. Dass es so viele gute Biopics gibt, die gleichsam wahrheitsgetreu und spannend sind, liegt daran, dass das Leben und die Taten der verfilmten Persönlichkeit bereits aufsehenerregend waren. Das Weglassen von diversen wahren Informationen ist für die Dramaturgie hier wesentlich entscheidender als eine Geschichtsverfälschung.

 

Während so mancher Fakt gebogen oder verdreht wurde, suchte man Authentizität im Film an anderer Stelle, und das mit Recht.

 

 

 

 

Denn Film ist ein visuelles Medium und deshalb ist es bei Biopics unverzichtbar, mit größtmöglicher Ähnlichkeit zur Persönlichkeit zu arbeiten. Biopics begeistern meist durch eine filigrane Herangehensweise in Aussehen und Duktus einer jeweiligen geschichtlich relevanten Figur. Nimmt man dieser Figur die Persönlichkeit ab, sind geschichtliche Patzer eher zweitrangig.

 

Aus diesem Grund sind Biopics auch gängige Ware hinsichtlich großer Filmpreise, denn sie verlangen einem Schauspieler eine Menge ab. Maske und Kostüm bestimmen die Optik, nicht selten erliegen Stars einer bedingungslosen Einfühlung in ihrer Rolle. Nicht jeder kann jeden spielen, aber wenn, wird es meist zum Wettlauf der prägnantesten Darstellung, je jünger und dokumentierter die Persönlichkeit ist, desto schwerer scheint die Umsetzung. Doch hat man auch mehr Referenzmaterial, an dem man sich abarbeiten kann. Viele vergessen dabei, dass ein Biopic dabei immer noch ein Film bleibt. Filmbiographien über Musiker sind doppelt schwer, denn nicht jeder Schauspieler ist gleichzeitig begnadeter Sänger.

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So wurde Jamie Foxx beispielsweise kritisiert, weil er im Film RAY nicht selbst gesungen hat, während Joaquin Phoenix als Johnny Cash in WALK THE LINE selbst ins Mikro schmetterte. Beide sind hervorragende Musik-Biopics. Musik ist in diesem Fall für eine gelungene Verfilmung unverzichtbar, doch noch etwas anderes steht im Mittelpunkt, vor allem bei extrovertierten Künstlern, die nicht im stillen Kämmerlein vor sich hinwerkeln, sondern sich bereits zu Lebzeiten einem Publikum stellten.

 

Leonardo DiCaprio als Howard Hughes und Cate Blanchett als Katherine Hepburn in AVIATOR (2004), Regie: Martin Scorcese

Biopics über Schauspieler und Musiker sind auch deshalb so begehrt, weil sie hinter die Bühne schauen und etwas zeigen, was der Zuschauer meist nicht mitbekommt. Als Autor oder Regisseur ist man solchen Akteuren zwar dankbar für ihre Extraversion, je schriller und polarisierender, desto spannender die Lebensgeschichte, aber der Blick auf das Leben von ausführenden Künstlern ist immer auch ein Blick unter die Oberfläche. Im Fall von WALK THE LINE ist das Cashs Tablettensucht, Kontroversen und Skandale bestimmen die Karrieren von Jerry Lee Lewis, Phobien und Zwänge quälen Howard Hughes in AVIATOR, häusliche Gewalt ist eine tragende Säule des Films TINA – WHATS LOVE GOT TO DO WITH IT um Tina Turner.

 

 

 

Das trifft in gleichem Maße auch auf Schauspieler zu, was für ein Biopic ein genauso dankbares Thema wie die Musik ist, denn es sind Themen des Entertainments, die man filmisch gut adaptieren kann. Beim Film ist das der Blick hinter die Kulissen und die scheinbar perfekte Welt, die geradezu nach dunklen Schatten schreit. Biopics über berühmte Schauspieler sind allerdings gar nicht so zahlreich, wie einem diese Theorie weismachen will. Viele wollen die glamouröse Welt auch gar nicht entmystifizieren

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Zudem scheint es schwierig, einen Blick hinter die Fassade zu werfen und gleichzeitig ein Portrait dieser auf der Leinwand zu entwerfen. Dahinter befürchten nicht wenige eine Lüge hinter der Wahrheit, die Realität wird praktisch zweimal gefiltert. Und der Film selbst wird einen Teufel tun, um seine Magie zu offenbaren. Film soll lieber Zauberei bleiben.

 

Aus diesem Grund sind Lebenserzählungen über Filmemacher sehr selten unter den Biopics. Sagte ich Eingangs, dass ein Biopic nur in ganz seltenen Fällen Genrefilmstrukturen haben kann, ist es bemerkenswert, dass so gut wie alle Filmfilmbiographien Genrefilmregisseure thematisieren. Von Murnau (SHADOW OF THE VAMPIRE), James Whale (GODS & MONSTERS) über Hitchcock, Disney und Ed Wood, sie alle haben Genrefilme gemacht und wurden filmisch portraitiert, in diesen Fällen auch mit dramaturgischen Hilfsmitteln des Genrefilms.

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Doch ein genauerer Blick offenbart, es ist nicht der Themenkomplex Genrefilm, der diese Verfilmungen bestimmt, sondern die einzigartige Persönlichkeit der Figurenvorlage. Meist sind das Menschen, die für ihre Visionen kämpfen mussten, gegen jeden Widerstand. Kennen wir ja beim Genrefilm. Es ist dieser Kampf, der diese Figuren ausmacht und deswegen sind Filme über diese Filmemacher gar nicht so anders als über andere, die für ihre Überzeugung kämpfen.

 

Eins der wenigen Facetten von Biopics, die doch in Richtung Genre tendieren können, sind Filme über Serienkiller. Denn ihre Taten sind, neben der Psychologisierung der Figur, von entscheidender Wichtigkeit für ihre Darstellung. Und da es sich bei den Morden von Gacy, Ed Gein, Ted Bundy oder Charles Manson um ziemlich schaurige Angelegenheiten handelt, von denen auch der Horrorfilm profitierte, scheinen Serienkilerfilme die einzigen Biopics zu sein, die über diese dramaturgischen Strukturen funktionieren. Da wir aber Serienmörder schon ausführlich behandelt haben, wenden wird uns anderen Themenkomplexen von Filmbiographien zu.

 

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Filme über Serienkiller, die autobiographischer Natur sind, sind eher ein Teil modernerer Filmgeschichte. Das liegt daran, dass ihre Taten erst nach jahrelanger Untersuchung und Aufbereitung erschlossen wurden und somit als Vorlage dienen konnten. Das betrifft auch Biopics über andere Verbrecher wie Mafiosi, Gangster, Drogenhändler oder Auftragsmörder. Die Faszination ist hier ganz klar, was treibt einen Menschen zu kriminellen Taten. Ein Biopic ist für diesen Komplex ein fantastisches Genre, denn es kann solche Fragen direkt oder indirekt anhand der Biographie der Persönlichkeit beantworten.

 

Fussspuren im Sand der Zeit

 

In Biopics braucht man das Bekannte und sucht doch das Unbekannte in den Figuren. Werden aus diesem Grund Biopics nun langsam sterben, weil der Informationsgesellschaft nun weitaus mehr Fakten zur Verfügung stehen? In den letzten Jahren wurden vermehrt Filmbiographien über Menschen realisiert, die durchaus noch ganz lebhaft sind, deren Taten aber nicht minder Gesellschaft oder Politik beeinflussten. Das ist deshalb so interessant, weil es als Aufhänger noch immer die Persönlichkeit benutzt, aber weitaus mehr aktuelle Fragen aufwirft. Zwar heißt es, aus der Geschichte lernen, doch braucht so ein Prozess nicht immer Jahrhunderte.

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Ob nun bereits verstorben oder nicht, zu den interessantesten Biopics der Neuzeit gehören mit Sicherheit THE SOCIAL NETWORK, THE FIFTH ESTATE, W. über George W. Bush oder auch die Verfilmungen um Steve Jobs mit JOBS oder STEVE JOBS. Ich schreib bewusst interessant und nicht grandios, denn filmisch sind diese Beispiele höchst wankelmütig. Ein Grund dafür kann die extreme zeitliche Nähe sein, die Aufarbeitung noch gar nicht abgeschlossen ist und somit einen Bedeutungszugang zum Weltgeschehen verschleiert. Das ist jedoch in den seltensten Fällen ein wirkliches Problem. Bei Biopics, egal ob alt oder neu, sind es immer dramaturgische oder inszenatorische Entscheidungen, die einem gefallen oder missfallen können.

 

Michael Fassbender und Ashton Kutcher als Steve Jobs in STEVE JOBS und JOBS (2013, 2015)

Sowohl Joshua Michael Stern als auch Danny Boyle haben Teile des Lebens von Steve Jobs verfilmt. Beide Verfilmungen sind eher schwierige Angelegenheiten. JOBS von Joshua Michael Stern mit Ashton Kutscher in der Hauptrolle erzählt das eher altbacken, mit Kutcher ist JOBS aber treffend besetzt, was wiederum STEVE JOBS von Danny Boyle nicht gelingt. Michael Fassbender nahm ich Jobs zu keinem Zeitpunkt ab, was aber eher eine Bauchgeschichte ist.

 

Das größere Problem ist aber meiner Meinung nach das Drehbuch von Aaron Sorkin, der Jobs auf drei Produktpräsentationen hinter der Bühne zeigt. Auch das ist nicht unbedingt eine Fehlentscheidung, denn es handelt sich um wichtige Stationen des Apple-Gründers, nur ist mir das Drehbuch, insbesondere die Dialoge, zu theatralisch gestaltet. Es wirkt einfach zu fett, dass jegliche Menschlichkeit hinter den Figuren anhand von ausgefeilten Wortgefechten verblasst.

 

 

Autobiographische Automatismen

 

Dass ich in Fassbender keinen Steve Jobs sah, ist aber nicht das Problem des Films, denn ein Biopic muss nicht um jeden Preis um Deckungsgleichheit in Aussehen und Agitation bemüht sein. Manchmal ist es sogar interessanter, je mehr die Rolle variiert. In I´M NOT THERE geht es um Lebensabschnitte des Sängers und Songwriters Bob Dylan, seine Figur wird von sechs unterschiedlichen Schauspielern verkörpert, jung, alt, männlich, weiblich, weiß und schwarz, so unterschiedlich die Figuren sind, so variiert auch die Inszenierung, die zwischen realen Begebenheiten und fiktionaler Metaebene hin und her switcht. Was auf den ersten Blick befremdlich wirkt, ist auch so, I´M NOT THERE bietet keinen leichten Zugang. Als experimentelles Biopic ist er allemal faszinierend und widerlegt auch die These des absolut notwendigen Realismus. Den besten Bob Dylan gibt in diesem Fall Cate Blanchett.

 

 

Cate Blanchett als Bob Dylan in I´M NOT THERE (2007), Regie: Todd Haynes

 

Doch I´M NOT THERE ist eine Ausnahme. Biopics sind und werden nach wie vor mit ganz klassischer Nadel gestrickt, episch wie chronologisch erzählt, mit einem Höhepunkt, einem Tiefpunkt und bestenfalls weiterführenden Schrifttafeln über das Leben oder den Tod der jeweiligen Persönlichkeit. Beim Biopic stellt sich nicht die Frage einer andersartigen Herangehensweise, vielmehr ist von Interesse, welche Persönlichkeit noch nicht portraitiert wurde.

 

 

Biopic Update 2017: JACKIE Kennedy, MILES Davis AHEAD, Edward SNOWDEN, THE McDonalds FOUNDER Ray Kroc, BORG vs MCENROE

 

 

Es gibt aber auch Fälle von wohl bekannten Figuren, bei denen mir gar nicht bewusst war, dass sie historisch verbürgt waren wie BRONSON mit Tom Hardy oder JOY mit Jennifer Lawrence. So bieten einem Figuren Zugang zur Geschichte und umgekehrt. Biopics sind deshalb beinahe unsterblich, denn keine Biographie, ob nun als Buch oder Film, kann eine Figur der Weltgeschichte völlig umfassen. Dutzende Filme wurden über Luther oder Lincoln gedreht, keine kann die Figur vollends erschließen, eine erneute Verfilmung wird nie als Remake betrachtet, weil es verschiedene Perspektiven und Zugänge gibt.

 

 

Filmisch unerschöpfte Lebensgeschichten: Ernst Thälmann, Albert Einstein, Heinz Erhardt, Klaus Nomi, Michael Jackson, Jim Henson, Klaus Kinski

Doch viel mehr will ich Persönlichkeiten und Filmbiographien auf der Leinwand sehen, über die ich vielleicht viel gelesen habe, die ich aber zum Leben erweckt sehen will. Wieso gibt es eigentlich kein Biopic über Albert Einstein? Oder über Ernst Thälmann? Wer traut sich, den Kinski zu spielen? Und wann kommt endlich ein Biopic über Jennifer Lawrence. Kann die doch auch selber spielen, merkt doch keiner.

 

Stattdessen gibt es in den nächsten Monaten erstmal wieder Jackie Kennedy, Miles Davis und, kuck an, Edward Snowden. Vielleicht gibt es im Bereich Biopics sogar noch Überraschungen. Ein Film über Donald Trump zum Beispiel, teils biographisch, der aber weitergesponnen wird, über den Tag Null, also heute, hinaus.

 

 

Das wäre dann zwar kein Biopic mehr, wohl aber faszinierend. Dann müssten die Berühmtheiten ausnahmsweise mal ihr Leben nach dem Film ausrichten und nicht umgekehrt. Vielleicht wird dann die Welt ein bisschen besser.

 

 

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In der Reihe DIE KLEINE GENREFIBEL habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sämtliche Genre, Subgenre, Mikro- und Nanogenre des Genrefilms vorzustellen. Eine Aufgabe, die mich bis weit nach mein Lebensende beschäftigen wird. Ich lege den Fokus auf Dramaturgie und Buch, werde mich aber auch mit der Inszenierung sowie den jeweils besten Vertretern befassen.

 

Lesen Sie in der nächsten Folge:

 

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2 Comments

  1. Antworten

    […] Musiker und Komponisten bis hin zu zeitgenössischen Popmusikern, mit denen wir uns bereits in der Kleinen Genrefibel Teil 43: Biopic beschäftigt haben. Musik nimmt in Musikerportaits eine andere Erzählebene ein, Musik ist in […]

  2. Antworten

    […] immer wieder anders. Ein Fantasy-Epos, eine Geschichte über den amerikanischen Bürgerkrieg, eine Biopic über Martin Luther King, all diesen Geschichten liegt eine epische Erzählweise inne, die sich […]

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de