corps d’amour

Wenn ich mal nicht Drehbücher überarbeite, Stoffe entwickle, logline oder pitche, verfalle ich ab und zu in die dunkle Seite des Script-Doktoren-Daseins. Ich gehe dann die Kellertreppe hinab in mein kleines Labor, welches ich mir aus Yps-Helften, alten Schrauben und Muttern und lediglich mit einem Stück Bast zusammengeschraubt habe. Dort auf dem Seziertisch, einer alte Werkbank, mache ich mich daran, an unschuldigen Hollywoodschönheiten herum zu operieren. Dazu bringt mich einerseits mein darwinistischer Forscherdrang, andererseits profane Dinge wie Langeweile, Neugierde gegenüber weiblichen Reizen oder das Herbeisehnen eines kreativen Impulses.

 

Besonders Letzteres ist ein Kampf gegen Windmühlen. Einen kreativen Impuls kann man beim Spülen von Plastiktellern haben wie beim Züchten von Obstfliegen. Es ist streng genommen Wurschd. Gerade wenn man sich beruflich durch Genrematerial wühlt, auf der Suche nach einem Fitzelchen unbefleckte Storyerde, sind sogenannte Was-Wäre-Wenn-Szenarien ein gutes Mittel, um den eingefahrenen Stoffhorizont zu erweitern. Ich sitze manchmal da und frage mich, wie wohl Ellen Page als Vampirluder ausschauen würde, oder Jennifer Lawrence als Joker. Man kann auch ausharren, bis sich mal jemand bequemt, die eigenen Phantasien zu visualisieren. Doch darauf kann man manchmal lange warten. Wenn´s Dir nich gefällt, mach einfach neu. Gerade im Spiel mit alternativen Filmuniversen kann manchmal ein Lichtlein der Erleuchtung auffunzeln.

 

 

 

 

 

Auch wenn man bereits ein eigenes Projekt entwickelt hat und es pitchen will, können visuelle Denkanstöße nicht schaden. Besonders bei Figurenbeschreibungen, die man gern mal in Präsentationen mit dem Bild eines Schauspielers anreichert. Meiner Erfahrung nach geht das aber meist nach hinten los. Denn die Fähigkeit zur Abstraktion ist nicht jedem gegeben.

 

Meist deuten Verantwortliche im Bereich Stoffentwicklung Visualisierungen von Figuren mit Besetzungsvorschlägen fehl. Dabei kann man auch mit einem Bild einen Marketingclou ansetzen, der sich mittlerweile im Bereich Pitching und Werbung durchgesetzt hat: der Typenvergleich. Wie oft höre ich bei Figurenbeschreibungen: schüchterner Nerd á la Michael Cera oder Jesse Eisenberg, oder eben schlicht dieser Ellen-Page-Typ. Sowas wird mittlerweile genauso gerne gemacht wie Story- oder Genrebeschreibungen á la SAW meets SEVEN oder DIE HARD im Eishockeystadion. Wenn man pitcht, finde ich es als legitim, auch Figuren visuell zu markieren, wenn man sie als Typenvergleiche benutzt.

 

 

Man kann visuelle Experimente durchaus durchführen, um Dinge im Stoffentwicklungsprozess eine konkrete Form zu geben oder auch einfach nur, um sich selbst einen bildhaften Denkanstoß zu geben. Vielleicht auch einfach nur aus Spaß oder Entspannungsgründen. Mit ein paar eigenen Basteleien und Schöpfungen aus dem Versuchslabor will ich dazu anregen, im Entwicklungsprozess eines Filmstoffes vor allem visuell an die Materie heranzugehen. Viel Spaß mit ein paar wunderschönen Aktricen in vorher nie gesehen Schauerrollen.

 

 

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Christian Hempel | Autor, Dramaturg und Stoffentwickler | Gesslerstraße 4 | 10829 Berlin | +49 172 357 69 25 | info@traumfalter-filmwerkstatt.de